Schottland: Edinburgh mit Kindern

Die Faschingstage sind bei uns immer sehr beliebt, um eine Kurzreise zu unternehmen. Erstens sind wir Faschingsmuffel und zweitens kann man zu dieser Jahreszeit günstig zu den europäischen Metropolen reisen, die darüber hinaus an diesen Tagen vergleichsweise leer sind. Dieses Jahr fiel die Wahl auf Edinburgh. Vor einigen Jahren waren mein Mann und ich auf einem Tagestrip in der schottischen Hauptstadt, die uns damals sehr gut gefallen hat. Auch für einen Städtetrip mit Kindern ist diese Stadt perfekt geeignet.

Der Flughafen ist gut an die City angebunden, mit dem Bus „Airlink 100“ ist man in etwa 30 Minuten in der Stadt (Informationen und Tickets findet ihr hier). Ein vorbestelltes Taxi hat uns allerdings auch nur 24 Pfund gekostet – zu viert nur wenig teurer als der Bus und wir werden direkt vor die Hoteltür gebracht.

Nach Bezug unseres Apartments geht es auch gleich los! Die Innenstadt der knapp 500.000-Einwohner-Metropole ist übersichtlich und gliedert sich in die mittelalterliche Altstadt („Old Town„) und die neo-klassizistische, im georgianischen Stil erbaute, Neustadt („New Town„). Beide sind seit 1995 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Sie sind fußläufig zu erschließen – vorausgesetzt die lieben Kleinen sind nicht zu lauffaul. Allerdings ist die Stadt recht hügelig, was die ein oder andere Müdigkeitserscheinung zur Folge hatte.

Herz der Altstadt ist das Edinburgh Castle. Am Schloss beginnt auch die „Royal Mile„, die sich bis zum Palace of Holyroodhouse erstreckt. Die Princes Street, eine der Haupteinkaufsstraßen von Edinburgh, trennt die Altstadt von der rechtwinklig angelegten Neustadt mit ihren Prachtstraßen aus dem 18. Jahrhundert.

Wir wohnen in der Altstadt in der Nähe des Holyroodhouse (Residenz der Queen, wenn sie in der Stadt ist). Bevor die Stadterkundung los geht, essen wir erst einmal eine Kleinigkeit im „Oink“ am Canongate. Von diesem „Scottish Hog Roast“-Schnellimbiss gibt es mehrere in Edinburgh und man kann sich seine Pulled Pork Sandwiches in Größe und Inhalt selbst zusammenstellen – hat lecker geschmeckt!

Dann laufen wir frisch gestärkt die Royal Mile hinauf in Richtung Schloss. Die Royal Mile ist die „Touristenstraße“ der Stadt, an der sich Cafés und Restaurants, Souvenirshops voller Schottenröcke, Cashmere-Schals, Nessies und Highlandrinder aus Plüsch und Plastik, sowie Whisky-, Fudge- und Shortbread-Geschäfte befinden. Und alle 50 Meter steht ein Dudelsackspieler auf dem Gehweg und bläst seine Weisen, unbeeindruckt von den fotografierenden Touristen.

Im Sommer schieben sich die Touristen diese „Meile“ entlang, jetzt, Anfang März, kann man in Ruhe die hübschen Bauwerke und die vielen kleinen und großen Besonderheiten bestaunen, wie die Uhr am Canongate Tolbooth, die achteckige „Markt-Säule“ Mercat Cross und vor allem die zahlreichen kleinen Gässchen, Wynds und Closes genannt, die rechts und links von der Royal Mile abzweigen und in die Unterstadt führen – dazu später mehr. Und uns begegnet auch noch eine „Doppelstockbus-Hochzeitslimousine“ – nebst den vielen roten Telefonhäuschen ein weiteres Zeichen, wo wir uns befinden. Die Absicht der verkleideten Gruppe erschließt sich uns nicht ganz – Fasching in Edinburgh?

Edinburgh Castle

Ganz oben angekommen öffnet sich ein großer Platz, auf dem jedes Jahr im August das weltberühmte Royal Edinburgh Military Tattoo stattfindet, das größte Musikfestival Schottlands. Wir haben vorab im Internet Eintrittstickets gekauft (die Eintritt für eine bestimmte Zeit erlauben) und gehen an den zu dieser Tages- und Jahreszeit kurzen Schlangen vorbei direkt zum Portcullis Gate und ins Schloss. Das Edinburgh Castle ist sicherlich eine der Hauptattraktionen der Stadt bzw. von ganz Schottland. Das Schloss steht auf dem Castle Rock, einem Basaltkegel, der vergleichsweise leicht zu verteidigen war und eine herrliche Aussicht über die Stadt bietet.

Aufgrund zahlreicher Belagerungen und damit einher gehenden Zerstörungen sind architektonisch verschiedenste Epochen in diesem Bauwerk zu sehen. Das älteste Gebäude ist die mittelalterliche St. Margaret’s Chapel aus dem 12. Jahrhundert, die allen Zerstörungen stand hielt. Direkt vor ihr steht Mons Meg, eine Riesenkanone aus dem 15. Jahrhundert, die eine Steinkugel angeblich fast 3 Kilometer weit schießen konnte. Die weitere berühmte Kanone des Schlosses ist die „One O’Clock Gun„, die täglich um 13 Uhr (außer Sonntags) einen Schuss abgibt.

Edinburg Castle war lange Zeit auch das Schloss der schottischen Könige, Maria Stuart brachte hier ihren Sohn zur Welt. Im „Crown Room“ sind die schottischen Kronjuwelen, die Honours of Scotland, ausgestellt, die aus einer Krone, einem Zepter und einem Schwert bestehen und die ältesten Insignien Europas bzw. der Christenheit sind. Berühmt und eines der wichtigsten Symbole der schottischen Nation ist auch der Krönungsstein, der Stone of Destiny oder Stone of Scone, auf dem die schottischen Könige gekrönt wurden (die Honours dürfen leider nicht fotografiert werden).

Weitere Highlights beim Gang durch das Schloss sind die „Great Hall“ aus dem 16. Jahrhundert, das Scottish National War Memorial und das War Museum. Die Kinder fanden eher die Einhörner als Schildhalter im Wappen Schottlands sowie das Prisons of War Museum interessant, das u.a. die Situation der Gefangenen im 18. Jahrhundert zeigt – wenngleich sie enttäuscht waren, keine Folterkammer vorzufinden.

Uns hat der Besuch im Schloss sehr gut gefallen, er ist kurzweilig und abwechslungsreich auch mit Kindern (wer alles ganz genau wissen will, kann auch einen Audioguide nutzen) und die Aussicht vom Castle Rock ist grandios.

Geister- und Gruseltouren in den Closes und Vaults

Wer Einhörner im Wappen trägt, an Nessie glaubt und Harry Potter geschaffen hat, der ist auch für Geister zu haben – und das sind die Schotten definitiv. Überall in Edinburgh  werden Geister-, Grusel-, Mörder- und Hexen-Touren angeboten und natürlich wollten auch wir einen Ausflug in die „Unterwelt“ machen. Die Touren führen entweder durch die engen Gässchen der Altstadt (die „Closes“) oder in die Katakomben („Vaults“) – oder beides. Wir haben uns der Kinder wegen für den Stadtrundgang „Verborgene Geschichten“ von Mercat Tours entschieden, da dieser auch auf Deutsch angeboten wird.

Die Tour mit unserer Führerin Arven beginnt auf der Royal Mile am Mercat Cross, dem Marktplatz von Edinburgh. Hier konnte das Volk früher Hexenprozessen und Folterungen beiwohnen, die letzte schottische Hexe, Helen Duncan, wurde tatsächlich erst 1944 nach dem Witchcraft Act von 1735 verurteilt, aber natürlich nicht hingerichtet. Die früheren Hexen wurden, nach Folterung, bevorzugt in der Kloake vom „Nor Loch“, einem See zwischen Old und New Town (in den auch das gesamte Abwasser der höher gelegenen Stadt floss) einer Wasserprobe unterzogen: Gingen sie unter und ertranken, waren sie unschuldig (aber dummerweise auch tot). Trieben sie oben, hatte der Teufel nachgeholfen und sie wurden verbrannt – mit Geständnis nach Strangulation, ohne bei lebendigem Leib. Oh je, hoffentlich schlafen die Kinder heute Nacht…

Die nächste Station in den Closes war weniger gruselig als eklig. Closes – der Name kommt entweder von der Enge in diesen Gassen, wo man „close together“ lebte, oder davon, dass die Gänge nachts geschlossen, „closed“, werden konnten. Soweit noch nicht eklig, das wird es erst, wenn erklärt wird, dass die Closes früher auch wahre Abwasserkanäle waren. Denn aus den bis über 10-stöckigen Gebäuden, natürlich ohne sanitäre Anlagen, schüttete jedermann seine gesammelten Abfälle und -wässer, ja, auch die Fäkalien, aus dem Fenster in die Gassen – alles floss ja schön nach unten, in besagtes Nor Loch oder zur anderen Seite ins Elendsviertel Cowgate. Wer sich allerdings in diesen Moment direkt darunter befand, hatte Pech – kaum einer war, trotz Warnruf, schnell genug weg. Bis heute ist dies angeblich erlaubt, allerdings nur zwischen 22 und 5 Uhr nachts…

Nach den Closes geleitet uns Arven in die Unterwelt, in die unterirdischen Gewölbe der South Bridge. Die South Bridge Vaults sind nur im Rahmen einer Führung zugänglich und waren früher zunächst als Platz für Handwerker und als Lagerräume gedacht, wurde jedoch aufgrund der Umstände – Dunkelheit, Wassereinbrüche, Ratten und Sauerstoffarmut -, rasch ein Sammelpunkt für die Ärmsten der Stadt, die Obdachlosen und allerlei Gesindel. Heute spuckt es hier natürlich in jedem der zahlreichen Räume, was uns Arven im schummrigen Kerzenlicht mit dem einen oder anderen dramatischen Höhepunkt genüsslich-gruselig erzählt. Unsere Kleine hängt sich immer mehr an mich, das kann was werden heute Nacht. Doch am Ende versichern uns beide Kinder, dass sie die Führung grandios fanden!

New Town

Nach so viel spannenden Erlebnissen war ein Spaziergang durch die New Town eher eine Enttäuschung für die Kinder (interessant lediglich, dass das satte Grün der Princes Street Gardens wohl vom ehemals hier liegenden „gut gedüngten“ Nor Loch herrührt). In der New Town befinden sich zwischen Princes und Queen Street mit den dazwischen liegenden George und Rose Street (Fußgängerzone) die Haupteinkaufsstraßen der Stadt, natürlich aufgrund der geplanten Anlage aus dem 18. Jahrhundert in auffälligem Kontrast zur eng bebauten Altstadt.

Scotch Whisky Experience

Und was wäre ein Schottland-Besuch ohne Whiskyprobe (damit wenigstens wir, wenn schon nicht die Kinder, schlafen können). Der Einfachheit halber haben wir uns für eine „Silver Tour“ bei der Scotch Whisky Experience entschieden. Dabei waren wir eher skeptisch: In so prominenter Lage am Fuße des Schlosses – das wird wohl eher ein Touri-Nepp. Aber: Wir waren begeistert!

Zunächst fährt man in Whiskyfässern entlang einer „Produktionsstraße“ des Whisky und erfährt so, wie Whisky hergestellt wird. Danach erhält man mittels Audioguide (natürlich auch auf Deutsch erhältlich) weitere Einblicke in die Whiskyproduktion. Schließlich gelangt man zu einer Filmvorführung, wo die fünf schottischen „Whiskyregionen“ Highland, Speyside, Lowland, Islay und Campbelltown mit ihren Besonderheiten vorgestellt werden. Ein tolles Gimmick auch für die Kinder dabei: Man erhält eine Postkarte mit fünf „Rubbelfeldern“, die die typischen Aromen der jeweiligen Region freigeben – z.B. Rauch, Vanille oder Birne.

Es folgt der Proberaum, wo sich (bei der Silvertour) jeder eine Region zum Testen aussuchen darf (leider bekommen wir nicht die Probe der Kinder, sondern die Kinder bekommen ein „Irn Bru“, die koffeinhaltige schottische Softdrinkvariante als Antwort auf Coca Cola – Himmel hilf, sie werden noch schlechter schlafen!). Die Probe nimmt man inmitten der größten Whiskysammlung der Welt ein – mehr als 3.300 Flaschen umfasst diese insgesamt. Natürlich bekommen wir Lust, alle Regionen zu testen, was wir in der anschließenden Bar auch tun. Slainte Mhath (gälisch: Prost)!

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Ein Kommentar zu „Schottland: Edinburgh mit Kindern

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  1. toller interessanter Beitrag und die Foltermethoden waren ja heftig, aber das kennt man ja von den Hexenverbrennungen im Mittelalter ! Whisky ist nun gar nicht mein Getränk und da wäre ich sicherlich total fehl am Platze ! Ansonsten wie schon oben geschrieben lesenswert !!!

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