Schon bei der Ankunft am Flughafen der Hauptstadt des Landes lässt sich an kleinen Dingen erahnen, in welche Gegend die Reise dieses Mal geht: Helle Hölzer und nordisches Design empfangen uns in der Ankunftshalle, auf der Toilette wird Vogelgezwitscher abgespielt. Ich bin zum ersten Mal in Finnland, meine große Tochter und ich wollen ein paar Tage in Helsinki und in Tallinn verbringen.
Wir beziehen unser Hotel, das Clarion, und bewundern die Aussicht vom gläsernen Aufzug über einen Teil des Hafens, in der Ferne sind die weißen Kuppeln des Doms und die zwei Spitzen der Johanniskirche zu sehen. Später beim Sonnenuntergang wird die Szenerie noch schöner. Uns zieht es natürlich nach dem Check-in sofort in die Stadt, erst recht bei dem strahlenden Sonnenschein!
Unsere Erwartungen an Helsinki sind nicht besonders hoch. Im Vorfeld waren immer wieder Sätze wie diese zu hören: „Kopenhagen und Stockholm sind tolle Städte, aber Helsinki – na ja…“. Umso gespannter waren wir auf die Stadt! Und niedrige Erwartungen haben ja bekanntlich auch den Vorteil, dass frau positiv überrascht werden kann – besser so, als andersherum!
Zentralbibliothek Oodi: das Wohnzimmer von Helsinki
Zuerst besuchen wir die Zentralbibliothek Oodi. „Aha – werdet ihr vielleicht denken, das spricht ja Bände, wenn das euer erstes Ziel ist.“ Aber diese Bibliothek ist etwas ganz Besonderes. Nicht nur ein Bücherhimmel, wie der Ort sich selbst beschreibt. Sondern auch ein Musterbeispiel nordischen Designs und eine Kultur- und Begegnungsstätte. Finnisch „Ode“ heißt Wohnzimmer und wie ein „Wohnzimmer der Stadt“ wirkt es auch: auf Sitzsäcken, Sofas oder Stühlen, in Cafés, an Spieltischen, in einer Kinderecke oder in abgetrennten Leseräumen erfreuen sich Einheimische wie Besucher an den Büchern, Zeitungen und Spielen. Normale Gespräche und ein sozialer Austausch sind an den meisten Stellen ausdrücklich erwünscht! Zu unserer Überraschung gibt es sogar eine Ecke mit deutschen Werken. Diese Bibliothek ist wirklich einen Besuch wert und etwas besonderes.
Felsenkirche: Design und Stein
Auch unser nächster Besuchspunkt besticht durch ein ganz besonderes Design. Die Felsenkirche (Temppeliaukio Kirkko, Eintritt wird verlangt) wurde, wie der Name sagt, direkt in den Fels gebaut. Von außen ist sie fast nicht als Kirche zu erkennen, das grüne Kuppeldach ist von außen perfekt an den eiszeitlich abgeschliffenen, grauen Granitfelsen angepasst. Im Inneren bilden die unverputzten Felswände den Kirchenraum. Dieser wird von einer kupferfarbenen Kuppel überspannt, das verglaste Lichtband zwischen Fels und Kuppel lässt ausreichend Tageslicht hinein. Die Bauweise sorgt für eine tolle Akustik, wovon wir uns bei einem kleinen Konzert überzeugen können.
Senatsplatz mit Helsinkis Dom
Eine weitere berühmte Kirche steht am Senatsplatz, dem zentralen Platz der Stadt. Der strahlend weiße Dom mit seinen fünf Kuppeln ist Helsinkis Wahrzeichen und von unserem Hotel, bei der Hafeneinfahrt und von allen höheren Punkten gut zu sehen. Die im neoklassizistischen Stil im Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Kirche thront inmitten weiterer klassizistischer Gebäude (Regierungs- und Universitätsgebäude). Wenn nicht gerade Märkte oder Veranstaltungen hier stattfinden, wirkt der Senatsplatz (Senaatintori) ziemlich steril, da helfen auch die Statue des russischen Zaren Alexanders II in deren Mitte und die zahlreichen Möwen wenig. So imposant die evangelische Kirche von außen ist, von innen soll sie sehr schlicht sein. Da ein Eintrittsgebühr von 10,- Euro verlangt wird (zumindest in der Sommersaison), ersparen wir uns den Besuch – evangelische Kirchen kennen wir von daheim zur Genüge.
Russisch-orthodoxe Uspenski-Kathedrale
Den Gegenpol zu dieser Hauptkirche des lutherischen Bistums bildet die Uspenski-Kathedrale (Uspenskin katedraali), die Hauptkirche der finnisch-orthodoxen Diözese. Die rote Backsteinkirche gilt als die größte orthodoxe Kirche Nord- und Westeuropas und entstand in der Zeit, als Finnland ein Großfürstentum des Russischen Kaiserreiches war. Ihre 13 goldenen Zwiebeltürme sind ebenfalls weithin sichtbar und sollen an Jesus und die 12 Apostel erinnern. Auch in diesem Gotteshaus wird eine Eintrittsgebühr (5,- Euro, Stand 2026) erhoben. In Anbetracht des prachtvoll gestalteten Innenraums mit seiner goldglänzenden Ikonostase und weil wir naturgemäß deutlich seltener orthodoxe Kathedralen besuchen können, entrichten wir gerne unseren Obulus.
Zwischen Klassizismus und Jugendstil: Helsinkis City
Vom klassizistisch geprägten Senatsplatz war schon die Rede. Eine weitere Stilrichtung ist in Helsinkis Innenstadt überproportional vertreten: der Jugendstil. Am markantesten ist die beeindruckende Bahnhofsfassade mit ihren zwei laternentragenden Granitfiguren. Zwischen diesem Hauptbahnhof, rund um die Haupteinkaufsstraße Aleksanterinkatu und bis zum Grün des Esplanadi-Parks, an dem die Prachtstraße Pohjoisesplanadi liegt, finden sich zahlreiche beeindruckende Gebäude und noch mehr Shopping-Möglichkeiten. Von internationalen Ketten bis zu finnischen Designermarken ist alles vertreten. Nicht versäumen solltet ihr einen Besuch des berühmten Warenhauses Stockmann, das einen kompletten Häuserblock einnimmt und mit über 50.000 Quadratmetern Verkaufsfläche als größtes klassisches Kaufhaus Nordeuropas gilt. Und wenn ihr vom Shoppen müde seid, lasst euch einfach im Esplanadi-Park nieder, staunt über das üppige Grün und die Blütenpracht, die auffällig oft die Straßen der Stadt ziert.
Ein weiteres sehenswertes Jugendstil-Ensemble findet ihr etwas außerhalb der Innenstadt (Stadtteil Ullanlinna) in der Huvilakatu. Übersetzt bedeutet der Name Villenstraße und in dieser reihen sich farbenfrohe Jugendstilhäuser aneinander. Spontan erinnert uns die Straße farblich an eine bescheidene Variante von Kopenhagens Nyhavn (nur ohne Wasser) oder Notting Hill in London – bei weit weniger Touristenaufkommen…

Typisch Finnisch: die Mumins
Unweit des Kaufhauses Stockmann solltet ihr noch einem weiteren typisch finnischen Wahrzeichen einen Besuch abstatten: den Mumins. Diese nilpferdartigen Trollwesen wurden 1945 von der finnisch-schwedischen Autorin und Illustratorin Tove Jansson erfunden. Der Flagship-Store der Mumins (Moomins) liegt direkt am Beginn der Esplanadi, aber wir begegnen den Figuren überall in der Stadt, beispielsweise auch im Tove-Jansson-Park unterhalb der Uspenski-Kathedrale. Die Mumin-Familie steht für Werte wie Toleranz, Gastfreundschaft, Respekt vor der Natur und der Wertschätzung der kleinen Alltagsfreuden – vielleicht sollten wir uns alle „Be more Moomin“ etwas mehr zu Herzen nehmen.
Finnische Genüsse und Kulinarik
A propos Genuss. Natürlich darf auch die Kulinarik wie immer nicht zu kurz kommen. Entgegen dem Ruf skandinavischer Länder muss euch Essengehen in der finnischen Hauptstadt nicht in den Bankrott treiben (es sei denn, ihr trinkt Unmengen Alkohol – der ist wirklich teuer). Unser Tipp lautet: Haltet nach „Lounas-Angeboten“ Ausschau! Lounas bedeutet Mittagessen und viele Restaurant in Helsinki machen wochentags zwischen 11 und 14 Uhr tolle Buffet-Angebote. Wir empfehlen für ein finnisches Mittagessen das Bistro Manu im Hotel Presidentti mit täglich wechselndem Salat-, Suppen- und Hauptgerichtsbuffet (auch vegetarisch), wie immer in Finnland inklusive Wasser für 15,- Euro (Stand 2026). Noch opulenter und noch günstiger gespeist haben wir in der Street Canteen (gegenüber Kaufhaus Stockmann), hier gibt es ein malayisches Vor- und Nachspeisen-Buffet inklusive Eistee, Grüntee und Kaffee plus ein Hauptgericht der Wahl. Ebenfalls gut für einen Mittagssnack geeignet sind die zwei Markthallen Helsinkis: die Hakaniemen Kauppahalli im Stadtteil Merihaka und die bekanntere Alte Markthalle Vanha Kauppahalli am Marktplatz. In letzterer könnt ihr allerdings doch arm werden: Ein paar Gramm Kaviar kosten hier teils mehr als unser Kurzurlaub. Na ja, wer’s mag und sich leisten kann… Uns hat übrigens das Ambiente in der Alten Markthalle deutlich besser gefallen, es ist ein Augenschmaus, wie die finnischen Produkte von Lachs über Rentier und Elch bis Bär hier präsentiert werden (auch wenn hier natürlich erhöhte Touri-Preise verlangt werden).
In der Alten Markthalle, aber auch in vielen Restaurants wird ein Klassiker der finnischen Küche angeboten: Lachssuppe. Wer Lachs mag, wird sie lieben! Wir haben die Suppe und ein ebenso leckeres Carpaccio aus würzigem Rentier-Fleisch im Restaurant Lappi Ravintola (Restaurant mit Spezialitäten aus Lappland) genossen. Ebenfalls großen Anklang fand bei uns die Süßigkeit Rahka Maisku, ein finnischer Quarkriegel, der in vielen Supermärkten im Kühlregal liegt. Die karelischen Piroggen, Karjalanpiirakka, lösten hingegen keine Begeisterungsstürme aus. Sie bestehen aus Roggenteig, gefüllt mit leicht salzigem Milchreis sind in jeder Bäckerei, in Supermärkten und beim Frühstücksbuffet zu finden. Wir fanden sie – auch mit Butter, Eiern oder gesalzen – ehrlich gesagt ziemlich fad.
Festungsinsel Suomenlinna
Jetzt wird es aber endlich Zeit, auch mal auf’s Wasser zu gehen. Helsinkis Küstenlinie ist über 100 Kilometer lang und sehr zerklüftet, vor dem Festland öffnet sich eine Bucht mit mehr als 300 Schäreninseln. Schären sind kleine, felsige, bei der Eiszeit abgeschliffene Inseln, wie es sie beispielsweise auch vor Stockholm gibt. Eine der bekanntesten in Finnland ist die Festungsinsel Suomenlinna, UNESCO Welterbe.
Die Insel kann gut auf eigene Faust erkundet werden (alternativ gibt es natürlich auch – teure – Ausflugsboote). Die Fähre dorthin gehört zum Öffentlichen Nahverkehr und startet täglich viele Male ab Marktplatz (Kauppatori). Allein schon die 15-minütige Fahrt ist ihr Geld wert (der Einzelfahrschein kostet 2026 3,50 Euro, das Tagesticket Zone A/B 10,60 Euro), der Blick auf die Stadtsilhouette, die Allas Pools direkt im Hafen und die kleinen Schären mit ihren roten Holzhäuschen ist selbst bei schlechtem Wetter sehr hübsch.
Suomenlinna besteht aus mehreren, miteinander verbundenen Inseln, auf denen sich ausgedehnte Festungsanlagen befinden. Die Mauern, unterirdischen Tunnel und Kanonen hatten die Schweden Mitte des 18. Jahrhundert zum Schutz vor Russland errichtet. Heute leben etwa 800 Menschen fest auf den Inseln, die ein beliebtes Ausflugsziel sind. Es gibt dort Museen, Parks, Picknickplätze, Cafés, Restaurants und sogar einen kleinen Strand. Ein gut ausgeschilderter Weg (blaue Markierung) führt vom Anlegeplatz und dem Visitor Center einmal quer über die Insel bis zum „King’s Gate“. Eigentlich braucht es die Beschilderung nicht, denn verlaufen kann man sich kaum. Uns hat am besten der Weg zwischen dem Café Piper über den winzigen Strand, weiter am westlichen Ufer entlang der Kanonen bis zur Festung und dem King’s Gate gefallen. Die abgeschliffenen Granitfelsen, die eingewachsene Festungsanlage, das Meer und die Möwen, einfach ein schönes Fleckchen Erde, trotz Regenwetter. Und am Ende noch ein Warmgetränk in einem der Cafés.
Unser Fazit: Uns hat die finnische Hauptstadt definitiv positiv überrascht. Wer das eine Must-See-Highlight sucht, wird vielleicht enttäuscht. Aber wir halten es wie die Mumins: Glücklich ist, wer sich auch an Details und Kleinigkeiten erfreuen kann – und mit Suomenlinna, der Oodi-Bibliothek und seinen Kirchen hat Helsinki schon auch Top-Attraktionen zu bieten. Aber eben darüber hinaus noch viel mehr: Helsinki ist eine weltoffene Großstadt mit einem sehr entspannten Lebensstil, viel Grün, viel Wasser, schöner Architektur und viel nordischem Design. Und nicht umsonst führt Finnland seit 2018 ununterbrochen den World Happiness Report an – die Finnen sind ein glückliches, zufriedenes Völkchen, und das strahlt die Stadt auch aus.
Und wer nach ein paar Tagen Helsinki beschließt, noch eine andere Metropole kennenlernen zu wollen, dem können wir einen Tages- oder Mehrtagesausflug über die Ostsee in die estnische Hauptstadt Tallinn wärmstens ans Herz legen. Mit verschiedenen Fähren seid ihr ab Helsinki in etwas mehr als zwei Stunden dort. Dazu wird es natürlich auch einen Blog geben!

























































Oh ja, Helsinki. Lange her, dass ich dort gewesen bin. Beneide dich, dass du gerade jetzt wieder dort bist. Müsste ich auch noch mal wieder hinfahren. Am besten mit einem Schiff, das war bei meiner ersten Reise dorthin auch der Fall. Vor 50 Jahren.
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