Zwei Tage in Prag – Stadt der vielen Namen

„Goldene Stadt“, „Stadt der hundert Türme“, „Paris des Ostens“ oder „Partyhochburg“ – die tschechische Hauptstadt hat viele Spitznamen. Tatsächlich waren wir vor 30 Jahren letztmalig hier, weil wir uns wegen Dauerregens im Bayerischen Wald anderweitig vergnügen wollten und mussten. Tagestouren ins nahe Tschechien waren seinerzeit (und sind heute) eine gute Alternative. Ich fand Prag damals „ganz nett“, aber – ganz bestimmt auch wegen des Dauerregens – habe ich beim ersten Besuch mein Herz hier nicht verloren. Dieses Mal werden wir knapp zwei Tage hier verbringen, hoffentlich regenfrei, und ich war sehr gespannt, wie die Stadt heute auf mich wirken würde.

Bei den Vorab-Recherchen fiel mir auf, wie viele Spitznamen Prag hat. Für die „Goldene Stadt“ gibt es diese Erklärungen: die bei Sonnenlicht goldfarben schimmernden Sandsteintürme oder noch „goldiger“, die Vergoldungsaktion der Prager Burgtürme durch Kaiser Karl IV., die einst prächtig über der Stadt thronten. Hm. Das legen wir mal nicht auf die Goldwaage, für mich ist das nicht sooo überzeugend, dafür aber sicherlich werbewirksam. Auch die „hundert Türme“, mitunter ist sogar von „tausend“ die Rede, empfinde ich nicht als explizit typisch, auch wenn das historische Stadtbild noch turmlastiger gewesen sein soll als es das heutige ist. Mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass wir gerade in Bologna waren – das ist eine Stadt, die wahrlich von Türmen geprägt ist. Als „Paris des Ostens“ gilt Prag wegen seiner reichen Geschichte und Kultur sowie seiner eleganten Architektur – doch diesen Spitznamen teilt sich die Stadt mit anderen osteuropäischen Städten, beispielsweise Budapest oder Bukarest. Also ist auch dieser Name eher das Werk findiger Marketing-Strategen?

Voller Geschichte und Kultur

Fakt ist jedoch: Prag ist eine Stadt voller Geschichte und Kultur. Sie gilt als einer der Lieblingsorte Mozarts, der einst gesagt haben soll: „Meine Prager verstehen mich“. Hier liebten ihn die Zuschauer, ganz im Gegensatz zum Wiener Adel. Das nicht nur aus Adeligen bestehende Prager Publikum feierte seine „Hochzeit des Figaro“ wie kein anderes, hier vollendete der Komponist seine große Oper Don Giovanni, die hier auch uraufgeführt wurde. Prag ist auch das Zuhause von Franz Kafka, auf dessen Spuren man überall in der Stadt trifft. Kafka hat nicht nur die meisten seiner Werke hier geschrieben. Er wurde in Prag geboren, ging hier zur Schule, besuchte die hiesige Universität und arbeitete bei einer Versicherungsgesellschaft. Sein Geburtshaus am Altstädter Ring, das Kafka-Museum auf der Kleinseite, das Franz-Kafka-Denkmal (Dusni), Franz Kafkas sich drehender Kopf von David Cerny, die METALmorphosis (beim Einkaufszentrum Quadrio) – das sind nur einige Beispiele, die wir bei unserem Stadtrundgang besuchen werden.

Partyhochburg, Bierstadt und Restaurantvielfalt

Zum Thema Partyhochburg kann ich persönlich nicht allzu viel sagen. Aber Prag ist bekannt für seine vielen Clubs, Bars und Pubs, wo es sich vergleichsweise günstig feiern lässt. Der Karlovy Lázně unweit der Karlsbrücke beschreibt sich selbst als den größten Clubs Mitteleuropas, es gibt unzählige Partymeilen in der Stadt, die für jeden Geschmack etwas bieten. Und eines fällt uns schon bei den ersten Schritten durch die Stadt auf: Insbesondere Junggesellinnen- und Junggesellen-Abschiede sind hier allgegenwärtig.

Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass in Prag das Bier kaum teurer ist als Wasser, mitunter sogar günstiger. Ein nicht wirklich überraschender Fun-Fact: Die Tschechen trinken weltweit das meiste Bier, 128 Liter pro Kopf sollen es im Jahr 2023 durchschnittlich gewesen sein. Deutschland liegt auf dem dritten Platz, hinter Österreich. Die bekannteste Pivo-Sorte ist das Pilsner mit seinem hohen Hopfenanteil, das aus der böhmischen Stadt Pilsen stammt. Neben dem Pilsner Urquell ist eine weitere allgegenwärtige Biermarke das Kozel, zu deutsch Ziegenbock, ebenfalls ein Lagerbier. Prags große Traditionsbrauerei ist Staropramen. Wer alkoholfrei bevorzugt, entscheidet sich gerne für Birell.

Entsprechend gibt es in Prag unzählige große und kleine Bierlokale. Platzhirsch ist U Fleků, ein Touri-Schuppen schlechthin, bei dem die wartende Menge schon um die Mittagszeit mit Musik aus dem Inneren beschallt wird. Interessanter finde ich die zahlreichen Mikrobrauereien, die sich gegen die heute meist im internationalen Besitz befindlichen großen Biermarken stemmen. Ein günstiges tschechisches Restaurant, das auch von Einheimischen besucht wird, ist das Havelská Koruna. Ob hier oder woanders, diese tschechischen „Nationalgerichte“ findet ihr nahezu überall: Schweinebraten-Knödel-Kraut (Vepřo-Knedlo-Zelo) und „Käseschnitzel“ mit Remoulade, Smažený Sýr oder kurz Smazak. Der panierte Käse wird meist mit Pommes oder Kartoffeln serviert, ich bevorzuge Salat dazu, um nicht ins Fett-Koma zu fallen. Ebenfalls auf nahezu jeder Speisekarte zu finden ist Rindertartar (Tatarak) mit Zwiebeln und geröstetem Brot.

  • Schweinebraten - Knödel - Kraut
  • Frittierter Käse (Smazeny Syr)
  • Rindertartar (Tatarak)
  • U Fleku in Prag

Und wenn wir schon bei kalorienreich sind, so darf eine Süßigkeit nicht fehlen: Trdelnik oder Trdlo. Den gibt es im jüdischen Viertel Josefov sogar „koscher“. Dieser auf einem Drehspieß über heißen Kohlen gegrillte Baumkuchen („Chimney Cake“), der uns schon in Budapest begeistert hat (dort allerdings deutlich günstiger war), wird in Tschechien oft mit Eiscreme gefüllt. Stichwort Zucker-Koma. Danach hilft nur noch ein Gläschen Becherovka, von dem später noch die Rede sein wird.

  • Koschere Trdelnik in Josevof
  • Trdelnik
  • Ein Becherovka zur Verdauung

Es sei aber natürlich auch gesagt, dass es in Prag viele internationale und moderne Restaurants gibt. Gehobene tschechische Küche verspricht das Portfolio Restaurant, das wir sehr empfehlen können. Steakliebhaber werden im Gran Fierro glücklich. Eines steht fest: Verhungern wird in Prag niemand!

Derart gestärkt kann der Stadtrundgang beginnen! Und nach unseren Touren kann ich bestimmt auch sagen, für was Prag in meinen Augen steht und wie es mir dieses Mal gefallen hat.

3 Antworten auf „Zwei Tage in Prag – Stadt der vielen Namen

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  1. Prag erfordert zahlreiche Besuche. Die Stadt ist ungeheuer vielfältig, das ist nicht an einem oder zwei Tage zu schaffen. Leider hat die traditionelle Küche ein bisschen verloren – z. B. di3 Knödelvielfalt. Das liegt nicht zuletzt an den Fritten, die sich immer mehr breit machen.

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    1. Ich gebe dir vollkommen recht, Peter, Prag erfordert viele Besuche. Aber dennoch bin ich der Meinung, dass wir in unseren zwei Tagen einen recht guten ersten Einblick bekommen haben. Kannst du ja bald auch nachlesen!

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