Schottland: Ein Tag in den Highlands

Wer an Schottland denkt, dem kommen neben Whisky und Schottenrock sofort die Highlands in den Sinn. Also lag es nahe, dass wir von Edinburgh aus (siehe Schottland: Edinburgh mit Kindern) auch einen Tagesausflug in die Highlands unternehmen.

South Queensferry mit Forth Bridge

Mit dem Mietwagen fahren wir früh am Morgen in Richtung Firth of Forth (ein fjordähnlicher Meeresarm und Mündung des Flusses Forth in die Nordsee) und South Queensferry, wo sich unser erster Stop befindet. Wir halten an der Forth Rail Bridge, eine Eisenbahnbrücke, die 2015 als UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Die Brücke wurde in der viktorianischen Zeit Ende des 19. Jahrhunderts als erste Brücke ausschließlich aus Stahl gebaut. Die South Queensferry Ladenzeile ist mit ihren kleinen Pubs und Geschäften nicht nur sehr hübsch anzuschauen, von hier bietet sich auch ein schöner (Foto-)Blick auf die rot angemalte Brücke mit ihrer interessanten Stahlkonstruktion. Und wer einen besonders langen Blick auf die Brücke genießen will, dem sei ein Frühstück (oder ein Snack) in der Antico Bar des Orocco Pier Restaurants empfohlen – die große Glasfront bietet eine exzellente Aussicht auf die Brücke.

Doune Castle

Nachdem die Kinder auch mal am „Strand“ die Hände in den Forth gesteckt haben, geht es weiter zum Doune Castle, eine spätmittelalterliche Burg, die oberhalb des Teith-Flusses am Fuß der Trossach-Berge liegt und damit den Beginn der Highlands markiert. Sie war ehemals ein Jagdschloss der Schottischen Könige, darunter Maria Stuart. In jüngerer Zeit diente sie als Filmkulisse für Outlander, Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“ und für „Winterfell“ in der ersten Staffel von „Game of Thrones“ (mehr zu Drehorten von Game of Thrones: Dubrovnik: Game of Thrones Special). Nachdem wir Eltern schon letztes Jahr dem GoT-Fieber verfallen sind, hat dies nun auch unsere Älteste erfasst. Da sie derzeit das Buch liest (und die Serie immer soweit schauen darf, wie sie im Buch ist), wollte sie natürlich unbedingt diesen Drehort sehen. Die Burg selbst ist nicht besonders spektakulär und im Inneren recht karg, aber die Kinder hatten ihren Spaß mit den engen Wendeltreppen, dem Kontrast zwischen der großen Halle und den teils sehr kleinen Zimmerchen und die Lage über dem Flüsschen ist recht idyllisch. „Winterfell“ erkennt man mit viel Fantasie, hier wurde aber nur für die erste Staffel gefilmt (später wurde in Nordirland gedreht).

Highlands: Loch Awe mit Kilchurn Castle und Saint Conan’s Kirk

Wir fahren weiter in die Highlands hinein, auf Scenic Roads durch den Loch Lomond and Trossachs National Park. Die Straße wird zurecht als „scenic“ bezeichnet, sie windet sich immer wieder an diversen Seen, Lochs genannt, vorbei durch die Berge, die jetzt sogar noch teilweise schneebedeckt sind. Zahlreiche Schafe sehen wir in dieser Einsamkeit (oops – der Radio- und Handyempfang sind weg), auch ein paar mit Decken vor der Kälte geschützte Pferde, aber noch lieber hätten wir ein paar Highland-Rinder gesehen, die sich allerdings kaum blicken lassen.

Unsere nächsten Ziele liegen an einem der vielen Seen, und zwar am Loch Awe, der mit einer Länge von 41 Kilometern übrigens der längste See der Highlands ist. An dessen nördlichem Ende steht die romantische Ruine des Kilchurn Castle. Von einem Parkplatz an der A85 aus ist es nur ein kurzer Spaziergang zur Ruine, die malerisch am Seeufer liegt. Wir laufen über wogendes Grasland und sehen – leider nur aus der Ferne – ein paar Highland-Rinder, denen wir uns natürlich nicht nähern (hätten sie sich nicht auch uns etwas nähern können?).

Die Burg wurde im 15. Jahrhundert vom ortsansässigen Campbell-Clan erbaut (wie Jahrhunderte später auch die St. Conan’s Kirk). Früher lag die Burg auf einer Insel, heute auf einer Landzunge, und in all der Zeit versuchte nur einmal ein feindliches Heer einen – erfolglosen – Angriff. Aufgegeben wurde die Burg erst im 18. Jahrhundert nach einem Brand. Zu dieser Jahreszeit kann man sie nur von außen besichtigen, man kann komplett außen herum laufen, was wir natürlich auch tun.

Ein paar Kilometer davon entfernt, ebenfalls am Ufer des Loch Awe, befindet sich die Saint Conan’s Kirk. Das im 19. Jahrhundert erbaute Kirchlein mit kleinem Kreuzgang ist ebenfalls sehr romantisch und absolut sehenswert, es gibt viel zu entdecken (z.B. die Gargoyles am Seeufer in Form von Hasen oder die Sonnenuhr). Auch die Lage ist toll, direkt am Seeufer mit Blick auf Kilchurn Castle. Wenige Parkplätze sind vorhanden, der Eintritt ist frei, wir geben gerne am Ende eine Spende zur Erhaltung des Kleinods und können den Besuch sehr empfehlen.

Loch Lomond und Luss

Nach dem Loch Awe ist auch mal wieder Zeit, etwas zu essen. Restaurants sind nicht gerade üppig anzutreffen in dieser Gegend, aber bei einer Recherche im Vorfeld sind wir fündig geworden, und „Geister-Hotel“ klingt ja auch genau richtig. Merke: Auch in den Highlands wimmelt es von Geistern (siehe auch Schottland: Edinburgh mit Kindern). Auf dem Weg zum Loch Lomond machen wir also Halt im „Geister-Hotel“ Drovers Inn (auf dessen Homepage lässt sich sogar ein YouTube-Video anschauen mit der angeblichen Geistersichtung). Das Drovers Inn ist ein alter Landgasthof (Pub und Hotel), der Pub ist urig und voller Nippes eingerichtet, die männliche Bedienung serviert im Schottenrock – unsere Klischees werden also bedient. Auch das Essen ist ok soweit, ein Stop hier ist also keine ganz schlechte Idee.

Wir fahren weiter in Richtung des nächsten Sees, Loch Lomond. Hier machen wir als letzte Station Halt im idyllischen Dörfchen Luss, „Scotland’s loveliest village“. Im Sommer muss hier mächtig was los sein, es gibt zahlreiche Aktivitäten vor allem im bzw. auf dem See, zum Beispiel diverse Bootstouren, das Örtchen hat einige Cafés, Restaurants und Shops. Doch jetzt, in der Vorsaison, ist es einfach nur ein verschlafenes, denkmalgeschütztes Dörfchen, mit netten Cottages aus Stein.

Unser Fazit des Tages: Von Edinburgh aus kann man mit dem Mietwagen einen tollen Tagesausflug in die Highlands machen, die Schönheit der Gegend und zahlreiche pittoreske Bauwerke genießen – auch unsere Kinder fanden den Tag toll!

Ein Kommentar zu „Schottland: Ein Tag in den Highlands

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  1. Also nördlicher wie Norddeutschland bin ich leider noch nicht rausgekommen aber es hört bzw sieht interessant aus was du im Beitrag dargestellt hast. Klar die Burgen sind für Kinder schon ein kleines Highlight !!!

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