Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Asiens ist zweifelsohne Angkor Wat, der größte und bedeutendste Tempel des Archäologischen Parks von Angkor vor den Toren der kambodschanischen Stadt Siem Reap. Der Tempel ziert unter anderem die kambodschanische Flagge, Geldscheine, Briefmarken sowie viele Touristenshirts und auch wir wollten – wie jährlich etwa 2 Millionen Besucher – dieses UNESCO-Weltkulturerbe unbedingt einmal sehen.
Angkor heißt übersetzt Stadt und in diesem Gebiet, das mit mehr als 1.000 Quadratkilometern Fläche größer ist als Berlin, finden sich neben Angkor Wat noch zahlreiche weitere Tempel und Palastanlagen. In der Blütezeit lebten hier bis zu eine Million Einwohner, etwa so viele wie heute in Köln. Nur dank eines für den Reisanbau notwendigen ausgeklügelten Bewässerungssystems, das in Teilen heute noch zu sehen ist, sowie der Nähe zu Südostasiens größtem See, dem fischreichen Tonle Sap, war es überhaupt zur damaligen Zeit möglich, solche Menschenmassen zu ernähren.
Noch ein paar Worte zur zeitlichen Einordnung: Angkor wird im 9. Jahrhundert Zentrum des Khmer-Reiches (Khmer ist die Volksgruppe, der auch heute noch 97 % der Einwohner Kambodschas angehören). Im 12. Jahrhundert entstehen die Tempelanlage Angkor Wat und kurz danach die Palaststadt Angkor Thom. Der Grund für Angkors Untergang und Verfall ist noch nicht abschließend geklärt. Kriegerische Auseinandersetzungen, der immer aufwändigere Erhalt der Anlage, klimatische Gründe und Wasserknappheit, religiöse Veränderungen weg vom Hinduismus, hin zum Buddhismus oder von allem ein bisschen könnten zum Untergang im 15. Jahrhundert beigetragen haben. 1860 stößt ein französischer Forscher auf die überwachsenen Ruinen, die französische Archäologen zwischen 1907 und 1970 größtenteils von den Pflanzen befreien. Glücklicherweise nicht von allen, wie wir später auf dekorative Art und Weise zu sehen bekommen. Seit 1992 ist Angkor Weltkulturerbe.
Ein (heißer) Tag in Angkor
Tage, wenn nicht gar Wochen, könnte man in Angkor verbringen und würde wohl immer wieder etwas Neues entdecken (mittlerweile ist das Areal auch von Landminen geräumt). Die meisten Besucher schauen sich die Anlage ein bis zwei Tage lang an, auch wir werden einen kompletten Tag hier verbringen und mit dem „Small Circuit“ die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besuchen.
Angkor Wat
An unserem Angkor-Tag heißt es: Früh raus aus den Federn! Das kommt uns entgegen, denn auch heute soll es wieder über 40 Grad heiß werden. Wir haben den ganzen Tag einen Fahrer und Guide gemietet, die uns um 4:30 Uhr abholen. Um 5 Uhr öffnet das Ticketzentrum, wo wir fotografiert werden und unseren 1-Tagespass erhalten (1-Tagespass im April 24 37 US$, es gibt auch 3- und 7-Tagespässe), der dann auch gleich an einem der Checkpoints (und danach an mehreren Stellen in der Anlage) kontrolliert wird. Noch im Stockdunklen stolpern wir hinter der Taschenlampe unseres Guides mit Touristen aus aller Welt zum großen Teich vor Angkor Wat. Unser aller Ziel ist es, bei Sonnenaufgang die berühmten fünf Türme Angkor Wats zu fotografieren, die sich dann auch noch im Teich spiegeln. Wir finden einen Platz direkt am Wasser und müssen bis kurz vor 6 Uhr warten, bis sich das grandiose Schauspiel zeigt – es ist wirklich toll anzuschauen!
Anschließend nehmen wir erst einmal, neben zahlreichen Gleichgesinnten, in der Picknick-Area unser mitgebrachtes Frühstück ein, bevor wir über eine breite, von Nagas (mythologische Schlangen) flankierten Dammstraße, die Tempelanlage von Angkor Wat betreten. Die gesamte Tempelanlage misst mit ihren Sandsteingebäuden und den Wassergräben fast zwei Quadratkilometer und ist eines der größten religiösen Bauwerke der Welt. Ursprünglich war der Hindu-Tempel Vishnu geweiht, heute ist es, den religiösen Mehrheitsverhältnissen entsprechend, ein buddhistischer Tempel.
Hauptmerkmal von Angkor Wat sind die weithin sichtbaren fünf Türme in Form von Lotusblüten. Im Inneren finden wir unter anderem mehrere (nun wasserlose) heiligen Teiche, Büchereien und zahlreiche dekorative Reliefs von Apsara-Tänzerinnen vor. Über eine steile Treppe geht es nach oben zum so genannten Bakan, wo sich der Hauptschrein befindet und von wo aus man eine gute Übersicht über die Anlage hat.
Tonle Om Gate: das südliche Tor der Stadt Angkor Tom
Die nächste Station unserer Angkor-Tour bildet das Tonle Om Gate, das südliche Tor von Angkor Tom. Es ist eines von fünf Stadttoren und das am besten restaurierte. Wir laufen auf das Tor zu auf einem großen Damm, der einen etwa 100 Meter breiten Graben überquert. Auf beiden Seiten des Damms befinden sich steinerne Riesen, die am Körper einer Naga-Schlange ziehen. Auf dem Tor sehen wir zum erstem Mal einen der berühmten Gesichtstürme von Angkor: Die lächelnde Gesichter blicken vom Tor in alle Himmelsrichtungen.
Angkor Tom: Bayon Tempel und mehr
Angkor Tom (oder Ankor Thom) ist die Palaststadt von Angkor, die Reichtum und Macht der Khmer demonstrieren sollte – ein Besuch dieses Areals gehört zum Pflichtprogramm! Eine der Hauptattraktionen dieser Palaststadt ist der Bayon Tempel, quasi der „Staatstempel“, erbaut vom buddhistischen König Jayavarman VII etwa hundert Jahre nach Angkor Wat. Besonders imposant sind die Gesichtstürme, von den ursprünglich rund 50 können heute noch 37 bewundert werden. Wessen Gesicht gezeigt wird, daran scheiden sich die Geister: Vielleicht ist es das Gesicht des Königs Jayavarman VII., vielleicht aber auch das der buddhistische Gottheit Lokeshvara, der damals als Herrscher der Welt galt, oder beide in Personalunion. Auf jeden Fall ist es sehr eindrucksvoll, wie die riesigen Gesichter friedvoll lächelnd von den Türmen auf die zahlreichen Besucher blicken.
Mindestens ebenso beeindruckend wie die Gesichtstürme finden wir die zahlreichen Flachreliefs, sowohl in den Säulengängen und Mauern im Tempel, als auch an zwei Galerien um den Tempelberg herum. Uns haben sie insgesamt sogar besser gefallen als die Reliefs von Angkor Wat, da sie vielseitiger sind und „Geschichten erzählen“. Sie berichten von den wichtigsten Ereignisse der damaligen Zeit und von Themen des täglichen Lebens, zu sehen sind unter anderem Tänzerinnen, Krieger, Fischer, Bauern und zahlreiche Tiere.
An dieser Stelle ist – wie auch in den Thailand-Blogs – eine Warnung vor der „Affenbande“ angebracht. So süß sie aussehen, wie sie über die Ruinen und durch die Bäume turnen, seid achtsam. Unsere Empfehlung: Nichts trinken außer Wasser und schon gar nichts essen (am besten auch nichts gut Riechendes im Rucksack haben). Wenn die Makaken etwas wollen, dann holen sie es sich – notfalls mit Gewalt. Der fotografierte Besucher hat sein Getränk nicht freiwillig abgegeben!
Neben dem Bayon Tempel können in Angkor Thom auch noch zahlreiche weitere Gebäude besichtigt werden. Unser Guide streikt jetzt schon und lässt uns den Baphuon Tempel (Pyramidentempel) mit seinen vier Terrassen, der fußläufig in nördlicher Richtung zum Bayon Tempel liegt, alleine erklimmen. Von oben haben wir eine gute Aussicht auf den 200 Meter langen Dammweg, der von Säulen gestützt wird, sowie einen der Teiche und den Urwald. Weiter geht es dann zu Fuß mit dem Guide, wir passieren den Phimeanakas Tempel, ebenfalls ein Pyramidentempel. In der Regenzeit (also nicht jetzt) ist er von Wasser umgeben. Auch die zahlreichen eingefassten Teiche, an denen wir entlang spazieren, sind größtenteils wasserlos. In ihnen badete die royale Familie – je nach Status (z.B. ob Königin oder Konkubine) in einem eigenen. Nach so viel wasserlosen Becken dürstet uns noch mehr und wir müssen alle erst einmal im Schatten eine kühle Kokosnussmilch trinken. Gestärkt geht es weiter zur Terrace of the Elephants, der königlichen Aussichtsplattform und zur Terrace of the Leper King (Lepra-König). An beiden befinden sich schöne Flachreliefs. Falls ihr ihn vermisst: Der royale Palast selbst war aus Holz gebaut und ist nicht mehr vorhanden.
Ta Prohm – der Dschungeltempel (Tomb Raider Tempel)
Nach dieser ausgiebigen Besichtigungsrunde von Angkor Thom flüchten wir erst einmal in den klimatisierten Van und sind froh, in diesem für ein paar Minuten zu sitzen. Unser nächster Halt ist am Ta-Prohm-Tempel (ca. 3 km nordöstlich von Angkor Wat; am westlichen Eingang gibt es zahlreiche Essens- und Souvenirstände und Toiletten). Der buddhistischen Klosterkomplex wurde ebenfalls im 12. Jahrhundert unter dem Khmer-Königs Jayavarman VII. erbaut und ist der Mutter des Königs gewidmet. Die Besonderheit dieses Tempels liegt darin, dass er nur teilweise wiederaufgebaut wurde. An vielen Stellen wurde der ruinenhafte Charakter bewusst erhalten, weil die Verantwortlichen festgestellt haben, dass die Besucher genau das einmal sehen wollen: wie die Natur sich die Gebäude zurückgeholt hat. Und so wachsen in höchst dekorativer Weise überall aus den halb verfallenen Tempelmauern Würgefeigen und Bäume mit ihren mächtigen, schlangenähnlichen Wurzeln, die sich ihren Weg durch die Steine suchen. Teils sind die Wurzeln so schwer, dass sie abgestützt werden müssen. Wir sind fasziniert von diesem Tempel und das waren auch Paramount Pictures und Regisseur Simon West, die hier 2001 einen Teil von „Lara Croft: Tomb Raider“ drehen ließen. Wer einen interessanten Artikel dazu lesen will, dem sei „Lara Croft im Killing Field“ aus dem Spiegel (2001) empfohlen. Glücklicherweise ist es mit Angkor nicht so schlimm gekommen, wie in diesem Artikel prophezeit, Angkor ist heutzutage alles andere als ein Themenpark!
Nun ist aber endgültig eine „richtige“ Pause angesagt. Wir fahren zurück ins Hotel und haben uns selten mehr über eine Dusche gefreut. Danach können wir auch das Mittagessen im Restaurant „Urban Tree Hut“ (Empfehlung! Liegt direkt neben dem Sonalong Boutique Resort) so richtig genießen und anschließend im Pool entspannen. Um 16 Uhr werden wir wieder abgeholt für den letzten Tempel, den Phnom Bakheng Tempel, der bereits im 9. Jahrhundert erbaut wurde. Unser Guide streikt schon wieder (ok, er ist auch etwas älter als wir). Wir sollen einfach durch den Wald nach oben laufen, den Tempel besteigen, die Aussicht genießen und wieder zurückkommen, da könne nichts schief gehen. Sagt’s und setzt sich in den Schatten. Nun ja, ein letzter Tempel geht noch, auch wenn das Quecksilber gnadenlos über 40 Grad steht. Wir wissen auch bald, warum der Guide nicht mitlaufen wollte: Der Tempel liegt auf einem 65 Meter hohen Berg. Das mag bei moderater Temperatur wenig sein, uns läuft der Schweiß in Strömen.
Oben angekommen, finden wir vor dem Tempel einen Fußabdruck Buddhas vor und müssen dann noch einmal eine steile Treppe nach oben zum Hauptschrein steigen – nun streiken die Mädels. Mein Mann und ich mobilisieren die letzten Reserven – wegen der versprochenen Aussicht. Und in der Tat sehen wir in der Ferne den Tonle Sap See und vor uns im Urwald Angkor Wat mit seinen fünf Lotustürmen. Das ist in der Tat ein schöner Abschluss unseres Angkor Tages!
Der Bakheng Tempel ist eine interessante Alternative für einen Sonnenauf- oder -untergangsblick auf Angkor Wat. Doch bis zum Sonnenuntergang halten wir nicht mehr durch, wir laufen zurück zum Parkplatz und fahren ins Hotel.
Unser Fazit zu unserem Tag in Angkor: Natürlich war einiges los, aber wir haben uns die Touristenmassen schlimmer vorgestellt, was allerdings an den mörderischen Temperaturen gelegen haben kann. Ohne Frage kann man hier locker mehrere Tage verbringen. Aber uns hat (sicher auch wegen der Temperaturen) dieser eine Tag ausgereicht, um tolle und unvergessliche Einblicke in die Hochkultur der Khmer und dieses faszinierende Weltkulturerbe zu bekommen.





















































Mega!
Danke für den Bericht und die Bilder. Viel Spaß noch!
Michael
😀
LikeLike
Danke, Michael 😊
LikeLike
Unglaublich, so viele einzigartige Eindrücke, Tempel und Bauten mit Reliefs in Angkor. Erstaunlich, dass ihr bei dieser Hitze das Program durchgezogen habt !! Tolle Aufnahmen
LikeLike
Ja, es war heiß, aber auch so schön und interessant, dass wir so viel wie möglich sehen wollten!
LikeLike