Tokyos Osten: Fischmarkt, Asakusa und Washi Paper

Heute müssen wir früh aufstehen, wir wollen auf den Tsukiji-Markt, den weltgrößten Fischmarkt. Noch befindet sich dieser recht zentral in Tokyos Osten südlich der Ginza, er soll aber in Kürze (letzter Stand lautet im Mai 2018) verlagert werden. Dann bleibt an dieser Stelle nur noch der (ebenfalls sehr sehenswerte) Markt rund um den Fischmarkt mit seinen Ständen für Fisch und Meeresfrüchte, Obst und Gemüse, diverse Haushaltswaren sowie den vielen kleinen Restaurants erhalten.

Hartgesottene müssen extrem früh aufstehen, wenn sie die berühmten Thunfischauktionen sehen wollen. Ganz früh das heißt zwischen 2 und 3 Uhr morgens dort sein, um eine der wenigen Eintrittskarten zu ergattern. Das ist uns dann doch zu heftig, gerade mit den Kindern. Aber auch in den „normalen“ Fischmarkt in den riesigen Hallen kommen wir zunächst nicht hinein, der Besucherandrang ist groß, und wir werden erst einmal abgewiesen.

Also schauen wir uns zunächst den „äußeren“ Markt rund um den eigentlichen Fischmarkt an (geöffnet ab 9 oder 10 Uhr), auch der bietet schon viel zum Sehen und Staunen, und vor allem auch zum Essen. Wir essen natürlich: Fisch, Sushi zum (zweiten) Frühstück! Und ich habe noch nie so frisches und leckeres Sushi gegessen, ein Traum! Aber klar, wenn nicht hier, wo soll der Fisch denn sonst frisch sein? Miyoko isst Thunfisch-Sashimi und ich staune darüber, wie viele erkennbar unterschiedliche Stücke Thunfisch es geben kann, bei uns sieht Thunfisch immer gleich aus (wir bekommen vermutlich auch nicht die ganz besonderen Teile). Selbst die Kinder können sich für Miso Suppe und Maki Rollen begeistern.

Rund um den Fischmarkt WasabiAnschließend schlendern wir durch die engen Gassen des Marktes, kaufen hier und da ein bisschen was ein und lassen uns von Miyoko und Mogi die vielen unbekannten Gemüse- und Obstsorten erklären (wisst ihr, wie Wasabi, der grüne Meerrettisch, aussieht? So!). Dann dürfen wir auch endlich in den eigentlichen Markt, wo in Styroporschachteln und diversen Becken das Meeresgetier angeboten wird.

Übrigens wird in vielen Reiseführern von einem Besuch des Fischmarkts mit Kindern abgeraten, aufgrund der „Hektik und des blutigen Geschäfts“. Hektik können wir nachvollziehen, es rasen ständig kleine Transport-Wägelchen wild hupend durch die Gegend, wir nehmen die Kinder lieber an die Hand, damit sie nicht überfahren werden. Aber als „blutig“ haben wir den Markt überhaupt nicht empfunden, und auch der Geruch hält sich in Grenzen. Das Treiben und die Vielzahl von Fischen und Meeresfrüchten, die wir noch nie gesehen haben, hat uns sehr fasziniert und wir können nur zu einem Besuch raten!

SkytreeWeiter geht es nach Asakusa. Nach Verlassen der U-Bahn sehen wir den Tokyo Skytree, den höchsten Fernsehturm und nach dem Burj Khalifa in Dubai das höchste Gebäude der Welt. Da wir auf dem Tokyoter Rathaus (kostenlos) waren und die Aussichtsplattform bei Nacht in Roppongi Hills besucht haben, belassen wir es beim Anschauen von unten.

Unser Ziel ist der Senso-ji. Dieser buddhistische Tempel ist einer der schönsten, ältesten und meistbesuchten der Stadt (Eintritt kostenlos). Zunächst passieren wir das große Donnertor „Kaminarimon“ mit seinem riesigen Lampion und den zwei Wächterfiguren links und rechts, dem Windgott und dem Donnergott. Es folgt die Einkaufsstraße „Nakamise“, wo sich viele Touristen und Einheimische, beide oft in hübschen Kimonos, drängen. Anschließend passieren wir das zweite Tor „Hozomon“, ebenfalls mit riesigen Lampions. Hinter dem Tor befinden sich unter anderem eine fünfstufige Pagode sowie das Hauptgebäude „Hondo“.

Auch ein oft zu sehendes Räucherbecken befindet sich hier. In der Einkaufsstraße kann man Räucherstäbchen erwerben, diese dann hier anzünden und in den Sand stecken. Den aufsteigenden Rauch fächelt man sich an schmerzende oder kranke Körperteile, da dem Rauch eine heilende Wirkung nachgesagt wird.

Obwohl sie die interessanten Rituale sehr spannend finden, seien es jetzt genug Tempel und Schreine, meinen die Kinder. Miyoko hat eine tolle Idee: Wir stellen Washi Paper, japanisches Papier, selbst her! Ozu Washi heißt das Spezialgeschäft für japanisches Papier, das auch ein kleines Museum und eine Papierwerkstatt beherbergt, es befindet sich im Stadtteil Nihombashi. Zunächst lernen wir in einem Film, wie das Rohmaterial für das edle Papier auch heute noch gewonnen wird. Dann schauen wir uns die Ausstellung historischer Papiere und die vielen handgemachten Exponate an, die man natürlich auch käuflich erwerben kann. Anschließend begeben wir uns in die Werkstatt. Selbst der Älteste und einzige Junge unserer Reisegruppe, 15 Jahre alt, möchte unbedingt Papier herstellen! Also dürfen die Kinder der Reihe nach die verschiedenen handwerklichenSchritte durchführen und halten anschließend alle ein hübsches Erinnerungsstück in der Hand.

Ozu Washi Papier herzustellen macht wirklich Spaß, sowohl Kindern als auch Erwachsenen. Ein Blatt kostet 500 Yen. Der Workshop findet Montags bis Samstags zu bestimmten Zeiten statt (siehe Internet), eine Reservierung ist unbedingt notwendig.

Nach dem Abendessen spazieren wir noch zur Verdauung durch den nächtlichen Ueno-Park, der mit seinem malerischen See, im Hintergrund die beleuchtete Skyline der umgebenden Gebäude, ein schönes Bild abgibt. Auf einer Insel im See steht der Bentendo Tempel, nachts ebenfalls hübsch beleuchtet. Und nicht weit davon entfernt befindet sich noch eine weitere Besonderheit: Die Statue des letzten Samurai Saigo Takamori (1827-1877). Der Gegner der Modernisierung und Öffnung Japans („Meiji-Restauration“, damit verloren auch die Samurai ihren Sonderstatus), rebellierte gegen die Regierung und wurde schließlich in einer Schlacht schwer verletzt. Mit seinem Tod wurde das neue System endgültig gesichert. Da er im Volk sehr beliebt war, wurde er posthum begnadigt.

 

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