Perth: Lebensqualität pur

Perth, Hauptstadt von Western Australia, schafft es regelmäßig bei diversen Rankings unter die TOP 20 der lebenswertesten Städte weltweit*. Was macht die Stadt, die gleichzeitig die abgelegenste Großstadt der Welt ist, so attraktiv?

Die 2,3 Millionen Einwohner der westaustralischen Stadt müssen tatsächlich sehr weit fahren oder vielleicht besser fliegen, wenn sie – warum auch immer – eine andere Großstadt aufsuchen wollen. Nämlich etwa 2.500 Kilometer, so weit sind Adelaide in Südaustralien und Denpasar auf Bali entfernt. Da sollte schon besser alles Nötige vor Ort vorhanden sein. Die Sonne erfüllt schonmal ihre Pflicht, denn mit über 3.000 Sonnenstunden an durchschnittlich 265 Sonnentagen ist Perth die sonnigste Großstadt Australiens.

Anfang des 19. Jahrhunderts trotz eher unwirtlichem Umland von Kapitän James Stirling als Stützpunkt am Swan River gegründet, ist die Stadt Perth im Zuge des Goldrauschs Ende des 19. Jhd. rasch gewachsen. Auch heute noch ist sie Bergbauzentrum und hat ihren Wohlstand vor allem den Rohstoffen des Bundesstaates zu verdanken, als da wären Eisenerz, Diamanten, Erdgas, Erdöl, Gold und Seltene Erden. „Schwerreich und sterbenslangweilig“, so die FAZ, sei die Stadt lange gewesen und auch der Schriftsteller Robert Drewe beschrieb sie als „eine langweilige Stadt von Filialleitern“. Doch offenbar hat sich hier eine Menge getan!

Elizabeth Quay

Nach einem 19-stündigen Flug mit Stopover in Singapur und einer vom Jetlag geprägten Nacht beginnen wir unseren Rundgang am Elizabeth Quay. „EQ“ ist ein Stadtentwicklungsprojekt am Ufer des Swan River, mit Promenade, Entertainment, Kunstobjekten, Restaurants und Cafés sowie Fähranleger, umrahmt von Wolkenkratzern des Central Business Districts – und heute der quirlige Mittelpunkt der Stadt. Einheimische wie Touristen treffen sich hier gleichermaßen und genießen das entspannte Leben in der Metropole.

Markantes Wahrzeichen des EQ ist der schlanke Bell Tower. Das moderne Gebäude ist ein Aussichtsturm und trägt die historischen „Swan Bells“, die einzigen royalen britischen Glocken, die jemals das Kernland verlassen haben. Zu den Urban Art Projects zählen die 29 Meter hohe Skulptur Spanda des australischen Künstlers Christian de Vietri, die weltweit größte freistehende Kohlefaserkonstruktion. Sie symbolisiert die Verbindung zwischen dem Swan River, dem Land und dem Himmel. First Contact, ein fünf Meter großer Pinguin des Künstlers Laurel Nannup, steht dort, wo das Volk der Noongar zum ersten Mal Schiffe der europäischen Siedler auf dem Swan River sahen. An der Spitze des Quays verbindet die 110 Meter lange Elizabeth Quay Bridge die beiden Promenaden.

Wer ein Stück Kolonialgeschichte sucht, wird in unmittelbarer Nähe zum EQ rund um die Stirling Gardens fündig. Hier stehen das älteste Gebäude der Stadt, das kleine weiße Old Court House (heute ein Museum), die ehrwürdige St. Georgs Kathedrale, die sich in den modernen Gebäuden spiegelt, das Government House (Gouverneurspalast) und der Supreme Court. Passt auf, dass ihr hier nicht vom „Mob“ überrannt werdet, die Kängurus sind eine weitere Kunstinstallation („Kangaroos in the City“ oder „The Mob“ genannt). Gelungene Verzahnung zwischen Geschichte, Moderne und urbanem Grün, wie wir finden!

Die Wege in Perth Downtown sind kurz, denn ebenfalls fußläufig liegen die zwei Haupteinkaufsstraßen der Stadt: Die Hay Street und die Murray Street. Diese Fußgängerzonen sind durch zahlreiche Passagen miteinander verbunden, eine davon ist die berühmteste der Stadt: der London Court. Hier fühlen wir uns wirklich wie in good old england… Aktuell ist alles hier mit Weihnachtsdeko geschmückt, was für uns etwas komisch anmutet bei 30 Grad. Aber die ganze Stadt ist durchzogen von weihnachtlichen Beleuchtungsprojekten, die noch stimmungsvoller werden bei Nacht, die Perthianer geben alles, um Christmas-Feeling zu schaffen!

Yagan Square und Northbridge

Ein weiterer zentraler Platz der Stadt ist der Yagan Square, an der Kreuzung Wellington und Williams Street, der das Bindeglied zwischen der Haupteinkaufszone und dem Viertel Northbridge bildet. Yagan war ein Häuptlingssohn und Symbolfigur des Widerstands der Aboriginal People gegen die englische Besatzungsmacht. Der Platz selbst ist voller Metaphern: Die Sitzbänke sind wie Bumerangs geformt, die rote Markthalle soll an das Rot der Outback-Erde erinnern, die terrassierten Schrägen symbolisieren den Tagebau der Minen, in einem mit heimischen Pflanzen gestalteten Gartenteil werden Naturklänge abgespielt. Die an Giacometti-Skulpturen erinnernde Statue „Wirin“ überragt den Platz, auf dem sich auch ein Perth-Schriftzug (und gegenwärtig natürlich Weihnachtsdekoration) befindet.

Jenseits des Yagan Square beginnt Northbridge, wo auch eine kleine Chinatown liegt (samt Tor) und das als „Szeneviertel“ gilt. Ehemals galt das Gebiet eher als „Sündenbabel“ mit dem entsprechenden Ruf, heute haben hier viele Restaurants und Cafés Einzug gehalten. Spannender als diese finden wir die vielen Wandmalereien, die wir allerdings überall in der City sichten – hier findet ihr eine interaktive Street Art Map von Perth und Fremantle!

Gold in allen Formen und Größen: The Perth Mint

Wie schon erwähnt ist die Entwicklung der Stadt eng verbunden mit den Rohstoffen Westaustraliens. Wer sich hierfür interessiert, dem sei ein Besuch beim The Perth Mint ans Herz gelegt. In der staatlichen Perth Mint Prägeanstalt werden seit 1899 (Anlage-)Münzen und Goldbarren geprägt sowie Edelmetall-Schmuck gefertigt. Besucher können unter anderem die kostenpflichtige „Gold Tour“ machen. Während einer unterhaltsamen Stunde sehen wir die größte und wertvollste Goldmünze der Welt, den Australian Kangaroo One Tonne Gold Coin. Sie wiegt knapp über 1.000 Kilogramm, ist 80 Zentimeter breit und 12 Zentimeter dick. Ihr Nennwert beträgt eine Million Australische Dollar, der Goldwert liegt um ein Vielfaches höher. Die Münze ist Teil einer größeren Ausstellung, die neben Münzen und Barren auch riesige Gold- und Silbernuggets, die in Westaustralien gefunden wurden, präsentiert. King Henry ist ein goldhaltiger Gesteinsbrocken, der 93 Kilogramm schwer ist und etwa 1.400 Unzen (45 Kilogramm) Gold enthält; The Karratha Queen ein silberhaltiger Gesteinsbrocken. Ein weiteres Highlight der Tour ist die Live-Goldschmelze im historischen Schmelzhaus. Bei über 1.200 Grad Celcius wird das Gold geschmolzen, in einen Barren gegossen und kühlt anschließend zu unserer Überraschung nach weniger als einer Minute im Wasserbad auf Handtemperatur ab.

Kings Park: Buschland, botanischer Garten und zahlreiche Attraktionen

Eine weitere Attraktion von Perth ist der Kings Park, praktisch zu erreichen mit der „Blue Cat“. Diese Central Area Transit Busse („CAT“ hier eine Karte) sind kostenlose innerstädtische Buslinien in verschiedenen Farben, die „blaue Katze“ transportiert uns zum Kings Park. Dieser zählt mit einer Fläche von über 400 Hektar zu den weltgrößten innerstädtischen Parks, er ist größer als der Central Park in New York. Zwei Drittel des Geländes sind naturbelassenes australisches Buschland, ein Drittel sind – wie wir Geographen so schön sagen – „anthropogen überformt“, sprich bewirtschaftetes Parkland oder angelegter botanischer Garten. In diesen beiden befinden sich zahlreiche Einzelattraktionen. Wir empfehlen vor allem die Aussicht vom State War Memorial auf die Innenstadt und den Lotterywest Federation Walkway, ein Treetop-Walk aus Holz über die Baumwipfel mit Ausblick auf die historische Swan Brewery, den Swan River und South Perth. Toll auch die Anlage verschiedener Pflanzengesellschaften je nach Region und je nach Pflanzenart, bei letzterer haben mich insbesondere die Banksien und die Kängurupfoten (Anigozanthos) fasziniert, das florale Emblem Westaustraliens. Bei den kleinen und größeren „Bushwalks“ fühlt ihr euch fernab der Stadt! Enttäuschend war lediglich der DNA-Tower, denn von oben seht ihr so gut wie nichts, außer Grün. Eine gute Übersichtskarten zum Park findet ihr hier.

(Vor-)Orte am Ozean: Fremantle und Cottesloe

Wem der Sinn nach einem Ausflug ans Meer steht, dem sei ein Besuch von Fremantle oder einer der Strandvororte von Perth empfohlen. An der Mündung des Swan River in den Indischen Ozean liegt die Kleinstadt Fremantle, mit der Metro in 30 Minuten von der Innenstadt aus erreichbar.

Fremantle beherbergt zum einen einen riesigen Ozeanhafen mit Containerschiffen und allem (Hässlichen), was dazu gehört. Aber absolut sehenswert ist die historische Altstadt mit ihrer typischen viktorianischen Architektur. Bezeichnenderweise wird die Hauptstraße der Stadt Cappuccino Strip genannt, weil sich hier so viele Cafés befinden – Fremantle ist ein beliebter Ort für Restaurantbesuche, am Wochenende auch für den Fremantle Market. Also: Herkommen zum Genießen oder einfach durch die sehenswerten Sträßchen schlendern bis zum „Round House“. Dieses ehemalige Gefängnis ist lustigerweise das erste permanent errichtete Gebäude am Swan River, 1830 erbaut. Von hier aus habt ihr einen schönen Blick auf das Meer!

Noch schöner ist das Meer im nördlich von Fremantle gelegenen Cottesloe, einem von mehreren Strandvororten von Perth. Ein langer weiße Sandstrand, türkisfarbenes Meer, Bewachung von Lifeguards, das historische Teahouse und Liegemöglichkeiten im Schatten am Uferhang, machen den Strand zu einem beliebten Ausflugsziel.

Unser Fazit zu Perth: Eine der charmantesten Städte die wir bisher kennenlernen durften. Zwar fehlt vielleicht eine absolute Top-Attraktion, aber es gibt so viel Hübsches, Liebenswertes, Interessantes, was die Stadt absolut besuchens- und lebenswert macht!

* Platz 15 beim Global Liveability Index der Economist Intelligence Unit (EIU) 2025

2 Antworten auf „Perth: Lebensqualität pur

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  1. Und es gab ÜBERHAUPT KEINE Weihnachtsdeko?! 😳

    Na dann: Frohe Weihnachten 🎄, Euch Extrem-Reisenden aus einem pünktlichen ICE ⭐️!

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