Es gibt sie noch, Länder in Europa, die ich noch nicht besucht habe. Dazu gehört die Slowakei und es war wirklich an der Zeit, das zu ändern. Nicht zuletzt wegen der vielen slowakischen Tennisspielerinnen, allesamt sympathische Botschafterinnen ihres Landes, die wir über die Jahre beherbergt haben und die alle von ihrem Heimatland schwärmen (wenngleich nicht vom aktuellen Präsidenten). Von ihnen habe ich auch gelernt, wie nah die slowakische Hauptstadt Bratislava bei Wien liegt. Deshalb planen wir in unserem Wien-Urlaub (siehe Wien: alles „leiwand“ oder was?) kurzerhand auch einen Tagesausflug nach Bratislava ein.
Vom Wiener Hauptbahnhof fahren regelmäßig REX-Züge an die zwei Bahnhöfe der Stadt: nach Petržalka im Süden und zum Hauptbahnhof Hlavna Stanica nördlich der Altstadt, die Fahrt dauert etwa 1 Stunde. Das Bratislava Ticket bringt euch nicht nur hin und wieder zurück, sondern beinhaltet auch ein Tagesticket innerhalb von Bratislava. Beide (Fuß-)Wege in die Altstadt von Bratislava sind wenig charmant; ab Bratislava Petržalka könnt ihr über die Donau in die Altstadt laufen (Staré Mesto, dauert aber 30-45 Minuten) oder diverse Bus- und Straßenbahnlinien nutzen. Vom Hauptbahnhof ist es etwas näher, ihr könnt den (wie gesagt wenig charmanten) Fußweg aber immerhin nutzen, um beim 1760 erbauten Palais Grassalkovich (Grasalkovičov palác) vorbeizuschauen, Residenz des Präsidenten der Slowakei. Dieser barocke Stil ist charakteristisch für viele Gebäude in der Altstadt, ein Kulturerbe des 18. Jahrhunderts.
Bevor wir die Altstadt erreichen, sehen wir rechterhand die Burg von Bratislava auf einem Hügel. Gut zu sehen ist sie auch vom Donauufer aus. Wir haben sie nicht besucht, lediglich wegen der Aussicht wäre dies eine Option gewesen. Aber nachmittags setzte Regen ein, bei schlechter Sicht ist das nicht lohnenswert. Der Anblick von unten ist aber hübsch!
Durch das barocke Michaelertor (Michalská brána) gelangen wir in die Altstadt, das Bauwerk sieht aus der Ferne eher wie ein Kirchturm als ein Tor aus. Es ist das einzige noch erhaltene von einst vier Toren der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Dahinter beginnt der touristische Teil der Fußgängerzone, hübsch herausgeputzt und an unserem Besuchstag belagert von mehreren Ausflugsgruppen der Donaukreuzfahrtschiffe.
Weiter geht es in das Herz der Altstadt zum wunderschönen Hauptplatz (Hlavné námestie), der von zahlreichen Palais und Bürgerhäusern sowie dem Alten Rathaus umgeben ist. Das aus drei Gebäuden gebildete Alte Rathaus (Stará radnica) aus dem 14./15. Jahrhundert ist eines der ältesten erhaltenen Häuser der Stadt. Unbedingt in bzw. durch den Innenhof laufen, der ist ebenfalls sehr sehenswert!
Am Hauptplatz „begegnet“ uns auch die erste von mehreren Skulpturen, die die Stadt zieren, sie zählen zu den meistfotografierten Attraktionen Bratislavas und wurden im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts geschaffen. Über eine Bank beugt sich Napoleons Soldat von Juraj Melis. Unweit davon, an einer Ecke des Hauptplatzes in der Straße Rybárska brána, steht eine weitere Skulptur, der Schöne Náci (mit bürgerlichem Namen Ignác Lamár) vor dem Cafè Mayer. Am bekanntesten ist die Skulptur Čumil (auf Deutsch: Gaffer oder Gucker) von Viktor Hulík, an der Kreuzung Rybárska brána/Laurinská, ein aus einem Kanaldeckel „guckender“ Arbeiter.
Der zweite zentrale Platz der Stadt ist die Promenade (Hviezdoslavovo námestie). Hier befinden sich unter anderem das Nationaltheater hinter dem Ganymed Brunnen, die Slowakische Philharmonie und das sehr stilvolle Carlton-Hotel, das die US-Botschaft zum Nachbarn hat. Ein hübscher Platz, der von mehreren Cafés gesäumt wird – ein guter Ort zum Verweilen!
Nicht direkt in der Altstadt, sondern ein paar Schritte entfernt, aber unbedingt einen Besuch wert, ist die Sankt-Elisabeth-Kirche (Kostol svätej Alžbety). Aufgrund ihrer Farbe wird sie auch als „Blaue Kirche“ bezeichnet. Nicht nur die Farbe, sondern auch der Jugendstil macht diese 1907/1908 erbaute Kirche, die der Heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht ist, zu etwas Besonderem. Leider ist der Innenraum nicht geöffnet, aber durch ein Gitter hinter der Eingangspforte konnten wir zumindest ein Blick in das Innere werfen. Und wer – wie wir – danach eine Pause einlegen möchte, dem sei das charmante Café Fertucha (Grösslingova 27) empfohlen, insbesondere die leckeren gefüllten Buchteln, ein Nationalgebäck. Köstlich – und auch das Preisniveau kann sich sehen lassen.
Der bekannteste Sakralbau der Stadt ist der Martinsdom (Katedrála svätého Martina), historisch bekannt als Pressburger Dom, der westlich der Altstadt unterhalb des Burghügels liegt. Der Dom ist die größte Kirche der Stadt, vom 13. bis 16. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. Vom 16. bis 19. Jahrhundert wurden hier die Habsburger Könige des Königreichs Ungarn gekrönt.
Von hier aus sind es nur wenige Schritte zum Donauufer, wo sich ein schöner Blick auf die Burg und auf das moderne Wahrzeichen der Stadt, das UFO als Teil der Brücke des Slowakischen Nationalaufstands (Most SNP). Oben ist eine Aussichtsplattform sowie ein Restaurant mit 360 Grad Blick integriert.
Und was wäre ein Besuch in einem neuen Land ohne ein zünftiges Essen! Nationalgericht der Slowakei sind Bryndzové halušky, übersetzt Brimsennockerln. Tja, jetzt wisst ihr vermutlich auch nicht wirklich, um was es sich handelt. Es sind von Größe und Form den schwäbischen Knöpfle ähnliche Mini-Kartoffelnocken, die mit einer gehaltvollen Sauce aus Schafsfrischkäse („Brimsen“) und Speck sowie meist mit Frühlingszwiebeln bestreut serviert werden. Ein weiteres beliebtes Gericht sind Dolnozemská Sarma, die Schwäbin würde sagen Krautwickel, also mit Fleisch gefüllte Weißkrautrouladen. Und weil sie ja zu wenig Fleisch enthalten könnten, gerne noch zusätzlich mit Wurst serviert und mit Sauerrahm garniert. Beides war nicht schlecht, aber zu meinen Leibspeisen wird das nicht.
Unser Fazit: Bratislava ist eine sehr sympathische, lebendige Stadt mit einer wunderhübschen Altstadt, der perfekte Tagestrip von Wien!




























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