Reykjavik: die nördlichste Hauptstadt der Welt

Was sind wir froh, dass wir keinen Flug mit der isländischen Billigfluglinie WOW Air gebucht haben. Zwei Monate vor unserem Abflug geht WOW Air pleite, wir fliegen mit Icelandair an Christi Himmelfahrt nach Reykjavik. Für Familien mit Kindern besonders interessant: Icelandair verfügt in allen Buchungsklassen über ein kostenloses Bord-Entertainment. Das ist zwar nur auf Englisch, aber die Kinder freut’s trotzdem (und die unter 12-Jährigen bekommen sogar einen Kopfhörer gestellt). Kinder erhalten außerdem eine kostenlose kleine Mahlzeit, ab 12 Jahren gibt es nur noch alkoholfreie Getränke umsonst.

Die Aufregung steigt, als wir uns Island nähern. Und wir haben Glück: Optimale Sicht beschert uns tolle erste Einblicke auf die Insel! Wir sind fasziniert vom Anblick der Gletscher, der Flüsse, die sich fächerartig ins Meer ergießen, der Vulkane und Lavafelder. Was ein Einstieg!

 

Nachdem wir unseren Mietwagen abgeholt haben, fahren wir ins 45 Minuten entfernte Reykjavik. Die Mondlandschaft der Reykjanes-Halbinsel, wo scheinbar nur Flechten wachsen und Lupinen blühen, stimmt uns auf die nächsten Tage ein. Unser Apartment, das entgegen der landläufigen Meinung durchaus bezahlbar ist (wir finden etwas mehr als 200 Euro pro Nacht für ein 60-qm-Apartment mit toller Ausstattung und in super Lage absolut angemessen), befindet sich im Stadtteil „101„, direkt in der Haupteinkaufsstraße Laugavegur. 101 ist die Postleitzahl von Reykjaviks Zentrum und wird seit dem gleichnamigen Roman von Hallgrimur Helgasons, der hier spielt, als Name für das Stadtviertel verwendet.

Reykjavik ist die nördlichste Hauptstadt der Welt, hat aber in der Kernstadt nur rund 120.000 Einwohner, im Großraum leben etwa 200.000 Menschen. Reykjavik sieht (nicht nur auf den ersten Blick) überhaupt nicht aus wie eine Großstadt, selbst im Zentrum gibt es fast nur niedrige Gebäude, darunter zahlreiche bunte Holzhäuschen. Wir laufen los, entlang der Laugavegur. Auch hier alles andere als Großstadtflair. Die typischen globalen Ketten, die es sonst in solch einer Lage gäbe, sucht man hier vergebens – kein Starbucks, kein McDonalds (die einzige globale Marke ist Subway), nicht mal ein H&M (H&Ms befinden sich allerdings in diversen Einkaufszentren). Stattdessen – natürlich – Souvenirshops, Restaurants und Bars sowie zahlreiche isländische Designer-, Mode-, Kunst- und „Kulinarik“-Label, eine angenehme Mischung, in der es sich schön Flanieren lässt.

Unser erstes Ziel nach der Schlenderei ist die Hallkrimskirkja. Die moderne, 1986 nach langer Bauzeit fertig gestellte Kirche (1929 wurde damit begonnen) ist ein Wahrzeichen der Stadt, ihre Architektur erinnert an Basaltsäulen. Sie ist das zweithöchste Gebäude des Landes und überragt, auf einem Hügel stehend, die gesamte Stadt. Vor ihr steht der isländische Entdecker Leif Eriksson.

 

Vom über 70 Meter hohen Turm hat man einen perfekten Blick über Stadt und Umland. Eigentlich hat ihr Turm bereits geschlossen, aber vielleicht wegen des tollen Wetters lässt man heute die Touristen länger nach oben, und wir nehmen das Angebot gerne an!

 

20190601_1246017490042446936270841.jpgAnschließend ist noch Einkaufen und Abendessen angesagt. Bei beidem fällt uns auf, wie stolz die Isländer auf ihre eigenen Produkte sind. Sowohl im Supermarkt, als auch im Restaurant sind die isländischen Waren mit einer entsprechenden Fahne oder einem Hinweis versehen, natürlich greifen wir auch zu isländischen Früchten wie Erdbeeren (siehe auch Island: Naturwunder am Rand Europas), Skyr (eine Art Quark oder dickflüssiger Joghurt, der sehr proteinhaltig ist und den es auch mit verschiedenen Früchten oder sonstigen Zutaten gibt) und heimischem Bier.

In den nächsten Tagen lernen wir noch weitere Besonderheiten Reykjaviks kennen: Das neben der Hallkrimskirkja bekannteste weitere Wahrzeichen der Stadt, die Konzerthalle Harpa am Hafen. 2011 eingeweiht beeindruckt sie vor allem durch ihre Glasfront. Wenn die Sonne scheint, spiegeln sich die einzelnen Waben höchst dekorativ in der Sonne und abends und nachts werden die wabenförmigen Fenster mit farbigen LEDs beleuchtet.

Reykjavik Harpa

Die Kinder viel mehr begeistert hat eine weitere Besonderheit Reykjaviks: der Geothermalstrand Nauthólsvík in der Nähe des Stadtflughafens. Hier befinden sich heiße Quellen am Strand, die in zwei Becken zum Baden eingefasst wurden. Aus dem unteren Becken läuft permanent warmes Wasser (rund 38 Grad) in den kühlen Atlantik (bei unserem Besuch hatte dieser etwa 7 Grad). Die „zusammengemischte“ Wassertemperatur reicht einigen für ein abenteuerliches Bad im Nordatlantik – wer kann schon von sich behaupten, hier mal im Meer geschwommen zu sein? Auch wir plantschen zumindest mal mit den Füßen darin, während sich die meisten Gäste doch lieber in den warmen Becken aufhalten. Wer das warme Wasser samt Umkleiden nutzen will, zahlt einen kleinen Obulus, alle anderen können den Strand auch so betreten. Der Sand ist natürlich importiert, original isländischer Sand wäre lava-schwarz!

Reykjavik Nautholsvik Geothermalstrand

Nützliches Wissen und praktische Tipps rund um einen Islandaufenthalt

  • Island ist im Winter eine Stunde hinter der Zeit in Deutschland, während der Sommerzeit zwei Stunden.
  • Das Klima ist kühl-ozeanisch, mit – durch den Golfstrom – vergleichsweise milden Wintern und kühlen Sommern, das Wetter ist sehr wechselhaft. Auch der Wind weht oft stark. Also immer für alle Wetterlagen gerüstet sein!
  • Während ihr im Sommer mit sehr langen Tagen rechnen könnt (am 21. Juni ist der Sonnenuntergang um Mitternacht, um 3:00 Uhr geht die Sonne wieder auf), gibt es am 21. Dezember nur vier Stunden Tageslicht. Selbst wenn im Sommer die Sonne untergegangen ist, ist es nicht wirklich dunkel, der Himmel ist oft in ein sanftes Dauer-Abendrot getaucht. Wer hier beim Schlafen Probleme hat, sollte eine Schlafbrille/-maske mitnehmen.
  • Island hat sich der EU-Roaming-Verordnung angeschlossen, ihr könnt hier also (natürlich je nach Vertrag) surfen und telefonieren wie daheim.
  • Es werden keine besonderen Stecker / Reiseadapter benötigt.
  • Isländisches Wasser ist sehr weich, das erfreut Haare und Haut. Aber leider mitunter auch schwefelhaltig, je wärmer man den Hahn aufdreht, desto mehr stinkt es nach „faulen Eiern“. Gesundheitlich wohl unbedenklich, aber gewöhnungsbedürftig (lässt sich aber nicht ändern). Erfreulich: In jedem Restaurant steht kostenlos stilles Wasser auf dem Tisch.
  • Island ist sehr kinderfreundlich, Kinder sind überall gern gesehen und erhalten immer Rabatte oder zahlen keinen Eintritt. Wichtig zu wissen, denn die Preise in den Restaurants und für Ausflugsprogramme (Reiten, Whale Watching etc) sind nicht ganz billig!
  • Bevor ihr losfahrt, besonders auf entlegenen Straßen und im Landesinneren, informiert ihr euch am besten unter www.road.is über den Straßenzustand. Wer ins Landesinnere fernab der Touristenrouten oder auf kleinen Schotterstraßen (wo mitunter ein Bach quert) fahren will, sollte ein entsprechendes Auto (Allrad) mieten!

 

 

 

 

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