Gargano: der vielseitige Sporn Italiens

Italien – du bist einfach eines unserer liebsten Urlaubsländer! Auch 2022 verbringen wir den Sommerurlaub hier, dieses Mal in Apulien im äußersten Südosten des Landes. Unser erstes Ziel dort ist die Halbinsel Gargano, der Sporn des italienischen Stiefels.

Auf dem Weg dorthin vom Flughafen Bari nehmen wir die Küstenstraße und kommen an den hübsch anzuschauenden rosa Salzseen (Salina die Margherita di Savoia, Teil des Nationalparks Gargano) samt dazugehöriger Salzberge und jede Menge Wasservögel – in der Ferne sehen wir Flamingos – vorbei. Da wir hungrig sind, machen wir einen Zwischenstopp in Manfredonia, quasi Eingangstor zur Halbinsel Gargano. Wir sind angenehm überrascht: Das Kleinstädtchen kann nicht nur ein mächtiges Kastell vorweisen, sondern auch eine herausgeputzte Altstadt mit Fußgängerzone. Wir lassen uns unweit des ebenfalls hübschen Hafens unsere erste Fischmahlzeit schmecken und sind im Urlaub angekommen!

  • Salzsee Apulien
  • Apulien Salzberg bei Manfredonia
  • Apulien Manfredonia
  • Apulien Manfredonia
  • Apulien Manfredonia

Danach geht es weiter die Küstenstraße entlang zu unserem ersten Urlaubsdomizil, das im Hinterland zwischen den Hafenstädtchen Vieste und Peschici liegt. Enge, kurvenreiche Straßen fordern dem Fahrer einiges ab, sorgen aber für viele Ah’s und Oh’s beim Ausblick auf weiße Kalkfelsen, grüne Kiefernwälder und türkisblaues Wasser. Leider gibt es – außer halsbrecherisch direkt auf der Straße – kaum Stellen, wo man gefahrlos halten kann. Sind Parkplätze vorhanden, dienen sie meistens Strandbesuchern und sind kostenpflichtig. Zum Glück haben wir schon eine Fahrt entlang der Küste gebucht, um die Landschaft nochmal in Ruhe vom Wasser aus bewundern zu können!

  • Apulien Gargano Küstenstraße
  • Apulien Gargano Küstenstraße

Strandtag an der Spiaggia di Scialmarino

„Le Puglie“ ist bei Deutschen und anderen Europäern als Urlaubsregion nicht ganz so bekannt wie die Toskana, Sizilien oder Ligurien und gerade im Gargano stellen Italiener gefühlt 90 Prozent der Touristen. Wir müssen uns also auch mal mit unseren rudimentären Italienischkenntnissen durchschlagen, Führungen, Speisekarten und Kellner ausschließlich auf Italienisch verstehen und schlagen uns aber ganz gut. Macht Spaß mit romanophilem Kauderwelsch und ohne Schnitzel, Helga und TUI!

Stattdessen lernen wir an unserem ersten Strandtag, wie es typischerweise „in spiaggia“ in Bella Italia aussieht. Dabei fällt uns auf: Die Kinder kennen das gar nicht, „italienischer Massentourismus“ am Strand, weil wir das bisher immer vermieden haben – einsame Buchten und Strände ziehen wir auch immer noch vor. Aber heute fahren wir von unserem kleinen Hotel im Hinterland zwischen Vieste und Peschici an die Spiaggia di Scialmarino und mieten dort Sonnenschirm und Liegen. Die weite Bucht und der feinsandige Strand sind toll, das Wasser glasklar und das Leben tobt. Alle 50 Meter bespaßt eine andere Animationsgruppe die Urlauber, die sich verkleiden, mit Farbe beschmieren, in lustige Wettkämpfe treten und singen. Ein einziges großes Volksfest!

  • Apulien Gargano Strand Spiaggia di Scialmarino
  • Apulien Gargano Strand Spiaggia di Scialmarino
  • Apulien Gargano Strand Spiaggia di Scialmarino

Trabucchi – Fischfang an der Küste

Wir strandwandern durch diese südländische Fröhlichkeit zum Ende der langen Bucht bis zu einem Trabucco, die es hier vielerorts an der Küste gibt. Trabucchi sind hölzerne Pfahlbauten auf den Küstenfelsen, von denen aus Fische gefangen werden. Einige sind noch in Betrieb und werfen dort, wo Meeresströme Fischschwärme vorbei treiben, ihre Netze aus. Andere Trabucchi sind mittlerweile umgebaut und dienen beispielsweise als Restaurant, wie das Al Trabucco da Mimi in Peschici. Einen Besuch dort können wir sehr empfehlen, nicht nur um mal auf einem Trabucco zu sein, sondern weil es sich dort auch lecker essen oder einfach nur einen Aperitivo genießen lässt. In der Hochsaison unbedingt reservieren!

  • Apulien Gargano Strand Spiaggia di Scialmarino mit Trabucco
  • Apulien Gargano Strand Spiaggia di Scialmarino mit Trabucco
  • Peschici Trabucco da Mimi
  • Peschici Trabucco da Mimi
  • Peschici Trabucco da Mimi
  • Peschici Trabucco da Mimi

Peschici – hübsches weißes Städtchen am Meer

Nach dem Strandbesuch statten wir dem Küstenstädtchen Peschici noch einen Besuch ab. Von Norden kommend sehen die weißen Häuschen am Schönsten aus. Doch auch hier sind Parkplätze oder wenigstens Haltebuchten an der Straße Mangelware, wir halten mal wieder mitten auf der Straße – die Sicht ist einfach zu schön!

Auch das Örtchen selbst kann sich sehen lassen. Wir finden erstaunlicherweise einen Parkplatz in der Nähe der überall in Italien üblichen ZTL („zona traffico limitado“ – für den Normalverkehr gesperrte Innenstadtbereiche, oft in den Altstädten; Achtung: Werden mit Kameras überwacht und Hineinfahren kann richtig teuer werden!). Gemütlich schlendern wir durch die gepflasterten Straßen, wo sich Shops mit Restaurants und Cafés abwechseln und genießen den Sonnenuntergang über dem Meer. Ein kleiner Italientraum!

  • Apulien Peschici Altstadt
  • Apulien Peschici Altstadt
  • Apulien Peschici Altstadt
  • Apulien Peschici Altstadt
  • Apulien Peschici Blick von Altstadt aufs Meer
  • Apulien Peschici Altstadt

Vieste: Bootstour an der Steilküste mit Höhlen

Am nächsten Tag steht unsere Bootstour entlang der Küste auf dem Programm. Ähnliche Touren starten in vielen Häfen der Gargano-Halbinsel, wir entscheiden uns für die Tour Le Grotte marine di Vieste del Gargano. Die Tour Desirèe startet, wie Tourbezeichnung sagt, ab Vieste und bietet als Höhepunkt die Bootsfahrt in verschiedene Grotten, dauert drei Stunden und beinhaltet einen Badestopp. Zunächst umkreisen wir die ebenfalls hübsche, auf einen Felsen gebaute Altstadt von Vieste samt Kathedrale, Kastell und Trabucco und sehen das Strandwahrzeichen, den Kalkfelsen Pizzomunno vom Wasser aus (wir haben ihn vorab am Strand besucht). Gestenreich erzählt der Bootsführer die Liebesgeschichte dazu – da wir die einzigen Nicht-Italiener sind, nur auf italienisch, aber voller Theatralik. Dann geht es immer die Küste entlang, wir sehen zahlreiche Felsentore und Grotten mit klangvollen Namen wie „Grotte mit den zwei Augen“ oder Grotte der Tomaten mit rot färbenden Seepocken oder Felsformationen wie das „trinkende Pferd“, die Sphinx oder den Löwen. Das Wetter klart langsam auf und so kommt das hübsche Farbspiel zwischen den weißen und teils durch Eisenverbindungen rot gefärbte Kalkfelsen, den grünen Aleppo-Kiefern und Kapernsträuchern an und über der Steilküste, dem türkisblauen Wasser und blauen Himmel noch besser zur Geltung. Immer wieder fährt das flache Boot in niedrige Grotten, es ist kaum Platz zwischen den Köpfen der Gäste und dem Höhlendach und wir bewundern, wie der Kapitän hier millimetergenau navigieren kann. Schließlich hält das Boot an einem herrlichen Strand und wir können baden – das Warnschild „30 Meter Abstand“ an der Steilküste beachtet niemand. Geht auch gar nicht, dann wäre man nämlich weit im Wasser.

Aber das tut dem Erlebnis keinen Abbruch, wir finden die Tour großartig und können sie wärmstens empfehlen!

  • Apulien Gargano Bootstour Vieste
  • Apulien Vieste Trabucco
  • Apulien Vieste Pizzomunno
  • Apulien Vieste Pizzomunno
  • Apulien Küste Gargano Bootstour
  • Apulien Küste Gargano Bootstour
  • Apulien Küste Gargano Bootstour
  • Apulien Küste Gargano Bootstour
  • Apulien Küste Gargano Bootstour
  • Apulien Küste Gargano Bootstour
  • Apulien Gargano Bootstour
  • Apulien Gargano Bootstour
  • Apulien Küste Gargano Bootstour
  • Apulien Gargano Bootstour
  • Apulien Gargano Bootstour
  • Apulien Gargano Bootstour Warnschild

Foresta Umbra – im schattigen Buchenwald

Im Hinterland lohnt noch eine weitere Besonderheit einen Besuch: die „grüne Lunge“ des Gargano, der Foresta Umbra. Dieser Laubmischwald ist das Kernstück des Nationalparks Gargano und extrem artenreich und vor allem im Sommer, wie sein Name („schattiger Wald“) verspricht, angenehm kühl. Er ist vor allem berühmt für seine Buchenbestände, die auch zum UNESCO-Naturerbe gehören. Wir hatten gehofft, dass am höchsten italienischen Feiertag, dem Ferragosto am 15. August, die Italiener lieber am Strand feiern (was sie auch ausgiebig taten), aber auch der Buchenwald hatte es ihnen angetan. Ein Ausflug in die Natur sieht hier folgendermaßen aus: Das Auto wird am Straßenrand geparkt, die Familie läuft mit Sack und Pack wenige Meter in den Wald und lässt sich zum Picknick nieder. Am Nationalparkzentrum war kein Durchkommen, also parken auch wir am Straßenrand und machen einen kleinen Spaziergang im Buchenwald, unter dem im Frühjahr zahlreiche Orchideen sprießen. Jetzt im Hochsommer müssen wir uns mit wilden Alpenveilchen begnügen, die diese kalkhaltigen Böden lieben. Auf dem Rückweg heißt es nicht nur Achtung vor den in jeder Kurve parkenden Autos, sondern auch vor einer Herde Kühe, die den Buchenwald überraschenderweise ebenfalls für ein „Picknick“ nutzt.

  • Apulien Gargano Foresta Umbra
  • Apulien Gargano Foresta Umbra
  • Apulien Gargano Foresta Umbra
  • Apulien Gargano Foresta Umbra
  • Gargano Foresta Umbra Ausflugsverkehr
  • Gargano Foresta Umbra Kühe

Zum Abschluss unserer drei Tage auf dem Gargano kehren wir im reizenden Restaurant Piana della Battaglia (71019 Mandrione, ca. 10 km von Vieste entfernt im Hinterland) ein. Inmitten von Weinbergen und Olivenhainen – wie so oft in dieser Gegend kann man auch hier hofeigenes Olivenöl kaufen – lässt es sich herrlich sitzen, die Küche ist ausgezeichnet und der Service sehr herzlich.

Unser Fazit zum Gargano: abwechslungsreich, voller Naturschönheiten, toller Strände und sehenswerter Kleinstädtchen. Schöner Auftakt für unseren Apulien-Urlaub!

4 Kommentare zu „Gargano: der vielseitige Sporn Italiens

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  1. Liebe Heide, es war wieder ein Vergnügen den Bericht zu lesen . Ihr habt tolle Ideen und einen guten Blick für die Kleinigkeiten, die die kleinen Ortschaften ausmachen.

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      1. … das wäre wahrscheinlich eher was für einen Ausflug mit meiner Freundin. Aber da haben wir-dank deinem Bericht- Valencia ins Auge gefasst . Im Sommer gehts wieder nach Ibiza. Wir haben dort eine gute Freundin mit einem phantastischen Ferienhaus. Wir lieben die Insel einfach. Einen guten Start in die Woche wünsche ich dir.

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