Die Küstengebiete Westaustraliens sind touristisch gut erschlossen. Etwas anders sieht das im Hinterland aus: Das Straßennetz dünnt sich sofort aus, die kleinen Siedlungen liegen mindestens 30 bis 40 Kilometer voneinander entfernt. Doch wir beschließen, gerade auch deshalb einen Ausflug dorthin zu unternehmen, weil dieses Hinterland einen Großteil Westaustralien ausmacht.
Unser Ziel ist eines der wenigen touristischen Highlights des so genannten Golden Outback: der Wave Rock. Dieser Felsen in the Middle of Nowhere liegt ganze 350 Kilometer östlich von Perth. Je nachdem, von wo an der Küste ihr startet, durchquert ihr zuerst eine hügelige, bewaldete Landschaft im Hinterland von Perth mit mehreren kleinen Nationalparks und Staatsforsten (z.B. Jarrahdale State Forest, Mundaring State Forest), die vom Auto aus recht reizvoll für Wanderungen erscheinen. Weiter Richtung Osten wird es etwas eintöniger, denn endlose Weizenfelder, der Wheatbelt Westaustraliens, folgt. Die endlos scheinenden, größtenteils schon abgemähten Felder werden immer wieder von kleinen Wäldchen und zahlreichen, ziemlich versalzenen Seen unterbrochen, ab und zu verteilen sich Schaf- oder Rinderherden auf dem sommerlich-braunen Grasland. Am Rand der Ortschaften stehen riesige Weizensilos, in deren Schatten die mit Planen abgedeckte Weizenernte lagert. Touristische Highlights gibt es hier kaum – wenn man von Kuriositäten wie dem Hundefriedhof von Corrigin absieht, auch diverse Tiere wie die Schwärme von Rosakakadus bringen Abwechslung und der Flug eines Vogels auf unsere Windschutzscheibe einen kurzen Herzstillstand (für uns, für den Vogel war er dauerhaft). Die Fahrt ist also weniger langweilig als befürchtet und gehört wie wir finden gerade wegen des Kontrasts zu den Touristenorten zu einem Westaustralienurlaub dazu!
In den kleinen Siedlungen versuchen sich unsere Töchter vorzustellen, wie es wohl ist, hier zu leben. Überraschenderweise hat jedes Örtchen – Städtchen mag ich sie fast nicht nennen – umfangreiche Sportanlagen von Schwimmbad über Bowling Green bis hin zu Tennisplätzen, natürlich eine Schule, eine Tankstelle und einen Einkaufsladen. Und öffentliche kostenlose Toiletten sowie einen WLAN-Spot – wichtig, denn Internet- und Radioempfang gibt es zumindest zwischen den Örtchen nicht. In den Hauptstraßen ist aufgrund vieler Leerstände in den Geschäften eine Landflucht deutlich erkennbar. Eine Ausnahme bildet Collie, das mit einer historischen Häuserfront aufwartet, aber schon 100 Kilometer weiter in Narrogin blickt das historische Rathaus auf viele geschlossene Geschäfte und Restaurants. Nachdem wir lustigerweise gerade hier, morgens um 11.30 Uhr, für einen Alkoholtest bei zwei freundlichen Polizisten anhalten mussten, kehren wir bei Feddy’s Diner ein und genießen superleckere und günstige Burger – auch das ist Outback!
Schließlich kommen wir an unserem Ziel, dem Kleinstädtchen Hyden, an. Die Siedlung hat ihre Entstehung in den 1920ern zunächst Sandelholzfällern zu verdanken, nach der Erschließung mit der Eisenbahn begann der Weizenanbau, später die Rinder- und Schafzucht. Heute lebt die Stadt vor allem auch vom Tourismus, wofür der Wave Rock gesorgt hat. Diese Granitklippe, in der Sprache der Ureinwohner Katter Kich genannt, liegt etwa 4 Kilometer östlich der Ortschaft. 15 Meter hoch und 100 Meter lang sieht der vielfarbig gestreifte Granit-Inselberg (durch Herauslösung verschiedener Mineralien) wie eine sich brechende Meereswelle aus. Surfbrett für die Instagram-Community liegt bereit.
Am Ende der Welle könnt ihr den Inselberg erklimmen – das ist unbedingt zu empfehlen. Oben überrascht uns rechter Hand ein Wasserbassin. Dieser Wasserspeicher wird unter anderem gespeist durch eingesammeltes Regenwasser in Form einer Mauer, die sich am oberen Rand der Welle entlangzieht. Dieser kleine Damm sorgt gleichzeitig dafür, dass kein unvorsichtiger Besucher versehentlich die Welle hinunterstürzt.
Oben auf dem Granit-Inselberg liegen eine Menge kleiner und größerer Granitbrocken, manche durch Tafoni-Verwitterung hübsch geformt. Außerdem haben wir einen tollen Ausblick auf die umgebende Landschaft von hier oben, bis zu unserem Übernachtungsquartier im Wave Rock Resort!
Etwa einen Kilometer vom Wave Rock entfernt, liegt die zweite bekannte Felsformation der Gegend: Hippo’s Yawn. Diese ebenfalls durch chemische Verwitterung entstandene Granitfelsformation erinnert tatsächlich frappierend an ein gähnendes Nilpferd!
Anschließend beziehen wir Quartier im Wave Rock Resort, das wir schon von oben gesehen haben. Im Übernachtungspreis ist auch die Eintrittsgebühr für beide Felsformationen für 2 Tage enthalten. Das Gelände ist nur für Übernachtungsgäste zugänglich und wir beziehen zwei Cottages am Ufer des „Lake Magic“, einer der vielen Salzseen der Gegend. Gegenüber liegt ein weiterer Salzsee, die Emu-Verzierung wirkt besonders malerisch im Sonnenuntergang! Gleiches gilt für den Lake Magic und die vielen aufgrund des zu hohen Salzgehalts abgestorbenen Bäume. Es ist wunderschön, sich hier bei einem Abendspaziergang in der kühlen Luft die Beine zu vertreten. Leider sehen wir weder Kängurus (nur deren Spuren) noch Emus – das wäre die Krönung gewesen. Stattdessen nehmen wir noch ein Bad im salzhaltigen „Spa“ – ein großes, eingefasstes Salzwasserbecken, wo wir fast wie im Toten Meer an der Wasseroberfläche schweben. Noch mehr Romantik bringt der abendliche Sternenhimmel fast ohne Streulicht.
Lohnt sich der Wave Rock mit seiner langen Anfahrt? Ich sage: Der Fels allein – nein. Aber das „Gesamtpaket“ ist für mich einen Umweg wert: Das Kennenlernen eines wichtigen Teils von Westaustralien, die zwei sehenswerten Granit-Felsformationen, der fantastische Sonnenuntergang und der romantische Sternenhimmel, das Schwebebad im Salzsee. Wir haben den Umweg also nicht bereut!






























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