Imposante Kreidefelsen kennen wir alle aus Rügen – die dänische Variante ist in meinen Augen genauso sehenswert. Die Rede ist von der Kreideküste Møns Klint im Osten der dänischen Insel Møn. Beide Kreideküsten liegen sich in der Ostsee in Sichtweite gegenüber (zumindest bei gutem Wetter) und entstanden vor 70 Millionen Jahren in der Oberen Kreidezeit. Møns Klint ist mit 128 Metern Höhe die höchste Steilküste an der dänischen Ostseeküste und erstreckt sich über etwa sechs Kilometern Länge. Seit 2025 ist die Küste Teil des UNESCO-Welterbes und UNESCO Biosphärenreservat.
Von Kopenhagen aus (siehe Kopenhagen: die lebenswerteste Stadt der Welt) kann die Insel Møn gut bei einem Tagesausflug besucht werden. In weniger als zwei Stunden erreichen wir die Brücke (ohne Maut), die das Festland mit der Insel verbindet. Leider haben wir einen regnerischen Tag erwischt. Wir versuchen es positiv zu sehen: Brücke und Landschaft wirken dadurch leicht mysthisch.

Megalithanlagen aus der Jungsteinzeit
Da es noch recht früh am Tag ist und wir auf besseres Wetter hoffen, schauen wir uns zunächst eine weitere Besonderheit der Insel an: Megalithanlagen aus der Jungsteinzeit. Passt wenigstens ein bisschen zur Mystik. Mehr als 100 Großsteingräber (Dolmen) aus der Zeit um 3.000 v. Chr. finden sich auf Møn und einer kleineren benachbarten Insel. Viele davon sind frei zugänglich und können kostenlos besichtigt werden.
Das Ganggrab Kong Asger Høj im Westen von Møn ist mit etwa 10 Metern Länge eines der größten Ganggräber Dänemarks. Am kleinen Parkplatz stehen Info-Schilder auch auf Deutsch, in Sichtweite der Grabhügel. Der Gang des Grabes und auch die recht geräumige Kammer am Ende bestehen aus mächtigen Tragsteinpaaren aus Granit und Gneis, auf denen ebenso große Decksteine liegen. Wahnsinn, wie die Menschen zur damaligen Zeit mit Holzrollen, Erdrampen, menschlicher und wohl auch tierischer Kraft die riesigen Findlinge bewegten! Mit der Handy-Taschenlampe erkunden wir das Grab und versuchen, größtmöglichen Abstand zu den zahlreichen Spinnentieren zu wahren.
Weniger als 150 Meter von Kong Asger Høj entfernt liegt das nächste steinzeitliche Grab: der Sprove-Dolmen (Sprove Runddysse oder Sprovedyssen). Wie der Name „Runddysse“ erkennen lässt, umgibt die Grabanlage ein runder Steinkreis, von dem aus der Gang zur Grabkammer führt. Dieses Grab war ursprünglich ebenfalls mit einem Erdhügel bedeckt. Heutzutage liegen die Steine frei und die Decksteine des Gangs zum Grab fehlen, in der Grabkammer selbst sind die Decksteine erhalten.
Møns Klint: GeoCenter und Kreidefelsen
Von dort aus fahren wir weiter in den äußersten Ostteil der Insel. Die letzten Meter führen über eine staubige – oder wie jetzt bei Regen schmierige – Schotterstraße, der Kreidestaub bildet einen Vorgeschmack auf die eigentliche Küste, Hauptattraktion der Insel. Wir erreichen schließlich einen großen Parkplatz (kostenpflichtig), der zur Hochsaison allerdings schnell überfüllt ist. Gerade (aber nicht nur) bei Regenwetter bietet das GeoCenter Møns Klint einen perfekten Einstieg in die Geologie, Flora und Fauna der Umgebung, man kann sich stundenlang hier aufhalten. Denn im interaktiven Museum finden Groß und Klein allerlei Unterhaltung und „Mitmach-Stationen“, wir können Fossilien ausbuddeln, einen 3-D-Film schauen, Klippen verschieben und noch vieles mehr.
An mehreren Stellen führen Treppen nach unten an den Strand, die imposanteste mit knapp 500 Stufen beginnt am GeoCenter. Majestätische Buchen überdachen die gut ausgebaute Holztreppe, im Unterwuchs Waldmeister und Schachtelhalm, im Frühjahr blühen hier zahlreiche kalkliebende Orchideen.
Schließlich erreichen wir den Strand. Leider scheint ja keine Sonne und der Wind tut ein Übriges, wir sehen also die „dänische Karibik“ nicht in ihrer ganzen Schönheit, nämlich samt türkisfarbenem Wasser. Aber die Szenerie ist auch im Nieselregen sehr imposant: Die weißen, majestätischen Kreidefelsen sind wahrlich beeindruckend. Wegen möglicher Felsstürze, die hier nicht selten vorkommen, laufen wir in gebührendem Abstand zur weißen Wand den Strand auf und ab. Die Kreidefelsen bestehen übrigens im wesentlichen aus den Kalkschalen von meeresbewohnenden kleinen Algen (Coccolithen). Viele schwarze Feuersteinbänder durchziehen das weiße Gestein und liegen auch am Strand. Leider finden wir keine schönen Fossilien aus der Kreidezeit (nur ein paar für den Laien weniger spannende Schwämme). Wer sich hierfür interessiert, wird entweder im GeoCenter fündig oder bei einem vom Center angebotenen Fossilienspaziergang.
Unser Fazit zu Møn: eine reizende Insel, die zusätzlich zu ihren Hauptattraktionen Kreidefelsen und Großgräber bei schönem Wetter auch noch zahlreiche Strände bietet – absolut empfehlenswert für mindestens einen Tagesausflug. Und wer noch nett Essengehen will, dem können wir besonders für einen Lunch das reizende Restaurant Landsled Mollekrö im Landesinneren ans Herz legen.





















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