Schiermonnikoog: Paradies für Radfahrer und Strandläufer

Die Nordsee-Inseln haben die schönsten Strände – das haben wir bereits gelernt. Und hübsche Inseln gibt es auch jenseits der Grenze in den Niederlanden. Also beschlossen wir kurzerhand, die Insel Schiermonnikoog zu besuchen, die kleinste und östlichste der westfriesischen Inselgruppe.

In Covid-19-Zeiten ist schon der Grenzübergang ein kleines Ereignis. Während zu unserer Urlaubszeit in Schleswig-Holstein eine Tagesfahrt nach Dänemark, ja sogar nach Mecklenburg-Vorpommern, nicht möglich war, passieren wir problemlos die Grenze zu den Niederlanden und empfinden das fast so, als ob wir etwas „Gewagtes“ tun.

Vorbei an einer ähnlichen Landschaft wie auf der anderen Seite der Grenze, mit Kuhweiden auf Poldern, Kanälen und hübschen Windmühlen, erreichen wir bald schon den Fährhafen in Lauwersoog. In einem großen Parkhaus, das sehr gut gefüllt ist, stellen wir unser Auto ab. Wir haben vorab Fahrkarten im Internet gekauft, das war allerdings leider nicht für einen bestimmten Tag/Uhrzeit möglich, daher sind wir früh vor Ort.

Zum wie sich später herausstellt einzigen Mal in den Niederlanden müssen wir im Fähr-Terminal und auf der Fähre Masken anziehen, was die Niederländer aber schon auf der Fähre nicht mehr so genau nehmen. Später im Restaurant trägt keiner eine Maske, wir werden freundlich lächelnd darüber aufgeklärt, dass wir sie nicht tragen müssen – und haben uns damit ohne ein Wort zu sprechen als Deutsche geoutet.

Die Überfahrt ist kurz und bald erreichen wir den Hafen von Schiermonnikoog. Die meisten Tagesgäste zieht es sofort zum Ende der Mole, hier befindet sich der Fietsenverhuur Veerdam, einer der örtlichen Fahrradverleiher. Auch hier haben wir vorab reserviert, was den Vorteil hat, dass wir die lange Schlange überspringen können und direkt zur Ausgabe geleitet werden. Aus einer riesigen Vielfalt von Rädern haben wir zwei Tandems ausgewählt, das wollten wir schon immer einmal testen. Für unsere jüngere Tochter die Variante mit „Kind vorne“, die ältere nimmt hinter dem Vater Platz.

Wie wir schon bald feststellen, hat beides so seine Tücken und wir schwanken die erste Zeit ziemlich unsicher auf unseren Doppelrossen. Ich kämpfe mit der langen Achse, die große Tochter damit, dass sie hinter dem Vater nichts sieht und seinen in ihren Augen mitunter waghalsigen Manövern hilflos ausgeliefert ist. Einzig die Kleine fühlt sich von Anfang an rundherum wohl und lässt sich gerne durch die Gegend schaukeln. Aber als sich die Tagesgäste etwas besser verteilen und wir mehr Sicherheit auf dem Rad gewinnen, macht es Spaß!

Und das autofreie Schiermonnikoog ist wahrlich eine Insel für Radfahrer! Für Fußgänger ist sie, zumindest für Tagesgäste, zu weitläufig, allein der Weg vom Fähranleger zum Dorf ist etwa 4 Kilometer lang. Zwar pendelt auch ein Bus zwischen Fährterminal und Ort, aber dann entgeht einem in unseren Augen eine der Hauptattraktionen der Insel, die Radwege durch die Dünen, über die Salzwiesen und auf dem Deich. Wir haben Glück, die Sonne strahlt und der Wind hält sich zurück, was das Vergnügen noch größer macht.

Besonderes schön ist der westliche Weg Westerpad, vorbei am See Westerplas mit seinen Wasservögeln (hier gibt es auch eine Vogelbeobachtungshütte) und zum Westerstrand (die Namensgebung ist sehr innovativ, aber immerhin wissen wir sofort, wo wir sind). Am Westerstrand empfängt uns ein unbewirtschafteter Traumstrand und dazu noch wunderschöne Dünen. Tatsächlich ist der Strand hier im Südwesten der Insel mit einer Breite von bis zu einem Kilometer einer der breitesten Europas – und noch dazu einer der saubersten der Niederlande. Die ganze Insel ist übrigens Nationalpark und gehört sogar zum Weltnaturerbe.

Weiter auf diesem Weg gelangen wir zum weithin sichtbaren Wahrzeichen der Insel, dem Leuchtturm Noordertoren (ah, wir sind in einer anderen Himmelsrichtung gelandet!) am Ortsrand des Inselortes. Sehr hübsch anzuschauen, der rote Turm auf den Dünen, und einen tollen Blick hat man von hier aus auch.

Danach steht uns der Sinn nach Mittagessen, wir wählen das Restaurant Noderstraun mit einer schönen Terrasse unweit des Strands und einer wahnsinnigen Auswahl an Bieren aus aller Welt. „Chillig“ finden die Kinder die Atmosphäre auf der Terrasse mit Blick auf Dünen und Leuchtturm und auch wir empfinden die ganze Insel als sehr „entschleunigend“.

Anschließend geht es natürlich auch noch an den Haupt-Strand. In seiner Weitläufigkeit, Feinsandigkeit und mit den Strandseglern erinnert er uns ein bisschen an St. Peter-Ording. Hier lässt es sich, erst recht bei unserem strahlenden Sonnenschein, aushalten! Wir legen uns in den warmen weißen Sand und lassen die Seele baumeln. Wer aktiver sein will, kann hier nicht nur strandsegeln, sondern auch kilometerweit (um genau zu sein 16 Kilometer lang) am Strand entlang wandern.

Viel zu schnell ist es wieder Zeit, zur Fähre zurückzukehren. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir das Inseldorf. An der Lange Streek, der Hauptstraße, stehen hübsche Backsteinhäuschen, einige werden als Cafés genutzt, andere als kleine Shops. An vielen Häuschen stehen Jahreszahlen, ihr könnt daran sehen, wie alt sie sind. Das protestantische Kirchlein Got Tjark weckt in uns Assoziationen an Neuengland.

Schiermonnikoog hat uns begeistert, die Auszeichnung eines öffentlich-rechtlichen Senders zum schönsten Ort der Niederlande 2006 können wir gut nachvollziehen. Wir kommen gerne wieder!

Ein Kommentar zu „Schiermonnikoog: Paradies für Radfahrer und Strandläufer

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  1. Eine wunderhübsche Erzählung von einer Insel dessen Name mir völlig unbekannt ist in den Niederlanden. Tolle Bilder macht große Lust diese Insel zu besuchen. Mal sehen!

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