Vatikan: Kirche, Kapelle und Kunstschätze

Zu einem Rom-Besuch gehört natürlich auch ein Tag im Vatikan – dem kleinsten anerkannten Staat der Welt und Amts- und Wohnsitz des Papstes. Ganze 0,44 Quadratmeter umfasst der Stadtstaat mit seinen knapp 1.000 Einwohnern, beherbergt aber gleich zwei der Haupttouristenmagnete Roms: die vatikanischen Museen mit der Sixtinischen Kapelle und den Petersdom. Beide werden jährlich von mehreren Millionen Menschen besucht – was sich in langen Warteschlangen zeigt.

Vatikanische Museen und Sixtinische Kapelle

Als mein Mann und ich das erste Mal in Rom waren, wollten wir uns schon einmal die Sixtinische Kapelle anschauen. Obwohl wir noch vor der Öffnung vor Ort waren, zog sich eine riesige Warteschlange um den halben Vatikan entlang der Leoninischen Mauer, teils in der prallen Sonne. Schlauer geworden, haben wir jetzt mit den Kindern vorab im Internet personalisierte Eintrittstickets für eine bestimmte Uhrzeit an einem bestimmten Tag gebucht. Es gibt zahlreiche Anbieter unterschiedlicher Preisklassen, mit und ohne Guide,die „Skip the Line“ versprechen (das tun auch zahlreiche selbsternannte Fremdenführer vor Ort). Wir haben schließlich Tickets im offiziellen vatikanischen Museumsshop gekauft, der neben dem normalen Eintrittspreis lediglich eine kleine „Online-Reservierungs-Gebühr“ erhebt. Und das war eine hervorragende Idee!

Unsere Tickets waren auf 9:20 Uhr ausgestellt, aber wir waren bereits kurz vor 9 Uhr vor Ort. Problemlos lies man uns auch „vor unserer Zeit“, vorbei an der bereits sehr langen Schlange der noch Ticketlosen, das Museum betreten. Im Eingangsbereich kurz die Online-Karten in Tickets umgetauscht und nach nicht einmal 5 Minuten waren wir im Museum. Ich kann nur jedem empfehlen, Tickets vorab zu kaufen!

Weil wir ferner „gewarnt“ worden waren, dass die Sixtinische Kapelle sehr überfüllt sein würde, begaben wir uns als erstes dorthin. Die Sixtinische Kapelle ist Teil der Vatikanischen Museen und der Weg dorthin führt durch verschiedene Sammlungen, jede davon mit eigenen kunsthistorischen Schätzen, die wir teils später besucht haben. Besonders die „Galerie der Landkarten“ hat es uns (als Geografen) angetan und wir hatten mit den Kindern unseren Spaß dabei, ehemalige Reiseziele zu suchen.

Die Sixtinische Kapelle ist die Kapelle des Apostolischen Palasts und entstammt dem 15. Jahrhundert. Hier wird auch die Papstwahl, das Konklave, abgehalten. Berühmt ist die Sixtinische Kapelle vor allem durch ihre Wand- und Decken-Gemälde. Zu unserer frühen Zeit ist es glücklicherweise noch nicht so voll hier, wir bekommen sogar einen Sitzplatz auf den Bänken an der Wand und können in aller Ruhe die wunderschönen Werke der namhaften Künstler bestaunen.

Rom Sixtinische Kapelle Erschaffung Adams

Die Nordwand zeigt Gemälde aus dem Leben Jesu, die Südwand Geschichten aus dem Leben Mose, gemalt unter anderem von den Renaissance-Malern Boticelli, Perugino und Roselli. Besonders berühmt sind jedoch die Deckenfresken von Michelangelo zur Entstehung der Welt. Wer kennt ihn nicht, den berühmtesten Zeigefinger der Kunstgeschichte, mit dem Gott Adam zum Leben erweckt. Wir konnten nicht widerstehen und haben (selbstverständlich ohne Blitz) ein Foto gemacht – fotografieren ist hier sonst verboten. Unglaublich, wie Michelangelo, auf dem Rücken liegend, die 520 Quadratmeter große Decke derart liebevoll, ausdrucksstark und detailreich gestaltet hat! Ganze vier Jahre, von 1508 bis 1512, benötigte der Künstler dafür und erntete damals wie heute größtes Lob für dieses Meisterwerk. Wir können Goethe nur zustimmen: „… ohne die Sixtinische Kapelle gesehen zu haben, kann man sich keinen anschauenden Begriff machen, was ein Mensch vermag.“

An der Altarwand befindet sich außerdem Michelangelos „Jüngstes Gericht„, das der Meister Jahrzehnte später geschaffen hat. Über die Geschichte, dass Teile des Gemäldes, insbesondere die „nackten Stellen“, mit Lendendtüchern übermalt wurden, haben sich die Kinder sehr amüsiert und sich dann einen Spaß daraus gemacht, noch viele „nackte Popos“ zu finden. Überhaupt haben wir uns lange in der Sixtinischen Kapelle aufgehalten, es gab so Vieles zu entdecken, Bibelstellen, die die Kinder kannten, und welche, die sie nicht kannten und dann zu deuten versuchten.

Anschließend haben wir noch einen Teil der anderen Sammlungen besucht. Besonders gut gefallen hat den Kindern die ägyptische Sammlung im Museo Egizio mit ihren Sarkophagen, Statuen und dem Grabschmuck. Schaurig-faszinierend waren natürlich insbesondere die Mumien, deren Original Haare und Fingernägel noch gut zu sehen sind.

Petersplatz und Petersdom

Als nächstes machten wir uns auf in Richtung Petersplatz und Petersdom. Hier – wen wundert’s – erwartete uns die nächste Schlange: Einmal quer über den Petersplatz, schattensuchend aufgereiht entlang von Berninis Kolonnaden, standen die Besuchswilligen, und warteten mehr oder weniger geduldig, um nach ausgiebigen Sicherheitschecks die Grabeskirche des Apostels Petrus betreten zu dürfen. Da der Eintritt nichts kostet, können leider auch keine Tickets vorab gekauft werden (es gibt aber diverse Angebote zu „Skip the Line“ im Internet und vor Ort – haben wir aber nicht getestet).

Die Schlange war uns an diesem Vormittag aber deutlich zu lang und wir entschlossen uns, den Empfehlungen von Reiseführern und Blogs folgend, nachmittags einen weiteren Besuch zu wagen. Und siehe da: Es stimmt! Nachmittags ist deutlich weniger los und wir konnten den Dom nach nur 15-minütiger Wartezeit betreten. Denn unbedingt wollten wir mit den Kindern eine der größten Kirchen der Welt und Wahrzeichen der Ewigen Stadt auch von innen zeigen.

Rom Petersdom KuppelDer Bau der Basilika zog sich über 120 Jahre, von Anfang des 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts, und liegt damit in mehreren Stilepochen. Kunstschätze von unermesslichem Wert befinden sich hier, zahlreiche Altäre, Taufbrunnen, Statuen wie die des heiligen Petrus oder von Karl dem Großen, Michelangelos Pietà, mehrere Papst-Grabmäler, und natürlich der alles überragende bronzene Ziborium-Baldachin von Bernini unter der Hauptkuppel. Man könnte sich stundenlang alles anschauen, wenn es nicht die Besuchermassen gäbe, die der ruhigen Betrachtung und und einer ehrfürchtigen, feierlichen Stimmung nicht gerade zuträglich sind.

Zahlreiche weitere Besichtigungsmöglichkeiten werden angeboten, die Schatzkammer, die Krypta und vor allem die Kuppel können besucht werden, was an einer weiteren langen Schlange erkennbar ist (hier wird ein Eintrittspreis erhoben). Vor Jahren haben wir dies gemacht, die Aussicht auf den Petersplatz und die Stadt ist toll und der Aufstieg selbst, teils durch das Innere des Doms, ebenfalls ein Erlebnis – aber die hier immer noch lange Schlange hielt uns dieses Mal davon ab.

Rom Vatikan Blick vom Petersdom

Wieder draußen haben die Kinder dann noch die „Kostüme“ („Mama, warum sind die denn so verkleidet?“) der Schweizer Gardisten bestaunt und in den Brunnen der Kolonnade unsere Wasserflaschen aufgefüllt (die über die ganze Stadt verteilten Trinkwasserbrunnen sind ein wahrer Segen!). Über die Via della Conciliazione ging es – den Bettlern, „Fremdenführern“ und Straßenhändlern ausweichend -, weiter in Richtung Engelsburg, die wir allerdings dieses Mal auch nicht besucht haben, da es mittlerweile später Nachmittag geworden war und wir uns ziemlich erschöpft von all den Eindrücken und der Hitze nach einer Dusche und Pause im Hotel gesehnt haben.

 

 

 

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