Ich reise so viel und habe die lebenswerteste Stadt der Welt noch nicht gesehen?!? Das musste ich unbedingt ändern. Also auf nach Kopenhagen, das zum zweiten Mal in Folge im Global Liveability Index 2026 der britischen Economist-Verlagsgruppe den ersten Platz belegt, vor Wien und Melbourne. Bestnoten erzielt die dänische Hauptstadt in den Kategorien Stabilität, Bildung und Infrastruktur, herausragende Werte auch in den Bereichen Gesundheitswesen, Kultur, Umwelt sowie Fahrradfreundlichkeit.
Wir tragen das Unsere zum Thema Umwelt bei und fahren mit dem ÖPNV (es gibt günstige Tagestickets für bestimmte Zonen) in die Innenstadt. Unsere erste Station: Die Kleine Meerjungfrau von H.C. Andersen, der uns ja in Odense schon „begegnet“ ist (siehe: Dänemarks Fünen: märchenhaft und malerisch). Von vielen Seiten war zu hören, dass dieses Wahrzeichen des Künstlers Edvard Eriksen, von den Dänen „De lille Havfrue“ genannt, eher enttäuschend sei. Die kleine Bronzestatue ist tatsächlich nicht besonders groß – sie misst gerade einmal 125 Zentimeter – und steht im Hafen von Kopenhagen vor tendenziell eher uncharmantem Hafenhintergrund. Außerdem ist sie stets umlagert von zahlreichen Touristen, von denen nicht wenige sich verbotenerweise auf den umliegenden Steinen oder gar auf dem Stein der Schönen selbst für ihre Instagram-Fotos räkeln. Dennoch lohnt sich in unseren Augen ein Besuch der traurigen kleinen Meeresprinzessin, die ihren Prinzen erst rettet, deren Liebe aber nicht nicht erwidert wird und die sich schlussendlich in Meeresschaum verwandelt.
Von der Kleinen Meerjungfrau führt unser Weg entlang der Uferpromenade bis zur St. Albans Kirche, vor deren Augen die nordische Göttin Gefion den Ozean mit ihren Ochsen pflügt. Hier liegt eines der zwei Eingangstore zum Kastell von Kopenhagen („Kastellet“), einer sternförmigen Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert. Junge, aber nichtsdestotrotz „richtig“ bewaffnete Soldaten, bewachen die Eingänge der einstigen Militärkaserne (Eintritt ist frei). Heute noch ist das Kastell Sitz der dänischen Militärverwaltung, es dient aber auch als Veranstaltungsort, beherbergt u.a. Museen und Ausstellungen, eine Windmühle und eine Kirche. Touristen wie Einheimische nutzen den Park auf den Wallanlagen zum Spazierengehen.
Weiter Richtung Innenstadt laufend, landen wir alsbald am Amalienborger Schlossplatz, einem achteckigen Platz, um den sich vier Palais gruppieren, die das Amalienburger Schloss bilden. In deren Mitte überwacht die Reiterstatue von Friedrich V. das Ensemble, in der sich unter anderem die Residenz der dänischen Königsfamilie befindet. Täglich um 12 Uhr versammeln sich Heerscharen von Touristen hier, die der traditionelle Wachablösung beiwohnen. Auch wir hatten eigentlich diesen Plan, waren aber bereits um 10 Uhr vor Ort, was sich als Glücksgriff herausstellt. Denn auch wir sehen eine Wachablösung – mit deutlich weniger Touristen.
Nächste Station unseres Stadtrundgangs ist der Nyhavn, wo farbenfrohe Stadthäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert den Kanal säumen. Touristenattraktion Nummer 1 in Kopenhagen – noch stärker frequentiert als die Kleine Meerjungfrau. Ist aber auch wirklich idyllisch anzuschauen, noch schöner wäre es nur ohne Gedränge. Hier etwas zu essen oder zu trinken empfiehlt sich nur bedingt – das Preisniveau und vermutlich auch die Qualität sind dem Image des Standorts angepasst… Am Nybrogade, an einer der vielen Wasserstraßen, genießen wir im Restaurant 1733 ein leckeres Mittagessen, unter anderem verschiedene Heringssorten, und bekommen vorab sogar einen Gratis-Kräuterschnaps offeriert.
Auf unseren weiteren Wegen durch die Stadt passieren wir den belebten Platz Kongens Nytorv, wo heute ein Flohmarkt stattfindet, den Kopenhagener Rathausplatz, Schloss Rosenborg in seinem Park, die Marmorkirche und das Observatorium Rundetaarn, von dessen Aussichtsplattform die Stadt von oben bewundert werden kann. Über den Amagertorv landen wir in der Kopenhagener Einkaufsmeile (Strøget), eine wunderschöne Flaniermeile. Vor dem Lego-Store steht eine lange Schlange. In diesem Flagship-Store der dänischen Marke wollen sich die meisten Besucher im Lego Minifigure Factory eine eigene kleine Lego-Figur zusammenstellen. Hier in der Fußgängerzone müssen die Radfahrer den Fußgängern natürlich Vorfahrt gewähren, sonst ist Kopenhagen eine sehr fahrradfreundliche Stadt voller entsprechender Infrastruktur. Dass sich die Touristen dieses Verkehrsmittels bedienen, sehen die Einheimischen eher kritisch, denn sie stören den Verkehrsfluss der Locals sehr.
Nach unserem späten Mittagessen schauen wir uns noch eine weitere Besonderheit Kopenhagens an: die Freistadt Christiania. Dieses alternative Wohnviertel gibt es seit den frühen 1970er Jahren, Hausbesetzer gründeten Christiania auf dem verlassenen Militärgelände, auch als Protest gegen die dänische Regierung. Die Gemeinschaft verwaltet sich selbst und stellt gewisse Regeln auf, darunter keine Gewalt, kein Diebesgut, keine harten Drogen und keine Waffen. Der jahrzehntelange, offene Cannabis-Handel zog in der Vergangenheit organisierte Kriminalität und Gewalt an, mehrere Auseinandersetzungen mit tödlichem Ausgang waren die Folge. Daraufhin wurde die berüchtigte Pusher Street, Schauplatz einiger Auseinandersetzungen, von den Bewohnern geschlossen. Heute ist Christiania ein beliebtes Touristenziel und bekannt für die bunten, kreativen Selbstbauten und Murals (Graffitis). Wer tagsüber hier durchspaziert, erlebt ein buntes Treiben, quirlige Marktatmosphäre und viele Cafés und Restaurants, Fotografieren – mit dem nötigen Respekt – ist erlaubt. Christiania wird von den Behörden geduldet und von den Besuchern als Beweis für die progressiven und toleranten Dänen gewertet.
Unser Fazit zu Kopenhagen: Wir stimmen definitiv zu, Kopenhagen ist nicht nur lebens-, sondern auch für uns Gäste absolut liebens- und definitiv eine Reise wert!
Und auch im Umland bietet die Stadt einige lohnenswerte Ziele. Wir haben Schloss Frederiksborg bei Hillerød besucht, das als größtes und bedeutendstes Bauwerk der nordischen Renaissance gilt. Das Schloss beherbergt heute das Dänische Nationalhistorische Museum und kann gegen Gebühr besichtigt werden, der Eintritt in den hübschen barocken Garten mit Blick auf das Schloss ist kostenlos. Parken geht prima und kostenlos in der Straße „Batzkes Bakke“, von dort sind es nur wenige Meter bis zum Eingang in den Schlosspark.
Ein weiterer lohnenswerter Ausflug führt uns nach Helsingør, eine Stadt an der Nordspitze der Insel Seeland. Die Stadt kann ebenfalls ein Schloss aufweisen, Kronborg, das sich sogar zum UNESCO-Welterbe zählen kann und bekannt ist durch Shakespeares Hamlet. Besonders gut ist es bei der Fährüberfahrt ins gegenüberliegende schwedische Helsingborg zu sehen.
Helsingør ist aber auch darüber hinaus ein nettes und sehr lebhaftes Städtchen. Neben einer netten Einkaufsstraße ist besonders die Gegend um die Kulturwerft (Kulturværftet) spannend. Auf dem Gelände einer ehemaligen Schiffswerft entstand ein modernes Kulturzentrum und verbindet die historischen Backsteine mit einer glänzenden, von Schiffsschrauben und Segeln inspirierten Architektur. Direkt dahinter am Hafen steht Helsingørs gendergerechte Antwort auf Kopenhagens Kleiner Meerjungfrau, die Stahlskulptur „Han„. Und wer nach seinem Stadtrundgang Hunger verspürt, dem sei direkt hinter der Kulturwerft die Streetfood-Markthalle Elsinore empfohlen, mit einer großen Auswahl internationaler Gerichte zu gerade für Dänemark erschwinglichen Preisen.















































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