St. Gallen: historisch, modern und voller Charme

In coronabedingt unsicheren Reisezeiten (siehe: Noch mehr Urlaub in Corona-Zeiten: von Risikogebieten und Beherbergungsverboten) haben wir kurzfristig beschlossen, einen Kurztrip in die Schweiz und nach St. Gallen zu unternehmen. Die nach dem Wandermönch Gallus benannte Stadt ist es hauptsächlich deshalb geworden, weil wir unbedingt auf den nahe gelegenen Säntis wollten. Dass uns die Stadt dann so gut gefällt, damit hatten wir nicht gerechnet.

Wir parken das Auto in der zwar engen, aber überraschend günstigen (tagsüber 2 Franken pro Stunde) Parkgarage „Oberer Graben“ direkt am Rand des Stiftbezirks, denn dieses UNESCO-Weltkulturerbe ist unser erstes Ziel. In den Grünanlagen rund um das Wahrzeichen der Stadt, die spätbarocke Kathedrale, tummelt sich das Volk von Jung bis Alt bei strahlendem Sonnenschein. Daher wirkt die ganze Anlage trotz musealen Charakters aufgrund der perfekt hergerichteten Gebäude des ehemalige Benediktinerklosters sehr lebendig!

Im Stiftsbezirk kann man verschiedene Ausstellungen anschauen, mit und ohne Führung, mit und ohne Audioguide. Uns interessiert besonders das Juwel des Stiftbezirks, die Stiftsbibliothek, eine der ältesten, bedeutendsten und schönsten Bibliotheken der Welt. Rund 170.000 Bücher werden hier verwahrt, Herzstück der Sammlung sind frühmittelalterliche Handschriften. Neben der UNESCO-Weltkulturerbe-Auszeichnung darf die Bibliothek auch den Titel „Weltdokumenterbe“ (Memory of the World) tragen.

Vor dem Besuch müssen wir Filzschlappen anziehen, um den wertvollen Fußboden zu schützen. Damit ausgestattet betreten wir den nicht besonders großen, aber umso beeindruckenderen Bibliothekssaal, der zwischen 1758 und 1767 geschaffen wurde. Das barocke Prachtwerk mit den Gewölbebildern und Stuckverzierungen an der Decke, der geschwungenen Galerie im ersten Stock und den geschnitzten Regalen voller alter Bücher zieht uns sofort in seinen Bann. Was ein Ambiente! Auf den zweiten Blick erkennt man so viele schöne Details: Die Putten an den Regalen – uns gefällt natürlich besonders der kleine Geograph mit der Weltkugel in der Hand -, oder die Rekonstruktion eines riesigen Globus, dessen Länder immer „ungenauer“ werden, je weiter man sich aus Europa wegbewegt.

In den Schauvitrinen sind wechselnde Kostbarkeiten aus den Beständen der Bibliothek ausgestellt und die Kinder und wir staunen über die alten Bücher und Handschriften – die Mädchen können es kaum glauben, dass sie über 1.000 Jahre alte Bücher vor Augen haben. Noch mehr ins Staunen und ein bisschen ins Gruseln geraten sie, als sie die echte Mumie einer ägyptischen Priestertochter entdecken, die samt Innen- und Außen-Sarkophagen ausgestellt ist.

Fotografieren ist verständlicherweise leider verboten, im Eingangsbereich kann man jedoch ein nettes Selfie vor dem passenden Hintergrund machen, das sieht fast echt aus. Wir sind auf jeden Fall begeistert und können einen Besuch in der Stiftsbibliothek, gerade auch mit Kindern (die unter 16 Jahren in Begleitung der Eltern freien Eintritt haben), sehr empfehlen!

Anschließend schlendern wir noch durch die malerische Altstadt des Städtchens. St. Gallen ist berühmt für seine 111 Erker an den Häusern, also Kopf nach oben! Jeder Erker sieht anders aus, alle zeugen sie vom Wohlstand ihrer Besitzer und mit exotischen Pflanzen, Tieren und Menschen teilweise von den weiten Reisen der Kaufmänner.

Neben ganz viel Flair in historischen Gassen gibt es natürlich auch ein modernes St. Gallen. Nicht nur an der Universität, die zu den führenden Wirtschaftsuniversitäten in Europa zählt und deren Studierende im städtischen Raum nicht zu übersehen sind. Dem Tagesbesucher sei empfohlen, als Kontrastprogramm doch mal einen Abstecher an den „Roten Platz“ zu machen. Das Kunst-Projekt „Stadtlounge“ der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist und des Architekten Carlos Martinez bezeichnet sich als „größtes Outdoor-Wohnzimmer der Schweiz“. Der mit einem roten Teppich überzogene Raiffeissen-Platz samt Loungemöbeln im Quartier „Bleicheli“ ist faszinierend anzuschauen (und ein dankbares Objekt für Fotografen), gerade im Kontrast zum historischen Stiftsbezirk. Achtung: Hier fahren auch Autos!

Nach so viel Stadterkundung haben wir natürlich Hunger – und selbstverständlich soll es eine Schweizer Spezialität sein. Wir entscheiden uns für Käsefondue im Fondue Beizli in der Brühlgasse – und bereuen diese Wahl nicht. Aus zehn Chäs Fondue Spezialitäten bestellen wir drei verschiedene für uns, für die Kinder gibt es die Mischung auch ohne Alkohol (darüber hinaus werden auch weitere Schweizer Spezialitäten und Fleischgerichte angeboten).

Danach benötigen wir allerdings einen Verdauungsspaziergang, es trifft sich gut, das auch das nächtliche St. Gallen ein besonderes Flair ausstrahlt. Die Kathedrale ist angestrahlt, einige der historischen Gassen wirken noch romantischer, in anderen tobt das studentische Leben in den Kneipen.

Es ist unschwer zu erkennen, wie gut uns St. Gallen in der kurzen Zeit begeistert hat. Wir haben längst nicht alles gesehen und kommen gerne wieder!

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