Kulinarische Köstlichkeiten auf Sao Miguel

Was wäre ein Urlaubsbericht ohne einen kulinarischen Blog – Landestypisches zu kosten gehört bei einer Reise für uns einfach dazu. Und auf Sao Miguel hatten wir so manch köstliches Erlebnis!

Eine ganz besondere Leckerei ist Bolo Levedo, ein süßes Hefe-Brötchen aus Weizenmehl, Zucker, Milch, Butter und Eiern. Sie werden zu jeder Tageszeit und bevorzugt lauwarm gegessen, zum Frühstück mit Marmelade und später auch mit etwas Herzhaftem, zum Beispiel Käse, den es ebenfalls in zig Sorten auf allen Azoreninseln gibt – kein Wunder bei dem vielen Kühen auf den Inseln. Käse kann man übrigens prima im kleinen Käseladen direkt am Markt von Ponta Delgada (O Rei dos Queijos) kaufen – er hat auch Bolo Levedo (und Tee, Maracuja-Marmelade, Ananas u.v.m) im Angebot. Ursprünglich kommt Bolo Levedo aus Furnas, es ist jedoch überall auf der Insel erhältlich. Meine Tochter hat täglich mindestens zwei davon verdrückt!

Bolo Levedo

Zum Mittag- und Abendessen vielerorts angeboten werden Lapas Grelhadas – gegrillte riesige Napfschnecken, die an den Felsen im Meer wachsen. Als Kind habe ich mir am Mittelmeer ein Vergnügen daraus gemacht, sie vom Fels abzulösen – gar nicht so einfach, weil sie sich sofort festsaugen. Aber die Exemplare hier sind um ein Vielfaches größer! Sie werden mit viel Knoblauch serviert und sind einen Versuch wert, auch wenn sie nicht zu meinem Leibgericht werden. Ich bevorzuge den vielen fangfrischen Fisch, der überall und vergleichsweise günstig zu haben ist!

Lapas - Napfschnecken

Eine weitere kulinarische Besonderheit von Sao Miguel ist Cozido, ein Eintopf, der in der heißen Erde rings um die Quellen, insbesondere bei Furnas, gegart wird. Der Topf mit allem, was die heimische Agrarkultur so bietet (Fleisch, Kartoffeln, Kohl, Karotten) wird für mehrere Stunden in der Erde versenkt, das Ergebnis ist ein zarter Eintopf mit „vulkanischer Note“.

Blutwurst mit AnanasAnanas ist später noch ein Thema, aber ein interessantes Gericht auf Sao Miguel ist auch Blutwurst mit Ananas – Morcilla com Ananas. Auch wenn es zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig aussieht (ich sage jetzt nicht, was meine Tochter dazu gesagt hat), ich finde die Kombination klasse, die leicht pikante, scharf angebratene Blutwurst und die süßliche Ananas.

Generell gilt: Essen gehen ist hier sehr günstig, gerade wenn man die nicht so „schicken“, auf Einheimische ausgerichteten Restaurants besucht. Wir waren beispielsweise im Restaurant „O Emigrante“ in Capelas Essen, und haben für das Tagesgericht, einen leckeren Eintopf mit Schweinefleisch, Muscheln, Kartoffeln und einem kleinen Salat sowie für das Töchterchen ein kleines Steak mit Pommes, zwei Kima und einen Espresso, sage und schreibe 14,15 Euro bezahlt!

Und jetzt zur Ananas, die oft auf der Nachtischkarte zu finden ist. Auch sie wird überraschenderweise auf Sao Miguel kultiviert. Eigentlich ist das Klima hier nicht ideal für die Frucht, sie gedeiht nur in Treibhäusern – als einzige Ananas weltweit. Viele Ananasbauern haben daher das mühsame Geschäft aufgegeben, nicht so die seit fast 100 Jahren bestehende Plantage „Dr. Augusto Arruda“ in Faja de Baixo, einem Vorort von Ponta Delgada. Sie öffnet kostenlos für Touristen ihre Pforten und erklärt anhand von Schildern an den Gewächshäusern, welche Schritte notwendig sind, um nach langen 18 Monaten eine azorische Ananas zu ernten. Meine Tochter war ganz begeistert davon, wie hübsch die Früchte in den verschiedenen Entwicklungsstadien sind – sie hatte noch nie gesehen, wie sie wachsen. Im angeschlossenen Shop kann nach dem Rundgang kostenlos der leckere Ananaslikör verkostet (und natürlich gekauft) werden, darüber hinaus auch weitere Ananasprodukte und Souvenirs.

Ebenfalls auf den Azoren wächst eine andere Tropenfrucht, die Maracuja. Ihr verdankt das Archipel sein nicht-alkoholisches Nationalgetränk Kima, eine Limonade aus Maracuja. Der leicht säuerliche Geschmack ist sehr erfrischend – wir würden uns wünschen, daheim würde es auch so etwas geben!

Die alkoholische Variante gibt es natürlich auch, „A Mulher de Capote“ in Ribeira Grande produziert Maracujalikör (und weitere alkoholische Produkte wie Ananaslikör). Die Fabrik kann besichtigt und die Produkte verkostet werden, selbstverständlich gibt es auch einen Werksverkauf.

Kima - das Maracuja Nationalgetränk.jpg

Eine weitere Besonderheit der Insel ist der Teeanbau – milde Temperaturen und hohen Niederschlag findet er hier, das können wir absolut bestätigen! Bei Porto Formoso liegt das einzige Teeanbaugebiet Europas, zwei Plantagen bauen hier Tee an. Die größere ist Chá Gorreana, direkt an der Straße hat diese Plantage einen „Lookout“ gebaut, von dem aus man über die Teefelder schauen kann. Wir besuchen aber die kleinere Plantage, Chá Porto Formoso, ebenfalls direkt an der Hauptstraße zwischen Ribeira Grande und Maia gelegen, unschwer erkennbar an der metallenen Teekanne an der Mauer.

Hinter dieser Mauer eröffnet sich ein wunderschöner Blick über die Teefelder und die Küste. In einem kleinen Museum informiert ein gut gemachtes, kurzes Video wahlweise auf Portugiesisch, Englisch oder Deutsch über die Geschichte des Teeanbaus auf Sao Miguel und erklärt, welche Sorten es auf der Plantage gibt (Broken Leaf, Pekoe und Orange Pekoe und seit neuestem eine Mischung aus diesen dreien). Anschließend wird eine kostenlose, kurze Führung (auf Englisch) durch die kleine Fabrik angeboten (wirklich kurz und daher auch für Kinder gut geeignet), bevor man in eine Teestube geleitet wird und ein kostenloses Tässchen vom Pekoe erhält. Natürlich kann man hier den (losen) Tee auch käuflich erwerben (dieser wird bisher nur auf den Azoren und in Portugal vertrieben), zu einem sehr günstigen Preis. Einen Besuch hier können wir absolut empfehlen!

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