Tokyos Süden: Zojo-ji, Tokyo Tower, Ginza und Roppongi Hills

Nach einer – trotz Zeitumstellung – erholsamen Nacht machen wir uns auf in Richtung Innenstadt Tokyo. Dazu nehmen wir die Monorail ab Tenkubashi, praktischwerweise im JR-Pass enthalten, bis zur Station Hamamatsucho. Unsere Freunde werden erst Mittags eintreffen und so beschließen wir, die Gegend zunächst allein zu erkunden. Ganz in der Nähe liegt der Zojo-ji („ji“ bedeutet Tempel), den wir durch ein imposantes Haupttor betreten.

Zojo-jiDer Tempel, im 16. Jahrhundert hierher verlegt, war einst Familientempel der Shogun-Dynastie Tokugawa, trotz zahlreicher Zerstörungen des Tempels sind deren Urnen noch teilweise erhalten. Auf dem weitläufigen Gelände gibt es mehrere Hallen, die Haupthalle „Daiden“ (siehe Foto unten) wie auch die anderen Hallen sind neueren Datums.

Heute geht es im Inneren der Anlage besonders lebhaft zu, denn es findet gerade ein großes Fest statt. Überall bekommen wir Süßigkeiten und die Kinder kleine Spielsachen geschenkt und wir dürfen für zahlreiche Fotos posieren.

Fest im Zojo-ji, Tokyo Tower im Hintergrund

So viel Neues gibt es im Tempel noch für uns zu entdecken. Uns fallen als erstes die vielen kleinen Statuen mit ihren roten Mützchen auf. Es sind Jizo-Statuen, aufgestellt von Eltern von ab­ge­trie­benen, tot­ge­borenen oder früh verstorbenen Kindern (auch Mizuko oder Wasserkinder genannt) – Jizo ist deren Schutzherr.

Zojo-ji in TokyoHier sehen wir auch zum ersten Mal „Omikuji„, Orakel-Papierstreifen, die man in fast allen Tempeln und Schreinen Japans findet. Miyoko erklärt uns später wie so ein Orakel funktioniert und natürlich probieren wir es dann auch aus: Meist schüttelt man eine Holzschachtel, bis eines der darin enthaltenen Stäbchen herausfällt. Darauf befindet sich eine Nummer und anhand dieser bekommt man einen Papierstreifen mit seiner Wahrsagung, die im Grundtenor von „Großes Glück“ über mannigfaltige Abstufungen bis hin zu „Großes Pech“ reichen kann. Ist die Vorhersage schlecht, faltet man den Papierstreifen zusammen und knotet diesen an einen extra dafür vorgesehenen Platz, um dem Fluch abzuwenden.

Zojo-ji in TokyoEnaAuch „Ema“ nehmen wir erstmals war, das sind Holztäfelchen, die man ebenfalls in Tempeln und Schreinen kaufen kann. Man schreibt darauf seine Bitten an die Gottheiten und hängt diese anschließend auf – mögen sie diesen Wunsch erfüllen. Die Wünsche hier sind international, auch deutsche Bitten sind darunter!

Vom Zojo-ji aus hat man auch einen sehr guten (Foto-)Blick auf den Tokyo Tower. Unschwer zu erkennen ist dieser dem Eiffelturm nachempfunden (den er um wenige Meter überragt) und gehört zu den Wahrzeichen Tokyos. Er dient als Fernseh- und gleichzeitig als Aussichtsturm. Bei unserem Besuch war wegen Umbaus der obere Teil geschlossen, und da wir die Aussicht auf Tokyo von oben aus anderen Türmen bestaunen werden, fahren wir auch nicht hoch.

Torii am Eingang des Fushimi Inari Taisha in KyotoWir kehren ins Hotel zurück und warten auf unsere Freunde, die wir mit einem großen „Hallo“ begrüßen. Als erstes suchen wir gemeinsam einen kleinen Schrein in unmittelbarer Nähe auf. Miyoko erklärt uns den Unterschied zwischen Tempel und Schrein: Schreine sind shintoistischen Gottheiten („kami“) gewidmet (Shinto ist eine Religion, die es nur in Japan gibt), Tempel buddhistischen. Schreine sind daran erkennbar, dass an ihrem Eingang immer ein Torii, ein Tor meist aus Holz oder Stein in der Grundform zwei Querbalken und zwei Pfosten, steht. Bei großen Toriis niemals in der Mitte hindurchgehen, das ist den Göttern vorbehalten!

Wir lernen, wie man sich vor Betreten eines Schreins rituell wäscht, mit einer Kelle erst die Hände und dann den Mund.  Dafür steht vor jedem Schrein ein Wasserbecken mit Schöpfkellen. Ganz wichtig: Das verwendete Wasser darf niemals in das Becken zurücklaufen und die Kelle darf den Mund nicht berühren!

Nachdem wir gereinigt sind, erklärt uns Miyoko, wie man betet. Zunächst läutet man zweimal eine Glocke, um die Aufmerksamkeit der Götter zu erregen. Dann verbeugt man sich zweimal und klatscht zweimal in die Hände. Anschließend trägt man still sein Gebet vor, bevor man sich zum Ende nochmals verbeugt. Alternativ kann man wie gesagt ein Ema-Täfelchen beschriften.

Anschließend wollen vor allem die älteren Kinder gerne shoppen gehen und wir machen uns auf in Richtung Ginza.

Spaziergang auf der Ginza - am Sonntag autofrei!Es ist ein Sonntag und diese weltbekannte Einkaufsmeile ist an diesem Tag autofrei! Nicht nur wir, auch zahlreiche Japaner flanieren gemütlich auf Ginzader breiten Straße oder sitzen auf extra aufgebauten Stühlen unter Sonnenschirmen in der Straßenmitte. Die älteren Kinder haben sich vorab im Internet über die neuesten Trendgeschäfte informiert und strömen aus, um ihr Taschengeld auszugeben, wir Eltern nehmen die Jüngeren an die Hand und lassen uns von einem Konsumtempel in den nächsten treiben.

Nach einiger Zeit werden wir müde und lassen uns ermattet am Straßenrand nieder. Plötzlich taucht ein sehr alter Japaner mit Mundharmonika auf, setzt sich vor uns und bringt uns mehrere Ständchen! Die Kleine und die Mutter finden es schön, den älteren Mädchen ist so viel Aufmerksamkeit peinlich und „verdorben“ von diversen Erlebnissen denken sie, dass der Mann sicher Geld will. Aber in Japan ist alles anders, er will uns einfach nur eine Freude machen, und bei mir ist das auch gelungen!

Mori Tower Roppongi HillsEbenfalls im südlichen Teil von Tokyo gelegen ist das moderne Vergnügungs- und Ausgehviertel der Stadt: Roppongi Hills. Hier steht uns Abends ein besonderes Highlight bevor: Tokyo bei Nacht von oben! Die beste Aussicht über die nächtliche Skyline bietet sich vom Roppongi Hills Mori Tower. In diesem befindet sich auch ein Kunstmuseum, und der 52. Stock verfügt über eine verglaste Aussichtsebene (kostenpflichtig). Wir fahren nach oben und sind schon von dieser Aussicht fasziniert als wir erfahren, dass wir für etwas mehr Geld auch noch höher auf das offene Skydeck gehen können. Unbedingt investieren! Hier hat man nachts einen atemberaubenden Blick auf die beleuchtete Millionenstadt mit dem Tokyo Tower als Blickfang – ein beeindruckender Abschluss des Tages!

Aussichtstürme in Tokyo

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Tokyo von oben zu sehen. Am Bekanntesten ist der Sky Tree, der höchste Funkturm der Welt. Genau wie der Tokyo Tower, der „Eiffelturm“ Tokyos“, ist sein Besuch kostenpflichtig. Das gilt auch für das Skydeck des Roppongi Hills Mori Towers. Achtung: Dessen offenes Skydeck ist nur bis 20 Uhr geöffnet, die verglaste Aussichtsebene jedoch länger. Kostenlos ist die Aussicht des Tokyoter Rathauses, auch von diesem sieht man bei schönem und klaren Wetter den Fujiyama. Wir haben uns auf Anraten unserer japanischen Freunde für die beiden letzten Varianten entschieden. Ihre Meinung: Die nächtliche Aussicht ist vom Mori Tower nicht zuletzt aufgrund des super Blicks auf den Tokyo Tower am Schönsten und die Aussichtsebene des Rathauses kostet keinen Eintritt.

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