Zwischen (Wein-)Bergen und Meer: rund um Udine

Das Friaul ist ein Fest für’s Auge (und für den Magen – der kommt auch noch dran). Die Julischen (und karnischen) Alpen bilden die markante, überall in der autonomen Region Friaul-Julisch Venetien sichtbare Nordgrenze. Von Gletschermilch türkisblau gefärbte Flüsse strömen in die Ebene, wo sie auf Weinberge und zahlreiche, ebenso geschichtsträchtige wie malerische, Ortschaften treffen. Wir verbringen drei Tage rund um die friaulische Hauptstadt Udine.

Nach unserer Stippvisite in Salzburg (siehe: Ab in den Süden – Zwischenstopp in Salzburg) überqueren wir kurz hinter Villach die Grenze nach Italien und erreichen nach insgesamt zweieinhalb Stunden Autofahrt einen Parkplatz (kostenlos) in Camporosso/Tarvisio, Talstation der Bergbahn auf den Monte Lussari (Luschariberg).

Luschariberg (Monte Santo di Lussari)

Unser erstes friulianisches Ziel ist der so genannte „Balkon der Julischen Alpen„, der Luschariberg. Wir nehmen die Bergbahn (Ticket vorab im Internet erwerbbar für einen beliebigen Tag der Saison oder natürlich vor Ort), die uns in rund 10 Minuten auf knapp 1.800 Meter hochgondelt. Oben angekommen blicken wir durch ein „Fotoherz“ auf das kleine Bergdorf mit dem Marien-Heiligtum – trotz verhangenem Himmel eine sehr malerische Szenerie! Nicht minder beeindruckend ist der Blick in die schroffen Kalkformationen der Julischen und Karnischen Alpenlandschaft. Kaum vorstellbar, wie das auch noch bei Sonnenschein und blauem Himmel aussehen würde, wir finden es jetzt schon einfach nur „wow“! Wir schlendern durch das Örtlein mit seinen Souvenirshops und zahlreichen Restaurants und Cafés, wo es sich überraschend gut und günstig Mittagessen lässt. Vom Gipfelkreuz oberhalb der Kirche ist die Aussicht am Schönsten!

  • Monte Lussari (Luschariberg)
  • Monte Lussari (Luschariberg)
  • Monte Lussari (Luschariberg)
  • Monte Lussari (Luschariberg)
  • Monte Lussari (Luschariberg)
  • Monte Lussari (Luschariberg)
  • Monte Lussari (Luschariberg)

Das kleine Heiligtum stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert, die Kapelle wurde später überbaut und erweitert. Ein Hirte soll einst an dieser Stelle eine Marienstatue gefunden haben. Heute steht die Kapelle als Sinnbild für Frieden und Einheit der Völker, insbesondere im Drei-Länder-Eck Italien, Österreich und Slowenien, was eine Inschrift an der Kirchenpforte verdeutlicht: „Hier am Treffpunkt von Romanen, Germanen und Slawen bauten unsere Väter eine Kirche, die die Völker nicht trennt, sondern verbindet.“ Wir sagen: Der Luschariberg ist definitiv einen Ausflug wert!

  • Monte Lussari (Luschariberg)
  • Monte Lussari (Luschariberg)
  • Monte Lussari (Luschariberg)

Venzone

Weiter geht es in Richtung Adria und Udine auf der SS13, entlang der Fella und später dem Tagliamento. Ihre breiten Flussbetten sind voller Alpenschotter, ihre Wässer türkis von Gletschermilch. Besonders gut lässt sich das Panorama des türkisfarbenen Tagliamento vor den Alpen beim Örtchen Venzone einfangen (kleiner Parkplatz an der Bücke, sonst fußläufig aus dem Örtchen). Venzone lohnt auch als Ortschaft einen Stopp (mehrere kostenfreie Parkplätze an den Ortseingängen), denn es gehört zu den ausgezeichneten „Borghi più Belli d’Italia“.

  • Tagliamento
  • Fella

Venzone wurde bei einem schweren Erdbeben 1976 fast vollständig zerstört, danach aber komplett restauriert. Eine kleine Ausstellung im Palazzo Communale am zentralen Platz zeigt das Ausmaß der Zerstörung, in der Kirche San Andrea Apostolo wurden die Risse bewusst erhalten. Wie gut die Restaurierung gelungen ist, lässt sich bei einem Spaziergang durch das sympathische Örtchen mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer und dem venezianisch angehauchten Ortsbild (es grüßt der Markus-Löwe) bestaunen!

  • Venzone
  • Venzone
  • Venzone
  • Venzone
  • Venzone
  • Venzone - San Andrea Apostolo
  • Venzone - San Andrea Apostolo
  • Venzone - San Andrea Apostolo
  • Venzone

Udine – venezianisches Flair in der größten Stadt des Friaul

Unsere Unterkunft liegt in einem Vorort von Udine und natürlich steht auch die mit etwa 100.000 Einwohnern größte Stadt des Friaul auf unserem Programm. Wir parken an der Piazza 1 Maggio, das ist zwar kostenpflichtig, aber es gibt immer Platz und die Altstadt ist nah. Das Castello auf dem Schlossberg, mit seiner goldenen Figur auf der Kuppel der dazugehörigen Kirche, winkt uns quasi schon zu. Durch eines der Stadttore, die Porta Manin, betreten wir die Altstadt und sind in wenigen Minuten in der „feinen Stube“, auf der Piazza della Libertà. Und fühlen uns sofort an Venedig erinnert. Nicht allein weil uns an mehreren Stellen der venezianische Löwe, das Symbol des Evangelisten Markus, begrüßt. Die rot-weiß gestreifte Marmorfassade des Rathauses (Palazzo Communale) mit seiner Loggia del Lionello ist im venezianisch-gotischen Stil erbaut und erinnert ein bisschen an den Dogenpalast. Von der Säulenhalle der Loggia del Lionello blicken wir zur gegenüberliegenden Loggia di San Giovanni mit dem Uhrenturm Torre dell’ Orologio, auf dem 2 Figuren zu jeder vollen Stunde schlagen. Wir warten 10 Minuten, um dieses Schauspiel zu sehen, aber es lohnt sich ehrlich gesagt nicht besonders, die Figuren streicheln die Glocke eher verhalten.

  • Udine
  • Udine - Loggia del Lionello
  • Udine
  • Udine - Tempietto San Giovanni

Gleich neben der Loggia del Lionello schließt sich die Via Mercatovecchio an, wie der Name vermuten lässt, damals wie heute eine Einkaufsstraße. Links abbiegend landen wir auf dem zweiten Herzstück der Stadt, der Piazza Giacomo Matteotti. War die Piazza della Libertà eher „museal“, so ist die Piazza Matteotti umso lebendiger mit ihren zahlreichen Cafés und Restaurants, auch wenn diese in den Morgenstunden noch nicht so gut besucht sind. Was den Platz und die Altstadt insgesamt sehr authentisch und umso sympathischer macht: Die allermeisten Gebäude sind gut restauriert, aber zwischendrin ist immer mal wieder eines, das noch nicht saniert wurde.

  • Udine - Via Mercatovecchio
  • Udine - Via Mercatovecchio
  • Udine - Via Mercatovecchio
  • Udine - Piazza Giacomo Matteotti
  • Udine - Piazza Giacomo Matteotti
  • Udine - Piazza Giacomo Matteotti
  • Udine Altstadt
  • Udine - Dom

Wer wie wir auf dem Platz des 1. Mai geparkt hat, dem sei noch eine Essenslocation empfohlen. „Love Street Food“ (nur Facebook) direkt am Park wird von Studierenden, Geschäftsleuten und Touristen gleichermaßen gut besucht und bietet Sitzplätze im Schatten, schnellen Service und leckeres sowie günstiges Essen (Fritto Misto, Tartines etc). Liebhabern der gehobenen Küche empfehlen wir im Umland von Udine die Ostarie dal Palut (familiäre Atmosphäre, schönes Ambiente, typisch friulanische Küche). Oder – noch gehobener – die zwei Restaurants des La di Moret, nicht von der hässlichen Umgebung abschrecken lassen, das Essen und der Service im „Fogolar“ waren großartig.

Spilimbergo – Stadt der Fresken und des Mosaiks

Ein weiteres lohnenswertes Ziel in der Umgebung ist Spilimbergo – die Stadt des Mosaiks –, mit der weltweit einzigen Mosaikschule. Aber das Kleinstädtchen bietet weit mehr, zum Beispiel zahlreiche mit bunten Fresken verzierte Gebäude. Die ersten finden wir am und im gotischen Dom (Duomo Santa Maria Maggiore), den wir über ein wunderschönes Steinportal betreten. Im Inneren und auch in der (romanischen) Krypta findet ihr weitere Fresken. Der Domplatz wirkt für meinen Geschmack fast etwas zu „geschleckt“, aber auch hier entdecken wir Gebäude im Stil der venezianischen Gotik, Merkmal der gesamten Region.

  • Spilimbergo - Santa Maria Maggiore
  • Spilimbergo - Santa Maria Maggiore
  • Spilimbergo - Santa Maria Maggiore
  • Spilimbergo - Santa Maria Maggiore
  • Spilimbergo - Santa Maria Maggiore
  • Spilimbergo - Palazetto del Daziario

In unmittelbarer Nähe zum Domplatz liegt das Schloss des Kärtner Adelsgeschlecht der Spengenberg (ja, da kommt auch der Stadtname her). Warum das hübsche Bauwerk auch Palazzo Dipinto (bemalter Palast) genannt wird, erschließt sich sofort: Die Fassade ist mit zahlreichen bunten Fresken dekoriert und absolut sehenswert. Weitere mit Fresken bemalte Häuser entdecken wir bei unserem Spaziergang durch den hübschen Ortskern.

  • Spilimbergo - Castello
  • Spilimbergo - Castello
  • Spilimbergo - Castello
  • Spilimbergo
  • Spilimbergo
  • Spilimbergo

Etwas abseits der Altstadt liegt besagte Mosaikschule, die einzige ihrer Art weltweit. Sie besteht überraschenderweise erst seit 1922, die Kunstrichtung hat allerdings natürlich historisch viel ältere Wurzeln in der Region. Kleiner Spoiler: Im weiteren Reiseverlauf wird uns dies höchst eindrucksvoll in Aquileia vor Augen geführt. Im Innenhof stehen zahlreiche Kunstwerke, in den Räumlichkeiten lassen sich Studierende bei ihrer Arbeit bestaunen. Unser Fazit: Auch Spilimbergo solltet ihr bei einer Reise in diese Region definitiv besuchen!

  • Spilimbergo
  • Spilimbergo - Mosaikschule
  • Spilimbergo - Mosaikschule
  • Spilimbergo - Mosaikschule
  • Spilimbergo - Mosaikschule

Cividale del Friuli: Teufelsbrücke und Langobarden-Tempel

Ein weiteres absolut lohnenswertes Ziel ist das ebenfalls als „Borghi piu Belli d’Italia“ ausgezeichnete Cividale del Friuli. Wir parken auf der Flussseite jenseits der Altstadt und können so gleich das erste Highligth genießen: die Ponte Del Diavolo über den Natisone. In Teilen besteht diese (wiederholt teilweise zerstörte) Brücke schon seit 1442, sie schwingt sich in über 22 Metern Höhe über den Fluss. Den besten Blick habt ihr hinter der Chiesa San Martino vom „Belvedere sul Natisone“, samt Herz-Fotorahmen (allerdings zum Longobarden-Tempel und nicht zur Brücke).

  • Cividale del Friuli - Ponte del Diavolo
  • Cividale del Friuli - Aussichtspunkt

Über die Brücke geht es in die Altstadt, wo wir uns zunächst einen Caffé samt Cornetto im „San Marco“ gönnen. Hinter uns liegt das Rathaus (Palazzo Communale), vor uns der Duomo und dazwischen steht Julius Caesar (übrigens namensgebend für den mittleren Bestandteil der Region Friaul-Julisch Venetien) mit einer Schildkröte. Letztere begegnet uns überall in Cividale, ob auf der Brücke oder später im Museum des Longobarden-Tempel. Google hilft auch nicht wirklich weiter, sie gehört halt offenbar einfach zu Cividale dazu.

  • Cividale del Friuli - Palazzo Communale und Julius Caesar
  • Cividale del Friuli - Duomo und Julius Caesar

Hauptattraktion des Städtchens ist der Langobarden-Tempel (Tempietto Longobardo) im Kloster von Santa Maria in Valle, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Wir erstehen Tickets und begeben uns ins Innere des Klosterkomplexes. Zunächst durchlaufen wir Räumlichkeiten des Benediktinerinnen-, später Ursulinerinnen-Klosters samt Klosterzellen und einem Museum, in dem unter anderem zahlreiche Plastiken mit noch zahlreicheren Schildkröten präsentiert werden. Wirklich interessant und das Kernstück der Klosteranlage bildet der so genannte Langobarden-Tempel, eine Kapelle aus dem 8. oder 9. Jahrhundert. Um seine Entstehung ranken sich diverse Mythen und Geschichten, auch was die Beteiligung des namensgebenden germanischen Volksstamms der Langobarden betrifft. Sicher ist aber, dass die Kapelle ein herausragendes Beispiel kirchlicher Architektur des Hochmittelalters und sehr beeindruckend ist mit ihren Fresken und Großreliefs weiblicher Gestalten („Prozession der Jungfrauen und Märtyrerinnen“) in langen Gewändern. Erstaunlich, was sich über die Jahrtausende hier erhalten hat!

  • Cividale del Friuli - Tempietto Longobardo
  • Cividale del Friuli - Tempietto Longobardo
  • Cividale del Friuli - Tempietto Longobardo
  • Cividale del Friuli - Tempietto Longobardo
  • Tempietto Longobardo
  • Cividale del Friuli
  • Museum mit Schildkröte

Doch auch über den Langobarden-Tempel hinaus gibt die mittelalterlich geprägte Altstadt mit ihren Kopfsteinpflastern ein hübsches Bild ab. Lasst euch treiben und von der Atmosphäre verzaubern, wie wir!

  • Cividale del Friuli
  • Cividale del Friuli
  • Cividale del Friuli
  • Cividale del Friuli

Fagagna und San Daniele

Nur zufällig sind wir auf der Durchfahrt nach San Daniele auf eine kleine Vogeloase gestoßen: die Störche von Fagagna. Auf einmal waren sie überall: auf den Feldern, am Himmel und auf fast jedem Dach. Es gibt sogar eine eigene Karte über den Ort, auf dem alle Nester verzeichnet sind. Und im kleinen Schutzgebiet Oasi dei Quadris können sie und weitere Vogelarten besichtigt werden.

  • Störche von Fagagna
  • Störche von Fagagna
  • Störche von Fagagna
  • Störche von Fagagna

Nach einem kurzen Storchen-Zwischenstopp sind wir weitergefahren zu unserem eigentlichen Ziel, nach San Daniele. Die Stadt ist vor allem bekannt wegen ihres Schinkens. Obwohl uns von all den genannten Orten San Daniele am wenigsten beeindruckt hat, lohnt sich doch ein Gang durch die Altstadt, zum Beispiel um das kleine Kirchlein Sant’Antonio anzuschauen. Hier sind mit die schönsten und farbenprächtigsten Fresken des Friauls zu sehen, weshalb das Kirchlein auch den Beinamen „Sixtinische Kapelle des Friauls“ trägt. Das weckt vielleicht etwas überzogene Erwartungen, aber macht euch selbst ein Bild.

  • San Daniele - Chiesa di Sant'Antonio
  • San Daniele - Chiesa di Sant'Antonio
  • San Daniele - Chiesa di Sant'Antonio
  • San Daniele - Duomo di San Michele Arcangelo

Von den Julischen und Karnischen Alpen aus haben wir das Friaul betreten und die Gebirgskette begleitet uns jeden Tag, sie ist von überall sichtbar. Mal bilden sie die Kulisse der Maisfelder für die Polenta, mal für den Wein, mal den Frischluft-Lieferant für den San Daniele Schinken. Von all diesen wird im „Food-Blog“ die Rede sein – ihr dürft gespannt sein!

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