Sao Miguel: Badevergnügen in heißen Gewässern

Eigentlich sind wir ja für ein Tennisturnier hier. Aber es zieht ein Regengebiet nach dem anderen über die Insel und wir müssen uns etwas überlegen, um das Warten zu überbrücken. Zum Glück bietet Sao Miguel an mehreren Stellen eine tolle Möglichkeit: Baden in heißen Thermalquellen.

Caldeira Velha (2)Nur eine 20-minütige Fahrt von unserem Hotel in Capelas entfernt befindet sich in der Nähe von Ribeira Grande, am Fuße des Vulkans Vulcao do Fogo, die Caldeira Velha. Es gibt nur wenige Parkplätze, doch da wir schon um 9:30 Uhr da sind und das Naturdenkmal zur Nebensaison gerade erst öffnet, haben wir keine Probleme – als wir gehen, ist alles belegt.

Am Eingangstor bezahlen wir den Eintritt (man kann wählen zwischen „nur Eintritt“ und „mit Baden“ – natürlich wollen wir ins warme Wasser!). Maximal 250 Gäste werden zeitgleich in den Park gelassen (das lässt tief blicken für die Hauptsaison) und es wird streng kontrolliert, ob man tatsächlich nur zwei Stunden dort bleibt.

Ein breiter, gepflegter Weg windet sich durch üppiges Grün das Tal hinauf, uns gefallen besonders die riesigen Baumfarne. Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir zunächst drei kleinere Badebecken. Die Fingerprobe sagt: perfekte Badetemperatur (ca. 35 Grad)! Etwas weiter oben befindet sich eine kochend heiße Quelle (wir verzichten auf die Fingerprobe) sowie das größte Thermalbecken des Parks, das aber nur etwa 25 Grad warm ist – zu kalt für uns heute (im Sommer sicher ideal!). Allerdings ist dieses große Becken mit seinem kleinen Wasserfall das „romantischste“, man fühlt sich, als badet man mitten im Urwald.

Bei einem kleinen Besucherzentrum befinden sich Umkleidekabinen, Duschen (Achtung: Die sind leider nicht warm!) und Toiletten. Wir steuern die kleinen Becken an und da wir die ersten sind, haben wir sie ganz für uns alleine. Das eisenhaltige Wasser ist bräunlich, färbt aber nicht die Badesachen ein und enthält offensichtlich wenig Schwefel, denn es riecht kaum. Es ist herrlich, im 70 bis 90 Zentimeter tiefen, badewannenwarmen Wasser zu baden, selbst der leichte Regen von oben stört da nicht. Gerade an kälteren Tagen und bei schlechtem Wetter können wir diese Vergnügen nur wärmstens empfehlen!

Salto do Cabrito Ribeira GrandeAuf dem Weg zurück nach Ribeira Grande sehen wir das Hinweisschild „Salto do Cabrito“ – diesen Zickleinwasserfall wollen wir sehen! Eine kleine Straße führt dorthin, aber da diese auf dem letzten Stück extrem steil wird, parken wir unser Auto an der höchsten Stelle. Wer weiß, ob das kleine Wägelchen die steile und durch den Dauerregen schmierige Straße wieder nach oben kommt. Nach wenigen hundert Metern durch dschungelähnliche Vegetation entlang der steilen Straße laufen wir über einen Parkplatz und sehen gleich auch weiter hinten ins Tal den Wasserfall. Im Sommer lässt es sich in den Becken sicherlich auch schön baden (da es leider kein Thermalwasser ist verzichten wir). Der Wasserfall schießt über zwei Kaskaden durch eine enge Klamm, ein sehr malerisches Fleckchen.

Ebenfalls sehr schön baden lässt es sich in Furnas im Osten von Sao Miguel, das wir zwei Tage später besuchen. Schon bei der Anfahrt in den gigantischen Vulkankessel – der letzte Ausbruch fand 1630 statt – sieht man es rund um den Ort an zahlreichen Stellen dampfen. Die vulkanischen Aktivitäten kann man an mehreren Stellen in und um das Örtchen bestaunen. Wir steuern zunächst die direkt in der Ortsmitte gelegenen Caldeiras das Furnas an.

Neben einem ausnahmsweise einmal großzügigen Parkplatz liegt ein Thermalfeld mit zahlreichen Fumarolen und Solfataren. Es brodelt und qualmt überall – und es riecht aufgrund der schwefelhaltigen Quellen (Solfataren) nach faulen Eiern. Ein Hinweisschild klärt kurz und bündig über die geografischen und geologischen Besonderheiten auf und dann kann man (kein Eintritt notwendig) die verschieden großen und unterschiedlich heißen Ausdünstungen bei einem Spaziergang im Gelände bestaunen – für mich als Geografin ein faszinierendes Naturschauspiel!

Der größte Quelltopf, die Caldeira Grande, ist kochend heiße 99 Grad warm. Die „lauteste“ ist die Caldeira de Pero Botelho, sie brodelt und poltert in einem tiefen Schlund – Pero Botelho soll hier ertrunken sein und beschwert sich immer noch lautstark…  Die Einheimische trinken manche der Gewässer, was an den eingefassten und benamten Quellen ersichtlich ist, und der Schlamm wird als natürliche Fangopackung benutzt. Insgesamt kann man hier 22 Quellen bewundern, eine stattliche Anzahl auf so engem Raum. Ein weiteres Feld mit Fumarolen und Solfataren befindet sich am Ufer des Lagoa das Furnas, etwas außerhalb des Ortes am See.

Wir bleiben jedoch im Ort und besuchen den Parque Terra Nostra – denn hier ist es, wo wir baden wollen. Dieser wunderschöne Park wurde 1775 von Thomas Hickling, einem Kaufmann aus Boston und Konsul auf Sao Miguel, erbaut. Das stattliche Herrenhaus am großen Thermalbecken stammt von Visconde (Vizegraf) da Praia aus dem Jahr 1848, seine Familie und später die Familie Bensaude erweiterten den Park zu seiner heutigen Größe (12,5 Hektar). Heute beherbergt der botanische Garten eine der größten Sammlungen von Kamelien (über 600 Arten) weltweit und Europas größte Sammlung von Sagopalmfarnen sowie unter anderem noch einen Azaleengarten, einen Endemic Flora Garden (mit Pflanzen von Sao Miguel) und einen Rhododendrongarten. Es lässt sich herrlich hier spazieren gehen und noch so viel mehr entdecken: Eine mit Farnen überwucherte Brücke, ein schöner Ausblick auf die Dorfkirche und viele Enten und Vögel – hinter jeder Wegbiegung wartet etwas Neues.

Doch jetzt zieht es uns in die warmen Gewässer! Das große Thermalschwimmbecken liegt direkt unterhalb des Herrenhauses und soll das größte Europas sein. Zunächst mutet es etwas komisch an, mitten in einem botanischen Garten zu baden, während einen die zahlreichen nicht badenden Besucher anschauen. Aber Baden ist erlaubt und im Eintrittspreis beinhaltet, Umkleiden/Duschen/WC sind vorhanden.

Das 1,5 Meter tiefe Becken hat angenehme 38 Grad und die durch Eisenoxide entstehende braune Färbung sollte ebenfalls niemand von diesem Vergnügen abhalten. Die mitunter zu lesende Warnung, dass das Wasser die Badesachen und Handtücher einfärbt, können wir nicht bestätigen – aber vielleicht ändert das Wasser ja je nach vulkanischer Aktivität seine Zusammensetzung und wir hatten nur wenig Eisengehalt. Wir baden sowohl im großen Thermalbecken (hier kann man richtig schwimmen) als auch im etwas versteckt dahinter liegenden kleinen, sehr idyllischen Becken – und da wir wie so oft ganz früh unterwegs sind, haben wir es fast für uns alleine. Das ist Wohltat und Entspannung pur! Der Besuch von Furnas und des Terra-Nostra-Parks war definitiv ein Highlight unseres Azorenaufenthalts – absolut empfehlenswert für Groß und Klein!

 

 

 

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