Geheimtipp im Schwarzwald: Baiersbronner Distilled Dry Gin

Ich bin eigentlich eine klassische Weintrinkerin und -liebhaberin. Zwischendurch – insbesondere im Urlaub – darf es auch gerne mal ein Cocktail sein, aber zu „puren härteren Sachen“ zog es mich lange Zeit nicht wirklich hin. Das kann aber durchaus daran liegen, dass mir diese noch niemand überzeugend nahe gebracht hat. Denn eines Tages hat ein sehr guter Freund von uns, seines Zeichens passionierter Genießer der schönen Dinge des Lebens und Connaisseur von Wein und eben auch Gin, mit mir ein kleines Tasting veranstaltet (übrigens bevor Gin zu dem Modegetränk wurde). Bis dato war ich nur ein „Gin-Tonic-im-Flugzeug-Trinker“, aber seither zähle ich mich zu den Ginliebhabern und habe voller Begeisterung auch schon einiges probiert.

Gin ist bekanntermaßen ein (Wacholder)Schnaps, mit einem Basisalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs (meist Getreide) und einem Alkoholgehalt von mindestens 37,5 Volumenprozent. Was mich daran so fasziniert, ist seine Aromatisierung mit allerlei Gewürzen, Kräutern und Früchten (allen voran natürlich Wacholder, der in jeden Gin gehört), oftmals werden regionale Produkte verwendet oder bestimmte „lokale Besonderheiten“ integriert. Gin schmeckt und riecht also, abgesehen von der Wacholdernote, höchst unterschiedlich, zum Beispiel nach Zitrusaromen, nach Kräutern oder nach floralen Elementen (z.B. Lavendel oder Holunder). Dies führt zu allerlei Spannendem, aber auch zu recht Exotischem, wie dem „Gin Sieben“ aus Frankfurt mit den sieben Kräutern der berühmten „Grünen Soße“ (eher nicht so mein Fall).

Zwei Beispiele, die mir nach diversen Tastings sehr gut schmecken:

  1. Nicht nur weil wir Japan-Fans sind, mögen wir den japanisch angehauchten (aber in Schottland produzierten) Jinzu Gin, dessen außergewöhnlicher Basisalkohol Sake ist und der als Botanicals (neben Wacholder und Koriander) Kirschblüten und Yuzu, eine Zitruspflanze aus China, enthält.
  2. Ein Freund aus England brachte uns den Twisted Nose Watercress Dry Gin der Winchester Distillery näher (bei uns leider ohne weiteres nicht bzw. nur mit hohen Versandkosten zu bekommen), ein frischer Gin mit pfeffriger Note und mit Brunnenkresse als namensgebendem Botanical. Besonders gut schmeckt dieser Gin mit Elderflower Tonic (z.B. von Fever-Tree) und einer Scheibe Grapefruit.

Eine meiner ersten Berührungspunkte vor Jahren mit regionalem Gin war der Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin, heute einer der bekanntesten deutschen Gins und vielfach ausgezeichnet (2011 sogar bei einer Blindverkostung der IWSC zum besten Gin weltweit gekürt). Er enthält 47 „Botanicals“ und 47 Volumenprozent – daher der Name – und ist vom Geschmack her zitronig mit blumig-lieblichen Noten und wie ich finde sehr gefällig. Da meine Familie mütterlicherseits aus dem Schwarzwald kommt, kam ich natürlich schnell auf die Idee, am Produktionsstandort in Loßburg bei Freudenstadt vorbei zu fahren, und hoffte auf ein Besuch der Destille, ein Tasting und Fabrikverkauf. Vorher rief ich jedoch – zum Glück – dort an, und erhielt folgende Information auf breitestem Schwäbin (zum Glück bin ich auch Schwäbin, sonst hätte ich nur die Hälfte verstanden): „Miar hen koine Führunge hier und den Gin kennet se hier net kaufe, aber beim Getrenge-xxx im Flecka kriaget se den“. Heute gehört Monkey 47 zum Spirituosen-Konzern Pernod-Ricard, schmecken tut er mir aber immer noch.

Beim Distilled Gin dürfen die Botanicals übrigens zu jeder Zeit beigegeben werden – also auch Aromen am Ende (im Unterschied dazu beim London Dry Gin nur vor dem Destillieren), außerdem dürfen auch Farbstoffe und Aromen (Zuckerzusätze sind allerdings verboten) beigemischt werden. Per EU-Definition muss bei Dry Gin das Wachholderaroma im Vordergrund stehen. Ein Distilled Gin ist mindestens zweifach destilliert (der „einfache“ Gin nur einmal).

Womit wir bei unserem jüngsten „Gin-Erlebnis“ wären. Bei der Geburtstagsfeier meiner Cousine in Baiersbronn im Schwarzwald schwärmte diese vom „Baiersbronner Distilled Dry Gin„, der in unmittelbarer Nachbarschaft hergestellt wird. Sie war so begeistert, dass wir natürlich sofort Lust bekamen, den Gin zu probieren. Die halbe Geburtstagsgesellschaft, fast 15 Leute, machte also einen Verdauungsspaziergang zum „Abrahamshof„. „Der arme Mann“, dachte ich, Samstag Abend von so einer Horde „heimgesucht“ zu werden, aber der „arme Mann“, Peter Schnittger, und seine Frau Marion, zeigten sich sehr erfreut über unser Interesse, ließen uns sofort in ihre „gute Probierstube“ und führten uns ihr Sortiment vor, das neben Baiersbronner Distilled Dry Gin auch einen Baiersbronner London Dry Gin sowie Kräuterlikör, Apfelbrände und Apfelessig umfasst.

„Er schmeckt wie Schwarzwald und sieht auch so aus“, so beschreibt Peter Schnittger seinen Gin. Für den typischen Geruch und Geschmack sorgen vor allem Fichtenspitzen und Zitrusaromen, für die Farbe Safran. Und das ist das Schöne bei diesem wie auch bei anderen Gins, die mich ansprechen: Sofort startet das „Kopfkino“, hier heißt der Film natürlich „verflüssigter Schwarzwald“. Der Geschmack ist sowohl pur überzeugend als auch mit Tonic, passenderweise mit dem lokalen Markenprodukt vom Schwarzwald-Sprudel aus dem fast benachbarten Bad Griesbach.

So begeistert, wie die Schnittgers ihre Produkte her- und vorstellen, so liebevoll haben sie übrigens auch ihren Hof restauriert. Der urige Abrahamshof ist ein 1918 erbauter und mitsamt der Distille unter Denkmalschutz gestellter Bauernhof. Solche Menschen wie die Schnittgers kann der Schwarzwald gut brauchen! Wir können einen Besuch im Abrahamshof und eine Verkostung der Produkte nur wärmstens empfehlen!

3 Kommentare zu „Geheimtipp im Schwarzwald: Baiersbronner Distilled Dry Gin

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