South Carolina: Südstaaten-Charme in und um Charleston

Nach Badeaufenthalt auf Jekyll Island (siehe Florida und Georgia: idyllische Sea Islands an der Atlantikküste) waren unsere nächsten Ziele zwei Städte: Savannah und Charleston. Beim Wettbewerb, „welche von beiden ist die schönere Südstaatenstadt“, scheiden sich die Geister, sehen wollten wir definitiv beide. Als Standort für unsere Übernachtung wählten wir letztendlich Charleston, aus mehreren Gründen. Erstens schien sich die Mehrheit doch für Charleston als die schönere Stadt auszusprechen (bereits mehrfach wurde Charleston vom Travel&Leisure Magazin zur schönsten Stadt der USA und sogar weltweit gekürt), zweitens bietet das unmittelbare Umland von Charleston mehr für uns interessante Ziele und drittens fanden wir ein tolles Hotel hier.

Savannah

Auf der Fahrt von Jekyll Island nach Charleston liegt Savannah quasi auf dem Weg. Savannah liegt noch in Georgia, am Savannah River, der kurz darauf ins Meer müdet. Es ist ein sehr hübsches Städtchen voller historischer, schön renovierter Bauten und mit viel Grün. Dank seines schachbrettartigen Grundrisses in der Innenstadt findet man sich gut zurecht.

Wir beginnen unsere Besichtigungstour an der Riverfront. Hier und beim nahen Factor’s Walk finden sich viele ehemalige Backsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert, Lagerhäuser und Kontore der Händler, in denen sich heute zahlreiche Cafés, Restaurants und Geschäfte befinden. Auch die ehemalige Cotton Exchange, einst eine der bedeutendsten Baumwollbörsen der Welt, befindet sich hier in einem roten Backsteingebäude. Über den schmucken Häusern glänzt die goldene Kuppel der City Hall.

Entlang der Bull Street gelangen wir zu einem der ältesten Parks der Stadt, dem Johnson Square, mit der ältesten Kirche Georgias. Für seine vielen Parks mit schattenspendenden riesigen Eichen voller Spanish Moss ist Savannah berühmt, sie reihen sich in regelmäßiger Anordnung an den Knotenpunkten des „Schachbretts“ durch die Stadt. Am Chippewa Square saß einst Forrest Gump alias Tom Hanks auf einer Bank und erzählte seine Geschichte. Die Original-Bank steht im Museum, aber es finden sich weitere Bänke, wo man gemütlich im Schatten ein Päuschen machen kann.

Zwischen den Parks und entlang der gepflegten Wohnhäuser lässt es sich schön spazieren gehen und die Architektur bewundern. Wir schlendern dann noch ein bisschen durch die Stadt, unter anderem über die Shopping- und Restaurant-Meile Broughton Street (zahlreiche hübsche Shops auch mit lokalen Produkten) und zum City Market mit seinen vielen Restaurants, auch Startpunkt von Pferdekutschenfahrten durch die Stadt, bevor es weitergeht in Richtung Charleston.

Charleston

Knapp zwei Autostunden weiter im Norden liegt Charleston, lange Zeit Hauptstadt von South Carolina. Die Stadt liegt auf einer Halbinsel an den Mündungen des Ashley und Cooper River, die mit ihren Mündungstrichtern einen idealen natürlichen Hafen bilden.

South Carolina Charleston John Rutledge House InnAls Unterkunft hatten wir ein besonderes Hotel gewählt: das John Rutledge House Inn (John Rutledge war der erste Gouverneur von South Carolina). Es ist eines der zauberhaftesten Bed&Breakfasts, in dem wir je gewohnt haben, in einem sehr stilvollen historischen Haus mit entsprechender Innen-Einrichtung und einem rundherum fantastischen Service. Die „Southern Hospitality“ umfasst unter anderem einen Nachmittagstee mit Häppchen, einzunehmen im Salon oder auf dem Balkon und abends einen Port, Sherry oder Brandy für uns Erwachsene, für die Kinder diverse DVDs zum Ausleihen sowie für uns alle die beste Beratung zu Sightseeing und Restaurants inklusive Reservierung. Selten haben wir uns so gut umsorgt gefühlt, weshalb ich hier auch erstmals sehr ausführlich über ein Hotel berichte.

Fußläufig lassen sich von hier aus bequem alle Sehenswürdigkeiten der „Old Town“ erreichen. Wir beginnen beim historischen City Market, wo sich in mehreren Markthallen die Händler tummeln. Es findet sich hier eine bunte Mischung aus Kitsch, Kommerz und Kunst. Für uns interessant sind immer die lokalen Händler und Produkte wie hier die Korbflechterinnen, die diese afro-amerikanische Kunst des Flechtens von „Sweet Grass“ vor Ort ausüben und ihre Produkte auch hier verkaufen.  Nicht weit hiervon entfernt befindet sich auch das Old Slave Mart Museum. In Charleston war einst der größte us-amerikanische Sklavenmarkt, über ein Drittel aller Sklaven wurden hier verkauft.

Auffällig in Charlestons Stadtbild sind die vielen Kirchen, teils mit schönen alten Friedhöfen, die ihr auch den Beinamen „The Holy City“ einbrachten. Traurige Berühmtheit erlangte eine von ihnen 2015, als bei einem Attentat ein 21-jähriger Weißer neun Afroamerikaner während einer Bibelstunde erschoss.

Im 18. Jahrhundert lebten neun von zehn der reichsten Familien der USA in Charleston – das lässt sich im Villenviertel gut erkennen. Das auch heute noch teuerste Wohnviertel der Stadt liegt am südlichen Ende der Halbinsel zwischen Tradd Street und dem Murray Boulevard. Hier ist eine Villa im Südstaatenstil schöner als die andere und besonders an der Uferpromenade am Murray Blvd und East Battery kann man sich gar nicht satt sehen an den hübschen Häusern. In diesem Viertel sind einige der Villen auch für Besucher geöffnet, wie das Edmondston-Alston House (East Battery) oder das Calhoun Mansion (Meeting Street). Die Außenfassade von Calhoun Mansion ist übrigens Filmkulisse des Wohnhauses der Familie Hazard in „Fackeln im Sturm“, das eigentlich in Pennsylvania steht. Im Inneren wurde ein Teil der Innenszenen des Wohnhauses der „Maines“ gedreht.

Läuft man etwas weiter am Ufer entlang in Richtung Norden, gelangt man zum Waterfront Park. Vorbei am Brunnen „Pineapple Fountain“ kommt ihr zu einem hölzernen Steg. Hier lässt es sich herrlich auf einer der großen Schaukeln sitzen und in die Hafenbucht schauen, hinüber zu Shutes Folly Island, Fort Sumter und Fort Moultrie.

Ebenfalls direkt „nebenan“ und besonders hübsch ist die „Rainbow Row“ mit ihren pastellfarbenen Häusern aus dem 18. Jahrhundert, die einst die Uferbebauung bildeten. Und sonst gilt: Einfach durch die Stadt treiben lassen. Es gibt so viele hübsche Gebäude (und auch Cafés!) in Charleston: mal mit Säulen, mal mit schmiedeeisernen Balkonen, mal ganz aus Holz. Mal klein und romantisch mit verwunschenen Gärten und blumenübersäten Terrassen, mal protzig und vornehm mit zurechtgestutzten Büschen und Bäumen. Dazu mal enge Gassen, mal breite Prachtstraßen. Vielleicht ist Savannah die „romantischere“ Stadt mit ihren alten, moosbewachsenen Eichen und ganz sicher ist es die „Grünere“.  Aber interessanter, abwechslungsreicher und beeindruckender fanden wir Charleston, mit schöneren Villen und einer viel schöneren Lage an der natürlichen Bucht, inklusive hübscher Uferpromenade. Und was die Umgebung betrifft, so bot Charleston ebenfalls mehr für uns!

Was wir in Charleston nicht vergessen wollen: Die überaus vielfältige Restaurant- und Kneipenszene. Eine sehr gute Empfehlung unseres Hotels war „Amen Street Fish and Raw Bar“ in der East Bay Street. Zwar stehen wir alle nicht besonders auf Austern, aber das Restaurant bietet auch viele interessante „Lowcountry Seafood Dishes“ wie Shrimp & Grits, Lowcountry Seafood Stew oder Lump Crab Cakes. Und natürlich musste ich hier auch die Fried Green Tomatoes versuchen, die mich an den gleichnamigen Film erinnert haben.

Fort Sumter und Fort Moultrie

Um das National Monument „Fort Sumter“ inmitten des Charleston Harbour zu besuchen, müsst ihr eine Bootstour mit Fort Sumter Tours machen, mit diesem Anbieter dürft ihr die Insel auch betreten. Alternative wäre eine Hafenrundfahrt ohne Betreten der Insel. Das schönere und besser erhaltene Fort ist jedoch das gegenüber liegende Fort Moultrie.

Rund um diese beiden Forts fanden 1861 die ersten Kämpfe zwischen den Nord- und Südstaaten statt. Ursprünglich waren beide Forts errichtet worden, um gemeinsam die Einfahrt in den Charleston Harbour zu sichern. Ironischerweise wurde aber von Fort Moultrie (und von anderen Stellen in der Bucht) aus von den Konföderierten (Südstaaten) im April 1861 das Feuer auf die Unionstruppen (Nordstaaten) in Fort Sumter eröffnet – und damit der vier Jahre andauernde Sezessionskrieg eingeleitet.

Von Fort Moultrie – sowohl von der Festung direkt, als auch vom nahe liegenden Strand – hat man eine schöne Aussicht auf den Hafen, Fort Sumter und Charleston – ein lohnenswerter Ausflug in die amerikanische Geschichte!

Boone Hall Plantation

Natürlich gehört zu einer Südstaatentour auch der Besuch einer Plantage. In unmittelbarer Nähe von Charleston liegen gleich mehrere Plantagen, zum Beispiel Magnolia Plantation, Drayton Hall und Middleton Place. Wir entschieden uns für die nur wenige Meilen von Charleston entfernte Boone Hall Plantation in Mount Pleasant. Die Plantage wurde 1681 gegründet, das Herrenhaus wurde allerdings erst 1936 im Kolonialstil erbaut. Noch original erhalten sind jedoch neun der einst fast 50 Sklavenhäuser.

Bekannt wurde die Plantage als Außenkulisse von Filmen. Das Haupthaus ist das Wohnhaus „Mont Royal“ der Familie Maine im Film „Fackeln im Sturm“, Fotos zu den Drehaufnahmen sind auch beim Herrenhaus-Besuch zu sehen. Nach dem Plantagenbesuch haben wir die passende DVD gekauft und die Kinder haben diese Südstaatensaga „verschlungen“! In unserem Hotel in Charleston lieh man uns außerdem die DVD „Wie ein einziger Tag“ nach dem Roman von Nicholas Sparks aus, der Film wurde ebenfalls hier gedreht.

Schon die Anfahrt zur Plantage ist eine Sehenswürdigkeit, der mehr als einen Kilometer lange Weg größtenteils unter uralten Eichen voller Bartflechten in der „Avenue of Oaks„, ist ein Erlebnis. Die Bäume wurden 1743 gepflanzt und sind damit mehr als 250 Jahre alt.

Auf der Plantage werden mehrere Touren angeboten, die im Eintrittspreis enthalten sind. Bei der geführten „House Tour“ (ca. 30 Minuten) wird die erste Etage des Herrenhauses mit historischen Exponaten besichtigt und die Geschichte der Plantage erklärt. Die „Exploring the Gullah Culture“ findet auf einem Platz vor den Sklavenhäusern statt und widmet sich, mit Theater, Gesang und Tanz, auf unterhaltsame Weise der Gullah-Kultur und -Sprache der afrikanischen Sklaven. Auch die Sklavenhäuser selbst kann man mit einer „Self-Guided-Tour“ oder mit einer geführten Tour besichtigen. Die „Plantation Coach Tour“ führt in einem Bus über die heute noch bewirtschafteten Teile der Plantage und man erfährt auch hier allerlei Wissenswertes zur Geschichte und den angebauten Produkten. Es lassen sich noch weitere Angebote wahrnehmen, sogar einen Schmetterlingsgarten gibt es. Für uns war der Besuch seinen Eintrittspreis definitiv wert!

Die Boone Hall Plantation ist auch eine der ältesten bewirtschafteten Farmen der USA. Allerlei schmackhafte Produkte und gute Mitbringsel lassen sich im eine halbe Meile entfernten Boone Hall Farms Market käuflich erwerben. Im angeschlossenen kleinen Restaurant kann man auch etwas essen, war nichts Besonderes, aber günstig und mit nettem Service. Aber das Einkaufen hier lohnt sich auf jeden Fall!

 

 

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