Beim Thema Kulinarik und Wien kommen den meisten sicherlich zwei Stichworte in den Sinn: Wiener Schnitzel und Sachertorte. Seit unserem letzten Wienbesuch heißt mein Highlight: Tafelspitz! Ich werde nie mehr ein Stück dieses gekochten Rindfleischs essen können, ohne an Wien zu denken. Vermutlich sollte ich es woanders gar nicht mehr essen, denn an den Tafelspitz im Plachutta wird keiner rankommen (dies ist keine bezahlte Werbung!). Den Tipp hatte mein Mann von einem Kollegen bekommen, der immer, wenn er in Wien ist, im Plachutta einen Tafelspitz isst. Praktischerweise befindet sich das Stammhaus von Plachutta in Hietzing, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss Schönbrunn, beides lässt sich prima kombinieren.
Tafelspitz: perfekt im Plachutta
Ich habe schon einigen Freunden von meinem Tafelspitz-Erlebnis vorgeschwärmt und mehrfach zu Ohren bekommen: „Mag ich nicht besonders.“ Ich war auch keine glühende Verehrerin und meine Töchter kannten Tafelspitz überhaupt nicht, weil ich noch nie einen zubereitet habe. Ich sage: Versucht mal einen im Plachutta! Ihr habt hier die Wahl zwischen zehn verschiedenen Rindfleischteilen, zum Essen dazu gehört vorneweg eine Suppe (natürlich die Rinderbrühe) mit Wurzelgemüse, eine Scheibe vom Markknochen, Apfelkren (Apfel mit Meerrettich), eine Schnittlauchsauce, Röstkartoffeln und Schwarzbrot. Zusätzlich können weitere Beilagen gewählt werden, was nicht unbedingt notwendig ist. Wir alle fanden das zarte Fleisch und die gehaltvolle Brühe köstlich!
Wiener Schnitzel und Backhendl
Köstlich im Plachutta war auch das Wiener Schnitzel, natürlich vom Kalbfleisch (alles andere ist nicht echt), innen perfekt zart und mit einer unglaublich krossen, „aufgeplusterten“ Panade. Ein Traum. Ebenso herrlich war der „schlonzige“ Kartoffelsalat (hochdeutsch: glänzig-saftig), mit Brühe und Öl zubereitet und bloß nicht mit Mayonnaise, da sind sich Österreicher und Schwaben einig!
Die „Weiterentwicklung“ des Wiener Schnitzel ist das Backhendl, das optimalerweise ebenso zart ist und eine ebenso knusprige Kruste hat. Die Älteren von uns erinnern sich noch an eine einst auch in Deutschland häufig vertretene Restaurantkette mit Namen „Wienerwald“, nach einer Insolvenz und Neuaufstellung gibt es aktuell in Deutschland nur noch zwei dieser Restaurants und auch in Österreich nicht mehr viele. Backhendl gehören zu deren Spezialität. Wir haben unsere Backhendl genossen im sehr empfehlenswerten und fast ausschließlich von Einheimischen besuchten österreichischen Restaurant „Zur Stadt Krems“ etwas abseits des Touristenstroms.
Wiener Kaffeehauskultur
Die Wiener Kaffeehauskultur zählt seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO, ausgezeichnet wegen der besonderen Atmosphäre, der historischen Möblierung und der gesellschaftlichen Rolle als „zweites Wohnzimmer“ der Wiener. Ein Besuch eines dieser Häuser gehört beim Wien-Besuch einfach dazu. „Platzhirsch“ ist das Café Sacher, Stammhaus der von Franz Sacher erfundene Sachertorte, eine Schokoladentorte mit Marillenmarmelade und Schokoglasur. Das zieht natürlich zahlreiche Touristen an, je nach Saison und Tageszeit bilden sich lange Schlangen. Wir haben uns für einen Besuch im Café Demel entschieden, unweit der Hofburg gelegen. Der Untertitel im Name „K. & K. Hofzuckerbäcker Wien 1786“ verdeutlicht erstens die Tradition und zweitens die Spezialisierung auf diverse süße Mehlspeisen. Auch hier bilden sich mitunter lange Schlangen für das (mehrstöckige) Café, wer nur das Geschäft besuchen will, kann diese umgehen. Allein schon ein Gang durch die verschiedenen Geschäftsräume lohnt sich, hier werden allerhand Zuckerbäckereien präsentiert. Achtung: insbesondere dem Kaiserschmarrn-Live-Cooking-Anblick und -Geruch kann kaum einer widerstehen und ihr werdet euch entweder einen „auf die Hand“ holen oder in die Schlange einreihen. Auch wir landen schließlich im Café und genießen eine Sachertorte, einen Kaiserschmarrn, einen Apfelstrudel und die ebenfalls sehr guten Buchteln. Der Preis hat es in sich, aber ein Besuch lohnt sich, nicht zuletzt wegen besagter UNESCO-gekrönten Atmosphäre.
Eine weniger stark von Touristen frequentierte Wiener Institution ist übrigens das Café Hawelka unweit des Stephansdoms. Es hat innen allerdings einen recht düsteren, wenig „kaiserlichen“ Charme.
Und zuletzt noch ein Hinweis zu einer weiteren Süßigkeit, die ihren Ursprung in Wien hat: Der Flagship-Store von Manner befindet sich direkt am Stephansdom. Hier werden die berühmten Neapolitaner-Waffeln von Josef Manner verkauft, in der Originalversion mit Haselnusspaste, aber auch in anderen Geschmacksrichtungen, sowie zahlreiche weitere, teils saisonale Manner-Produkte. Auf ein freundliches „Willkommen“ oder gar eine Kostprobe haben zumindest wir aber vergebens gehofft.
















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