Unser erster Tag in Japan: Yokohama

Es hat doch tatsächlich geklappt: Zusammen mit unserer japanischen Freundin Miyoko und ihrer Familie sowie einer weiteren befreundeten Familie reisen wir nach und durch Japan. Das war ein lang ersehnter Wunsch meines Mannes, der in seiner Studienzeit schon einmal hier war und seitdem von diesem Land fasziniert ist.

Für die Kinder ist es toll, eine solche Reise mit gleich alten Freunden zu machen, und für uns, dass wir mit Miyoko und Mogi zwei super „Guides“ haben, die uns nicht nur alles erklären können, sondern auch viel zeigen werden, was wir sonst nie gesehen hätten. Nur unseren ersten Tag müssen wir alleine meistern und sind schon gespannt, wie das klappt.

Am Flughafen Haneda läuft alles reibungslos: Wir reisen ein, tauschen unsere Japan Rail (JR)-Pass-Gutscheine in die entsprechenden Zugpässe um (unbedingt empfehlenswert, siehe „Tipps“) und steuern die Keikyu-Bahnlinie an, um unser nahe gelegenes Hotel zu erreichen. Am Flughafen ist auch noch alles auf Englisch ausgeschildert und freundliche Servicedamen helfen uns beim Ticketkauf. Los geht’s!

Ganz anders sieht es dann an unserer Haltestelle „Anamori Inari“ aus – kein englisches Schild, kein Plan, keine Straßennamen – Hilfe, wo müssen wir hin? Unser Versuch, einen Bahnangestellten auf Englisch zu befragen, scheitert kläglich. Erst als wir ihm die japanischen Schriftzeichen des Hotels zeigen, das ich zum Glück ausgedruckt habe, weißt er uns zumindest grob die Richtung und wir laufen los.

Japan: Bedienungsanleitung für die ToiletteTatsächlich werden wir fündig und beziehen unser Zimmer, doch hier wartet schon die nächste Herausforderung: Wie ist denn bloß die Toilette zu bedienen? Dass, wie wir noch lernen werden, nahezu alle Toilettenbrillen in Japan beheizt sind, lässt uns noch schmunzeln. Doch wenn es ans Spülen geht, sind wir zunächst etwas ratlos. Zum Glück hat dieses Exemplar auch eine Bedienungsanleitung auf Englisch und wir kriegen unsere Sitzung ohne größere Überschwemmungen geregelt. Eine Toilette ohne die diversen Spülmechanismen haben wir übrigens während unseres ganzen Urlaubs nicht gesehen  – es lebe die Technik. Und das eine oder andere Mal saßen wir auch vor rein japanischen Erklärungen und waren leicht überfordert.

Nach diesem kurzen Boxenstopp wollen wir weiter, nach Yokohama. Miyoko hat uns im Vorfeld eine Bahnverbindung herausgesucht und so schaffen wir es, leicht schwitzend, das richtige Ticket zu ziehen, die richtige Bahn zu erwischen und sind eine halbe Stunde später am Hauptbahnhof in Yokohama. Jetzt werden wir mutig und wollen gleich die nächste Lokalbahn nehmen (in Japan gibt es zahlreiche Bahn- und Busgesellschaften, durchgängige Tickets allerdings nicht). Während wir vor dem Automaten noch sinnieren, ob es ein Rundfahrtticket gibt, öffnet sich eine bis dahin nicht erkennbare winzige Tür quasi im Automaten und ein kleiner Japaner (klar, ein großer hätte da nicht reingepasst) steigt heraus, um uns zu helfen. Zwar ist auch er des Englischen nicht wirklich mächtig, aber ungemein hilfsbereit und freundlich und so schaffen wir es schließlich, das richtige Ticket zu ziehen. Es lebe nicht nur die Technik, sondern auch der Service – auch das gilt für ganz Japan!

Yokohama: Cosmo World mit RiesenratNach einem kurzen Spaziergang durch Minato Mirai, vorbei am Landmark Tower und dem Vergnügungsareal Cosmo World mit seinem Riesenrad und den Fahrgeschäften (natürlich dürfen die Kinder hier auch etwas fahren), ist unser erstes „richtiges“ Ziel das Cupnoodles Museum, das den Instantnudeln der auch bei uns bekannten Marke „Nissin“ sowie deren Erfinder Momofuko Ando gewidmet ist.

Da die Kinder Hunger haben, statten wir zunächst dem hauseigenen Foodcourt einen Besuch ab und essen – natürlich – Nudeln, zum Glück ohne „Instant“. Dann geht es in die Ausstellung, die neben den Nudel-Exponaten aus verschiedenen Zeiten (die Instant Ramen in Tüten wurden übrigens 1958, die Cupnoodles 1971 erfunden), verschiedene Fotostops (mit den Cupnoodles, dem Erfinder, dem Haus des Erfinders etc) und kleinere interaktive Spielchen bietet. Ganz nett, aber nichts, weshalb wir eigens in das Museum gegangen wären. Wir sind hier, weil wir unsere eigenen Cupnoodles machen wollen! Und das macht auch echt Spaß (wenn man vom ohrenbetäubenden Lärm durch gefühlt 1.000 Besucher in der „Produktionshalle“ absieht): Zunächst wird der Becher bemalt. Dann geht es an die diversen „Abfüllstationen“, wo man eine „Brühengeschmacksrichtung“ und diverse Zutaten, zum Beispiel Shrimps, Schweinefleisch, Ei oder Gemüse wählt. Noch Nudeln dazu, dann wird das Ganze verschweißt und schlussendlich darf man das gute Stück in einer Art großen Ballon transportsicher selbst verpacken.

Weiter geht’s: Nach einer kurzen Fahrt mit der Bahn erreichen wir Yokohamas Chinatown, die größte ihrer Art in Japan. Hinter den Eingangstoren geht es sehr lebhaft und farbenfroh zu, unzählige Restaurants, Läden jeglicher Art, glitzernde Werbebanner und rote Laternen bestimmen das Straßenbild. Es ist Abendessenszeit und aus jeder zweiten Tür weht ein verführerischer Duft, die präsentierten Speisen, teils real, teils aus Wachs, machen uns zusätzlich Appetit und wir gehen essen. Glücklicherweise können wir mithilfe einer bebilderten Speisekarte bestellen.

Und danach finden wir dank erneuter Hilfe freundlicher Japaner die richtige Bahn zurück, schaffen es, unterwegs nicht einzuschlafen (zumindest die Erwachsenen) und sinken, mit vielen neuen Eindrücken, in den extra vom Hotel bereitgestellten Schlafanzügen ermattet ins Bett.

Tipps: 

  • Unbedingt vor Abreise einen Japan Rail Pass – Gutschein erwerben. Dieser kann nur außerhalb Japans und von Ausländern unter bestimmten Bedingungen (siehe Internetseite) gekauft werden. In Japan muss der Gutschein dann in einer der zahlreich vorhandenen JR-Geschäftsstellen gegen den eigentlichen Zugpass eingetauscht werden. Mit dem JR Pass können für einen bestimmten Zeitraum (z.B. 7 Tage) die meisten JR-Zug- und -Buslinien in Japan kostenlos genutzt werden, Ausnahme sind die allerschnellsten Shinkansen-Züge „Nozomi“ und „Mizuho“, andere Shinkansen-Züge wie der „Hikari“ sind beinhaltet. Auch die für lange Strecken unbedingt notwendige Reservierung der Shinkansen-Züge kostet mit dem JR-Pass nichts.
  • Wer in Tokyo landet und die Wahl zwischen Haneda und Narita hat, sollte Haneda wählen. Haneda ist überschaubarer und viel näher an der City, die von Haneda aus mit der Monorail schnell (und mit dem JR-Pass sogar kostenlos) erreicht werden kann.
  • Es schadet nicht, den Namen seines Hotels in japanischen Schriftzeichen in der Tasche zu haben. Sogar Taxifahrer sprechen und lesen nicht immer Englisch.

 

3 Kommentare zu „Unser erster Tag in Japan: Yokohama

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  1. Wenn man in Hotels übernachtet könnte man echt den Eindruck haben, alle Klos sind beheizt und voll technisch. In privaten Wohnungen mit günstigen Mieten ist das nicht so. Da gibt es auch ganz normale Klos und einige öffentliche Toiletten haben auch noch ganz alte Klos, wo man sich über ein Loch im Boden hockt.

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    1. Ja, aber zumindest das „öffentliche Toilettenleben“ war völlig in „beheizter, mit allen Spülmechanismen ausgestatteter Toilettenhand“. Nicht nur in Hotels, sondern auch in allen Restaurants (selbst in ganz kleinen Familienbetrieben), in großen Supermärkten und bei Tempeln/Schreinen. Das hat uns schon schwer beeindruckt…

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