Ljubljana ist mit nicht einmal 300.000 Einwohnern die Hauptstadt von Slowenien, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes. Die Stadt selbst wirbt für sich mit ihrem „Mix kultureller Traditionen“, bezeichnet sich als „kulinarische Top-Destination“ mit einer „grünen Seele“, sie sei „nie überlaufen und nie langweilig“. Davon wollen wir uns natürlich selbst überzeugen.
Wir parken unter dem Kongressplatz (praktischer Hinweis: unter dem Kongressplatz befinden sich hervorragende kostenlose öffentliche WCs) und sind damit gleich mitten im „kulturellen und historischen Geschehen“. Denn dieser Platz spielte gleich mehrfach eine zentrale geschichtliche Rolle. 1918 wurde hier bei einer Massendemonstration die Unabhängigkeit von Österreich-Ungarn und die Gründung des slowenischen, kroatischen und serbischen Staates ausgerufen. Auch 1988 demonstrierte hier das Volk und forderte die Freilassung von vier slowenischen Journalisten. Damit begann der slowenische Frühlings, der 1991 zur Unabhängigkeitserklärung Sloweniens führte.
Außerdem gehört der Platz seit 2021 zum UNESCO Weltkulturerbe, als Teil von Jože Plečniks an Menschen orientierten Stadtplanung in Lubljana. Bei seiner Neugestaltung der Stadt zwischen den zwei Weltkriegen war das Hauptmotiv des slowenische Architekten eine zentrale Wasserachse entlang des Flusses Ljubljanica und eine von der Burg ausgehenden Landachse. Beide kreuzen sich an den ebenfalls von Plečnik entworfenen Drei Brücken (Tromostovje), die wir nach einem kurzen Spaziergang entlang der Ljubljanica erreichen. Sie führen auf dieser Altstadtseite auf den zentralen Preserenplatz, ehemals Marienplatz nach der markanten rosaroten Franziskanerkirche. Optisch noch besser gefallen mir die zwei wunderschönen Gebäude im Wiener Jugendstil, das Hauptmann-Haus und das Urbanc-Kaufhaus. Noch ein lustiges Detail: Jetzt im Sommer steht mitten auf dem Platz ein Schild mit dem Hinweis „The area with Ljubljanas own weather“. Diese interaktive Kunstinstallation von Zmago Modic produziert künstlichen Regen oder zumindest feuchte Luft über eine Berieselungsanlage – an heißen Tagen eine willkommene Abkühlung! Sympathisch, dieses Ljubljana, schon nach den ersten Metern.
Wir bleiben auf dieser Seite der Ljubljanika und laufen die Trubarjeva Cesta entlang. Hier zeigt sich Ljubljana von einer ganz anderen Seite, schon nach wenigen Metern sind die einfachen Häuser nur noch zwei- bis dreigeschossig, teils nicht renoviert, Second Hand Shops, Imbisse und Graffiti (Street Art will ich es hier eher nicht nennen) prägen das Bild, mittendrin eine Skulptur des slowenischen Bildhauers Janez Boljka. Die besprayten Nebengassen geben immer wieder einen Blick auf die nahe Ljubljanika sowie die gutbürgerlichen Häuser entlang der Uferpromenade frei, ein interessanter Kontrast. Schließlich erreichen wir eines der Wahrzeichen der Stadt: die Drachenbrücke (Zmajski Most). Schon auf den bisherigen Wegen sind uns immer wieder Drachen begegnet, auf den Gullydeckel, in Souvenirshops, als Skulptur, auf Süßigkeiten (Drachen- statt Mozartkugeln!) und der Geselle findet sich auch im Wappen der Stadt. Der Legende nach soll der griechische Held Jason mit seinen Argonauten hier einen Drachen besiegt haben, der sich im Lauf der Zeit zum Beschützer der Stadt gemausert hat. Auf der Drachenbrücke versuchen Scharen von Touristen, ein Selfie allein mit dem furchteinflößenden Wappentier zu machen und bei dem Gedrängel nicht von einem Auto über den Haufen gefahren zu werden.
Unsere nächste Station ist die Burg (Ljubljanski Grad), die auf einem Hügel stehend quasi von überall in der Altstadt zu sehen ist. Für mich muss wie immer ein Blick von oben auf eine Stadt einfach sein, hingegen sparen wir uns dieses Mal die Besichtigung der Burg von innen. Nach einer kurzen Fahrt mit der Standseilbahn sind wir oben im Burghof, dekorativer Fotoherzblumenrahmen und besagte Drachen-Selfie-Station sind gratis mit dabei. Von den Burgmauern blicken wir in Stadt und Umland. Erstere begeistert mich von oben – nicht. Rein gar nichts ist von hier aus von der hübschen Stadt zu sehen, es dominieren hässliche Einheitsbauten. Ich bin überrascht, wie unterschiedlich die Eindrücke von unten und von oben sind. Dafür ist das grüne Umland, eingerahmt von den Alpen, umso malerischer.
Zu Fuß geht es wieder hinab und weiter durch die Altstadt auf der anderen, östlichen Seite der Ljubljanika. Auf dem Zentralmarkt herrscht wie es sich gehört reges Markttreiben, eine bunte Mischung aus Obst- und Gemüsehändlern und in Richtung Dom St. Nikolaus auch touristisch orientierte, aber hübsche, Handwerkskunst und Kulinarisches. Der Eintritt in den Dom ist leider kostenpflichtig – schade, Eintritt in noch als solche genutzte Gotteshäuser ist in meinen Augen fragwürdig und sorgen bei mir für Verweigerung. Auf dem Stadtplatz (Mestni Trg) stehen neben dem Rathaus weitere barocke Stadtpaläste sowie der Brunnen der drei Krainer Flüsse („Robba-Brunnen“). Von hier aus blicken wir über die „Drei Brücken“ wieder zur rosaroten Franziskanerkirche auf der anderen Flussseite – Plečniks oben erwähnte „Landachse“. Der weitere Weg durch die Fußgängerzone vermittelt uns wie schon in Triest ein bisschen das Gefühl, nicht zu wissen, ob wir in Slowenien, Österreich oder Italien sind. In der Stari Trg wird die Straße enger, es bröckelt mitunter der Putz wie bei der sehr malerischen Slascicarna (Konditorei). Der Herkules-Brunnen markiert das Ende der Einkaufs- und Flaniermeile. Entlang der Uferpromenade, gesäumt von vielen Cafés, geht es wieder zurück.
Und abschließend noch ein kulinarischer Tipp: die Slowenen haben wohl Süßspeisen ganz gern (auch das ein österreichisches Erbe?), Konditoreien, Schokoladen- und sonstige Süßwarengeschäfte finden sich überall. Wir können beim Strudelhaus, Moji Struklji, nicht widerstehen. So eine Vielfalt an Strudeln, übrigens nicht nur süß, sondern auch herzhaft, zu einem sehr günstigen Preis, habe ich noch nicht gesehen. Alle waren dazu noch superlecker und für weniger als 5,- Euro (Stand 2025) sind wir sehr satt und zufrieden.
Es tut uns fast ein bisschen leid, hier nicht zu übernachten und wir beschließen, Ljubljana das nächste Mal etwas ausgiebiger zu besuchen. Zwar gibt es nicht die Attraktion, aber das hübsche, abwechslungsreiche Stadtbild, die vielen Cafés und Restaurants sowie die lebhafte Atmosphäre, und das alles auf kleinem Raum, haben uns gut gefallen!





































Das ist toll geschrieben!
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