Einen unserer Osterurlaubstage verbringen wir in und um die Stadt Trapani im äußersten Nordwesten Siziliens. Wir starten unsere Tour im mittelalterlichen Erice, fahren weiter zu den Salinen von Trapani, besuchen die 7. größte Stadt Siziliens und genießen die umgebende Landschaft mit ihren Weinbergen und Olivenhainen.
Das mittelalterliche Erice
Schon von weitem ist die Altstadt des Kleinstädtchen Erice zu sehen, hoch oben auf einem Berg. Seit der Antike ist dieser Ort aufgrund seiner strategischen Lage besiedelt, das damalige Eryx war eine der drei wichtigsten Städte im Reich der Elymer (siehe auch: Antike Städte in Westsizilien: Selinunt und Segesta). Nach einer wechselvollen Geschichte mit unterschiedlichen Besatzungsmächten blühte das Städtchen unter normannischer Herrschaft im Mittelalter auf, ein Kastell, Kirchen, Klöster sowie die Stadttore sind Zeugen aus dieser Zeit. Heute leben nur noch wenige Einwohner hier, die Altstadt hat fast schon einen musealen Charakter und ist das Ziel vieler Tagesausflügler.
Während der Saison führt eine Seilbahn von Trapani den Berg hinauf. Jetzt in der Vorsaison wird diese gewartet, weshalb wir über unzählige Serpentinen nach oben fahren. Egal ob ihr euch aus Richtung Castellammare oder Trapani nähert, die Straßen nach oben bieten fantastische Ausblicke ins Umland und über das Meer! Oben angekommen gibt es einige Parkplätze, die schon in der Vorsaison rasch besetzt sind – Verkehrschaos insbesondere durch die Reisebusse ist vorprogrammiert. Zum Glück sind wir früh da!
Durch eines der Stadttore, die Porta Trapani, geht es in die mittelalterlichen Gässchen. Gleich dahinter liegt der freistehende Glockenturm Torre di Re Federico der Hauptkirche Erices, der Chiesa Madre. Beides kann gegen Gebühr besichtigt werden. Wir schlendern gemütlich durch die mittelalterlichen kopfsteingepflasterten Gassen, vorbei an weiteren Kirchen und Klöstern bis zum Rathausplatz. Wenig erstaunlich gehört Erice zu den borghi più belli d’Italia, den schönsten Örtchen Italiens.
Durch die Porta Carmine gelangen wir ins „Spanische Viertel“ und genießen von hier aus den Blick zurück auf das Städtchen sowie die Aussicht über die Bucht bis zum Monte Cofano und zur Zingaro-Halbinsel, beides über die blumenbedeckten Wiesen hinweg.
Der zweite, und noch spektakulärere Aussichtspunkt liegt am andere Ende der Altstadt, an deren höchstem Punkt, beim Giardino di Balio und der normannischen Burg Castello di Venere. Von hier aus blickt ihr zum einen in die gleiche Richtung wie vom Spanischen Viertel aus, in Richtung Zingaro. Zum zweiten schaut ihr auf das Hinterland und auf ein kleines Schlösschen, das hier am Hang „klebt“, die Torretta Pepoli. Beide waren bei unserem Besuchszeitpunkt nicht geöffnet, aber die Aussicht von hier ist fantastisch! Einmal „um’s Eck“ gelaufen, könnt ihr zum dritten auf die Stadt Trapani mit ihren Salinen blicken.
Nach so viel Kopfsteinpflaster können wir eine Stärkung gut vertragen. Zahlreichen Empfehlungen folgend, begeben wir uns in die Pasticceria von Maria Grammatico. Als Halbwaise wuchs Maria im Kloster auf und lernte dort das Konditorenhandwerk. Ausgestattet mit einem Startkapital von drei Kilo Mandeln eröffnete sie Anfang der 70er Jahre in Erice eine Konditorei und ist heute eine Institution in Sachen Mandelgebäck. Die über 80-jährige steht immer noch selbst in der Backstube und hinter dem Tresen, auch wir sehen sie. Und ihr Mandelgebäck ist köstlich!
Die Salinen von Trapani
Wie wir schon von Erice aus sehen konnten, liegt südlich von Trapani bis zur nächsten Stadt Marsala ein Gebiet mit vielen Salzmarschen und Salinen. Seit 1995 ist dieses Naturreservat geschützt und trägt den Namen „Riserva naturale orientata Saline di Trapani e Paceco“. In den Salzmarschen leben viele, teils sehr seltene salztolerante Pflanzen (Halopyhten) und zahlreichen Vogelarten, darunter viele Zugvögel, die auf ihrem Weg von und nach Nordafrika hier rasten. Wir sehen eine Schar Flamingos!
Die Salzmarschen sind nicht nur ein Naturreservat, sondern auch eine alte Kulturlandschaft, die in Teilen heute noch genutzt wird. Wir steuern das Salinenmuseum der Familie Culcasi in Nubia an, wo die Geschichte des „weißen Goldes“ erzählt wird. Damals wie heute wird das Salz durch natürliche Verdunstung in den einzelnen Becken gewonnen. Die überall in der Landschaft stehenden Salzwindmühlen haben gleich zwei Funktionen: Sie pumpen das Salzwasser von einem Becken ins andere und mahlten außerdem das Salz. Neben dem Salzmuseum kann auch ein Rundweg durch die Salinen gemacht werden („Route of Saltworker“), der entlang der Becken und zu einem der vielen Salzhügel führt. Natürlich kann das Salz auch käuflich erworben werden, es hat sogar eine IGP-Klassifizierung (Indicazione Geografica Protetta).
Trapani: authentischer Charme ohne Touristen
Nach all den touristischen Stätten, die wir gesehen haben, tut es zur Abwechslung mal ganz gut, eine weniger touristische Stadt zu besuchen. Von Erice aus scheint Trapani auch wenig attraktiv mit seinen dominanten mehrgeschossigen Wohnungsbauten, die nach einer fast kompletten Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Im Inneren entpuppt sie sich als lebhaftes Städtchen mit der Flaniermeile Corso Vittorio Emanuele entlang von hübsch renovierten Bürgerhäusern, mit dem ein oder anderen Kleinod wie einem wunderschöner Buchladen. Den Anfang der Flaniermeile bildet das ehemalige Stadttor Porta Oscura mit dem markanten Uhrturm Torre dell’Orologio. Wir sind jetzt in der Vorsaison gefühlt fast die einzigen Touristen in dieser Stadt!
Seit jeher war Trapani ein wichtiger Handelshafen mit dem nahen Nordafrika. Das spiegelt sich heute noch in der Kulinarik: In vielen Restaurants gibt es Couscous, meinst in der Variante Couscous di Pesce, also mit Fisch. Bei diesem in der Lokalsprache Cùscusu genannten Gericht wird der Hartweizengries in einer Fischbrühe gekocht und oft auch mit ein bisschen Fischbrühe serviert. Weitere fischige Bestandteile finden sich entweder im Couscous oder werden, wie in der Osteria A Nassa in Trapani, als Topping in Form von frittierten Mini-Fischen über dem Couscous serviert. Auch darüber hinaus ist Fisch hier das Hauptnahrungsmittel, „Fritto Misto“ mit frittierten Calamari, Sardinen, Garnelen und sonstigen Fischen gibt es an jeder Ecke. Ein weiteres typisches Gericht sind Busiate alla Trapanese, eine spezielle gedrehte Nudelsorte mit einer Sauce aus Tomaten, Mandeln, Knoblauch und Olivenöl.
Die Gegend um Trapani ist auch ein berühmtes Weinanbaugebiet. Hauptsächlich werden die Rebsorten Nero d’Avola (rot) sowie Grillo und Cataratto (weiß) hier angebaut. Alle drei sind auch Rebsorten, die für die Herstellung des bekannten Dessertweins Marsala zulässig sind (die Hafenstadt Marsala liegt südlich von Trapani). Ganz schlechtes Timing, wenn ihr – so wie wir – in der Vorsaison hier seid, falls ihr keinen nicht-weintrinkenden Autofahrer habt. In der Saison gibt es tolle Angebote für Weintasting-Touren im Minibus oder Shuttleservice von den Weingütern in die Unterkunft, wo jede/r nach Herzenslust und ohne Gefahr des Führerscheinverlusts trinken kann. Doch alleine macht mir das keinen Spaß und so bleibt es bei einem Gläschen zum Essen oder einem Marsala als Nachtisch.
Zum Abschluss des Tages lassen wir noch einmal die Landschaft auf uns wirken. Ich werde nicht müde zu betonen, wie grün Sizilien gerade im April ist. Mir geht das Herz auf in dieser Landschaft, alle Welt schaut in die Toskana, doch hier gefällt es mir landschaftlich genauso gut!
Und ein ganz Großer stimmt mir zu, Goethe, der ebenfalls im April (1787) auf Sizilien (in Palermo) weilte, schrieb: „Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist erst der Schlüssel zu allem.“ Und er führte weiter aus: „… die Gartenfrüchte sind herrlich,… . Das Öl, der Wein, alles sehr gut, und sie könnten noch besser sein, wenn man auf ihre Bereitung mehr Sorgfalt verwendete. Fische die besten, zartesten.„
Bleibt mir nur noch zu ergänzen, dass sie das mit dem Öl, dem Wein und sonstigen Spezialitäten in der Zwischenzeit hervorragend hinbekommen. Davon könnt ihr euch im Sizilien-Kulinarik-Blog überzeugen!










































Klingt sehr schmackhaft, was ihr da kulinarisch erlebt habt
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Dann warte, erst einmal ab, wenn der Kulinarikblog kommt! Der „schmeckt“ dir dann hoffentlich auch!
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