Buschfeuer in Australien

Schon vor Beginn unserer Australien-Reise waren die ersten Meldungen über die Buschfeuer in Australien auch in den deutschen Medien zu finden. Bilder von den Bränden und immer wieder von den in dichte Rauchwolken gehüllte Wahrzeichen von Sydney, der Harbour Bridge und dem Opera House, geisterten durch die Presse, verbunden mit der Info, man könne sich in Sydney nicht ohne Atemmaske bewegen und sollte am besten nicht aus dem Haus. Alarmiert habe ich sofort sämtliche verfügbare Webcams in Downtown Sydney angeklickt und sah: die Wahrzeichen, aber keine Rauchwolken. Auch am Flughafen Sydney recherchierte ich sofort: Gibt es Beeinträchtigungen durch den Rauch, fallen Flieger aus? Nein. Rauchmasken habe ich trotzdem gekauft, unsere Große hat ja Asthma und wäre daher besonders gefährdet.

Klimadaten: Hitze und Trockenheit

Parallel wurde von einer anhaltenden Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad gesprochen. Fakt ist, dass landesweit betrachtet (dies gilt vor allem für Orte im so genannten Outback) 2019 seit Beginn der Aufzeichnung 1910 das wärmste und trockenste Jahr war. Das Klima hat sich seither im Jahresmittel um etwas mehr als ein Grad Celsius erwärmt.

Zusätzlich recherchierte ich sofort die Wetterdaten von Sydney. Fakt ist hier: Um den 18. Dezember gab es in der Tat an vielen Wetterstationen Australiens Hitzerekorde. Auch in Sydney waren es am 19. Dezember über 39 Grad. Aber wer sich die Wetteraufzeichnungen von Sydney des Bureau of Meterology anschaut, wird feststellen, dass es die Tage davor und danach nur noch Temperaturen von um die 25 Grad hatte (das war im gesamten Dezember so, nur an einem weiteren Tag herrschten 35 Grad) – also Temperaturschwankungen von über 15 Grad von einem Tag auf den anderen (und in der Tat hatten auch wir drei Tage lang in Sydney auch „nur“ knapp 25 Grad). Diese Schwankungen sind sowohl für Sydney als auch für Melbourne im Sommer normal. Schon vor 25 Jahren hatte ich einen Tag bei den Australian Open in Melbourne 35 Grad, einen Tag später nur noch 20 Grad. Der Grund für die extremen Temperaturschwankungen liegen vor allem darin, dass es in beiden Städten entscheidend ist, woher der Wind weht: aus dem heißen Landesinneren oder vom kühlen Ozean.

Will (gerade auch für Reisende) sagen: Es herrschen im Sommer mitnichten permanent 40 Grad Celsius in Australien, sondern die Temperaturen schwanken extrem. Aber die immer wärmeren und trockeneren Jahre, bedingt durch den Klimawandel, begünstigen natürlich die Entstehung von Buschfeuern.

Buschfeuer – die wiederkehrende Katastrophe

Immer wiederkehrende Buschfeuer gehören schon seit Jahrtausenden zur Ökologie Australiens. Die Aboriginies setzten seit jeher kontrollierte Feuer am Ende der Regenzeit (wenn die großen Bäume noch feucht waren) für ihre Zwecke ein. Das „reinigende Feuer“ verbrannte nur die Grasschicht und abgestorbene herabgefallene Äste, düngte so den Boden und reduzierte in der Trockenzeit das potenziell brennbare Material. Dies geschah natürlich auf sehr viel kleinen Flächen, war aber doch so präsent, dass bereits James Cook vor über 200 Jahren Australien als „continent of smoke“ bezeichnete.

Über die Jahrtausende hat dies dazu geführt, dass sich die heute typischen Vegetation durchgesetzt hat, nämlich die, die einen ökologischen Vorteil vom Feuer hat. Und das sind vor allem die Eukalypten. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12. Januar 2020 spricht sogar von einer „ökologischen Notwendigkeit“ der Busch- und Waldbrände.

Eukalyptuswälder profitieren vom Feuer

Eukalyptuswälder machen einen Großteil der Waldfläche in Australien aus, es gibt je nach Quelle über 600, manche sprechen von über 700 verschiedene Arten. Viele Eukalypten wachsen schnell, bis zu einem halben Meter pro Jahr. Ihre Blätter und Zweige enthalten ätherische Öle, die die Brände zusätzlich befeuern. Weniger bekannt ist, dass viele dieser Pflanzen die Feuer sogar brauchen oder zumindest davon profitieren. Bei einigen Arten sitzen die Keimlinge im Inneren des Baumes (so genannte „schlafende Knospen“ oder Lingotuber), die nach einem Feuer sehr schnell neu austreiben, andere Arten haben harte Samenkapseln, die überhaupt erst nach Feuer aufbrechen. So titelte der „Spiegel“ bereits 2002 nach den verheerenden Bränden mit Namen „Black Christmas“: „Eukalyptus vollbringt grünes Wunder“ und beschreibt die Regeneration von Eukalyptuswäldern.

Obwohl wir nie direkt ein Feuer sehen, fahren wir immer wieder rechts und links der Straße durch Gebiete, in denen es teils noch vor wenigen Wochen gebrannt hat.

Wie schnell sich die Eukalyptuswälder erholen können, sieht man auf Flächen, die vor weniger als einem Jahr gebrannt haben. Das Gras ist nachgewachsen, aus den verkohlten Stämmen sprießt schon wieder Grün.

Die Wald- und Buschbrände diesen Jahres sind also mitnichten ein einmaliges Ereignis. Natürlich haben sie ein katastrophales Ausmaß, aber die Liste derartiger Feuerkatastrophen in Australien ist lang (und reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück). Die schlimmsten Ereignisse: 1974/75 betrafen die Brände 15 Prozent (!) der australischen Fläche, also Stand heute zehnmal so viel wie dieses Jahr, allerdings größtenteils im dünn besiedelten Outback. In den „Black Saturday Bushfires“ 2009 starben 173 Menschen, am  „Ash Wednesday“ am 16. Februar 1983 75 Menschen, am „Tasmanian Black Tuesday“ am 7. Februar 1967 62 Menschen. Bis heute sind im Feuerjahr 2019/20 29 Menschen gestorben.

Und noch eine Information, mit der ich die Feuer in keinster Weise verharmlosen will, sie aber zu anderen Katastrophen in Australien in Relation setzen. Seit 1851 bis 2012 werden die durch die Feuer entstandenen Kosten auf 1,6 Milliarden Dollar geschätzt (aktuelle Zahlen sind natürlich noch nicht vorhanden). Sehr viel höher liegen laut der EMA (Emergency Management Australia) Disaster Database die Schäden, die durch Stürme, Zyklone und Starkregen mit Überflutungen in Australien verursacht wurden (mehr dazu u.a. beim „Disaster Mapper“ der EMA). Allein die Schäden durch tropische Zyklone zwischen 1967 und 1999 werden auf 8,8 Milliarden Dollar geschätzt (siehe Bericht von Geoscience des Australian Government). Der Grund: Letztere finden insbesondere in den dichtbesiedelten Küstenregionen statt, die Feuer eher im dünnbesiedelten Outback. Dies ist überall im Land sichtbar, denn „Überflutungswarnungen“ auf den Straßen mit entsprechenden Messlatten sind viel mehr verbreitet als „Feuerwarnungen“. Die Warnschilder zu den Road Conditions gelten für beide Katastrophenfälle.

Medienpräsenz der Buschfeuer

Dass es die Feuer so anhaltend sogar in unsere Medien geschafft haben, liegt in meinen Augen vor allem an drei Faktoren. Erstens: Sie sind wie gesagt selbst für australische Verhältnisse dieses Jahr sehr schlimm. Zweitens: Sie passen zur aktuell omnipräsenten Klimawandel-Diskussion. Und Drittens: Sie fallen auch noch in die „Saure Gurken Zeit“ vor und nach Weihnachten, wo sich die Presse gerne auf solche Themen stürzt. Die Presse soll ja auch darüber berichten, aber bitte realistisch. Es brennt weder der gesamte Kontinent, noch handelt es sich um ein einmaliges Ereignis. Und bitte nicht „effekthaschend“ nach dem Motto „das kennen alle“ mit Fotos von Australiens Wahrzeichen in Rauchwolken (an deren Wahrheitsgehalt ich ehrlich gesagt ein bisschen zweifele – hat da jemand mit Fotoshop nachgeholfen? Zumindest handelt es sich aber um eine absolute Momentaufnahme) und bitte nicht mit pauschalierten und überzogen dargestellten Informationen oder gar gefälschten Karten – lest dazu mal den Artikel der Tagesschau: „Wie falsche Karten das Netz erobern„. Eine Masterarbeit zum Thema „Bushfires in Australien und deren mediale Präsenz in Europa“ hielte ich derzeit für ein sehr spannendes Thema…

Und um noch eine weitere Kritik einzubauen: Die Medien zeigen sehr gerne die uns allen gut bekannte, australische Tierwelt im Kampf gegen das Feuer: verkohlte Kängurus und mit Wasserflaschen versorgte Koalas. (Randnotiz: Dass letztere normalerweise überhaupt kein Wasser trinken – Koala heißt soviel wie „ohne Wasser“ – und durch diese Art zu trinken sterben können, weil Wasser in die Lunge gerät und sie eine Lungenentzündung bekommen, weiß kaum jemand). Weniger „Glück“ bei der medialen Berichterstattung hatten die verheerenden Brände letztes Jahr in Sibirien, von denen bei uns nur kurz die Rede war – vielleicht weil der Sibirische Tiger nicht bedroht war? Journalismus funktioniert leider so, mit Bildern arbeiten, die ans Herz gehen, mit Dingen arbeiten, die jeder kennt und Superlative herausstellen (im Zweifel ein bisschen nachhelfen) – das verkauft sich gut.

Was übrigens die Kängurus betrifft: Wir sind bei unserer Reise an mehr als hundert Känguru- und Wallaby-Kadavern entlang der Straße vorbei gefahren. Dazu gibt es vermutlich keine Statistik, aber ich wette, dass durch Verkehrsunfälle weit mehr Kängurus sterben als durch die Brände (die Kängurus gelten in Australien auch eher als „Plage“, weshalb sie der Bundesstaat Victoria ab 1. Oktober zum Abschuss und zur Verarbeitung als Tierfutter freigegeben hat, siehe „Victorian Kangaroo Harvest Management Plan 2019„). Anders zu werten ist die Bedrohung durch das Feuer sicher bei den Koalas, die erstens zahlenmäßig weit unterlegen sind und zweitens kaum weglaufen können. Richtig schlimm sind die Brände hinsichtlich der Artenvernichtung, weil hierbei Tiere und Pflanzen aussterben, die aufgrund der isolierten Lage Australiens einmalig sind.

Unsere Erfahrungen vor Ort

Warum ich diesen (sehr langen) Artikel (erst jetzt) geschrieben habe? Seit wir zurück gekommen sind, lauten stets die ersten beiden Fragen: „Wie habt ihr das bei diesen Bränden überhaupt überstanden? Warum schreibst du dazu nichts in deinem Blog?“ Das habe ich hiermit hoffentlich ausführlich genug nachgeholt und brauchte dazu etwas Zeit (das schreibt sich halt nicht so schnell wie ein einfacher Reisebericht).

Auch während des Urlaubs wurden wir täglich von unserer Familie und Freunden gefragt, ob es uns gut geht – die Berichterstattung suggeriert ja, dass der ganze Kontinent brennt und sich ganz Australien im Ausnahmezustand befindet. Tatsächlich waren wir persönlich – in einem riesigen Land – nur an einem einzigen Tag von den Feuern direkt betroffen, nämlich bei einem Tagesausflug in die Blue Mountains. Hier waren die Feuer zu diesem Zeitpunkt etwa 50 Kilometer entfernt und der Rauch zog genau über den Nationalpark. Wir sahen kaum etwas, die Wanderrouten waren gesperrt (die Gefahr von Funkenflug bei starkem Wind ist enorm) und unsere Große trug ihre Atemmaske.

Ansonsten hatten wir einfach nur Glück, denn es kann zu dieser Jahreszeit jeden Australienreisenden überall treffen. Aber wir waren weder in Sydney Downtown noch in Melbourne und seinem Umland noch in Queensland durch die Brände beeinträchtigt. Die „Hauptbrände“ waren in und um die „Australischen Alpen“ in der Grenzregion zwischen New South Wales und Victoria, vor allem um die Küstenstadt Mallacoota, 500 Kilometer jeweils von Sydney und Melbourne entfernt.

Wir haben also wie alle Daheimgebliebenen die Katastrophe in den Medien und im australischen Alltagsleben verfolgt. Dabei ist uns eines besonders aufgefallen: Die Dankbarkeit gegenüber den Feuerwehrmännern und die Hilfsbereitschaft der nicht betroffenen Australier ist riesig, wie wir immer wieder auf diversen Plakaten in Supermärkten, an Häusern und entlang der Straßen („thank you, firies“ – kann man sogar als T-Shirt kaufen) erfahren. In sozialen Medien wie Facebook gibt es genau wie im Supermarkt um die Ecke Aufrufe für Geld- und Sachspenden. Auch viele Prominente, Australier wie Nicole Kidman, Kylie Minogue oder Chris Hemsworth genauso wie Nicht-Australier, darunter unter anderem Elton John oder Pink sowie zahlreiche Firmen im In- und Ausland haben gespendet. Die Tennisturnier-Veranstalter zahlen für jedes Ass einen bestimmten Betrag, der in den meisten Fällen von den SpielerInnen wie von Nick Kyrgios, der aus der betroffenen Hauptstadt Canberra kommt, noch aufgestockt wurde. Gerade heute haben Roger Federer und Rafael Nadal angekündigt, 250.000 Dollar zu spenden.

Diesen Blog habe ich nicht zuletzt auch geschrieben, um Reisenden ein paar grundsätzliche Tipps mit auf den Weg zu geben. Denn wie gesagt, derartige Katastrophen ereignen sich in Australien jedes Jahr.

Meine Empfehlungen bei der Planung einer Rundreise:

  • Taktet eure Reise möglichst nicht zu eng. Buschfeuer (aber auch Zyklone und Überschwemmungen) können jederzeit zu Straßensperrungen führen und bedeuten oft sehr große Umwege.
  • Speichert euch die Links/Apps zu den wichtigsten Info-Seiten rund um die Buschfeuer auf eurem Handy ab. Ich habe folgende Infoseiten genutzt:
    MyFireWatch mit interaktiver Karte (ganz Australien), und/oder lokale Internetseiten wie Bushfires Queensland (wie der Name sagt für Queensland).
    Zusätzliche gibt es Infoseiten wie die von Air Quality Index Australia, auf denen ihr mehr zur Luftverschmutzung erfahren könnt (nicht nur wenn ihr wie wir eine Asthmatikerin als Tochter habt, ist dies hilfreich).
  • Vor jeder Fahrt auf jeden Fall auch die Situation/Straßenzustände/Sperrungen checken. Das funktioniert immer am besten über die Einheimischen, z.B. den Hotelier. Aber wir haben festgestellt, dass die Sperrungen auch sofort an Navi-Hilfsmittel wie „Google Maps“ weitergegeben werden, mindestens hier sollte man prüfen, ob man von A nach B kommt, bevor man losfährt.
  • Hilfreich war es außerdem, bestimmten lokalen Institutionen im Social Media Bereich zu folgen. So hatten wir beispielsweise die Twitter-Meldungen der jeweiligen Bureaus of Meteorology abonniert und wurden so über Wetterbesonderheiten informiert.

 

2 Kommentare zu „Buschfeuer in Australien

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  1. Hallo Heide, Danke für den ausführlichen und guten Artikel. Schön, dass es euch gefallen hat. Gruß aus Steinbach Michael

    😀

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  2. Ein ganz super Artikel über die „australische Feuerbrunst“ wie in der Presse dargestellt. Deine tolle sachliche Erzählng mit Hintergrundinformation einfach super. Ich hoffe es lesen viele Leute
    Deinen Artkel! Sehr sehr gut. Weiter so. Dein Vater wäre stolz auf dich!

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