Melbourne: Sydneys ewige Konkurrentin

Nach fast drei Wochen Australien sind wir an unserer letzten Station, in Melbourne, angekommen. Von hier aus machen wir noch einige Ausflüge nach Phillip Island zu den Pinguinen, in die Goldstadt Ballarat und das Freilichtmuseum Sovereign Hill und an die Great Ocean Road mit den Koalas und Emus im Tower Hill Reserve.

Doch natürlich schauen wir uns auch die Stadt an, ewige Konkurrentin von Sydney bei der Wahl zur schönsten Stadt Australiens. Wie in Sydney beziehen wir mitten im Einkaufsviertel, in der Bourke Street, unser Hotel. Lustig, genau wie in Sydney haben wir auch hier im „Citadines“ einen hervorragenden Blick aus dem Hotelzimmer auf die Stadt, das geht also schon einmal „Unentschieden“ aus…

Als nächstes machen wir uns auf in den Shopping-District. Dieser liegt rund um die Bourke Street, und zwar sowohl auf der Straße selbst als auch in den Querstraßen und umliegenden Einkaufszentren und Arkaden, darunter mit der Royal Arcade die älteste Ladenpassage Melbournes aus dem Jahr 1869. Interessant auch das Shopping Centre Melbourne Central mit dem 50 Meter hohen Shot Tower aus dem Jahr 1889, in dem früher Bleikugeln gegossen wurden. Innerhalb der City-Quadratmeile liegt übrigens auch die Chinatown Melbournes (Little Bourke Street). Am nördlichen Ende des Einkaufsbezirks befindet sich der große Queen Victoria Market. Die Markthallen sind täglich außer montags geöffnet und samstags besonders lebhaft. Was das Einkaufen betrifft, so entscheiden wir uns in Summe für das lebhaftere Melbourne, wenngleich Sydney mit der George Street, ebenfalls schönen Arkaden, dem Queen Victoria Building, dem Super-Schnäppchen-Markt von Paddy’s und dem Markt in The Rocks nur geringfügig weniger attraktiv ist.

Wer jetzt „fußfaul“ geworden ist, kann sich im Innenstadtbereich mit der kostenlosen „City Circle Tram“ fortbewegen, zum Beispiel zur Flinders Street Station, dem ältesten und bekanntesten Bahnhof Australiens, am Yarra River gelegen (auf dem Foto steht im Hintergrund der Eureka Tower). Direkt gegenüber vom Bahnhof liegt der moderne Federation Square, der gegenwärtig mit Buden für die Australian Open bestückt wird – seufz, leider können wir dieses sportliche Event nicht erleben (und haben stattdessen in Brisbane ausgiebig Tennis geschaut).

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Den Yarra River überqueren wir vom Flinders Walk aus auf der höchst innovativ (nach Feng Shui?) geführten Fußgängerbrücke Evan Walker Bridge. Auf der anderen Flussseite liegt die Southbank. Diese in den 1990er Jahren neu entwickelte Flusspromenade ist die Kultur- und Ausgehmeile Melbournes, mit Museen, Kinos, einem Kasino, zahlreichen Restaurants und tagsüber vielen Straßenkünstlern – das Gegenstück zu Sydneys Darling Harbour. Nun haben wir die Southbank tagsüber besucht, was vielleicht im Vergleich nicht ganz fair ist, denn gerade abends entfalten beide Ausgehviertel ihren besonderen Charme. Trotzdem gefällt uns der Skylineblick und die Atmosphäre in Darling Harbour besser – Punkt für Sydney.

Ebenfalls auf der Southbank liegt der Zugang zur Aussichtsplattform Melbournes, dem Eureka Skydeck. Weil billiger haben wir auch hierfür vorab im Internet Tickets gekauft (nicht zeitgebunden). Vom Eureka Skydeck hat man einen super Blick über den Yarra River und Downtown Melbourne bis zum Meer und ins Umland, und wie unsere Große schweren Herzens bemerkt, zu den Sportstätten rund um die Rod Laver Arena, wo schon alles für die Australian Open aufgebaut ist. Mit der Aussichtsebene auf 285 Metern Höhe ist das Skydeck die höchste Aussichtsplattform der südlichen Hemisphäre.

Wer den besonderen Kick sucht und schwindelfrei ist, der kann sich in The Edge begeben, das Pendant zum Glasbodenrundgang Skywalk am Sydney Tower. The Edge in Melbourne ist einen Glaskasten, der rund drei Meter aus dem Gebäude herausgeschoben wird (kostet natürlich extra). Auf Knopfdruck wird das milchige Glas, inklusive Boden,  durchsichtig – nichts für schwache Nerven.

Unsere Kleine versucht sich stattdessen an der Skydeck Plank. Sie bekommt das ebenfalls kostenpflichtige Zusatz-Erlebnis von einem Paar geschenkt, dessen weiblicher Part gefühlt 15 Minuten gebraucht hat, sich darauf einzulassen – danach wollte der Mann nicht mehr. Beim Skydeck Plank läuft man mit einer VR-Brille ausgestattet über eine Planke aus dem Tower heraus – wer dann nicht vom virtuellen Wind heruntergeweht wird, darf zum Schluss durch Melbournes Häuserschluchten fliegen.

Unser Fazit der Aussichtstürme: Bei beiden hat man natürlich eine tolle Sicht, in Sydney leider nicht auf das Opernhaus (weil verdeckt), dafür ist aber der Naturhafen einiges imposanter, beide Türme haben ihre „Nervenkitzelerlebnisse“. Wir sagen erneut: unentschieden.

Ganz klar die Nase vorn hat Sydney in Sachen Wasser. Nicht nur der schon vielfach erwähnte Naturhafen Port Jackson, der dafür sorgt, dass man in allen Stadtteilen Sydneys nie weit vom Wasser entfernt ist, sondern auch die tollen Strände wie Bondi oder Manly sprechen für Sydney. Zwar liegt auch Melbourne an einem Naturhafen, Port Phillip, aber das Wasser ist im Stadtbild lange nicht so präsent wie in Sydney mit seinen vielen Buchten. Und im Gegensatz zu Melbourne, wo das Wasser auch im Sommer ziemlich frisch ist, lässt es sich in Sydney prima auch ohne Neoprenanzug baden und surfen. Melbournes bekanntester Stadtstrand ist in St. Kilda, etwa 20 Minuten von der Innenstadt entfernt. Wir hatten leider das Pech, dass es in Strömen geregnet hat, als wir da waren. Als Backpacker habe ich vor 25 Jahren extra in St. Kilda gewohnt, der Strand hat mich aber damals auch nicht wirklich vom Hocker gerissen… Ein noch etwas weiter entfernter Strand ist Brighton Beach, bekannt durch seine bunten Badehäuschen.

Hingegen geht ein klarer Punkt an Melbourne für seine Street Art. Es gibt gleich mehrere, recht enge, Straßen, die toll angemalt und teils mit weiteren „Kunstgegenständen“ wie an Leinen hängende Schuhe verziert sind. Die Kunstwerke sind von zumindest in der Szene bekannten australischen, aber auch internationalen Künstlern und werden wohl von Zeit zu Zeit auch übermalt. Die bekannteste dieser Straßen ist die Hosier Lane, aber auch in der AC/DC Lane oder dem Duckboard Place finden sich tolle Graffitis (und sehr viel weniger Touristen). Am Duckboard Place finden wir überraschenderweise auch ein hervorragendes Steakhouse, das A Hereford Beefstouw, wo wir an unserem letzten Abend in Australien essen. Interessanterweise stammt das Konzept aus Dänemark, Ziel ist es, das Essen als Erlebnis zu gestalten. Nebst guten Steaks und Front-Cooking merkt man den puristischen, aber mit Kunstwerken ausgestatteten Innenräumen eine erfahrene Desingnerhand an und auch die Beratung zu Weinen und Gin ist sehr gut.  Und das innovative Restaurant passt gut in die Street-Art-Umgebung!

Was halten wir als Fazit fest? Sicherlich können wir nicht behaupten, beide Städte gut zu kennen. Was wir aber sagen können ist, dass uns beide Städte sehr gut gefallen haben. Sydney hat seine Wasserlage und die spektakulären, weltbekannten Highlights wie das Opera House und Bondi Beach, was Melbourne sicherlich fehlt. Dafür wirkt Melbourne auf uns künstlerischer, innovativer, weniger auf Touristen ausgerichtet. Sehenswert sind sicherlich beide, urteilt selbst!

 

2 Kommentare zu „Melbourne: Sydneys ewige Konkurrentin

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