Nach unserem Besuch der charmanten und vielschichtigen Hafenstadt Triest (siehe Triest und Miramare: zwischen Italien, Österreich und Slowenien) kämpft sich unser Auto die steile Straße in Richtung italienisch-slowenische Landesgrenze nach oben. Landschaftsbildend sind hier Kalksteine aus der Kreidezeit, wir befinden uns im Gebiet des Triestiner und slowenischen Kras, auf Deutsch Karst.
Schon nach wenigen Kilometern überqueren wir die Grenze (praktischer Tipp: Vergesst nicht, eine slowenische e-Vignette zu kaufen, online über DARS oder über ADAC-Geschäftsstellen) und beziehen Quartier in einem Dorf bei Sezana. Vom Balkon unseres netten und verkehrsgünstig gelegenen Boutique-Hotel Grahor (mit dem besten Frühstück unseres gesamten Urlaubs) blicken wir in eine grüne, hügelige Landschaft voller Wälder, Wiesen und kleinen Dörfern.
Höhlen von Skocjan
Am nächsten Tag starten wir mit der Erkundung der markanten Karstlandschaft. Sie bringt eine Fülle ober- und unterirdischer Phänomenen hervor, darunter zahlreiche Höhlen, Dolinen und versickernde Flüsse. Die Auswahl der Höhle, die wir besuchen wollen, war nicht einfach. Lieber das Höhlensystem von Postojna, die größte Schauhöhle Europas, die teils mit einem Zug befahren wird und wo Grottenolme (marketingwirksamer „Drachenbabys“ genannt – es handelt sich um einen Schwanzlurch, der dauerhaft im Larvenstadium lebt) zu sehen sind? Oder das Höhlensystem von Skogjan, das zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt und einen der größten unterirdischen Canyons der Welt vorweisen kann? Letztendlich entscheiden wir uns für Skocjan, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Rundweg neben dem eigentlichen Höhlensystem verschiedene Wanderungen durch die beeindruckende oberirdische Karstwelt mit ihren Dolinen beinhaltet.
Egal, für welche Höhle ihr euch entscheidet, der wichtigste Tipp zur Hochsaison lautet: Vorab Tickets kaufen! Als wir an der Skocjan-Höhle ankommen (Parkplatz kostenfrei) – wohlgemerkt zur allerersten Tour des Tages -, empfängt uns schon ein Schild mit der Aufschrift „alles ausverkauft“, und das gilt auch für die kommenden Tage. Erschrocken stellen wir fest, dass die Gruppe der Wartenden trotzdem immer und immer größer wird. Schließlich setzen sich 150 Leute in Richtung Höhle in Bewegung – das schockiert uns doch etwas. Wir alle laufen entlang der Straße und durch den Wald zum Eingang der Höhle. Dort – puh! werden wir in vier Gruppen unterteilt.
Der erste Teil des unterirdischen Wegs führt durch einen künstlichen Eingang und einen über 100 Meter langen Stollen. Dieser mündet in die „Stille Höhle“, in der vom unterirdischen Fluss nichts zu hören ist. Kühl ist es hier unten (ganzjährig 12 Grad) und feucht. Aber die Wege sind extrem gut ausgebaut, breit und mit rutschsicherem Belag. Schließlich erreichen wir die „Große Halle“ und befinden uns direkt unter dem Parkplatz unseres Autos. Noch viel beeindruckender sind die teils gigantischen Stalaktiten und Stalakmiten, der größte Tropfstein ist der 15 Meter hohe „Riese“. Weitere unzählige säulenartige und orgelähnliche Tropfsteinformationen schimmern je nach Mineralienzusammensetzung weiß, ockerfarben oder rötlich. Fotografieren ist leider überall verboten und unser Guide ist sehr streng, er droht mit hohen Geldbußen.
Je tiefer wir in die Höhle gelangen, desto lauter ist das Tosen der unterirdisch fließenden Reka (lustigerweise die slowenische Bezeichnung für Fluss) zu hören. Dann stoppt unser Guide, vor uns ein dunkler Höhlenabschnitt. Er weißt auf eine Hochwassermarke der Reka hin und wir ahnen, was kommt: Vor uns muss der unterirdische Canyon liegen. Unser Guide drückt auf einen Knopf und nach und nach beleuchten unzählige Lichter den weiteren Weg durch den Canyon. Diesen absolut atemberaubenden Wow-Effekt hat nur die erste Gruppe der jeweiligen Schicht (oder vielleicht sogar nur die erste des Tages?). Bei den anderen ist das Licht ja bereits an, damit die vorangegangene Gruppe nicht durchs Dunkle stolpert.
Die Ausmaße sind wirklich gigantisch: Der gesamte Canyon ist 2,6 Kilometer lang, 10 bis 60 Meter breit und an der höchsten Stelle 146 Meter hoch (Angaben der Park-Internetseite, begangen wird nur ein Teil davon). Vielleicht kommt gleich Gimli ums Eck – wir fühlen uns auf jeden Fall in eine Filmszene aus „Herr der Ringe“ versetzt, ein (bekannter) Film wurde hier jedoch nie gedreht. Der heutige, gut gesicherte und mit einem Geländer versehene, Weg führt auf einer Höhe von etwa 2/3 die Canyon-Wände entlang, unter anderem auch über eine 47 Meter hohe Brücke, die tosende Reka immer unter uns. An mehreren Stellen sind die alten Wege der ersten Entdecker und frühen Touristengruppen zu sehen, die sehr abenteuerlich wirken. Kaum vorzustellen, dass dieser riesige Raum bei Hochwasser geflutet sein kann und die Reka zur tödlichen Gefahr wird. Kurz darauf gelangen wir wieder ans Tageslicht (der Weg vom Infocenter bis hier ist 2,5 Kilometer lang, 2/3 davon führen durch die Höhle). Von hier aus führen verschiedene Wege wieder zurück zum Informationszentrum, der einfachste mit einer Standseilbahn und zwei weitere, längere Wege durch die beeindruckenden Einsturzdolinen, die Velika Dolina (163 Meter tief) und die Mala Dolina (120 Meter tief). Wieder oben angekommen, müsst ihr unbedingt noch zum Aussichtspunkt laufen (250 Meter vom Informationszentrum entfernt), von dort könnt ihr die Dolinen von oben und das benachbarte Dorf samt Kirche sehen. Mein Fazit: Unbedingt anschauen, ich habe schon viele Höhlen gesehen, aber noch nie so eine beeindruckende.
Höhlenburg Predjama
Nach so viel Adrenalin, Gänsehaut und Treppenstufen sind wir alle erst einmal hungrig und durstig. Auf dem Weg zur nächsten Station habe ich ein Restaurant entdeckt, das einen guten Eindruck macht: das Gostilna (Gasthaus) ob kaminu in Postojna. Vor Ort bestätigt sich: Nette Terrasse im Grünen, leckeres (und günstiges) Essen und extrem freundlicher Service. Das finden offenbar auch die Einheimischen, von älteren Damen über Familien bis hin zu Polizei und Handwerkern ist alles vertreten. Wir genießen ein zünftiges Lasko Pivo (Bier), die Mädchen lernen eine kroatische Spezialität, das Cedevita-Pulver kennen, das überall in Slowenien erhältlich ist. Dieses Vitaminpulver in verschiedenen Geschmacksrichtungen wird in Wasser eingestreut und wir nehmen später Großpackungen mit nach Hause.
Gut gesättigt geht es weiter zur Höhlenburg Predjama , wo wir auf dem kostenpflichtigen Parkplatz parken. Ein Tagesticket (nicht zeitgebunden) für den Eintritt zur Burg haben wir vorab im Internet gekauft. Ein breiter Weg, gesäumt von Restaurants und Souvenirshops, führt ans Ende des Tals zu einer über 100 Meter hohen Kalkfelswand, auf deren halber Höhe besagte Höhlenburg liegt. Am Eingang verbinden wir uns über einem QR-Code mit dem Audioguide und starten, mit vielen anderen, die Besichtigung.
Schon seit dem 12. Jahrhundert gab es hier eine Burg, der heutige Bau entstammt dem 16. Jahrhundert. Sie soll uneinnehmbar gewesen sein, aber auch recht unkomfortabel zum Wohnen. Heute ist hier ein Museum untergebracht und beim audioguidegeführten Gang durch die Burg sind unter anderem das Plumpsklo, der Folterkeller, die Kapelle und der Festsaal zu sehen, nebst einem Teil der dahinter liegenden Höhle. Der Hauptteil der Höhle inklusive Geheimgang kann mit einem extra Ticket besichtigt werden, das haben wir aufgrund des beeindruckenden Skocjan-Erlebnisses nicht gemacht. Lieber haben wir den Ausblick aus der Burg ins Tal genossen, der mich sehr an den heimatlichen Nordschwarzwald erinnert hat!
Lipica: die berühmten weißen Pferde
Mit Pferden habe ich nicht sonderlich viel am Hut, aber wenn wir schon wenige Kilometer entfernt von einem der berühmtesten Gestüte der Welt nächtigen, das auch noch zu den UNESCO Welterbestätten zählt, schauen wir uns dies natürlich an. Dieses Gestüt in Lipica ist noch heute weltweit das größte für die Zucht der Lipizzaner-Pferde, die seit der Habsburgerzeit vor allem in der Spanischen Hofreitschule in Wien eingesetzt werden. Der Rasse wird ein gutmütiges, kontaktfreudiges Wesen, schnelle Auffassungsgabe und eine elegante Ausstrahlung nachgesagt, was die Pferde prädestinierte für die Dressur und damit die Spanische Hofreitschule. Über die Jahrhunderte wurden diese Eigenschaften mittels gezielter Zucht herausgearbeitet.
Lipica liegt in der Nachbarschaft von Sezana unweit der slowenisch-italienischen Grenze. Die zahlreichen Hinweisschilder sind kaum zu verfehlen. Einer hübschen Allee folgend, landen wir alsbald auf einem (kostenpflichtigen) Parkplatz vor dem Gestüt. Ein großes Hinweisschild verrät uns, was es hier alles gibt: diverse Koppeln, Ställe, Reithallen, ein Hippodrom, Museen. Ferner eine Infrastruktur für das zu erwartende Publikum: ein Golfplatz, Tennisplätze, Restaurants, ein Kasino. Für das Gestüt können Tickets erworben werden für allgemeine Führungen, zur Besichtigung des Trainings und/oder zu Aufführungen der Reitschule. Nun ja, ich (und auch die übrigen Familienmitglieder) sind keine so großen Pferdefans und wir lassen daher alles Kostenpflichtige links liegen. Lieber laufen wir ein Stück die Koppeln entlang – und das hat mich dann doch fasziniert. Hunderte weiße Lipizzaner und deren braune Fohlen grasen auf den zahlreichen Koppeln links und rechts der Straße, ein malerisch-friedliches Bild vor dem strahlend blauen Himmel. Und Kontaktfreude kann ich den hübschen Pferdchen auch attestieren – das gefällt mir dann doch ganz gut hier :-).
Zum Abschluss – wie so oft – ein Restauranttipp. Über die Guide Michelin-App werden wir aufmerksam auf das Bib Gourmand ausgezeichnete Restaurant Etna in Divaca. Etwas irritiert bin ich über die höchst unterschiedliche Speisekarte: Da gibt es einerseits Pizza, andererseits „Fine Dining“ – so einen Mix mag ich normalerweise überhaupt nicht. Beides esse ich gerne, aber wenn ein Restaurant beides gleichzeitig anbietet, finde ich das seltsam. Und doch gehen wir hin, weil die Bewertungen einfach so gut sind. Und wir haben es nicht bereut! Pizza haben wir zwar keine gegessen, aber dafür eine ganze Bandbreite anderer Köstlichkeiten, von Falafel Salat über Hühnerleberpastete und Tuna Tataki bis Rib-eye Steak. Alles wirklich hervorragend und von der jungen Bedienung auf charmante Weise in nettem Ambiente serviert. Eine klare Empfehlung!
































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