Kurzbesuch in „La Serenissima“

Ach, la Serenissima, wir lieben dich! Mein Mann und ich waren schon viermal, die Kinder zweimal in Venedig und wir kommen immer wieder gerne in diese wunderschöne Stadt. Bisher waren wir immer „außerhalb der Saison“ hier – wie es wohl an einem Ostersamstag sein wird? Und dann auch noch bei angekündigtem Regen?

Nach unserer Tenniswoche auf Albarella wagen wir den Versuch, auch, weil ab unserem Nachbarort Chioggia (übrigens Klein-Venedig genannt und ebenfalls einen Besuch wert) am Ostersamstag (in der Saison täglich) eine direkte Fähre nach Venedig fährt. Und tatsächlich: Schon die Anfahrt allein ist (trotz des trüben Wetters) ein schönes Erlebnis – frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel!

Wir fahren gemächlich vorbei an den langgezogenen Inseln Pellestrina und Lido, schauen den Fischern bei ihrer Arbeit zu, passieren weitere kleine Inseln, darunter San Clemente mit seinem Palazzo, der das Kempinski beherbergt, staunen über noch ein Nobelhotel, das Belmont Hotel Cipriani mit seinem tollen Pool, bevor wir vorbei an Giudecca und San Giorgio Maggiore den schönsten Blick überhaupt auf Venedig haben. Hinter uns der Campanile von San Giorgio Maggiore (von dem aus man die beste Aussicht auf Venedig hat), vor uns im Morgenlicht links die stolze Kuppel von Santa Maria della Salute und der Ausgang des Canale Grande, geradeaus der herrschaftliche Dogenpalast mit dem Campanile des Markusdoms neben sich.

Wir steigen aus, umgeben von Touristenströmen laufen wir an der Uferpromenade entlang in Richtung Markusplatz. Ja, es ist in der Tat mehr los als bei unseren anderen Besuchen, aber an dieser Stelle ist noch viel Platz, also stört es uns nicht. Unser erstes Ziel: der Dogenpalast. Nachdem die Wettervorhersage nicht so berauschend war, haben wir im Internet Eintrittstickets gekauft. Wir hatten gehofft, nicht anstehen zu müssen, aber diese Idee hatten viele andere auch. Jedoch wir werden vorrangig behandelt, sind nach 20 Minuten schon drin, die ohne Tickets warten deutlich länger in der Schlange.

Der Dogenpalast war seit dem 9. Jahrhundert der Sitz der Dogen von Venedig, gleichzeitig Regierungs-, Verwaltungs- und Gerichtssitz der Republik. Der heute zu sehende gotische Palast aus dem 14. und 15. Jahrhundert ist ein herausragendes Beispiel der venezianischen Baukunst, das die Macht und das Selbstbewusstsein der Lagunenstadt eindrucksvoll demonstriert – nicht nur durch den allgegenwärtigen Löwen. Filigrane Säulen, Spitzbogen und Skulpturen stehen für die venezianische Gotik, orientalisch muten die Zinnen und das rosa-weiße Rautendekor an.

Im Inneren des Palasts folgt ein prunkvoller Saal auf den nächsten, es ist unglaublich, welche Schätze der bedeutendsten venezianischen Künstler (u.a. Tizian, Bellini und Tintoretto) hier an den Wänden und Decken hängen. Ein Höhepunkt bildet der „Saal des Großen Rates“, in dem die Adligen die Wahl des Dogen durchführten. Mit einer Länge von 54 Metern ist der „Sala del Maggior Consiglio“ der größte Versammlungssaal im Dogenpalast und durch seine ungestützte Decke einzigartig in Europa. Die gesamte Rückwand wird von dem Bild „Das Paradies“ von Jacopo Tintoretto eingenommen, das weltweit als zweitgrößtes Ölgemälde gilt.

Venedig Dogenpalast Saal des großen Rates mit Tintorettos Paradies

Aber auch viele Kleinigkeiten gibt es überall im Dogenpalast zu entdecken, mit denen wir die Kinder „bei Laune halten“: Da wäre beispielsweise der „Bocca di Leone“, der als Briefkasten für Beschwerden diente, oder die Sternzeichenuhr, die die Kinder spannend finden. Auch die Waffenkammer mit den unterschiedlichsten Schwertern, Degen, Speeren, Äxten und Armbrüsten findet ihr Interesse.

Spannend ist auch das Nachbargebäude, das Gefängnis. Nachdem mehrere Gerichtssäle durchquert wurden, führt der Weg zur Seufzerbrücke, die den Palast mit dem Gefängnis verbindet. Der enge Gang über die Brücke und der Besuch der Zellen und des Innenhofs des Gefängnisses ist Teil des Rundgangs. Kalt und feucht ist es hier, ein Gefangener mag man hier sicher nicht sein, stellen die Kinder fest.

Wieder am Tageslicht ist es ebenfalls kalt und feucht – es regnet. Binnen Minuten steht der halbe Markusplatz unter Wasser, Touristen flüchten sich auf die Stege oder kaufen bunte Plastiktüten-Gummistiefel. Es ist Mittagszeit und die Kinder haben Hunger – keinesfalls empfiehlt es sich, diesen Gelüsten am oder um den Markusplatz nachzugeben. Entweder ist es unglaublich teuer oder „Touri-Nepp“, auf beides haben wir keine Lust. Aber entgegen der landläufigen Meinung kann man in Venedig durchaus gut und auch günstig, zumindest „normalpreisig“ essen – in den Vierteln Dorsoduro, San Polo oder Santa Croce beispielsweise, auf der anderen Seite des Canale Grande. Also begeben wir uns zur und über die Rialtobrücke, kämpfen uns durch die dortigen Massen (ist ja schön hier am Canale Grande mit seinen Gondeln, aber leider gerade heute viel zu voll für unseren Geschmack) und sind alsbald im relativ ruhigen Teil von Venedig.

Hier essen wir in der Pizzeria „All’Anfora„, die eine große Auswahl an leckeren und teils außergewöhnlichen Pizze bietet, mit ganz dünnem Boden, so wie ich es liebe. Anschließend verlangen die Kinder natürlich Gelati und da wir vorher gegoogelt haben, wissen wir, dass sich am nahe gelegenen Bahnhof eine Grom-Eisdiele befindet. Also schnell durch den Regen dorthin geeilt und ein leckeres Eis gegessen, bevor es endlich aufhört zu regnen und wir uns einfach durch die venezianischen Gassen treiben lassen – das größte Vergnügen überhaupt in Venedig. Schnell noch ein „Ombra„, ein kleines Gläschen Wein, in einer engen Gasse vor einer der vielen Bars und Osterien (auf venezianisch heißen die Weinstuben „Bacaro“) der Stadt getrunken, einmal über den (mittlerweile wieder trockenen) Markusplatz geschlendert und schon geht es wieder zur Fähre nach Chioggia. Experiment gelungen, trotz vieler Touristen und Regen war Venedig auch dieses Mal einen (Kurz-)Besuch wert!

Venedig Markusplatz

Anreise nach Venedig

Mit dem Flugzeug: Vom Flughafen Marco Polo besteht eine hervorragende und sehr günstige Busverbindung (ACTV Aero Bus oder Bus „Venezia diretta“) zum Bahnhof von Venedig / Piazza Roma. Von hier aus kann man direkt in ein Vaporetto (Linienboote/Wasserbusse in Venedig) steigen. Mit einem ACTV Ticket für mehrere Tage kann man gleichzeitig den ACTV Flughafen-Bus und die Vaporetti nutzen. Alle anderen Varianten (Taxi, Sammeltaxi, privates Wassertaxi oder „Alilaguna“ – das öffentliche Boote zwischen Flughafen und Venedig – sind einiges teurer und nicht schneller.

Mit dem Auto: Auf Venedig gibt es (teure) Parkhäuser, etwas billiger ist es, wenn man auf dem Festland in Mestre parkt und von dort einen Shuttle-Bus oder öffentliche Busse nutzt.

Mit dem Schiff ab Chioggia/Sottomarina: In der Saison und zu bestimmten Tagen (z.B. rund um Ostern) fährt ein direktes Schiff von „Raffaello Navigazione“ ab Chioggia/Sottomarina bis Venedig/Markusplatz (Hin und zurück für eine vierköpfige Familie 48 Euro, Stand 2018). Alternativ gibt es die etwas abenteuerliche ACTV-Linienverbindung 11 (erst Fähre nach Pellestrina, dann mit dem Bus über Pellestrina, dann mit Bus auf der Fähre nach Lido, weiter mit dem Bus und schließlich wieder Fähre nach Venedig). Beides dauert etwa 90 Minuten. Das Auto kann auf einem großen Parkplatz direkt beim Fähranleger auf der Insel Isola dell’Unione (verbindet Chioggia mit Sottomarina) geparkt werden (Tagesticket 6 Euro).

 

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