Fraser Island: Die größte Sandinsel der Welt

„This is not a tour, this is an adventure!“ Mit diesen Worten begrüßt uns unser Fahrer Sid zu unserem Tagesausflug ab Hervey Bay nach Fraser Island. Vor 25 Jahren war ich drei Tage lang mit dem Jeep und einer Gruppe junger Leute hier unterwegs – das war in der Tat ein Abenteuer. Unter anderem haben in der letzten Nacht die Dingos, die australischen Wildhunde, all unsere Vorräte geplündert, weil die Boxen nicht richtig verschlossen waren. Aber eine geführte Tour in einem geländegängigen Minibus – ein Abenteuer? Wohl eher nicht, denken wir.

Die Tour mit Fraser Experience mit Fraser Free hatten wir bereits im Vorfeld gebucht – ich wollte einen möglichst kleinen Tourbus haben. Dieser kleine Bus hat auch den Vorteil, dass wir direkt mit dem Fahrzeug auf der Fähre übersetzen und so nach der Überfahrt gleich starten können. Es gibt aber auch hier unzählige Tourmöglichkeiten, vom Jeep zum Selbstfahren über Privatfahrer, kleine Tourbusse bis hin zu den ganz großen, je nach Interesse und Geldbeutel.

Wir setzen also mit dem Bus die kurze Strecke (dauert etwa 30 Minuten) über (Tipp: nutzt die Toilette auf der Fähre!). Alle Fahrer lassen Luft aus ihren Reifen, damit sie auf den Sandpisten besser greifen. Fraser Island besteht komplett aus Sand und dementsprechend ist der zu befahrende Untergrund. Das muss nichts Schlechtes sein (später auf dem Strand lässt es sich wunderbar fahren), aber im Inselinneren ist es echt abenteuerlich. Wir werden komplett durchgeschüttelt – für Leute mit Rücken- oder Nackenproblemen ist die Tour bei diesem Straßenzustand nichts. Da es lange Zeit nicht richtig geregnet hat, ist der Weg sehr ausgefahren und die Gefahr, stecken zu bleiben, sehr groß. Nach kaum einem Kilometer Fahrt steckt auch schon der erste Jeep vor uns fest. Mein Mann, der zunächst nicht glücklich war, dass er nicht selbst fahren darf, ist mittlerweile ziemlich erleichtert…

Wir können zum Glück weiterfahren und die Kinder finden es toll, tatsächlich ein kleines Abenteuer. Wir werden gehörig „durchgeschüttelt“, obwohl wir nur rund 20 Stundenkilometer schnell fahren. Rechts und links unserer Sandpiste wächst dichter Trockenwald mit teils imposanten Baumriesen, vor allem die mächtigen Kauris und Satinay-Pinien sind beeindruckend. Bevor Fraser Island zum Nationalpark wurde, war die Holzindustrie hier gut im Geschäft, die Undurchdringlichkeit des Urwalds hat einige Riesen im Inneren der Insel (sie ist etwa 125 Kilometer lang und bis zu 25 Kilometer breit) verschont. Seit 1992 hat die Insel, die in der Sprache der Aboriginies K’gari, Paradies, heißt, UNESCO-Welterbe-Status.

Schließlich erreichen wir zum Glück (die Kinder finden es eher schade, ich arbeite noch daran, mein Frühstück bei mir zu behalten) die andere Seite und das Eurong Resort. Für die 20 Kilometer haben wir tatsächlich eine Stunde gebraucht… Rund um das Eurong Resort hat sich ein kleines Ferienzentrum mit diversen Shops und Restaurants entwickelt, das so gar nicht zum Rest der Insel passt. Zum Glück halten wir hier nicht, sondern fahren gleich durch zum endlos langen Strand, dem 75 Mile Beach. Und hier macht die Fahrt auch mir Spaß, es herrscht Ebbe und bis auf die Creeks, die wir passieren, „hubbelt“ es kaum, fast wie auf der Autobahn! In der Tat darf man hier 80 Stundenkilometer fahren und unser Guide warnt uns, wenn wir beim Aussteigen den Bus verlassen. Wegen der Wellen hört man den Verkehr, der teils wirklich fast „Autobahndimensionen“ hat, gar nicht! Und selbst als Flugzeuglandeplatz dient dieser Strand.

Unser erster Stop am Strand ist Eli Creek, einer der größeren Creeks, die aus dem Inselinnern ins Meer münden. Hier stehen unzählige Autos, jetzt wissen wir auch, warum alle ihre riesigen Schwimmreifen und Gummitiere nach Fraser Island mitbringen! Auf einem Bohlenweg kann man bachaufwärts laufen und sich dann im knietiefen, kristallklaren Wasser nach unten treiben lassen, bei angenehmen 18 bis 20 Grad Wassertemperatur und im Schatten üppigen Grüns. Mangels Gummitier waten wir durch das Wasser, das ist herrlich (nur leider etwas voll).

Weiter geht es den Strand entlang, erst zu den Coloured Sands, dem in verschiedenen braun-, rot- und gelbtönen verfestigtem „Sandskulpturen“ von „The Pinnacles„. Wie an so vielen Stellen wird hier vor den Dingos gewarnt. Seit die Wildhunde vor einiger Zeit ein Kind getötet haben, stehen auf der ganzen Insel entsprechende Schilder, das Mitnehmen von Essen außerhalb des Fahrzeugs und abgezäunter Bereiche ist streng verboten (ich muss an mein Dingo-Erlebnis vor 25 Jahren denken…).

Der nächste Stop ist an einem der zahlreichen Schiffswracks, die in dieser Gegend wegen der starken Strömung auf Grund gelaufen sind. Das „Maheno Shipwreck„, ein ehemaliger Luxusliner, der hier seit 1935 vor sich hin rostet, er liegt sehr malerisch direkt in der Brandung, Besteigen strengstens verboten, aber Bestaunen tut es auch.

Und schließlich geht es wieder ins Landesinnere, endlich zum Mittagessen (natürlich Dingo-Safe in einem abgezäunten Bereich). Hastig verspeisen wir unsere Wraps, damit wir möglichst lange Zeit haben am paradiesischen Lake McKenzie zu baden. Dieser See ist einer von knapp 200 Süßwasserseen, die es auf der Insel gibt. Im Meer ist die Strömung sehr stark, außerdem gibt es viele Haie hier – ein Baden empfiehlt sich nicht wirklich. Die Süßwasserseen hingegen sind traumhaft. Gespeist aus Grundwasser ist das Wasser sehr klar, trinkbar, und hat wie der Eli Creek 18 bis 20 Grad – das Ganze vor einer Kulisse aus feinstem weißen Sand. Könnte man unter Wasser ein Buch lesen, würde man dies noch in drei Metern Entfernung tun können, sagt unser Guide. Und das glauben wir sofort!

Nach einem ausgiebigen Bad geht es langsam zurück in Richtung Fähre. Wir halten noch einmal kurz an der „Central Station“, dem ehemaligen Holzfällerlager der Insel. Hier hat die Parkverwaltung einen schönen kleinen Bohlen-Rundweg entlang eines erneut glasklaren Creeks (das Weiße ist der Sand im Wanggoolba Creek) angelegt, wir sehen neben den imposanten Baumfarnen am Ufer auch riesige Aale im Wasser.

Danach ist unsere Tagestour auf Fraser Island leider zu Ende. Die Kinder freuen sich über noch viele „Achterbahnfahrten“ auf dem Weg zurück – ein kleines Abenteuer war es schon, auch wenn wir (zum Glück) nicht stecken geblieben sind. Auf jeden Fall haben wir den Tagesausflug alle sehr genossen!

Ein Kommentar zu „Fraser Island: Die größte Sandinsel der Welt

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  1. Toller Bericht, wie immer. Blauen Himmel haben wir auch, aber die Temperaturen lassen zu wünschen übrig. Liebe Grüsse Katja

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