Aphrodite! Dionysos! Die Göttin der Liebe, der Schönheit und Fruchtbarkeit und der Gott des Weines – welch vielversprechende griechische Göttergestalten sind mit der drittgrößten Insel des Mittelmeers verbunden. Insbesondere Aphrodite ist es zu verdanken, dass Zypern den werbewirksamen Spitznamen „Insel der Götter“ trägt.
Petra tou Romiou: Geburtsort der Liebesgöttin
Die „Schaumgeborene“ soll an der Südwestküste in der Nähe von Paphos dem Meer entstiegen sein, beim Felsen Petra tou Romiou. Selbst von der Autobahn zwischen Limassol und Paphos aus sind Bucht und Felsen zu sehen. Nahezu alle Reisenden nehmen die Ausfahrt, um dem Geburtsort der Aphrodite näher zu kommen. Den schönsten Ausblick über die Küste bietet ein höhergelegener Parkplatz, insbesondere zum Sonnenuntergang. Die hintere Felsgruppe soll übrigens der Geburtsort der Göttin sein, nicht etwa die für mich eigentlich noch malerischer wirkende „Schildkrötenformation“ im Vordergund. Spätestens, wenn man sich dem Strand nähert, ist unschwer erkennbar, wo Aphrodite aus dem Meer gestiegen ist, denn hier tummeln sich selbst in der Vorsaison zahlreiche Besucher, am Strand sowie auf und um den Felsen. Noch ist es Anfang Februar für die meisten zu kalt zum Baden, sonst dürften wir uns auch an sterblich-schaumgeborenen Instagrammerinnen erfreuen.
Halbinsel Akamas: Bad der Aphrodite
In unmittelbarer Nähe, beim Dorf Kouklia, können in der Ausgrabungsstätte Palaepaphos (Alt-Paphos) die Überreste des bekanntesten Aphrodite-Heiligtums der Insel besucht werden, allerdings ist von der Anlage aus dem 12. Jh v. Chr. nicht sehr viel zu sehen. In meinen Augen sehr viel lohnenswerter für Aphrodite- und Natur-Fans ist ein Besuch der Akamas-Halbinsel, etwa eine Stunde nördlich von Paphos. Griechische Mythologie auch hier: Akamas, Sohn des Theseus, soll nach dem Trojanischen Krieg hier gelandet sein. Die Fahrt von Paphos dorthin ist malerisch: Weinberge, Olivenhaine und im Frühjahr viel Grün. Ohne die mediterrane Kulturlandschaft würde ich mich fast wie auf Irland fühlen!
Am westlichsten Zipfel Zyperns liegt das Akamas Naturschutz- und Wandergebiet, mittendrin: das Bad der Aphrodite. Vom Parkplatz an der E 713 aus laufen wir durch einen kleinen botanischen Garten zu einer Süßwassergrotte. Hier soll die Göttin gebadet und dabei auf ihren Liebhaber Adonis, den schönsten sterblichen Mann der Sagenwelt, gewartet haben. Nicht etwa Aphrodites Mann Hephaistos, sondern ein weiterer ihrer eifersüchtigen Liebhaber, Ares, hat Adonis in Gestalt eines wilden Ebers getötet. Adonis starb in Aphrodites Armen, aus seinen Blutstropfen wurden der Sage nach Adonisröschen, ein Hahnenfußgewächs.
Akamas Naturschutzgebiet: Wanderwege mit zahlreichen Orchideen
Adonisröschen finden wir hier zwar nicht, aber dafür allerlei andere Naturschätze im umgebenden Naturschutzgebiet (gehört übrigens zum EU-Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000). Mehrere Wanderwege durchziehen das Gebiet, darunter die direkt am Bad der Aphrodite startenden Aphrodite- und Adonis-Trails, wie könnte es auch anders sein. Gerade jetzt im Frühjahr, nach einem vergleichsweise regenreichen Winter, ist die Natur üppig grün und schon Anfang Februar blühen hier zahlreiche Orchideen, verschiedene Knabenkräuter und Ragwurz-Arten. Und dazwischen Wildkräuter wie Thymian, Salbei und Wacholder. Ein Traum für Naturliebhaber! Hinzu kommt die tolle Landschaft: Immer wieder öffnet sich der Blick in Richtung Küste mit dem türkisfarbenen bis dunkelblauen glasklaren Wasser, einfach herrlich!
Wer unterwegs hungrig geworden ist, kann im Restaurant „Bath of Aphrodite“ einkehren. Das ist nicht ganz billig, aber die köstlichen Fisch- und Meeresfrüchtegerichte sowie ein Traumblick über die Küste sind es definitiv wert.
Troodos-Gebirge mit Olymp
Von der Akamas Halbinsel ist es nicht weit ins Troodos-Gebirge mit seinem Olymp – ja, es gibt auch einen auf Zypern! Dieser hier ist mit 1.952 Metern die höchste Erhebung des Landes. Hier kann man nicht nur wandern (unter anderem auf dem Artemis- oder Persephone-Trail), sondern sogar Ski fahren. Wir sehen auf dem so genannten Troodos-Platz unterhalb des Mount Olimbos sogar noch Anfang Februar Schnee. Baden im Mittelmeer (selbiges ist im Dezember, Januar und Februar durchaus für Abgehärtete möglich, auch wir waren drin) und Ski fahren ist also am gleichen Tag möglich!
Schnee zu sehen ist zu dieser Jahreszeit auch das Ziel vieler Ausflügler aus allen Inselteilen – ich bin ja froh, demselbigen in Deutschland für ein paar Tage entkommen zu sein. Auf dem Troodos-Platz (Troodos Junction) ist demnach eine Menge los, nebst großen Parkplätzen mit Schneeresten sorgen zahlreiche Restaurants, Souvenir- und Essensstände für eine Rummel- und Marktplatzatmosphäre, die ich hier so nicht erwartet hätte. Ich genieße lieber den Ausblick in die Landschaft mit ihren Kiefernarten und der endemischen Zypern-Zeder. Schon Homer beschrieb den Waldreichtum Zyperns und erfreulicherweise sind auch heute noch etwa 20 Prozent der Landesfläche bewaldet, für eine Mittelmeerinsel recht viel (zum Vergleich: Sizilien hat weniger als 10 Prozent, Malta gar nur 1 Prozent).
Dionysos lässt grüßen: Weinbau an den Südhängen des Troodos
Auf der Fahrt vom Troodos-Gebirge Richtung Südküste begegnet einem unweigerlich Dionysos, der Gott des Weines. Denn hier liegt eines der Hauptweinanbaugebiete Zyperns, die Krasochoria. Wir machen Halt im bekanntesten Weinort der Krasochoria, Omodos. Der Ort präsentiert sich als herausgeputztes Dörfchen mit malerischen gepflasterten Gassen und Steinhäusern, samt hübschem Kloster Timios Stavros. Selbst jetzt zur Vorsaison sind die zahlreichen Cafés und Restaurants auf dem Hauptplatz gut besucht. Kein Wunder ist Omodos das meistebesuchte Weindorf Zyperns – zur Hochsaison mag ich es mir allerdings nicht vorstellen.
Fast jeder hier macht irgendwo eine kleine Weinprobe, wir tun dies bei Ktima Gerolemo. Umgeben von einer historischen Weinpresse („Linos tou Charilou“) genießen wir einen Weißwein der lokalen Rebsorte Xynisteri, ein Rotwein-Cuvée unter anderem mit der lokalen Rebsorte Mavro sowie den bekannten zypriotischen Süßwein Commandaria, der aus sonnengetrockneten Trauben der Sorten Xnisteri und Mavro hergestellt wird. Dionysos wäre ebenso begeistert gewesen wie wir!
Mosaik-Haus des Dionysos in Paphos
Dass Dionysos der Gott des Weines ist, ist bekannt. Dass er allerdings nicht nur für den Genuss, sondern auch für den Rausch und Kontrollverlust steht, wird oft verschwiegen. Schon die alten Römer warnten vor den Gefahren übermäßigen Konsums, wie eindrucksvoll im „Haus des Dionysos“ im archäologischen Park von Kato Paphos zu sehen ist. Auf einem der Bodenmosaike mit dem Titel „erste Weintrinker der Geschichte“ unterweist Dionysos seinen Gastgeber Ikarios im Weinbau. Den ersten jemals gekelterten Wein bekommt die hübsche Akme sowie zwei Hirten, die bald betrunken sind – das Kopfweh des ganz rechten Hirten ist deutlich zu sehen. Genuss in Maßen, heißt die Devise!
Dieses tolle Mosaik ist nur eines von vielen Mosaiken der antiken Villa eines römischen Adligen. 1962 wurden die Mosaiken zufällig bei der Feldarbeit entdeckt, seit 1980 gehören sie und der gesamte archäologische Park zum UNESCO Weltkulturerbe. Neben dem Haus des Dionysos gibt es dort drei weitere Villen, die nach ihren besonderen Mosaiken Haus des Theseus, Aion und Orpheus genannt werden, sie alle stammen aus dem 2. bis 5. Jahrhundert n. Chr.. Ihre wunderschönen Bodenmosaike zeigen neben Szenen aus der griechischen Mythologie vor allem Jagd-, Liebes- und Kampfszenen – was halt die damaligen Adligen so beschäftigte. Während das älteste Mosaik im Haus des Dionysos (Skylla-Mosaik) noch aus schwarz-weißen Kieselsteinen zusammengesetzt ist, sind fast alle anderen, jüngeren Mosaike, aus verschiedenfarbigen beschnittenen Natursteinen (Tesserae) zusammengesetzt.
Ihr seht, schon der „göttlich-naturräumlich-genussfreudige“ Einstieg in die vielseitige Mittelmeerinsel hat mich begeistert. Weitere Blogs zu Kultur und politischer Lage folgen!





















































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