Ostfriesische Badevergnügen: Festland, Insel oder See?

Rund 90 Kilometer lang ist die ostfriesische Festlandküste, genug Platz für schöne Strände, sollte man meinen. Allerdings ist dieser Küstenabschnitt bekanntermaßen Teil des Weltnaturerbes Wattenmeer. Zwar bietet die besondere Natur dieses Nationalparks einzigartige Erlebnisse wie zum Beispiel Wattwanderungen, die auch überall angeboten werden. Aber gibt es auch schöne Strände?

Wir versuchen unser Glück zunächst am bekanntesten Strand in dieser Gegend, in Norddeich, der von vielen Internetseiten als der schönste gepriesen wird. Tatsächlich bietet dieser Stadtteil von Norden einen acht Hektar großen Strand am „Haus des Gastes“ und investiert derzeit noch mehr Geld in dessen Ausbau. Liegt es vielleicht an den Bauarbeiten, dass der Strand so gar nicht an uns geht? Oder liegt es daran, dass wir von den Ostseestränden so begeistert waren? Oder daran, dass hier (zu) viel los ist? Oder daran, dass die Strandkörbe (vielleicht aufgrund der Bauarbeiten) zumindest teilweise auf einem eher betonartig wirkenden Sandstrand und teils auf einer Grünfläche und nicht auf feinem Sand stehen?

Bleiben wir fair, hier wurde und wird viel investiert in eine hübsche Promenade und weitere touristische Infrastruktur. Man kann schön auf dem Deich laufen und den Drachensteigern zuschauen, auch Wassersport aller Art wird geboten. Aber eine Herzensangelegenheit wird dieser Strand nicht für uns.

Wenn ihr in Norddeich seid, sei euch wärmstens die nur einen Fußmarsch entfernte Seehundstation Norddeich und die daneben liegende Mini-Golfanlage und Labyrinth empfohlen (siehe Ostfriesland: Von Krabben, Seehunden und dem Ewigen Meer).

Einen weiteren Festlandstrand haben wir noch angeschaut, nämlich den kleinen Strand am Hafen von Neßmersiel. Allerdings eher „zwangsläufig“, denn von hier aus haben wir eine Tagesfahrt nach Baltrum unternommen. Nun ja, nachdem uns schon Norddeich nicht überzeugt hat, tat es Neßmersiel auch nicht – erst recht nicht bei Ebbe, wenn sich vor dem Sand der Schlick zeigt. Immerhin war hier weniger los, aber ein schöner Sandstrand mit guter Bademöglichkeit ist wohl an der Wattenmeer-Festlandküste nur in St. Peter-Ording zu finden… Oder hat jemand noch einen Geheimtipp?

Also versuchen wir es als nächstes auf einer der Ostfriesischen Inseln. Ohne Kinder waren wir bislang auf Spiekeroog und Langeoog und beide haben Traumstrände, die auf den Inseln der „Normalfall“ sind. Dieses Mal sollte es Baltrum sein, aus eher ungewöhnlichen Gründen. Erstens: Spiekeroog, Langeoog, Juist und Norderney kennen viele, aber wer war schon einmal auf Baltrum? Zweitens: Die Fährzeiten passten in unsere Planung, die Fährüberfahrt ist kurz und im Vergleich zu anderen Inseln deutlich günstiger. Drittens: Bei der Überfahrt fährt man an den Seehundbänken Norderneys vorbei und sieht die Tiere, die wir im Seehundhaus Norddeich gesehen hatten, auch einmal in freier Wildbahn.

Tatsächlich ist allein schon die Überfahrt nach Baltrum ihr Geld wert. An der Meerenge zwischen Norderney und Baltrum, am östlichen Ende von Norderney, sehen wir das Schiffswrack des Schillsaugers Capella (Schill ist ein marines Sediment, das früher u.a. zu Düngemittel verarbeitet wurde) und gleich daneben die Seehundbänke von Norderney, wo sich zahlreiche Tiere am Strand räkeln und teilweise auch ganz in der Nähe unseres Schiffes schwimmen. Unbedingt bei der Überfahrt nach Baltrum auf die linke Seite des Schiffes setzen!

Angekommen auf Baltrum erwartet uns eine freudig winkende und Begrüßungsschilder schwenkende Menschenmenge. Wir winken fröhlich zurück und fragen uns, ob das „üblich“ ist, oder einem heimkehrenden Inselbewohner galt. Wie auch immer, es war sehr nett, wir fühlten uns gleich sehr willkommen!

Baltrum ist ziemlich klein (die kleinste der sieben bewohnten Inseln) und autofrei, familienfreundlich und liebenswert – so die offizielle Baltrum-Internetseite. Die gleiche Seite schreibt aber auch: „Attraktionen sucht man hier auf der Insel vergebens“ – das finden wir schon sehr „tief gestapelt“. Allein schon die Überfahrt und der Strand sind für uns eine Attraktion. Daneben sind es die kleinen Dinge, die uns erfreuen wie Feldmann’s Fischecke mit leckeren Fischbrötchen und Fisch-Snacks. Wir finden: Für eine Tagesausflug lohnt sich Baltrum auf jeden Fall, auch wer ein paar Tage Ruhe sucht, ist hier genau richtig!

Der vierte Grund für die Wahl von Borkum war übrigens, dass wir unbedingt ein Abendessen im Restaurant Fährhaus Nessmersiel genießen wollten, das zu den Bib Gourmand Restaurants gehört. Und es ist wirklich zu empfehlen!

Halten wir also fest: schöne Badestrände haben wir an der Festlandküste nicht gefunden, wohl aber auf den Inseln. Und wie sieht es mit Alternativen aus? Hier werden wir in der Tat fündig an einem der zahlreichen Seen, nämlich am Tannenhäuser Badesee bei Aurich. Im Gegensatz zu Baltrum wird hier nicht mit seinen Reizen gegeizt – Ostfrieslands schönster Beachclub befindet sich hier, ist am Eingang zu lesen.

Hinter dem Eingangstor (ein Eintritt wird – derzeit? – nicht erhoben) finden wir eine großzügige Anlage mit schönem Strand, klarem Wasser, Spielplätzen, Imbissen/Restaurants und sonstiger Infrastruktur. Auch verschiedene Wassersportaktivitäten gibt es hier, darunter sogar eine Wakeboard- und Wasserskianlage. Am Tannenhäuser Badesee kann man es wahrlich aushalten und er ist uns weit sympathischer als die Festlandstrände – aber das ist vermutlich Geschmackssache. Ein weiterer großer Badesee ist übrigens das Timmeler Meer in Großefehn, das wir allerdings nicht besucht haben. Wer also aus Zeit- oder Kostengründen nicht zum Baden auf die Inseln fahren möchte, findet an den ostfriesischen Badeseen eine gute Alternative.

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