Island: Wenn Robben auf Diamanten treffen

Bei jedem An- und Abflug auf und von Keflavik konnten wir bei gutem Wetter – was fast immer der Fall war – einen Blick auf die beeindruckenden Gletscher werfen. Der größte unter ihnen und auch der größte Gletscher Europas ist der Vatnajökull im Südosten der Insel. Er bedeckt rund 8 Prozent der Landesfläche und hat eine Ost-West-Ausdehnung von unglaublichen 150 Kilometern. Und sogar aus dem Flugzeug kann man eine seiner Besonderheiten gut sehen: Den Gletschersee bzw. die Gletscherlagune Jökulsarlon mit ihren treibenden Eisbergen am südlichen Rand der Eismasse, wo die Schotterfläche des Gletschers ins Meer übergeht.

Der Jökulsarlon ist mit fast 300 Metern der tiefste See Islands, aber das ist nicht der Grund, warum wir auf der diesjährigen Islandreise unbedingt dorthin wollten. Der Grund ist die tolle Lage des Sees direkt am Meer, die auf der Lagune treibenden Eisschollen, die sich am Strand sammeln und deren glasklare Bruchstücke wie Diamanten auf dem schwarzen Sand glitzern. Das wollten wir unbedingt einmal sehen!

Von Reykjavik aus sind es knappe fünf Autostunden entlang abwechslungsreicher Landschaften zum Jökulsarlon, immer der Ringstraße folgen und vielleicht an ein paar der Wasserfälle stoppen (siehe Süchtig nach Island(s Regenbogen)! und Island: Insel der spektakulären Wasserfälle). Bevor man den Gletschersee erreicht, fährt man schon eine Weile am Rand des Gletschers vorbei und kann einen Abstecher zum Skaftafell/Vatnajökull Nationalpark machen (ca. 45 Minuten vor dem Jökulsarlon). Das tun auch wir und finden einen gebührenpflichtigen Parkplatz (in Google Maps zu finden unter dem Stichwort Skaftafell/Svartifoss Parking) sowie ein informatives Nationalparkzentrum vor, von dem aus mehrere längere und kürzere Wanderwege starten. Wir entscheiden uns für die Wanderung zum Svartifoss, dem „schwarzen Wasserfall“, der malerisch über Basaltsäulen in die Tiefe stürzt. Von dort aus laufen wir über das Hochland in Richtung Sjönarnipa, einen Aussichtspunkt auf die Gletscherzunge, und wieder zurück zum Besucherzentrum.

Dann geht es weiter in Richtung Jökulsarlon. Schon kurz vor Überquerung des Gletscherflusses liegen links der Straße mehrere Parkplätze, von denen aus wir einen ersten guten Blick auf die schwimmenden Eisberge haben. Der Hauptparkplatz liegt jedoch auf der anderen Seite der Brücke, er ist der Ausgangspunkt für diverse Touren rund um Gletscher und See sowie Standort zweier gut besuchten Imbisswägen. Wir testen „Nailed it“ und seine Fish and Chips sind sehr empfehlen!

Noch hängen die Regenwolken tief, aber nach dem Mittagessen hat sich auch der Regen verzogen und wir können den Blick auf die Lagune so richtig genießen! Ein wahrlich beeindruckender Anblick, der milchig-türkisfarbene See, aus dem die weißen Eisberge langsam in Richtung Meer treiben.

Wir folgen den treibenden Eisbergen unter der Brücke hindurch zum Diamantstrand. Und das ist ein Anblick, der uns die Sprache verschlägt: Die treibenden Eisberge im Meer schimmern hellblau, während die schmelzenden Bruchstücke am Strand diamantklar im Sonnenlicht glitzern und einen tollen Kontrast zum schwarzen Sand bilden. Ich kann mich kaum sattsehen!

Und noch ein weiteres Highlight steht uns bevor: die Zodiac-Tour. Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich über den Gletschersee zu bewegen: mit dem Schlauchboot, einem Amphibienfahrzeug oder mit dem Kayak. Wir entscheiden uns für die Zodiac-Tour mit Glacier lagoon. Diese Tour ist zwar teurer als das Amphibienfahrzeug, dauert aber länger und man deckt mit dem schnelleren Schlauchboot eine viel größere Fläche ab. 30 Minuten vor der Tour melden wir uns beim Anbieter und nehmen Rettungswesten sowie unsere „Flotation Suits“ entgegen – diese Anzüge geben warm, schützen vor Wind und Feuchtigkeit und sorgen für Auftrieb für den Fall, dass einer über Bord geht. Und ab geht es mit großer Geschwindigkeit (bin ich froh über meinen Flotation Suit!) über den See in Richtung Gletscher.

Wir passieren zahlreiche Eisberge unterschiedlichster Farbe, Form und Größe, die sich mitunter auch im Wasser drehen. Wir lernen: Türkise Flächen bedeuten frische Abbruchkanten! Die Sonne meint es auch gut mit uns und sorgt mit ihren Strahlen für noch intensivere Farben – wir sind schwer beeindruckt. Die Krönung sind die Seehunde, die sich auf den schwimmenden Inseln erholen und sonnen. Wir kommen diesen Robben mit dem Zodiac extrem nah, sie lassen sich in ihrem Päuschen aber kaum stören. Manche begegnen uns auch im Wasser, sie kommen von ihren Jagdausflügen zurück und wollen sich nun ausruhen.

Der Jökulsarlon war ohne Zweifel das Highlight unserer diesjährigen Island-Reise. Wer im Süden Islands ist, sollte sich dieses Naturschauspiel nicht entgegen lassen. Unsere Empfehlung: Tour in der Saison rechtzeitig buchen!

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