Knapp drei Autostunden südlich von Perth liegt Margaret River, unser nächster Übernachtungsort. Der Freeway dorthin ist gut ausgebaut und so erreichen wir zügig unser erstes Etappenziel, die Küstenstadt Bunbury.
Bunbury: Dolphin Discovery Centre
In Bunbury liegt das Dolphin Discovery Centre, eine gemeinnützige Institution zum Schutz der lokalen Delfinpopulation mit Bildungs- und Forschungsauftrag. Das Zentrum umfasst neben einem Café/Restaurant und Souvenirshop ein kleines Aquarium und „Meeresentdeckungsbereich“ (kostenpflichtig; natürlich ohne Delfine), es bietet verschiedene Delfin-Touren an und – deshalb sind wir hier – eine „Delfin-Interaktionszone“ (kostenlos). Fast jeden Morgen (beste Chancen bestehen zwischen 8 und 12 Uhr) kommen die wilden Delfine direkt an den Strand vor dem Zentrum und freundliche Ehrenamtliche in roten Shirts beantworten alle Fragen rund um die Tiere. Eine Tafel am Eingang zeigt auf, welche Delfine in den letzten Tagen da waren – an unserem Tag leider keine. Da wir wissen, dass wir im Verlauf des weiteren Urlaubs noch wilde Delfine sehen werden, sind wir nicht allzu enttäuscht.
Busselton: zwei Kilometer lange Jetty in türkisblauem Wasser
Nach einem sehr empfehlenswerten Mittagessen-Stop im Flow 36 in Bunbury fahren wir weiter nach Busselton, das nächste Küstenstädtchen. Es ist berühmt für seinen Pier. Die „Jetty“ wurde bereits in den 1850er und 60er Jahren erbaut und ist mit knapp zwei Kilometern Länge eine der längsten hölzernen Piere der Welt. Die Jetty ersetzte quasi den Hafen, da die seichten Gewässer vor der Küste keine Be- und Entladung großer Schiffe ermöglichte. Heute ist sie eine Touristenattraktion, deren Begehung 5 Dollar kostet. Alternativ kann gegen zusätzliches Entgelt ein Zug genommen werden, um bis an die Spitze zu gelangen, wo sich ein Meeresaquarium befindet. Und weil es sich hier mustergültig zeigt noch ein weitere Hinweis zu Westaustralien: Nahezu überall gibt es kostenlose öffentliche Toiletten und vielerorts auch kostenlose öffentliche Wasserspender. Ein Segen.
Margaret River: Weinbauregion von Weltrang
Unsere Fahrt geht weiter nach Margaret River, dem Touristenzentrum dieser Region. Das Kleinstädtchen ist umgeben von sich weitläufig verteilenden Weinbergen und Weingütern, die in ihrer Gesamtheit eine der besten Weinbauregionen der Welt bilden. Erst kürzlich (2025) hat Margaret River bei den Decanter World Wine Awards mit zahlreichen Medaillen und Top-Auszeichnungen als Australiens am meisten ausgezeichnete Region abgeschnitten. Auch die Wine & Spirits Competition (IWSC) hat Margaret River als „World’s Best Wine Region“ für 2025 gekürt. Die Region ist vor allem berühmt für ihre Cabernet Sauvignons, aber auch Shiraz, bei den Weißweinen insbesondere für Chardonnay, daneben auch Semillon und Sauvignon Blanc, letztere oftmals als Cuvée. Mediterranes Klima, eine stetige Brise von Meer und gut durchlässige Kalkböden sind die erfolgsversprechenden Faktoren. Genau wie um Bordeaux, wie die Locals gerne betonen.
Das älteste und bekannteste Weingut ist Vasse Felix, aber es gibt unzählige weitere hochklassige Weingüter (Xanadu, Cape Mentelle, Cullen …) die ihre Tore für Tastings öffnen, manche davon bieten darüber hinaus Restaurants (meist nur für Mittagessen) an. Für Weinliebhaber und Genießer ist das hier das absolute Paradies, denn nicht nur die Weine, sondern auch viele Restaurants sind hochklassig! Das „Hauptproblem“ hier ist, wer opfert sich als Fahrer und verzichtet auf den Weingenuss – denn wie gesagt liegen die Weingüter recht weit auseinander (und Taxis sind rar). Zwei Empfehlungen möchten wir geben, die Spitzenküche mit Spitzenweinen kombiniert (keine Affiliate Links!). Miki’s Open Kitchen in Margaret River (das löst das Autofahrer-Problem), hier wird kreative japanische Küche mit lokalen Zutaten produziert und Pairings sowohl mit Wein als auch mit Sake angeboten und die Cape Lodge inmitten von Weinbergen mit moderner westaustralischer Küche und ebenfalls sehr gutem Weinpairing. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch Bierliebhaber hier auf ihre Kosten kommen, es gibt auch lokale Craft-Beer-Produzenten wie Cheeky Monkey . Es ist einfach durch und durch eine Genussregion!
Leeuwin-Naturaliste National Park: Traumstrände und tolle Wanderwege
Ich muss jetzt mal was loswerden. Ein Kollege meines Mannes fragte ihn: „Sind die Strände in Westaustralien wirklich so langweilig?“. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Irgendwas machen die Marketingstrategen der Region offenbar falsch (oder die der australischen Ostküste umso besser). Denn: ICH HABE NOCH NIE EINE REGION MIT SO VIELSEITIGEN KÜSTENABSCHNITTEN WIE RUND UM MARGARET RIVER GESEHEN! Mehrere Ausrufezeichen! Sandstrand- und Dünenliebhaber, Fans kleiner verträumter Buchten oder Freunde malerischer Felsformationen – alle kommen hier, an der Küste vor Margaret River im Leeuwin-Naturaliste National Park, voll auf ihre Kosten!
Wir beginnen unsere Strandtour am südlichen Ende des Nationalparks, in der Hamelin Bay. Endloser Sandstrand Nummer eins. Und getoppt wird das Ganze durch die nahezu garantierte Anwesenheit von Rochen (am besten zu sehen in den Morgenstunden), die sich immer schön entlang der Brandungszone bewegen. Ob welche da sind, seht ihr sofort: Die Menschengruppen folgen ihnen, strandabwärts – kehrt marsch marsch – strandaufwärts. Das machen nämlich auch die Rochen, sie patroullieren quasi die südliche Strandhälfte auf und ab. Ein Warnschild macht uns aufmerksam darauf, dass es nicht nur die „platte Hai-Version“ (Rochen sind platte Hai-Verwandte) gibt, sondern auch die für Menschen deutlich gefährliche Hai-Variante. Das gilt – leider – für West- wie für die Ostküste Australiens.
Weiter nordwärts, auf der Höhe von Margaret River, folgen unter anderem die beliebte Gnarabup Beach, gefolgt vom Surfers Point, den Prevelly Rockpools und schließlich dem Strand, an dem der Margaret River in den Indischen Ozean mündet.
Weiter nordwärts folgt mein persönlicher Favorit: Injidup Natural Spa. Ich bin nämlich eher ein Fan von felsiger Küste, zumindest wenn es um die Optik geht. Nach der Injidup Beach mit langem Sandstrand folgt Injidup Natural Spa: hier ergießt sich der tosende Indische Ozean in malerische Felsformationen. Ich finde: ein Traum. Tatsächlich kann man in dem „Natural Spa“ auch Baden, wir verzichten und genießen die Landschaft. Je nach Saison und Wetterlage (bei uns war es extrem heiß und windig, daher war eher wenig los) ist es hier gnadenlos überfüllt, was bestimmt die Stimmung trübt.
Kurz darauf folgen die ebenfalls sehr malerischen Canal Rocks, auch hier bilden malerische Granitfelsen die Kulisse. Die Besonderheit hier: Ein Steg führt über den Kanal. Sowohl hier als auch beim Injidup Natural Spa lohnt es sich, die Drohnenbilder im Internet anzuschauen.
Am nördlichen Ende des Nationalparks liegt der Cape Naturaliste Leuchtturm. Hier können nicht nur Strände bestaunt, sondern auch kleinere und größere Walks gemacht werden, der größte ist der Cape to Cape Track, der auf 130 Kilometern Länge die beiden Leuchttürme am Nord- und Südende der Halbinsel verbindet. Wir laufen zumindest einen kleine Teil davon auf dem Sugarloaf Rock Walk, der großartige Ausblicke aufs Meer bietet und sehr gut ausgebaut ist. Während der Walsaison (April bis November) sind nicht selten Wale hier zu sehen. Weniger attraktiv fanden wir den Lighthouse Loop Trail, er ist zwar aufgrund der nicht befestigten Wege optisch „naturnäher“, aber von der Aussicht her deutlich langweiliger.
Einmal um das Kap herum folgen die kleine Bucht Shelley Cove, eingerahmt von Felsen, und die weitläufige Bunker Bay Beach, beide sind über Parkplätze gut erschlossen, Bunker Bay Beach auch mit Lifeguard überwacht. An der Bunker Bay Beach könnt ihr im Imbiss des Ilma Beach House einen Snack für den Strand mitnehmen, oder im Restaurant gut essen.
Wer sich an den ganzen Stränden sattgesehen hat und schattige Abkühlung sucht, der sollte einen Abstecher in den Karri-Forest von Boranup machen. Karris (Eukalyptus diversicolor) sind bis zu über 80 Meter hohe schlanke Bäume, die ausschließlich im Südwesten Australiens beheimatet sind. Die Cave Road führt direkt durch den Karri-Wald mit einem Stop am Boranup Forest Viewpoint. Wir sind auch auf einer unbefestigten Straße zum Boranup Lookout gefahren, eine schöne Fahrt durch den Wald mit Sichtung einer (leider überfahrenen) Tannenzapfenechse. Der Lookout selbst ist hingegen wenig spektakulär. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es entlang der Cave Road, wie der Name vermuten lässt, zahlreiche Höhlen zu besichtigen gibt. Wir fanden die Küstenlinie und die Wanderwege spannender.
Unser Fazit zur Region um Margaret River: eine fantastische Urlaubsregion, voller kulinarischer Genüsse und landschaftlicher Schönheit. Hier wären wir gerne länger geblieben!




















































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