Das ostfriesische Dreigestirn: Emden, Aurich und Leer

Nach einer Woche in Schleswig-Holstein verbringen wir den zweiten Teil der diesjährigen Corona-Ferien in Ostfriesland. Als Ausgangspunkt unserer Sternfahrten hatten wir Emden gewählt.

Die größte Stadt Ostfrieslands liegt an der Ems-Mündung und wird geprägt durch ihren Seehafen. Leider wurde im Zweiten Weltkrieg 80 Prozent der Innenstadt und damit nahezu alle historischen Gebäude zerstört, weshalb Emdens Stadtbild nicht gerade attraktiv ist. Zwei bekannten Söhnen der Stadt hat es Emden zu verdanken, dass dennoch nicht wenige Besucher den Weg hierher finden.

Der erste berühmte Sohn ist der Komiker Otto Waalkes (übrigens ist Karl Dall ebenfalls hier geboren, hat sich jedoch im Stadtbild nicht verewigt). Spätestens am „Dat Otto Huus“ wird dies jedem klar. Zentral am Ratsdelft (Alter Binnenhafen) gelegen, zeugt schon der aus der Wand brechende Ottifant, was sich hier verbirgt: ein Museum und Fanshop des „Blödel-Barden“. Wir statten dem Otto Huus keinen Besuch ab, schon zu Hochzeiten des Komikers war ich kein besonderer Fan von ihm (und die Kinder kennen ihn kaum), die lange Schlange hält uns zusätzlich ab. Aber der Stadt tut sein Ehrenbürger auf jeden Fall gut, neben dem Otto Huus (dessen Eintrittsgelder er spendet) findet sich sein Konterfei auch anderswo, nämlich bei den Ampelmännchen und als Werbegesicht des Thiele-Tees, dem einzigen Unternehmen der ostfriesischen Teebranche, das (seit 1873) als Familienbetrieb geführt wird und seinen Stammsitz in Emden hat. 

Ganz nett anzuschauen ist der alte Binnenhafen, am Ratsdelft mit Rathaus und seinen Museumsschiffen. Nehmt euch in acht vor den drei „Delftspuckern„, die hier klönen und ab und zu etwas in Richtung Delft spucken, sehr zur Erheiterung des Publikums. Eine weitere lokale Attraktion in unmittelbarer Nähe ist der Emder Heringslogger (Bittners Fischspezialitäten) am Hafentor – ein Fisch-Imbiss vom Feinsten, vom Fisch bis zu den Saucen. Weil am Hafenimbiss eine lange Schlange ist, testen wir sein Angebot an einem zweiten Standort, der Auricher Straße, und sind sehr angetan. Achtung: die Portionen sind riesig!

Doch nun zum zweiten bekannten Sohn der Stadt, Henri Nannen. Der Gründer, Herausgeber und Chefredakteur des „Stern“ schenkte seiner Heimatstadt im Rahmen einer Stiftung seine Kunstsammlung. Die Kunsthalle Emden zeigt seine beeindruckende Sammlung, vor allem Kunst vom Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere Expressionismus und Neue Sachlichkeit, mit Werken u.a. von Franz Marc, Max Beckmann, Emil Nolde und Paula Modersohn-Becker. Für die Kinder und uns ein absolutes Highlight war die aktuelle Sonderausstellung „Sight Seeing. Die Welt als Attraktion“. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Frage, wie bestimmte Sehenswürdigkeiten zu Reisezielen wurden, die jeder sehen will, und wie sie der jeweilige Zeitgeist in Kunstwerken darstellte. Die Bandbreite der ausgestellten Werke reicht von frühen Darstellungen antiker Weltwunder bis hin zu modernen Künstlern, die sich mit Tourismuskritik auseinander setzen. Wir entdecken zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die wir mit den Kindern bereist haben, und bestaunen die jeweilige Bildsprache im Kontext des Zeitgeschehens.

Als „lebendiger Ort der Begegnung“, so Nannens Wunsch, gibt es neben dem Museum unter anderem auch ein museumspädagogisches Angebot, eine Malschule sowie ein Café, in dem man schön am Ufer des Stadtgrabens sitzen und essen kann. Besagten Kanal befahren wir auch mit einem Tretboot (möglich wären auch ein Kanu oder ein Hydro-Bike gewesen), das wir beim Bootsverleih am Wasserturm ausleihen. Es gibt verschiedene Strecken je nach Zeitvorstellung, die entlang des Stadtgrabens, vorbei an der Kunsthalle und an den Gärten der Emder führen. Wir sind lange nicht so begeistert wie bei unserer Tour in Plön (siehe Die Plöner Seenplatte in der holsteinischen Schweiz), die Strecke ist weit weniger abwechslungsreich und der Kanal an vielen Stellen nicht sehr sauber, aber für eine Stunde Rundfahrt ist es in Ordnung.

Auch den zwei weiteren „großen“ Städten Ostfrieslands statten wir einen Besuch ab: Aurich und Leer. „In Aurich ist’s schaurich, in Leer noch viel mehr“, sagt ein Sprichwort – das wollten wir uns doch genauer anschauen.

Auf dem Weg von Emden nach Aurich bedeutet der Abstecher zum schiefsten Turm der Welt nur einen kleinen Umweg. In Suurhusen steht dieser Turm der evangelischen Kirche, der es mit einer Neigung von 5,19 Grad ins Guiness Buch der Rekorde geschafft hat. Die sehr viel berühmtere Variante in Pisa schafft es nur auf 3,97 Grad.

Aurich ist nach Emden die zweitgrößte Stadt Ostfrieslands. „Schaurich“ können wir das Kleinstädtchen absolut nicht finden, es hat eine nette Fußgängerzone und Einkaufsstraße und lädt zum Bummeln ein. Noch besser gefällt uns die drittgrößte Stadt Leer, dessen Gässchen in unseren Augen noch etwas hübscher sind und wo es sich ebenfalls schön schlendern lässt. Sicherlich sind beide Städtchen keine absoluten „Must Sees“, aber für einen kleinen Ausflug lohnt es sich allemal. Wer Burger liebt, dem sei noch Traute Burgerbar in der Marktpassage in Aurich empfohlen. Superleckere, sehr kreative und riesige Burger (selbst die Kinderburger) in nettem Ambiente mit sehr freundlichem Service – thumps up!

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