Wadjemup: Naturparadies statt Rattennest

„Rotte nest“, zu deutsch Rattennest – diesen wenig schmeichelhaft klingenden Namen gab der holländische Seefahrer Willem de Vlamingh der kleinen Insel Rottnest Island, die 18 Kilometer vor der australischen WestkĂ¼ste liegt. Dabei gibt es hier glĂ¼cklicherweise gar keine Ratten und auch keine anderen räuberischen Tiere wie FĂ¼chse oder Katzen. Was der gute Willem sah und als „Riesenratten“ identifizierte, sind Quokkas, Kurzschwanzkängurus, also eine Beuteltierart. Sie kommen im gesamten SĂ¼dwesten von Western Australia vor, sind auf dem Festland jedoch aufgrund eingeschleppter Raubtiere stark dezimiert worden. Nur auf Rottnest Island gibt es noch jede Menge dieser possierlichen Tierchen. Sie sind neben der idyllischen Natur der wesentliche Grund fĂ¼r die zahlreichen Besucher der Insel.

Wadjemup, wie die Insel in der Sprache der Aboriginal People genannt wird, wird mehrfach täglich von Ausflugsschiffen ab Perth und der Hafenstadt Fremantle angesteuert. Wir haben aufgrund der Hochsaison vorab Tickets mit Rottnest Express gebucht und steigen in Downtown Perth an der Barrack Street Jetty unweit des Bell Tower ein. GemĂ¼tlich schippern wir den Swan River hinunter bis nach Fremantle und von dort auf dem Indischen Ozean bis zur Insel. Ab Perth dauert die Fahrt 1,5 Stunden (auf dem Swan River darf zum Gewässerschutz an den meisten Stellen nicht schnell gefahren werden), ab Fremantle nur 30 bis 45 Minuten.

In Wadjemup kommen wir in der Thomson Bay an und holen erst einmal unsere ebenfalls vorab reservierten Fahrräder ab, samt Helmen (Helmpflicht in Australien) und Fahrradschloss. Die Insel ist bis auf wenige erlaubte Fahrzeuge (wie beispielsweise der Touristenbus) autofrei, das 11 Kilometer lange und bis zu 4,5 Kilometer breite Eiland lässt sich mit dem Fahrrad prima erkunden (eine Karte findet ihr hier).

Bei der Erkundung der Insel könnt ihr eigentlich nichts „falsch“ machen, „erlaubt“ ist, was gefällt! Die gängige Empfehlung lautet, die Insel mit dem Fahrrad im Uhrzeigersinn zu umfahren, der Sinn hat sich uns nicht erschlossen, denn gegen den Wind werdet ihr so oder so an manchen Stellen kämpfen. Ich vermute, die Tourismusleute geben diese Empfehlung, damit die Touristen möglichst „alle in eine Richtung“ fahren. Wer nicht so viel selbst strampeln will, kann auch ein E-Bike (oder E-Roller) mieten. Oder wie gesagt den Touristen-Hop-on-Hop-off-Bus nutzen, der an den wichtigsten Stellen hält. Doch ich finde: Das Fahrrad gehört einfach dazu und macht unabhängig!

Und dann heiĂŸt es: GenieĂŸt die fantastische Landschaft und Natur! Ein Strand ist schöner als der andere. Am Nordufer (Pinky Beach beim Bathurst Lighthouse) ist relativ viel los, weil dahinter gleich der Campingplatz liegt. Noch mehr los ist am Strand „The Basin“, der gefällt uns gar nicht. Zu nah an der Fähre, hier können auch alle TagesausflĂ¼gler hinlaufen. Schon deutlich entspannter geht es an der Longreach Bay und Parakeet Bay zu.

Auf der SĂ¼dseite der Insel liegen auch zahlreiche schöne Strände. Immer wieder eröffnen sich beim Radeln tolle Ausblicke auf das tĂ¼rkisblaue Meer, mitunter ist dort sogar ein Schiffswrack zu sichten. Am Parker Point fĂ¼hrt eine Treppe hinunter in die Porpoise Bay. Es folgt der Aussichtspunkt Jeannies Lookout und schlieĂŸlich Little Salmon Beach (an dem es sogar einen Unterwasserschnorchelpfad gibt) und die weitläufige Salmon Bay.

Im Inselinneren liegen mehrere Salzseen, manche davon sind pink. Das liegt entweder an bestimmten Algen oder an Bakterien, die Beta-Carotin produzieren, um sich vor dem starken Sonnenlicht und dem hohen Salzgehalt zu schĂ¼tzen. HĂ¼bsch sieht das aus! Ebenfalls im Landesinneren liegt das Wadjemup Lighthouse – und hier gibt es immer Quokkas. Wir haben schon viele im Hauptort der Insel gesehen, fanden das Spektakel da aber zu „unnatĂ¼rlich“. Die Tiere werden von Horden von Menschen belagert, viele halten sich nicht an die Regeln „nicht anfassen“, „nicht fĂ¼ttern“ und tun alles, um ein Selfie mit den Quokkas zu bekommen. Deutlich entspannter geht es auf dem Weg zum Leuchtturm im Inselinneren zu, hier gilt auch: Quokka-Garantie! Da es weniger Menschen dorthin schaffen, ist die Atmosphäre deutlich entspannter. Wir lernen auf unseren Radwegen Ă¼ber die Insel Ă¼brigens folgendes: Quokkas sind immer da, wo sich Bäume bzw. BĂ¼sche befinden, insbesondere in der Nähe der Myrten – von denen knabbern sie nämlich gerne die Spitzen. Je höher die Temperaturen, desto eher verkriechen sie sich unter die BĂ¼sche und halten tagsĂ¼ber sowieso immer mal wieder ein Schläfchen. Doch wir haben GlĂ¼ck, einige sind putzmunter und sehr neugierig. Meine Tochter legt sich auf den Boden und schwupps – schon sind sie da und schnuppern, ob es nicht doch was Leckeres fĂ¼r sie gibt. Fast schon Ă¼bergriffig sind sie, die kleinen Beuteltiere und kommen wie gesagt von ganz alleine, auch ohne Anlocken, wenn sie Lust dazu haben. Ein tolles Erlebnis!

FĂ¼r Verpflegung ist Ă¼brigens am Hauptort in der Thomson Bay gesorgt, es gibt zahlreiche Restaurants (zur Hochsaison gegebenenfalls reservieren), CafĂ©s und Geschäfte. Dort und vereinzelt auch an den ortsnahmen Stränden finden, sich praktischerweise Wasserspender, also am besten eine Trinkflasche zum AuffĂ¼llen mitnehmen und keinesfalls ohne Wasser losradeln!

Unser Fazit zu Wadjemup: Wir hatten hier viel zu wenig Zeit. Unbedingt die erste Fähre und am besten ab Fremantle nehmen (die Flussfahrt auf dem Swan River nimmt einfach viel Zeit weg). Wer die ganze Insel mit dem Fahrrad erkunden, im groĂŸartigen Meer Baden und Quokkas bestaunen will, braucht einen vollen Tag – wir haben es leider nicht bis zum Ende der Insel geschafft.

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