Great Ocean Road: mehr als nur Felsformationen

Unser letzter großer Ausflug führt uns an die Great Ocean Road, eine der berühmtesten Küstenstraßen der Welt. In ihrer gesamten Länge ist diese „Scenic Road“ (B100) über 200 Kilometer lang und geht im Osten von Torquay südlich von Geelong bis Allansford bei Warrnambool im Westen. Bekannt ist die Great Ocean Road vor allem für ihre spektakuläre Küste mit den Felsformationen, jedoch birgt die Region noch weitere weniger bekannte Schätze.

Tower Hill Wildlife Reserve

Eines dieser „Schätze“ ist das Tower Hill Wildlife Reserve. Das kleine Naturschutzgebiet wird in den wenigsten Reiseführern erwähnt, wird aber in verschiedenen Berichten im Netz wegen seines Tierreichtums auf vergleichsweise kleiner Fläche als sehr lohnenswert beschrieben. Es liegt etwas mehr als drei Fahrstunden von Melbourne entfernt bei der Stadt Warrnambool, nahe dem westlichen Eingangstor zur Great Ocean Road. Insofern bedeutet der Besuch von Tower Hill nur einen kleinen Umweg und ist bei einem Tagesausflug von Melbourne aus mit der Great Ocean Road gut kombinierbar (wenngleich es natürlich ein langer Tag ist).

Wir fahren also früh morgens los und sobald wir den Großraum Melbourne verlassen haben, nur noch durch endlos weite Weideflächen mit Rindern und Schafen. Auf der im Hinterland verlaufenden B140 fährt man selten durch kleine Städtchen – die Fahrt ist also nicht besonderes spannend. Wie immer aber erreichen wir unser Ziel fast auf die Minute genau zur angekündigten Zeit – endlose Weite und kaum Verkehr hat auch seine Vorteile.

Bevor wir in das Reserve fahren, halten wir an einem der Lookouts östlich des Gebiets an der Lake View Road. Von hier aus hat man einen guten Überblick über das kleine Reservat mit seinem See, das in einem ehemaligen Vulkankrater liegt. Auf dieser Straße sieht man auch anhand der typischen Warnschilder, welche Tiere hier anzutreffen sind: Emus und Kängurus. Die Emus sind auch ein ganz wesentlicher Grund für unseren Besuch hier. Zwar haben wir sie auch bei Yeppoon gesehen, das war aber eher Glück und hier sollen sie immer anzutreffen sein. Und tatsächlich, schon auf den umliegenden Feldern sehen wir die großen Laufvögel aus der Ferne.

Eine Einbahnstraße führt den Krater hinab und wenig später stehen einige Autos am Straßenrand. Meist hat das ja was zu bedeuten und auch wir steigen aus. Und tatsächlich: In einem Baum sitzt eine Koala-Mama und einen Ast weiter ihr schon recht großes Kleines. Wie üblich dösen beide Tiere tagsüber – sie schlafen 16 bis 20 Stunden am Tag.

Nachdem wir die beiden ausgiebig bestaunt haben, geht es weiter zum Visitor Center. Hier legen wir nach der langen Fahrt erst einmal ein Vesperpäuschen ein. Und schon kommen die neugierigen Emus und schauen nach, ob nicht was Leckeres für sie abfällt. Die Kinder haben ganz schön Respekt vor den mächtigen Schnäbeln, aber die Emus ziehen rasch weiter als sie merken, dass nichts zu holen ist. Doch kurz darauf kommen schon die nächsten aus dem Gebüsch, eine Mutter mit ihrem Küken. Wie schön, genau so etwas hatten wir uns erhofft!

Nach unserer Stärkung befragen wir den Park-Ranger, welchen der vier kurzen Walks wir laufen sollen, um möglichst viele Tiere zu sehen. Er empfiehlt den Lava Tongue Boardwalk, der einen guten Einblick sowohl in die „Wetlands“, als auch die Eukalyptuswälder verspricht. Vorbei an Info-Tafeln zum Park und zu den Kängurus geht es los, auf Bohlenwegen, am Schilf entlang und durch die Trockenwälder. Kängurus sehen wir übrigens nicht, wie so oft stellen wir fest, dass sie sich tagsüber eher selten zeigen. Die beste Zeit für Kängurus und Wallabies ist definitiv der späte Nachmittag/frühe Abend! Und obwohl uns mehrfach auf Schildern harmlose Schlangen angekündigt werden, sehen wir auch diese nicht.

Was uns allerdings gleich mehrfach begegnet, sind weitere Koalas! Es macht so viel Spaß, unter den Eukalypten zu laufen und oben immer wieder die niedlichen grauen Tiere zu entdecken, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Es ist faszinierend, wie die Koalas auf ihren Astgabeln sitzend schlafen oder dösen, der eine sieht fast so aus, als wolle er den Baum umarmen! Obwohl wir nur einen der Walks machen, sichten wir sieben Koalas.

Beim Weg aus dem Reserve sehen wir dann noch eine weitere australische Besonderheit: schwarze Schwäne, auch Trauerschwäne genannt. Sie sind das Wappentier Westaustraliens, verwirrten einst die europäischen Eroberer und dienen in unserer Zeit als Metapher unwahrscheinlicher, aber möglicher Ereignisse (wer sich dafür interessiert, dem sei das Werk Nassim Nicholas Talebs mit dem gleichnamigen Titel empfohlen). Ebenfalls bei der Ausfahrt noch einmal schön zu sehen sind die alten Lavaschichten des erloschenen Vulkans.

Unser Fazit zum Tower Hill Reserve: unbedingt sehenswert! Unsere Erfahrungen und die Berichte im Internet lassen den Schluss zu, dass Koala- und Emu-Sichtungen quasi garantiert sind. Eine zweite Möglichkeit, an der Great Ocean Road Koalas zu sehen, soll im Great Otway National Park sein, vor allem wohl auf der Straße zum Cape Otway.  Das haben wir allerdings nicht selbst getestet.

Wir fahren vom Tower Hill Reserve nach Warrnambool, wo wir zum Mittagessen einkehren. Der Stopp war eher der Tageszeit und dem Hunger geschuldet, aber wir stellen fest, dass Warrnambool ein kleines Urlaubsparadies ist, mit einem tollen Strand und dahinter wie so oft in Australien eine hervorragende Infrastruktur aus Parkplätzen, Grill- und Spielplätzen, sogar einem Labyrinth sowie ein Bootsverleih am Lake Pertobe direkt hinter den Dünen. Zahlreiche Familien mit Kindern vergnügen sich hier oder am Strand beim Baden und Surfen. Wir genießen allerdings nur unser Mittagessen im Simon’s Waterfront mit schönem Blick auf das Meer.

Und dann geht es endlich auf die B100, die Great Ocean Road. Von Westen nach Osten fahrend ist der erste groß ausgeschilderte Haltepunkt The Grotto, ein kleines „Grottenfenster“ zum Meer hin. Es folgt die noch bekanntere London Bridge oder London Arch. Bis 1990 waren hier zwei Brückenbögen zu bestaunen, dann brach der näher am Festland gelegene Brückenbogen ein. Zwei auf der „äußeren Brücke“ befindlichen Besucher musste mit dem Helikopter gerettet werden. Das Farbspiel ist wunderschön, der gelbe Campbell-Kalkstein, der breite Strand und das türkis- bis dunkelblaue Meer vor blauem Himmel sind wirklich toll anzuschauen.

Weiter nach Osten folgen mit The Arch eine weitere Felsbrücke und, hinter Port Campbell (hier gibt es auch ein gut ausgestattetes Visitor Office), mit der Loch Ard Gorge eine enge Felsenbucht. Diese trägt ihren Namen nach dem Schiff Loch Ard, das hier nach einer Überfahrt aus Großbritannien kurz vor Melbourne auf Grund lief und sank, was nur zwei von 54 Insassen überlebten. Die Toten sind auf dem Loch Ard Cemetery beigesetzt.

Der letzte und berühmteste Aussichts- bzw. Besichtigungspunkt in dieser Reihe sind die Zwölf Apostel. Ein riesiger Parkplatz nebst großem Visitor-Center sowie ein Helikopter-Landeplatz (für Sightseeing-Rundflüge) zeugen von der Bedeutung des Spots. Unter der Straße geht es, gemeinsam mit halb Asien, zu mehreren Lookouts, von denen man die Küste bestaunen kann. Die Twelve Apostles sind im Meer stehende Felsen, die durch Erosion entstanden sind, allerdings nicht zwölf, sondern ehemals neun und mittlerweile sogar nur noch acht. Über die „Gibson Steps“ kann man die Formation auch vom Strand aus bewundern, die meisten Besucher bleiben jedoch oben.

Unser Fazit: Die Great Ocean Road ist eines der meist fotografierten Naturdenkmäler in Australien und sicherlich mit ihren beeindruckenden Felsformationen sehenswert. Nach der ruhigen Schönheit des Tower Hill Nature Reserves mit seiner Tierwelt sind uns allerdings die „Massen“ gehörig auf den Geist gegangen, es gibt nicht genügend Parkplätze, insbesondere die großen chinesischen Gruppen verhalten sich extrem rüpelhaft auf den teils engen Treppen und mit ihrer stundenlangen Posiererei vor den schönsten Spots, die ich doch lieber ohne eine fremde Person mit dem typischen „Victory-Zeichen“ fotografiere.

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