Sizilianisches Streetfood und andere Köstlichkeiten

Ein Großteil unserer Urlaubsvergnügen besteht darin, die lokalen Köstlichkeiten zu genießen. Das gilt ganz besonders in Italien! Auch auf Sizilien kommen alle auf ihre Kosten und wir schlemmen uns begeistert durch die Küche der größten Mittelmeerinsel Europas. Sie wurde von den Einflüssen vieler Kulturen im Lauf der Geschichte geprägt, insbesondere den Arabern, die beispielsweise den Reis mitbrachten. Wichtigste Zutaten heute sind – wenig verwunderlich – Fisch und Meeresfrüchte, sowie die landwirtschaftlichen Produkte, die die Insel hervorbringt, wie Tomaten, Oliven, Zitrusfrüchte und Mandeln.

Ein guter Ort, um alles Mögliche zu probieren, ist einer der palermitanischen Märkte (siehe auch: Palermo: facettenreiche Hauptstadt Siziliens). Wir tun dies auf dem Mercato di Ballarò, der die Herzen von Streetfood-Liebhabern höher schlagen lässt. Zwar ist der Markt sehr touristisch, aber die Präsentation der Gerichte auf kleinen Tellerchen erleichtert die Auswahl!

Der sizilianische Streetfood-Klassiker Nummer 1 sind Arancini, frittierte und gefüllte Reisbällchen. Sie haben – zumindest in und um Palermo, anderswo auf Sizilien sind sie länglich – die runde Form und auch die Farbe von Orangen, italienisch Arancia, daher der Name. Es gibt sie mit unendlich vielen Füllungen, oft werden sie mit Ragù (Hackfleisch) zubereitet, oder mit Schinken und Käse, aber auch mit verschiedenen Gemüsesorten, beispielsweise Spinat. Sie sind so beliebt, dass sie mittlerweile nicht nur in fast allen Restaurants zu haben sind, sondern auch in einer eigenen Fast-Food-Kette, Sfrigola, die demnächst ihre erste Filiale in London eröffnet.

Frittieren tun die Sizilianer gerne, insbesondere auch Fisch. Ein weiterer Streetfood- und Restaurant-Klassiker ist „Fritto Misto di Pesce“ oder „Frittura di Pesce„, frittierte gemischte Fische und Meeresfrüchte, insbesondere Calamari. Das ist jedoch nicht typisch sizilianisch, sondern nahezu überall in Italien, zumindest in Meernähe, erhältlich. Wir lieben es! Die Tintenfische sind auch in anderer Form, als Oktopussalat oder gegrillt, nicht aus der sizilianischen Küche wegzudenken und oft in den Auslagen der Restaurants zu finden. Eine andere Tintenfischart, die Sepien, sorgen mit ihrer „Tinte“ für die typisch schwarze Farbe der Spaghetti al Nero di Seppie. Eine tatsächlich typisch sizilianische Fisch-Spezialität ist Couscous di Pesce oder Couscous di Mare, die Nähe zu Nordafrika lässt grüßen. Der Hartweizengries wird in Fischbrühe gekocht, die oft auch zum „Nachgießen“ zum Essen dazu gereicht wird. Der Fisch befindet sich entweder im Couscous, oder als Topping (gerne auch frittiert) oben drauf. Darüber hinaus hat der Thunfischfang eine lange Tradition auf Sizilien, wovon noch heute zahlreiche historische Thunfischfabriken zeugen. Thunfisch und auch Schwertfisch steht ebenfalls auf vielen sizilianischen Speisekarten. Eine interessante Speise auf dem Balharò-Markt waren Fischklöschen mit Rosinen mit süßlich eingelegten Zwiebeln.

Auch Gemüse wird gerne frittiert und zwar nicht nur, wie auch andernorts üblich, einzelne Gemüsestücke bzw. -scheiben (Auberginen, Zucchini, Paprika etc). Typisch sizilianisches Streetfood sind Panelle, frittierte Kichererbsenfladen und Crocchè, fritierte Kartoffelkroketten mit Petersilie. Natürlich gibt es auch unfrittierte Gemüsespeisen. Ein typisches und sehr leckeres „Antipasti-Gericht“ ist Caponata, süßsauer zubereitetes Schmorgemüse. Wichtigste Zutaten sind Auberginen, Zwiebeln und meist auch Sellerie sowie irgendeine Art von Nüssen (Mandeln oder Pinienkerne). Auch Paprika, Zucchini, Kapern und Oliven werden manchmal beigemischt. Das Geheimnis ist der lang andauernde Einkochprozess mit Zucker oder Honig und das Ablöschen mit Essig am Ende. Eine weitere typische Gemüsesorte ist der im Winter und Frühjahr geerntete, leicht bittere Radicchio, der entweder als Salat, auf Sizilien gerne mit Mandeln, oder als gegrilltes Gemüse gegessen wird.

Fleisch haben wir auf Sizilien vergleichsweise selten gegessen. Lasagne al Ragù ist natürlich fast überall erhältlich und wegen der sehr geschmacksintensiven Tomaten extrem lecker. Ein (leider nicht fotografierter) Höhepunkt eines Mittagessens waren Pappardelle mit Wildschwein-Ragout – köstlich! Eine Offenbarung auf dem Balharò-Markt, die wir später in Metzgereien wiedergefunden haben, sind mit Speck ummantelte, gegrillte Frühlingszwiebeln, auf sizilianisch Cipudduzza frisca co’ speck. Auf weniger Gegenliebe stieß auf dem gleichen Markt Pani ca Meusa, gekochte, danach frittierte, fein geschnittene Milz- und Lungenscheiben von Kalb oder Rind in einem Brötchen. Wird mit Zitrone beträufelt und mit Caciocavallo-Käse belegt, schmeckt nach nicht sonderlich viel, außer nach Zitrone und dem Käse.

Natürlich dürfen auch sizilianische Pasta-Gerichte nicht fehlen. Ganz typisch für Westsizilien sind die sehr leckeren, fusilli-ähnlichen, gedrehten Busiate-Nudeln. Durch ihre Form nehmen sie viel Sauce und damit Geschmack auf, das liebt die Schwäbin! Busiate alla Trapanese werden mit einem Pesto aus Tomaten, Knoblauch, Basilikum, Olivenöl und Mandeln zubereitet, sehr lecker! Die örtliche Pizza-Variante heißt Sfincione, ein leicht süßlicher, im Vergleich zu Pizza deutlich dickerer, Hefeteig wird mit Tomatensugo bestrichen und mit lokalem Käse belegt, oft finden sich auch Sardellen darauf.

Und ist das alles geschafft, warten noch die sizilianischen Süßspeisen, von denen es nicht zuletzt dank arabischer Einflüsse einige gibt! Platz 1 im Bekanntheitsgrad nehmen Cannoli (Einzahl: Cannolo) ein, eine frittierte (schon wieder!) Teigrolle, die mit einer extrem zuckerhaltigen Ricotta-Creme gefüllt ist, getoppt von Pistazienstücken auf der einen und Schokostücken mit einer Kirsche auf der anderen Seite. Mir sind sie zu süß und mächtig. Schon etwas besser fand ich die aus Trapani kommenden Cassatelle Fritte, eine Art süße, gefüllte Riesen-Ravioli. Ihr Teig wird mit einem Schuss Marsala zubereitet und die Füllung besteht ebenfalls aus Ricotta-Creme, manchmal auch mit Schokostückchen, aber immer mit deutlich weniger Zucker als bei den Cannoli. Andere Teilchen enthalten eine Zitronencreme, auch das ist mir deutlich lieber. Noch lieber sind mir die zahlreich vorhandenen Mandelgebäcke. Wer sich hier „austoben“ will, dem sei die Pasticceria von Maria Grammatico in Erice empfohlen. Am meisten begeistern mich die „Granite„, eine halbgefrorene sorbetähnliche Süßspeise, bestehend aus Fruchtsaft (oder fein gemahlenen Nüssen), Wasser und Zucker. Die klassische Variante ist die Granita al Limone, serviert im Kelchglas mit Löffel. Neben der Geschmacksrichtung Zitrone werden am häufigsten Erdbeere (fragola), Mandel (mandorla) und Pistazie (pistacchio) angeboten. Nicht nur an heißen Sommertagen sind Granite ein Genuss!

Zum Abschluss noch ein paar Worte zu den Getränken. Neben der Region um den Ätna in Ostsizilien ist auch die Region um Trapani – Marsala bekannt für ihren Weinbau. Straßenschilder weisen auf die „Strada di Vino Erice DOC“ zwischen Trapani und San Vito Lo Capo hin, deren weitere Vermarktung allerdings etwas zu wünschen übrig lässt (der Homepage-Link führt z.B. ins Leere). Angebaut werden insbesondere die Rebsorten Nero d’Avola, Grillo und Cataratto, alle drei werden auch für die Produktion des Dessertweins Marsala verwendet. Solltet ihr Weintastings ins Auge fassen, so bringt entweder einen nicht-alkoholtrinkenden Fahrer mit oder kommt in der Hauptsaison. Was habe ich nicht alles für tolle Angebote gefunden, von Weinproben im Minibus oder von Weinbauern, die regionale Menüs mit Weinbegleitung in ihren Weinbergen anbieten, samt Shuttle-Service zur Unterkunft. Doch das alles gibt es leider nicht in der Nebensaison, zu schade. Wir müssen uns also mit einem Gläschen zum Essen oder einem Schluck Marsala als Nachtisch begnügen – oder das Fläschchen ohne Erklärung auf unserer Terrasse genießen. Auch Bierliebhaber kommen übrigens auf ihre Kosten. Die gängigste Sorten sind Varianten des MessinaBieres, z.B. das „Birra Messina Cristalli di Sale„. Dem unfiltrierten Bier wird eine Prise Meersalz aus Trapani hinzugesetzt, klingt komisch, hebt aber die Aromen hervor.

Und wenn wir schon beim „weißen Gold Siziliens“ sind: Wenn ihr in Westsizilien unterwegs seid, so besucht unbedingt die Salinen von Trapani (siehe auch: Rund um Trapani: Von Salz, Süßigkeiten und (Süß-)Wein). Ihr könnt euch hier nicht nur anschauen, wie das Meersalz auf natürliche Weise gewonnen wird, sondern natürlich auch das IGP-klassifizierte (Indicazione Geografica Protetta) Endprodukt erwerben.

Mein allerletzter Tipp gilt dem „gelben Gold“ Siziliens, dem Olivenöl. Italien ist nach Spanien weltweit der zweitgrößte Olivenöl-Produzent (Tendenz allerdings fallend), ein Großteil des Öls wird in Süditalien hergestellt (Sizilien, Apulien, Kalabrien, Kampanien). Auf Sizilien tragen die Olivenöle mehrerer Anbaugebiete das Gütesiegel „geschützte Ursprungsbezeichnung“ der EU, sie sind erkennbar am DOP-Siegel (denominazione di origine protetta), einem rot-gelben Kreis mit Zackenkranz. Die Produktion liegt mehrheitlich in der Hand von Kleinbauern, oftmals kultivieren diese Weinreben und Olivenbäume gleichermaßen. Das hat den Vorteil, dass Weinproben des Öfteren mit Olivenöltastings einher gehen. Da ich kein „Süßschnabel“ bin, habe ich (außer den zu Recherchezwecken konsumierten süßen Teilchen) den ganzen Urlaub über zum Frühstück am Liebsten in Olivenöl getunktes Brot gegessen, das uns unsere reizenden Vermieter ins Ferienhaus gestellt hatten. Köstlich!

Und darüber hinaus geht mir das Herz auf, wenn ich eine Landschaft mit Olivenhainen sehe. Insbesondere jetzt im Frühjahr, wo im Unterbewuchs oftmals die Blumen blühen. Bei so einem Anblick komme ich sofort in Urlaubsstimmung!

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