Passend zu den im Sommer immer heißer werdenden Temperaturen, führt uns der diesjährige Urlaub ins hoffentlich kühlere Skandinavien. Oh wie freuen wir uns auf Tagestemperaturen um die 25 Grad Celcius und Nächte, in denen wir nicht alle zwei Stunden schweißgebadet aufwachen!
Ribe: Dänemarks älteste Stadt
Nach einem Kurzbesuch bei der gastfreundlichen Verwandtschaft in der Nähe von Hamburg, beginnt unser Dänemarkurlaub am nächsten Tag mit einem Mittagsstopp in Ribe, im Südwesten von Jütland gelegen – also noch auf dem dänischen „Festland“. Das Kleinstädtchen ist die älteste Stadt Dänemarks und war im Mittelalter ein wichtiger Nordseehafen, heutzutage liegt der alte Hafen ein ganzes Stück im Landesinneren. Nachdem wir auf einem der beiden großen Gratisparkplätze (auch für Wohnmobile geeignet und natürlich mit Toiletten) vor der Altstadt geparkt haben, schlendern wir in die hübsche Altstadt, wo wir auf Kopfsteinpflasterstraßen in romantischen Gässchen entlang gepflegter Backstein-Fachwerkhäuschen samt farbenfroher Türen flanieren. Mittelpunkt des Städtchens sind die Domkirke, ein romanischer, später gotisch erweiterter Kirchenbau, und der alten Hafen. Drumherum quirliges Kleinstadtleben entlang vieler Geschäfte und Restaurants in der Fußgängerzone, wo wir uns erst einmal zwei typische Mittagssnacks gönnen: Hotdogs und Kanelsnegle (=Zimtschnecken). Wir finden Ribe sehr „hyggelig“ – also nett und gemütlich. Vermutlich kennt ihr das Wort aus der IKEA-Werbung, es ist jedoch tatsächlich dänischen, nicht schwedischen, Ursprungs! Wir finden: Das hyggelige Ribe bietet den perfekten Einstieg in unsere Dänemarkurlaub.
Weiter geht es über die Lillebaeltsbro (Brücke nicht kostenpflichtig) auf eine der beiden großen dänischen Inseln, nach Fünen (dänisch: Fyn). Das Klima ist hier so mild, dass sogar Wein angebaut wird. Wir beziehen Quartier im romantischen Gutshof Risinge Herregard im Turmzimmer, das einen herrlichen 360-Grad-Blick über die Felder bis zur Ostsee und morgens ein sagenhaft gutes Frühstück bietet.
Der Strand direkt vor unserem Bed&Breakfast lädt nicht zum Baden ein, er ist zu steinig. Aber das macht nichts, denn wenige Kilometer weiter im Norden liegt das Kleinstädtchen Kerteminde. Hier gibt es nicht nur Shoppingmöglichkeiten und einige Restaurants, sondern auch nördlich und südlich der Stadt schöne Sandstrände. Der Nordstrand ist sogar von Rettungsschwimmern bewacht, was einigermaßen lustig ist, denn ich muss richtig weit laufen, um schwimmgeeignete Wassertiefen zu erreichen. Für Familien mit kleinen Kindern ist der Strand daher ideal, Infrastruktur inklusive großem Gratisparkplatz ebenfalls vorhanden. Der Sydstrand ist weniger stark besucht, vermutlich weil hier nicht ganz so viel Infrastruktur zu finden ist.
Odense: Märchenerzähler und Märtyrer
„Hauptstadt“ von Fünen ist die Stadt Odense, mit knapp 200.000 Einwohnern drittgrößte Stadt des Landes. Die Altstadt wird quasi komplett von einem riesigen unterirdischen Parkhaussystem (Q-Park) untertunnelt, am besten vorher schlau machen, in welchem „Abschnitt“ ihr optimalerweise parkt. Nach der Einfahrt müsst ihr an den Parkautomaten euer Kennzeichen hinterlassen und eure Kreditkarte einlesen, am Ende nochmal mit der Kreditkarte auschecken.
In der damit weitgehend autofreien Innenstadt machen wir uns auf die Spuren des bekanntesten Sohns der Stadt: des Märchenerzählers Hans Christian Andersen („Die kleine Meerjungfrau“, „Däumelinchen“). Und das ist wörtlich gemeint, denn die Altstadt ist durchzogen mit Fußspuren, die auf etwa 2,5 Kilometern Länge zu Sehenswürdigkeiten rund um sein Leben führen. H.C. Andersen ist in Odense geboren und aufgewachsen (Barndomshjem in der Munkemøllestræde), das dortige Museum verdeutlicht die ärmlichen Verhältnisse seines Elternhauses. Geboren wurde der Dichter in einem kleinen gelben Haus, dem H.C. Andersen Hus, Ecke Bangs Boder und Hans Jensens Straede. Es ist Teil des neuen H.C. Andersen Museums, das größtenteils unterirdisch angelegt ist und in einen Garten integriert, dem H.C. Andersen Haven; letzterer ist teils frei zugänglich. Das interaktive Museum (mit deutschem Audiguide oder Führungen) widmet sich dem Leben des Autors, aber vor allem auch seiner zahlreichen Märchen und Geschichten. Das Denkmal des Erzählers steht hinter der St. Knuds Kirke im Park (Eventyrhaven), in dem auch Märchen aufgeführt werden.
Eine weitere präsente Persönlichkeit in Odense ist der Heilige Knut, König Knut IV. Er und sein Bruder Benedikt wurden am 10. Juli 1086 in der Vorgängerkirche der heutigen St. Knuds Kirka erschlagen, ihre Gebeine sind hier aufgebahrt. Knut wird als Märtyrer verehrt, an seinem Grab unter dem Hochaltar fanden der Überlieferung nach Wunderheilungen statt. Hinter der Kirche liegt ein hübscher kleiner Klostergarten.
Ansonsten gilt: Lasst euch einfach durch die hübsche Altstadt treiben, ihr werdet zahlreiche nette Ecken entdecken, schöne Gassen wie die Paaskestraede, das historische Rathaus, das Schloss, die St. Albani Kirche – vieles davon liegt entlang der besagten Andersen-Spuren. Achtung nur, dass ihr nicht auf einen der zahlreichen Fahrradwege geratet, die sind hier ziemlich flott unterwegs. Gut zu wissen ist vielleicht auch, dass es überall kostenlose und oft selbstreinigende Toiletten gibt, fanden wir ganz großartig. Zum Mittagessen empfehlen wir den Streetfood-Markt Storms Pakhus hinter dem Hauptbahnhof – günstiger und vielseitiger könnt ihr euch kaum verpflegen. Unser Fazit: auch Odense ist hyggelig und absolut sehenswert!
Malerisches Freilichtmuseum Den Fynske Landsby
Direkt vor den Toren der Stadt liegt ein weiteres lohnenswertes Ziel: Den Fynske Landsby. In diesem „fünischen Dorf“ wurden Gebäude der ganzen Insel zusammengetragen und bilden ein Freilichtmuseum, samt Ehrenamtlicher, die den Flecken Erde wie in alten Zeiten bewirtschaften sowie zahlreicher Bauernhoftiere. Alles ist liebevoll gepflegt und teils beschriftet (auf Dänisch und Englisch), sowohl innen als auch außen, überall blühen herrliche Stockrosen an den reetgedeckten Fachwerkhäusern. Eine Schule, eine Windmühle und ein Restaurant komplettieren das Dorf. Für Kinder und verspielte Erwachsene finden sich allerlei Spielzeug wie Stelzen, Hufeisenwerfen oder Naturkegelbahnen, auch Edutainment wie „Von der Blüte zum Honig“ oder Kutschfahrten werden angeboten. Einzig der im kleinen Kino gezeigte Film spricht uns nicht an, alles andere gefällt uns ausgesprochen gut!
Schloss Egeskov mit Gärten, Ausstellungen und Live-Musik
Ein weiterer Ausflug führt uns in eines der vielen Landschlösser Dänemarks, zum Schloss Egeskov. Hier wohnt sogar eine deutsche Prinzessin, Alexandra zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg mit ihrem Mann, Graf Michael Ahlefeld-Laurvig-Bille. Das Renaissance-Schloss mit Wassergraben wurde 1554 erbaut und zählt zu den schönsten Nordeuropas. Besichtigt werden können sowohl ein Teil des Schlosses als auch der 20 Hektar große Park und Schlossgarten. Ein Baumwipfelpfad, ein Labyrinth, schön angelegte Gärten, viele Spielplätze und einige Ausstellungen – wie die Oldtimer-Sammlung der Grafen-Familie – gehören zu den Attraktionen des Geländes. An manchen Sommertagen („Open by Night“) ist die Anlage bis 22 Uhr geöffnet, teilweise samt Live-Musik-Events (ist im Ticket inbegriffen). An unserem Besuchstag waren es zwei dänische Sängerinnen (Pernille Rosendahl und Dorthe Gerlach), die nicht so ganz unserem Geschmack entsprachen (wir hätten lieber Robbie Williams Jam oder ABBA Gold Tribute gesehen – die waren die Wochen davor an der Reihe). Aber die Stimmung war großartig, gefühlt halb Fünen war mit eigenen Campingstühlen angerückt, um die laue Sommernacht mit Live-Musik im Schlossgarten zu genießen.
Wir haben ganz schön viel, aber nicht alles, auf der Insel gesehen, wie das letzte Diashow-Foto der Fünischen Attraktionen zeigt. Unser Fazit zu Fünen: mannigfaltig, märchenhaft, malerisch – für jeden Geschmack ist etwas dabei, mit ganz viel dänischer Hyggeligkeit!








































































Hinterlasse einen Kommentar