Ein unvergesslicher Tag rund um den Myvatn

Um es vorweg zu nehmen: Unsere 24 Stunden rund um die Seenregion Myvatn sollten die schönsten und spektakulärsten werden, die wir jemals auf Island verbracht haben, mit fast allem, was diese Insel ausmacht! Sie beginnen am späten Nachmittag des Vortags, als wir uns dem See von Akureyri und dem Godafoss kommend nähern (siehe: Herzliche Hauptstadt des Nordens: Akureyri). Das sagenhaft schöne Dämmerungslicht zieht uns in seinen Bann, es lässt den teilweise gefrorenen See fast schon mystisch aussehen.

Myvatn Nature Bath: ein Thermalbad bei Sonnenuntergang

Wir beziehen eilig unsere Zimmer im Fosshotel mit Blick über den See, denn es steht noch ein Besuch im Thermalbad auf dem Programm. Das Bad heißt für mich etwas irritierend „Myvatn Nature Bath„. Von wegen natürlich: die Badelagune an sich ist menschengemacht und das Wasser stammt aus Borlöchern. Es ist jedoch natürlicherweise reich an Mineralien, insbesondere an Kieselsäure, was ihm ein bläuliches Aussehen verleiht. Im Gegensatz zur ähnlich aussehenden Blauen Lagune bei Keflavik (siehe Geopark-Tour auf der Reykjanes Halbinsel) ist das Thermalbad von Myvatn deutlich weniger überlaufen. Das Bad hat zwei große (Schwimm-)Becken, eines wärmer (und mit Bar direkt im Wasser), das andere etwas kälter, einen noch heißeren großen Hot Tub sowie ein Dampfbad. Ach, ist das herrlich, hier zu schwimmen oder zu entspannen, mit einem Drink in der Hand! Bewusst sind wir in den Abendstunden hier und das hat sich gelohnt: Im 36 bis 40 Grad warmen Wasser treibend, genießen wir einen etwa 30-minütigen Sonnenuntergang, den wir so lang und so schön noch nie gesehen haben!

Polarlichter: spektakuläre Aurora Borealis

Sollte dies ein Vorbote auf ein weiteres Naturphänomen sein? Die Rede ist von Polar- oder Nordlichtern (Aurora Borealis), die sich schwerpunktmäßig von Oktober bis April in den nördlichen Breiten zeigen. Schon seit unserer Ankunft habe ich täglich mithilfe des Aurora-Forecasts vom Icelandic Met Office die Voraussetzungen überprüft, nämlich die (möglichst geringe) Wolkenbedeckung (auf der Karte weiß) und die grundsätzliche Wahrscheinlichkeit für Nordlichter (vereinfacht gesagt aufgrund von Sonnenaktivität), zu sehen auf einer Skala rechts von 0 (gering) bis 9 (hoch). Heute zeigt das System wenig Wolken und einen Forecast-Wert von nicht besonders tollen „3“ – aber wenn überhaupt, dann würden wir diese Nacht Polarlichter sehen. Und tatsächlich werden beim Abendessen auf einmal alle hektisch: Polarlichter gesichtet! Die Kellner sagen uns nachher lachend, dass sie das gewohnt sind: Fluchtartig verlassen alle den Speisesaal. Mit bloßem Auge sehen wir zunächst wenig, aber durch die (Smartphone-)Kameras sind die grünen, tanzenden Lichter sofort gut zu erkennen. Bald werden sie stärker und wir sehen sie auch mit bloßem Auge. Welch tolles Erlebnis!

Krafla-Vulkanismus: Geothermalfelder, Krater, Lavaformationen

Schon unser Geothermalbad hat gezeigt: Rund um den Myvatn liegt eine (post-)vulkanisch sehr aktive Zone, Mittelpunkt ist der Vulkan Krafla. Der heutige Tag ist seinen zahlreichen Attraktionen gewidmet.

Grjotagja: heißes Wasser, Lavahöhle und Erdspalte

Erste Station ist die Grjotagja, eine heiße Quelle inmitten einer Lava-Höhle. Über zwei enge Öffnungen kann man zur Quelle hinuntersteigen, gutes Schuhwerk ist unbedingt erforderlich. Besucht diese Quelle am besten in den Randzeiten (z.B. wie wir frühmorgens), sonst könnt ihr lange anstehen, bis ihr hinunterklettern könnt. Falls euch diese Höhle bekannt vorkommt, sie bildet die Kulisse von Jon Snow und Ygrittes Liebesspiel in der Serie „Game of Thrones“. Baden ist dort nicht zuletzt wegen der schwankenden und mitunter zu heißen Wassertemperatur verboten. Klettert im Anschluss noch auf den Lavadom hinauf (Weg rechts), dann seht ihr die Erdspalte zwischen der eurasischen und nordamerikanischen Platte.

  • Grjotagja: Lavahöhle mit heißer Quelle
Sonnenaufgang am Hverir-Thermalfeld

Mittlerweile geht langsam die Sonne auf, gerade als wir auf dem Parkplatz des Hverir-Geothermalfelds (kostenpflichtig) direkt an der Ringstraße eintreffen. Schon auf dem Parkplatz sind die Schwefelausdünstungen deutlich zu riechen, aber viel interessanter ist die sich bietende Szenerie, die kaum schöner sein könnte: Durch die zahlreichen qualmenden Fumarolen vor der aufgehenden Sonne sieht es aus, als ob der ganze Planet brennt. Auch lustige Rauch-Schatten-Bilder lassen sich hier machen. Beim letzten Foto habe ich etwas mit dem Farb-Filter gespielt, aber die Fotos zeigen durchaus die verschiedenen Schattierungen der hier auftretenden Mineralien, allen voran Schwefelverbindungen.

„Ewige Dusche“ und Kratersee

Unweit des Hverir-Thermalfelds biegt die Straße Nr. 863 in Richtung Norden ab, ein Schild weißt auf die Krafla-Vulkan-Region hin. Nach wenigen Kilometern liegt rechts eine „ewige Dusche„, die kontinuierlich warmes Thermalwasser nach oben fördert. Und tatsächlich duscht sich auch bei unserem Besuch ein Camper im angenehm warmen Wasser, bei zwei Grad Außentemperatur. Sehr lustig, was es hier alles gibt!

Folgt man der Straße weiter, gelangt man zunächst zum Krafla Kraftwerk, bevor eine Straße steil nach oben führt. Oben hat man auf einem Parkplatz eine gute Aussicht ins Tal und auf das Kraftwerk. Noch weiter oben folgt rechter Hand ein weiterer Parkplatz, von dem aus man nach ein paar Schritten den tiefblauen Krafla-Kratersee erreicht.

Das Lavafeld Dimmuborgir

Unsere nächste Station ist das Lavafeld Dimmuborgir. Von einem Aussichtspunkt unweit des Parkplatzes sehen wir den Myvatn mit seinen zahlreichen Inseln, Halbinseln und Kratern, die durch das explosive Zusammentreffen von Lava und Wasser entstanden sind. Einmal umgedreht und blicken wir auf den vulkanischen Explosionskrater Hverfjall, den man auch besteigen kann. Unterhalb des Hverfjall liegt das Gebiet Dimmuborgir (deutsch „dunkle Burgen“), das durch einige kürzere und längere Wanderwege gut erschlossen ist. Es macht Spaß, durch die Wälder aus Zwerg- oder Moorbirken und die reizvollen Tuffsteinformationen zu laufen! In dieser „märchenhaften“ Welt wundert es uns nicht, dass wir – typisch isländisch – unterwegs auch über die „Yule Lads“ stolpern. Das sind eine Art „Weihnachts-Trolle“, von denen es auf Island 13 Stück gibt und sie sollen in Dimmuborgir wohnen. Können wir uns gut vorstellen!

  • Dimmuborgir mit Hverfjall

Dettifoss

Vom Myvatn aus lässt sich auch eine weitere, nicht-vulkanische, Attraktion besuchen: der Dettifoss. Dieser wörtlich übersetzt „stürzende Wasserfall“ zählt du den schüttungsreichsten Europas: Auf etwa 100 Metern Breite stürzen die Wassermassen 44 Meter in die Tiefe, im Sommer etwa 1.500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Die westliche Seite des Wasserfalls ist in weniger als 45 Minuten von Reykjahlid aus über eine geteerte Straße zu erreichen, ein kostenloser Parkplatz samt Toiletten ist vorhanden. Der nur etwa 800 Meter lange Weg zum Wasserfall führt über eine felsig-steinig-sandige Lava-Hochfläche, die Strecke im Sommer durch Wind und Sandstürme, im Winter durch Vereisung mitunter eine Herausforderung. Wir stellen uns der Winter-Challenge und schlittern über die eisigen Flächen Richtung Aussichtsplattformen, wo ein Teil der Wege entlang des Canyons aufgrund der Witterung dann auch gesperrt ist. Der Wasserfall mit seinen tosenden Massen ist imposant, allerdings haben uns der Godafoss sowie andere Wasserfälle auf Island (siehe Island: Insel der spektakulären Wasserfälle) mehr begeistert. Nichtsdestotrotz lohnt auch der Dettifoss zweifelsohne einen Besuch!

Unsere erlebnis- und abwechslungsreichen 24 Stunden rund um den Myvatn sind zu Ende. Island hat uns mal wieder gezeigt, wie außergewöhnlich und einzigartig unsere Trauminsel ist!

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