Island: Golden Circle mit Geysir, Gullfoss und Thingvellir

Nahezu jeder Island-Tourist, gerade auch die, die nicht viel Zeit haben, befährt in einer Tagestour den „Golden Circle„. Gleich drei Hauptattraktionen der Insel liegen auf dieser Rundstrecke: die berühmte Geysir Region, der Wasserfall Gullfoss und der Nationalpark Thingvellir . Links und rechts dieser „Rennstrecke“ (es gibt tatsächlich Fluggäste, die den Golden Circle in wenigen Stunden Aufenthalt bei einem Stopover „abreißen“) gibt es aber noch viele weitere Naturwunder zu bestaunen. Es lohnt sich also, etwas länger zu verweilen, die Hauptsehenswürdigkeiten sind aber an einem Tag von Reykjavik aus gut zu machen.

Das Wetter ist auch an unserem dritten Island-Tag hervorragend, blauer Himmel und Sonnenschein. Wir wissen, wir werden mächtig verwöhnt, das geht auf Island auch ganz anders. Isländer haben uns erzählt, dass sie im „europäischen Jahrhundertsommer 2018“ keine Woche durchgängig gutes, sprich trockenes, Wetter hatten. Jetzt, Ende Mai/Anfang Juni 2019, genießen sie schon tagelang das sonnige Wetter. Die Isländer erkennt man jetzt daran, dass sie in kurzen Hosen und T-Shirts (bei 10 bis 12 Grad!) herumlaufen, die Touristen immer noch in Funktionskleidern und mit Mützen…

Wir starten also (wir geben zu: in Funktionskleidung und mit Mützen, aber voller Elan) früh am Morgen mit unserem Mietwagen in Reykjavik und nehmen die Route 1 in Richtung Selfoss, ab hier die Route 35 in Richtung Reykholt. Während wir den Tag zuvor durch die recht junge und wenig bewachsene Lava-Landschaft der Reykjanes-Halbinsel gefahren sind (siehe Islands Tierwelt: Von Walen, Islandpferden und Papageitauchern), zeigt sich hier größtenteils ein anderes Bild. Insbesondere die Gegend um Selfoss und links und rechts der Straße nach Reykholt ist die Landschaft sehr grün, es gibt sogar Wälder (klingt lustig, ist aber tatsächlich etwas Besonderes auf Island) und viele Lupinenfelder. Auf den Wiesen weiden Pferde und grasen Schafe, mitunter muss man auch aufpassen, weil letztere ausbüchsen und auf die Straße laufen. Und rund um die Städte und Dörfer gibt es zahlreiche, mit geothermischer Energie beheizte Gewächshäuser, in denen das Obst und Gemüse der Insel angebaut werden (siehe auch Island: Naturwunder am Rand Europas). Auch wir kaufen hier Erdbeeren. Die kleinen Früchte sind extrem aromatisch und garantiert ungespritzt wie uns der Bauer versichert, wir genießen sie also gleich im Auto.

Geothermalgebiet Geysir

Nach rund 90 Minuten Fahrt erreichen wir das Haukadalur-Tal mit dem Geothermalgebiet Geysir. Hier gibt es einen großen Parkplatz, einen Souvenirshop und Cafés/Restaurants – das lässt tief blicken. Wir sind (absichtlich) schön früh dran, kaum Autos stehen hier und schon gar keine Busse (die kommen dann aber, als wir wieder gehen). Wir haben das Thermalgebiet also fast für uns alleine!

Das rund um die Uhr geöffnete und kostenlos zugängliche Gebiet betreten wir durch einen Durchgang auf der anderen Straßenseite, wo uns ein Schild über Geysire allgemein und die Gefahren aufklärt (immer mit dem Wind in den Rücken hinstellen, damit man nicht vom heißen Wasser verbrüht wird – das nächste Krankenhaus ist 62 Kilometer entfernt!). Links und rechts des Weges befinden sich kleinere heiße Quellen und „Mini-Geysire“. Geysire entstehen, wenn in einem engen Kanal aufgrund des Wasserdrucks der Siedepunkt steigt, also das Wasser trotz 100 Grad nicht kochen kann. Steigen einzelne Blasen auf, entlädt sich der Druck und das Wasser schießt explosionsartig nach oben.

Der hier befindliche Große Geysir, auf isländisch Stóri Geysir, ist der älteste bekannte Geysir der Welt (im 13. Jahrhundert erstmals beschrieben) und war namensgebend für alle Geysire weltweit. Er schoss sein Wasser 70 bis 80 Meter in die Höhe (noch höher ist nur der Geysir „Steamboat“ im Yellowstone NP in den USA, der sehr unregelmäßig, aber bis zu 120 Meter hoch „spuckt“). Heute bricht der Stóri Geysir nur noch sehr selten aus und meist im Rahmen von Erdbeben und vulkanischer Aktivität (zuletzt 2000). In seiner Nachbarschaft befindet sich aber der Geysir Strokkur – und der ist höchst besucherfreundlich und bietet den staunenden Gästen alle 10 bis 15 Minuten eine Eruption.

Wir prüfen also die Windrichtung, beobachten das Wasserloch und müssen nicht lange warten. Unmittelbar vor dem Ausbruch zeigt sich stets eine „Blase“, dann schießt das Wasser nach oben – ein faszinierender Anblick!!! Unsere Kleine schreit beim ersten Mal vor Freude und Ehrfurcht auf und beide Kinder können sich am Anblick gar nicht satt sehen. Jedes Mal sieht die Fontäne anders aus, mal dickbauchig und niedrig, mal kerzengerade. Wir bestaunen mehrere Ausbrüche, mal mit Kamera, mal ohne und können uns kaum losreißen. Was ein Erlebnis!

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Der Wasserfall Gullfoss

Nur wenige Kilometer vom Geysir-Gebiet entfernt (vorbei an Pferdeställen mit für isländische Verhältnisse fast schon „Massentierhaltung“) liegt eine weitere Attraktion. Unbedingt beachten: In der Ferne sieht man bei dem tollen Wetter schön die Ausläufer des Gletschers Langjökull (sieht auf den ersten Blick fast aus wie Wolken). Wieder einmal denken wir „beim nächsten Mal…“.

Auch hier erwarten uns mehrere große, kostenlose Parkplätze (erneut holen uns die Busse auf dem Rückweg ein – auch hier gilt: Am besten früh da sein!) und der Eintritt ist frei. Ein Schild klärt uns über die Wege rund um den Wasserfall auf und darüber, wie die Tochter eines nahe gelegenen Bauernhofs verhinderte, dass der Gullfoss zur Energiegewinnung genutzt wurde. Sigridur Tómasdottír ist auch ein Denkmal vor Ort gewidmet. Seit 1979 steht der „Goldene Wasserfall“, so die Übersetzung, unter Naturschutz.

Den Wasserfall selbst sieht man von der Ebene aus zunächst gar nicht, nur die aufsteigende Gischt verrät ihn. Wir laufen los und haben das Naturwunder schon bald vor Augen. Der Gletscherfluss Hvítá (vom Lanjökull kommend) stürzt hier über zwei breite Stufen, die fast rechtwinklig zueinander stehen, in eine enge Klamm. Die erste Kaskade ist 11 Meter, die zweite 21 Meter hoch, die anschließende Klamm bis zu 70 Meter tief.

Schon von Weitem begrüßt uns der Wasserfall mit seiner Gischt (Achtung mit den Kameras!). Am Ende des Weges ist der imposante Wasserfall aus nächster Nähe von einer „natürlichen Plattform“ aus zu bestaunen. Die Sonneneinstrahlung zaubert dazu noch hübsche Regenbogen über das tosende Wasser. Welch ein Naturschauspiel! Auch hier können wir uns kaum satt sehen und sind begeistert.

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Baden in heißem Thermalwasser: Secret Lagoon

Beim Wasser bleiben wir, es geht zurück zur Geothermie. Zahlreiche heiße Quellen gibt es in dieser Gegend, teils auf Privatgelände aber zugänglich (mitunter gegen einen Obolus wie „Hrunalaug“), teils als öffentliche Bäder. Die „Privaten“ hätten uns eigentlich besser gefallen, aber es ist schon zu spät, um in so einem kleinen Bad bei diesem Wetter noch einen Platz zu ergattern, erst recht zu viert. Also fahren wir zur Secret Lagoon in Flúdir.

Dieses Thermalbad ist alles andere als geheim, es wird (leider) auch von Gruppen angefahren, also Einsamkeit darf man hier (zumindest in der Saison) nicht erwarten. Es ist aber auch preislich deutlich günstiger als die berühmte „Blaue Lagune“ und natürlichen Ursprungs (die Blaue Lagune ist das „Abfall“-Produkt eines Geothermalkraftwerks, das die heißen Gewässer zur Stromerzeugung aus der Tiefe heraufpumpt und anschließend in den See leitet). Der Vorteil der Secret Lagoon gegenüber privaten Quellen ist, dass es über blitzsaubere Umkleiden mit Toiletten, Spinden, Fön und Duschen verfügt.

Obwohl wir vor der offiziellen Öffnungszeit (11 Uhr) dort eintreffen, hat es schon geöffnet (vielleicht wegen des blendenden Wetters?). Wir zahlen den Eintritt (Kinder sind frei) und begeben uns in die Umkleiden. Wie immer in isländischen Bädern wird man schon an der Kasse, spätestens aber unter der Dusche (da steht oft jemand!), dazu aufgefordert, sich nackt unter die Dusche zu stellen (lustig: lest euch mal die Kommentare amerikanischer Gäste in diversen Foren zu den Bädern durch, die entkleiden sich überhaupt nicht gern vor Fremden). Also säubern wir uns ordnungsgemäß und steigen anschließend ins warme Nass. Das ist herrlich angenehm, an manchen Stellen wärmer, dann wieder etwas kälter, immer so um die 35 bis 40 Grad. Am Ende, als uns fast schon schwindelig ist vom warmen Wasser, laufen wir noch einmal rund um das Becken, schauen in den daneben liegenden Fluss mit seinen heißen Quellen und zu den benachbarten Gewächshäusern, bevor es zum Mittagessen geht.

Nationalpark Thingvellir (isländisch: Þingvellir)

Unser letzter Stop des Tages ist der Nationalpark Thingvellir, seit 2004 zum UNESCO Welterbe gehörend. Der Nationalpark ist in zweierlei Hinsicht interessant. Erstens aus geologischer Sicht, denn hier treffen zwei Kontinentalplatten aufeinander, die nordamerikanische und die eurasische. Diese Grabenbruchzone ist quasi die Fortsetzung des Mittelatlantischen Rückens, der auf der Nordhalbkugel auf Island und auf den Azoren (siehe auch: Azoren: Grüne Inseln im Atlantik) an der Erdoberfläche zu sehen ist.  Während die Schlucht hier immer weiter auseinander driftet (jährlich um bis zu zwei Zentimeter), senkt sich gleichzeitig der Talboden ab – eine imposante Spalte ist das Ergebnis, umringt von Vulkanen und stark erdbebengefährdet.

Zweitens hat Thingvellir eine große geschichtliche Bedeutung für Island. Es ist, auch wörtlich übersetzt, die „Ebene der Volksversammlung“, hier fand bereits ab 930 (bis zur Auflösung durch die Dänen 1798) das jährliche „Althing“ statt (mit gesetzgebender und gerichtlicher Funktion), das damit als eines der ältesten Parlamente weltweit gilt. Noch einmal geht die Gegend in die isländische Geschichte ein, als von hier aus am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen wird.

Wir fahren als erstes den Parkplatz am (Multimedia-)Besucherzentrum Hakid an (P1, auf der „nordamerikanischen“ Seite), in dem man alles mögliche über die Geschichte und Geologie erfahren kann. Hier muss zum ersten Mal eine Parkgebühr entrichtet werden (wie in Island üblich elektronisch mit Kreditkarte unter Angabe der Autonummer). Entsprechend der Tageszeit ist mächtig was los, inmitten der „Massen“ bewegen wir uns in Richtung Grabenbruch und haben in der Tat eine sehr gute Aussicht über die Spalte, die „in Eurasien liegende“ Ebene mit dem See Thingvallavatn und die Vulkane. Ebenfalls auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich die Thingvallakirkja (hier hängt die Islandglocke) und das fünfgieblige Haus (Thingvallabaer, früher Wohnort des Pfarrers, heute Parkverwaltung).

Aber wir finden es hier eindeutig zu voll und fahren ein Stück weiter die Straße hoch zum Parkplatz P3 (ausgeschildert mit Öxararfoss – der Wasserfall, der Parkplatz ist sogar kostenlos). Wenn man hier in den Graben steigt, hat man ihn fast für sich – denn die Busse halten hier nicht!

Das tun wir dann auch und genießen die Stille, die landschaftliche Schönheit und machen Fotos von den Kindern, symbolisch eines in Nordamerika, eines in Eurasien stehend. Für die GoT-Kenner (siehe auch Dubrovnik: Game of Thrones Special) sei angemerkt: Durch diese Schlucht liefen auch schon Sansa und Kleinfinger Petyr Baelish auf dem Weg nach Hohenehr, und auch Arya und der Bluthund Sandor Clegane waren in dieser Gegend gemeinsam unterwegs.

Unser Tipp für alle Thingvellir-Besucher lautet also: Unbedingt auf dem Parkplatz P3 (ausgeschildert, nördlich vom Besucherzentrum direkt an der Route 36) parken und von hier aus in den Graben steigen! Mit diesem Spaziergang geht ein erlebnisreicher Tag zu Ende, der endgültig dafür gesorgt hat, dass wir uns in Island verliebt haben. Wir kommen ganz sicher wieder!

 

 

2 Kommentare zu „Island: Golden Circle mit Geysir, Gullfoss und Thingvellir

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  1. Super Bericht über die Naturwunder Islans. Ich brauche keinen Reiseführer
    Ich erkunde Island nach deinen Berichten. Sehr exakt und zum nacherkunden bestens geeignet. Prima

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  2. Wenn ich Deinen Bericht so lese, verliebe ich mich gleich wieder aufs Neue in Island. Fast hätten wir uns dort getroffen 😉🤓 , wir sind am 02.06. zurück gekehrt 😍

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