Welterbe Shark Bay: wüstenhaft, wildreich, wunderschön!

Ob auf der Nord- oder Südhalbkugel: Rund und um den 26. Breitengrad liegen die Wüstenzonen unseres Planeten. Unsere Geografenhirne erinnern sich dunkel: Heiße, feuchte Luft steigt am Äquator auf und gibt dabei ihren Wasserdampf in Form von Niederschlag ab. Die trockenen Luftmassen bewegen sich nord- und südwärts, sinken ab und lassen zwischen dem 15. und 30. Breitengrad Wüsten entstehen, beispielsweise Sahara, Namib oder Kalahari und eben auch die wüstenhaften Gebiete Westaustraliens. Wir sind jetzt am nördlichsten Punkt unserer Westaustralienreise angelangt, etwa 800 Kilometer von Perth entfernt, in der World Heritage Area Shark Bay. Seit 1991 trägt dieses 23.000 Quadratkilometer große Gebiet mit der Haifischbucht, der Peron- und der Edel Land Halbinsel sowie Dirk Hartong Island, diesen Schutzstatus.

Die westaustralische Wüste wirkt auf den ersten Blick wenig wüstenhaft: Ein selbst jetzt im Sommer grünes Buschland, bestehend u.a. aus Akazienarten, Spinifex-Gräsern und Samphiren (salztolerante Queller), mitunter dem giftigen Bitterapfel und der hübschen Grevillea, bedeckt die Landschaft. Allerdings wird es menschlich betrachtet immer einsamer, und wenn uns der westaustralische Wheatbelt (siehe Westaustraliens Outback: Wave Rock und Hippo’s Yawn) abgelegen vorgekommen ist, so ist es die Gegend nördlich von Geraldton und Northampton (siehe Kalbarri Nationalpark: rote Klippen, Skywalk und ganz viele Tiere) erst recht. Mehr als 200 Kilometer lang begegnet uns auf dem National Highway No 1 zwischen Northampton und der Kreuzung Overlander keine nennenswerte Siedlung, lediglich einzelne Schaf- und Rinderfarmen, Roadhouses wie das von Billabong (sehr empfehlenswert für einen Zwischenstop), seltsamerweise mehrere Campingplätze (wer macht denn hier im Landesinneren und warum Urlaub?!?) oder Skurriles am Wegesrand wie der Shoey Tree.

Shell Beach: Millionen von Herzmuscheln

Trotz Einsamkeit sind die Straßen auch hier super ausgebaut und wir biegen an der Kreuzung Overlander auf die Halbinsel Shark Bay ab. Ein erster Welterbe-Status-Stopp wäre Hamelin Pool mit seinen Stromatolithen gewesen. Leider wurde der bei einem Sturm 2021 zerstörte Boardwalk noch nicht wieder aufgebaut (Stand Januar 2026), weshalb wir uns diese interessanten Lebewesen später weiter südlich (Lake Thetis bei Cervantes) näher anschauen werden. So findet unser erster Halt in der World Heritage Area an der Shell Beach statt. Diese weitläufige Bucht besteht auf etwa 40 Kilometern Länge und mehreren Metern Tiefe aus Millionen kleiner Herzmuscheln (Fragum erugatum) – ich fühle mich geblendet durch die schneeweißen Muscheln und meine Kamera ist ziemlich gefordert, die Muscheln und das türkisblaue Wasser gleichermaßen einzufangen. In der Tiefe wurden die Muscheln zu einem Muschelkalkstein zusammengepresst, der früher hier abgebaut und im Hausbau verwendet wurde. Davon zeugen zwei Gebäude in Denham: die St. Andrews Church und das Restaurant Old Pearler (auch das Essen ist hier absolut empfehlenswert).

Wir passieren mit einem kurzen Stopp am Whale Point Lookout und halten länger am Eagle Bluff Lookout. Auch hier finden wir einen Parkplatz sowie einen hübschen Boadwalk mit Aussichtspunkten und Infotafeln entlang des Kliffs vor – die Infrastruktur un den westaustralischen Nationalparks ist wirklich vorbildlich. Im türkisblauen Meer sind Haie und Rochen zu erkennen, in der Ferne die benachbarte Halbinsel Edel Land. Ein schöner Spot!

Auf der Weiterfahrt kreuzen zwei Emus unseren Weg (sie treten fast immer paarweise auf), wir werden sie in und um Denham täglich zu Gesicht bekommen. Schließlich erreichen wir Denham, die westlichste Stadt Australiens mit dem westlichsten Hotel des Kontinents. Mitte des 19. Jahrhunderts als Perlenfischerdorf gegründet, deren Bestände jedoch bald erschöpft waren, leben die heute ca. 800 Einwohner vor allem vom Tourismus.

Auch wir beziehen hier Quartier (empfehlenswert: On the Deck@Shark Bay) und genießen jeden Tag von unserem „Deck“ aus den Blick in den Francois-Péron-Nationalpark und auf zahlreiche Kängurus, Emus und Galahs, die Rosakakadus. Alle spazieren, hüpfen und fliegen auch gerne durch das Örtchen – es fühlt sich fast so an, als ob wir in einem Zoo wohnen würden.

Ein Tag im Francois-Péron-Nationalpark

Der nach einem französischen Zoologen benannte Francois-Péron-Nationalpark nimmt die gesamte Spitze der Halbinsel ein (Eintritt wird erhoben, im Nationalparkpass enthalten). Vom Ende des 19. bis 20. Jahrhunderts wurde das Gebiet fast 100 Jahre lang als Schaffarm benutzt, mit mäßigem Erfolg, dann hat die Regierung das Land aufgekauft. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude stehen noch, Tafeln und eine Ausstellung informieren über die Geschichte und Natur. Bis hierher, zum Peron Heritage Precinct, können auch normale Fahrzeuge fahren, danach auf den Sandpisten nur noch 4×4 mit hohem Radstand und weniger Luft in den Reifen. Da wir kein solches Fahrzeug gemietet haben, nehmen wir an einer Tour von Shark Bay Eco Tours teil. Tatsächlich sind wir froh, nicht selbst gefahren zu sein, ob mit oder ohne geeignetem Fahrzeug. Über den Tag hinweg sehen wir insgesamt 10 bis 15 andere Autos, drei davon stecken im Sand fest – ich würde mal sagen, die Chancen darauf sind ziemlich gut. Unser Guide informiert uns, dass „Jimmy“ aus Denham für die Befreiung mittlerweile mehr als 1.000 Dollar verlangt, ich schätze mal, Jimmy hat ein gutes Leben.

Nachdem auch wir Luft abgelassen haben, geht es los auf die Holper-Pisten-Tour durch den Park (wer schon einmal auf Fraser Island / K’gari war: Das ist schüttelmäßig so ähnlich hier, nur sind die Straßen viel einsamer). Erschwerend kommt hinzu, dass es überall im Park rechts und links der Piste so genannte Birridas gibt, ausgetrocknete Salzpfannen, sofort erkennbar an einer völlig anderen Vegetation. Sie haben oberflächig eine harte Salzkruste, wer hier aber mit einem schweren Fahrzeug einbricht, bleibt im darunterliegenden weichen Untergrund ganz sicher stecken – wir sehen einige entsprechende Spuren, wo wohl meist männliche Abenteuerlust sehr schnell sehr teuer wurde.

Schließlich kommen wir in der Herald Bight Bucht an. Während unser Guide unser Frühstück im Schatten des Trucks vorbereitet, waten wir durch das flache Wasser und finden kleine Rochen, Flatheats – Plattkopf-Fische -, sowie zahlreiche Schnecken und Muscheln.

Danach geht es weiter zum nächsten Stop, am Bottle Beach. Was für eine Szenerie: Türkisblaues Wasser trifft auf weißen Sandstrand und rote Klippen. Herrlich! Wir erklimmen erst einmal die Düne und genießen den Anblick von oben, bevor wir uns zum Schnorcheln ins türkisblaue Wasser stürzen (Ausrüstung wird gestellt). Ein Riff schützt die Bucht, dennoch ist das Wasser recht aufgewühlt und die Sicht etwas getrübt. Wir sehen jedoch zahlreiche Fische, Korallen und eine große Schildkröte – leider keinen Riffhai (das meine ich ernst, die sind klein). Tatsächlich wird uns berichtet, dass in der Shark Bay (im Gegensatz zur sonstigen Küste Westaustraliens) noch nie ein Mensch von einem Hai ernsthaft verletzt wurde. Lediglich ein Schaf hätte es mal erwischt, da es keinen Pier in Denham gab und gibt, mussten die Tiere früher für ihren Transport durch das flache Wasser zu den Booten schwimmen.

Weiter geht es zur nördlichen Spitze der Halbinsel, dem Cape Peron. Hier bläst der Wind mal wieder was das Zeug hält, aber auch hier ist die Szenerie mit besagter Dreifarbigkeit großartig. Erneut sehen wir mehrere Mantarochen durchs Wasser ziehen und beim Mittagessen besucht uns ein hübscher großer Goulds Waran, auch Sand Goanna genannt.

Unsere nächste Station ist Skipjack Point, samt Boardwalk und zwei Aussichtspunkten mit Infotafeln zur Tierwelt. Wir sehen auch hier die riesigen Mantarochen durchs Wasser gleiten (auf den Fotos ist leider nur ein schwarzer Fleck im Wasser zu sehen), Tigerhaie, Dugongs (von diesen Seekühen wird später noch die Rede sein) und eine Kormoran-Parade am Strand. „Unsere westaustralischen Pinguine“, witzelt unser Guide, und tatsächlich sehen sie von oben so aus.

Zum Abschluss dieses ereignisreichen Tages dürfen wir noch ein bisschen Krebs spielen: Wir baden im 40 Grad heißen Wasser des artesischen Brunnens der ehemaligen Schaffarm. Dieses Grundwasser kommt aus über 500 Metern Tiefe und soll sehr gut für Haut und Haare sein – unser Guide taucht hier sekundenlang unter. Nun ja, im Winter oder unter dem nächtlichen Sternenhimmel ist das Bad hier sicher großartig, aber bei einer nahezu identischen Außentemperatur fühlen wir uns tatsächlich eher wie gekochte Krebse.

Monkey Mia: Delfine und Dugongs

Etwa 25 Kilometer von Denham aus quer über die Halbinsel liegt Monkey Mia. Für den Besuch des dortigen Strands und Conservation Parks wird eine extra Gebühr fällig, die sich aber lohnt, insbesondere wegen der Dolphin Experience. Jeden Morgen kommen wilde Delfine hier an den Strand und holen sich ein kleines Fischfrühstück ab. Es gibt insgesamt drei Fütterungszeiten, die früheste (größte Delfingarantie) um 7:45 Uhr. Freundliche Naturschutz-Ranger informieren uns über die Tiere und das Projekt, bevor die anwesenden erwachsenen Delfine ein paar wenige Fische bekommen. Die staunende und begeisterte Menge steht direkt in der Brandungszone, nur wenige Meter von den Tieren entfernt. Auch wir genießen die Begegnung mit Piccolo und Kiya samt ihren Jungtieren Oboe und Wigi, die sich etwas scheuer im Hintergrund halten, sehr.

Der schöne Strand sowie der Pier von Monkey bieten die Möglichkeit für weitere Tierbeobachtungen, Emus, Pelikane, Schildkröten und Haie geben sich ein Stelldichein. Erneut fühlen wir uns wie in einem großen Freiluft-Zoo, so nah sind wir allen Tieren.

Das zweite Highlight des Tages ist eine Bootstour in der Shark Bay, insbesondere um eine weitere Tierart aus der Nähe zu sehen: die Dugongs (Dugong dugon). Dugongs sind Gabelschwanzseekühe, die im Unterschied zu Manatees (haben wir in Florida gesehen) wal- bzw. meerjungfrau-ähnlich gegabelte Schwanzflossen haben und nur im Salzwasser leben. Etwa zehn Prozent der weltweiten Dugong-Population, rund 10.000 Tiere, lebt in der Shark Bay. Die Pflanzenfresser ernähren sich von Seegras, von dem es in der Shark Bay eine Menge gibt: Nicht nur die weltweit größte Fläche an Seegras, sondern auch die größte bekannte Einzelpflanze der Erde: Das Seegras Posidonia australis erstreckt sich über eine Länge von 180 Kilometern. Also beste Voraussetzungen, die Tiere hier zu sehen. Und auch wir bekommen erfreulicherweise sehr viele teils ganz nah zu Gesicht, meist Mütter mit ihren Kälbern.

Weitere Delfine, viele Schildkröten, Kormorane und eine Seeschlange komplettieren unsere Tour, die darüber hinaus auch schöne Anblicke von Strand und Küste bietet. Und als kleines Highlight dürfen wir uns zum Abschluss im offenen Netz unseres Segelboots durch die Gischt fahren lassen. Auch diese Tour: absolut empfehlenswert!

Shark Bay heißt für uns ab sofort: So vielseitig, so arten- und tierreich, kann Wüste sein. Unsere drei Tage hier werden uns in bester Erinnerung bleiben!

Hinterlasse einen Kommentar

Webseite erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑