Ostfriesland: Von Krabben, Seehunden und dem Ewigen Meer

Unser Urlaubsstandort Emden eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Touren ins Umland. Gleich hinter der Stadtgrenze beginnt die Krummhörn, eigentlich „nur“ eine Gemeinde, aber umgangssprachlich für den gesamten Landstrich zwischen Emden und Greetsiel stehend.

Das landwirtschaftlich geprägte Gebiet wird von zahlreichen Kanälen durchzogen, auf grünen Wiesen weiden Schafe und Kühe. Kleine Warfen- und Fischerdörfer mit hübschen Dorfkirchen und immer mal wieder einer Windmühle prägen das Bild. Unser erster Stop gilt dem Pilsumer Leuchtturm unweit von Greetsiel. Der kleine Parkplatz am Leuchtturm ist rasch überfüllt, wir parken wie so viele entlang der Straße. Auf dem Weg zum Leuchtturm passieren wir das Leyhörner Naturschutzgebiet, wo der NABU Vogelbeobachtungsstationen errichtet hat. Die Leybucht ist das größte zusammenhängende Gebiet von Salzwiesen und Wattflächen in der Deutschen Bucht und ein Anlaufpunkt zahlreicher Wasservögel – wer mehr dazu wissen will, dem sei das Nationalparkhaus in Greetsiel empfohlen.

Der Leuchtturm selbst ist überraschend klein, dafür umso farbenfroher. Vorbei an Schafen laufen wir dem gelb-rot geringelten Wahrzeichen laufen wir ihm auf dem Deich entgegen. Falls er euch bekannt vorkommt: Er wird auch „Otto-Leuchtturm“ genannt, da er diesem im Film „Otto – Der Außerfriesische“ als Wohnort diente und auch im Film „Otto – Der Katastrofenfilm“ eine Rolle spielt – daneben übrigens auch noch in einem Tatort. Heute wird er als Trauzimmer genutzt, wovon auch ein großes Herz mit zahlreichen „Liebesschlössern“ zeugt.

Ein weiterer Leuchtturm in der Nähe ist der Campener Leuchtturm. Dieser ist jedoch von außen nicht sehr hübsch und coronabedingt geschlossen.

Vom Pilsumer Leuchtturm aus ist es nicht weit nach Greetsiel. Wir erreichen den bekannten Küstenort von Westen und parken unweit der bekannten Doppelwindmühlen. Schon am Ortseingang ist ersichtlich, wie prominent und beliebt das Örtchen ist. Hatten wir bislang kaum Berührungsängste wegen Corona, hier herrscht ein grenzwertiger Trubel. Kein Wunder, bei den gepflegten historischen Giebelhäuschen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und dem malerischen Sielhafen, der Ostfrieslands größte Krabbenkutterflotte beherbergt. Wir schieben uns also mit der Horde durch die engen Gässchen und machen die obligatorischen Fotos des wirklich sehr hübschen Örtchens. Interessiert hätte uns hier vielleicht noch eine Krabbenkutterfahrt, die uns jenseits des Atlantiks bei Jekyll Island so gut gefallen hat, aber da die Möglichkeiten coronabedingt eingeschränkt sind, fahren wir bald wieder weiter.

Die nächste größere Stadt an der Küste ist Norden mit seinem bekannten Badevorort Norddeich. Hier erwartet uns das Highlight während unseres Ostfrieslandurlaubs aus Kindersicht: Die Seehundstation Norddeich. Coronabedingt hat diese etwas längere Öffnungszeiten, da immer nur eine bestimmte Anzahl von Besuchern eingelassen wird. Wir sind wie so oft noch vor der eigentlichen Öffnungszeit vor Ort und das ist gut so. Als wir die Station rund zwei Stunden später verlassen, reicht die Schlange bis zur Straße – das sind mindestens 50 Meter.

Die Seehundstation widmet sich der Aufzucht von jungen Seehunden, die von ihren Müttern getrennt wurden. Sie sind in allen Altersklassen anzutreffen, bei unserem Besuch sind es aufgrund der Jahreszeit (sie werden im Juni und Juli geboren) fast 100 „Heuler“. Beobachten kann man die Größeren in einem Schwimmbecken über und unter Wasser, die Kleinen in kleinen „Gehegen“ mit Mini-Plantschbecken für jeweils zwei bis drei Tiere. Die großen dunklen Augen der verspielten Tiere lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen! Da die Tiere wieder ausgewildert werden und daher zu Menschen so wenig Kontakt wie möglich haben sollen, können sie nur durch Glasfenster bestaunt werden, was jedoch völlig ausreichend ist.

  • Norddeich Seehundstation
  • Norddeich Seehundstation
  • Seehundstation Norddeich
  • Norddeich Seehundstation
  • Norddeich Seehundstation
  • Norddeich Seehundstation

Doch es sind nicht nur die Seehunde allein und die interessanten Erläuterungen der Nationalpark-Mitarbeiterin, die den Besuch so spannend machen. Angeschlossen ist eine in hohem Maße interaktive Ausstellung, die Lebensraum und Verhaltensweise der Tiere sehr anschaulich und erlebbar vermittelt. Sie dreht sich nicht nur um Seehunde, sondern auch um andere Bewohner des Wattenmeers wie Muscheln oder verschiedene Wasservögel. Besonders gut hat uns die mit dem Körper zu steuernde „Forschungsreise“ im Wattenmeer sowie die simulierten Seehundzählung per Flugzeug gefallen.

Und wer danach noch Zeit und Lust hat, dem seien die benachbarte hübsche Mini-Golfanlage und das Labyrinth samt Quizspiel empfohlen. Veranschlagt werden hier durchschnittlich 45 Minuten und wir waren fast ein bisschen enttäuscht, dass wir schon nach 25 Minuten damit fertig waren, denn es hat uns viel Spaß gemacht.

Und noch ein letzter Tipp gleich um die Ecke: besucht das Restaurant Havanna im benachbarten Ocean Wave. Wir waren sehr skeptisch – ein Restaurant in einem Schwimmbad?!? Die guten Bewertungen und die Auflistung bei den Michelin-Restaurants gaben den Ausschlag und wir wurden nicht enttäuscht.

Ein weiterer Ausflug führt uns zum Ewigen Meer bei Eversmeer. Mit 91 Hektar Wasserfläche ist das Ewige Meer der größte Hochmoorsee Deutschlands und steht unter Naturschutz. Ein Bohlenweg führt vom Parkplatz durch das Moor zu einer Aussichtsplattform am See, aufgrund von Arbeiten am Bohlenweg ist derzeit (Sommer 2020) kein Rundweg möglich. Nett gemacht: Der Moorlehrpfad bietet mit Schautafeln und kleinen Spielen Unterhaltung auf dem (kurzen) Weg zum See, der sogar kinderwagentauglich ist.

Und wer anschließend Lust auf ein Tässchen Ostfriesentee oder einen Kuchen hat, dem sei das Café zum Ewigen Meer nahe dem Parkplatz empfohlen. Unsere schönste Location für einen zünftigen Ostfriesentee befindet sich jedoch in der Westgaster Mühle in Norden. Neben der Teestube mit Café und Biergarten gibt es hier noch einen Hofladen und die Möglichkeit, die Mühle zu besichtigen. Der Tee wird natürlich serviert mit „Kluntje“ (große Kandiszucker-Stücke) und Sahne, die sich dann als „Wulkje“ in der Tasse wiederfindet. Unbedingt versuchen!

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