Osterurlaub auf Westsizilien in Castellammare del Golfo

Unser diesjähriger Osterurlaub führt uns auf Europas größte Mittelmeerinsel: Sizilien. Wir entscheiden uns für den Zielflughafen Palermo und wohnen in einem ruhigen Ferienhaus-Wohngebiet vor den Toren von Castellammare del Golfo. Nach 40 Minuten mit dem Mietwagen erreichen wir unser Häuschen und freuen uns über den direkten Blick auf die Nordküste der Insel mit der Zingaro-Halbinsel.

Unser erster Ausflug führt natürlich nach Castellammare del Golfo, das wie der Name vermuten lässt an einem ausgedehnten Golf liegt. Direkt an der SS187 liegt auf der Anhöhe ein Aussichtspunkt, der die Stadt mit ihrem Hafen und die Bucht bei Tag und Nacht in ihrer ganzen Pracht zeigt!

  • Sizilien: Castellammare del Golfo

Castellammare ist ein sympathischer Ferienort mit etwa 15.000 Einwohnern. Er diente in der Antike als Hafen für die nahe gelegenen Städte Erice und Segesta der Erymer (von diesen berichte ich in extra Blogs). Unter arabischem Einfluss wurde die Stadt weiter entwickelt und eine Festung errichtet, an deren Stelle heute noch ein normannisches Kastell aus dem 14. Jahrhundert steht. Die hübsche Altstadt mit zahlreichen Restaurants, Cafés und Shops in den verwinkelten, kopfsteingepflasterten Gässchen erstreckt sich über eine kleine Landzunge. Sowohl an der Marina als auch auf der gegenüberliegenden Seite am Largo Petrolo, wo uns eine Statue von Padre Pio begrüßt und ein Denkmal für auf dem Meer gestorbene Seefahrer und Fischer steht, lässt sich das Essen oder ein Drink mit Aussicht auf’s Meer wunderbar genießen.

Ein „Fun Fact“ zu Castellammare – wobei der Begriff in diesem Fall wahrlich nicht zutreffend ist – besser wäre vielleicht eine interessante Nebenbemerkung: Googelt mal, wie viele amerikanische Mafiabosse aus Castellammare stammen. Da findet ihr illustre Namen wie Salvatore Maranzano, Giuseppe Aiello oder Giuseppe Bonanno, die sich alle im New Yorker „Krieg von Castellammare“ gegen die Mafiosi um Al Capone einen Namen gemacht haben.

Zurück zu den touristischen Highlights. Was die „Stadtstrände“ betrifft, so fanden wir diese nicht berauschend, aber in Ordnung. Direkt an der Marina liegt die Cala Petrolo, östlich der Stadt schließen sich diverse weitere teils mit Steinen/Kieseln durchsetzte Sandstrände an. Wie gesagt in Ordnung, aber nichts besonderes.

Hinsichtlich der Restaurantszene können wir drei Restaurants empfehlen: das Ristorante Petrolo am gleichnamigen Largo sowie die etwas gehobeneren Restaurants Rosmarina an der Marina und La Madrice inmitten der Altstadt. Wer Essen zum Mitnehmen sucht, findet eine gute und typisch sizilianische Auswahl im L’Antica Brace (Via Francesco Crispi) und im Sapori di Sicilia (direkt an der SS187), gute Take-away-Pizza bietet das Talè Che (Via Marina di Petrolo). Zu den Spezialitäten folgt natürlich – wie immer – ein eigener Blog!

Tonnara di Scopello

Wenig erstaunlich in dieser Lage, war für Castellammare seit jeher der Fischfang von wirtschaftlicher Bedeutung. Dies ist nicht nur an der Marina, sondern auch im Ortsteil Scopello mit seiner „Tonnara“ erkennbar. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Thunfischfabrik , die höchst malerisch direkt am Meer liegt. Ein klassischer Instagram-Foto-Post-Stop mit all seinen „Nebenwirkungen“: Besucher müssen zunächst für das Parken ihres Autos (an der SP63 in Richtung Zingaro Nationalpark, 10,- Euro) bezahlen und dann auch noch Eintritt für das Gelände selbst, das in privater Hand liegt. Die im Internet genannten Preise unterscheiden sich erheblich und steigen scheinbar jährlich, der Spitzenpreis liegt bei mindestens 15,-Euro (Stand Frühjahr 2025). Wir haben uns damit begnügt, das zugegebenermaßen sehr hübsche Fleckchen Erde von oben zu bewundern und sind anschließend weitergefahren zum Zingaro-Naturschutzgebiet.

Naturschutzgebiet Zingaro

Der SP63 weiter folgend, gelangen wir zum Südeingang des Zingaro-Naturschutzgebiets (Ingresso Sud della Riserva Naturale Orientata dello Zingaro). Ein weiterer, weniger stark frequentierter Eingang (Ingresso Nord) liegt im Norden der Halbinsel bei San Vito Lo Capo. Am Südeingang gibt es einen Parkplatz (keine Gebühr), der jedoch selbst jetzt zur Nebensaison schnell an seine Grenzen stößt – am besten also früh da sein! Wir zahlen gerne den Eintritt von 5,- Euro (Stand April 2025), erhalten eine Karte mit den Wanderwegen und Verhaltenshinweisen im Naturschutzgebiet und los geht’s!

Der Weg startet an einem Tunnel durch den Berg mit einem Eingangsschild und einem Denkmal vieler Leute, die auf den Tunnel zugehen. Eine Tafel verdeutlicht den Sinn: In den 1970er Jahren war eine Verlängerung der SS63 bis nach San Vito lo Capo geplant, einmal quer durch das heutige Naturschutzgebiet, der Tunnel war das erste Teilstück. Dagegen formierte sich eine Protestbewegung mit Höhepunkt am 18. Mai 1980, die glücklicherweise erfolgreich war und dies verhinderte. Seither ist das Gebiet streng geschützt – ein Segen, wie wir finden!

Hinter diesem Tunnel beginnen die diversen Wanderwege und wir nehmen den „Sentiero Costiero„, den Weg entlang der Küste. Und das können wir absolut empfehlen! Der Weg bietet tolle Ausblicke auf Küste und Meer und ist gerade jetzt im Frühjahr eine wahre Augenweide: Die grüne Vegetation, das türkis- bis tiefblaue Meer und die rotbraunen Kalkfelsen bilden einen tollen Kontrast. Dank mehrerer Regentage im März blüht aktuell alles, ich komme aus dem Bewundern, Bestimmen und Fotografieren gar nicht heraus! Ständig flitzen neugierige und wenig scheue Mauereidechsen fast über unsere Füße, eine schlanke schwarze Karbonarnatter (Hierophis viridiflavus) wird glücklicherweise ihrem Zweitnamen „Zornnatter“ nicht gerecht – sie gilt als sehr aggressiv -, unsere hier ergreift lieber die Flucht. Zu schnell für die Kamera! Absoluter Höhepunkt für mich sind drei Orchideenarten, die wir unterwegs finden: zwei Ragwurz-Arten und ein Knabenkraut. Dafür mussten wir nicht einmal den auch vorhandenen „Orchideen-Weg“ des Naturschutzgebiets laufen (er verläuft im Inneren der Halbinsel).

  • Italienisches Knabenkraut (Orchis italica)

Wir können einen Besuch und eine Wanderung im Naturreservat nur wärmstens empfehlen. Selbst wenn ihr euch nicht so sehr für Flora und Fauna interessiert, die Landschaft ist wunderschön und wäre es etwas wärmer, hätten wir sicher auch in einer der vielen Buchten im glasklaren Wasser gebadet. Der Küstenweg ist nicht schwierig, mindestens gute Turnschuhe, besser noch Wanderschuhe, sind aufgrund des teils unebenen Weges aber empfehlenswert. Angeblich, so das Schild am Eingang, werden Besucher in Flip Flops oder ähnlichem sogar abgewiesen.

Am Ende unseres Ausflugs besuchen wir noch das Städtchen San Vito lo Capo an der Spitze der Landzunge. Der knapp 5.000 Einwohner zählende Ort wird zur Hauptsaison von Touristen überflutet, das lässt uns zumindest die Ferienhausbebauung und touristische Infrastruktur vermuten. Jetzt in der Vorsaison wirkt der Ort eher verschlafen, viele Restaurants sind noch geschlossen. Der große Sandstrand, sogar mit ein paar Palmen, verkehrsberuhigte Bereiche zum Flanieren und eine kastellartig aussehende Kirche (Santuario di San Vito Martire), die Pilgern Schutz bieten sollte, wird in der Saison aber sicher gut besucht.

Als Urlaubsort ist nicht nur Castellammare del Golfo selbst attraktiv, sondern auch das nähere und weitere Umland mit dem mittelalterlichen, auf einem Berg gelegenen Erice, den archäologischen Stätten von Segesta und Selinunt (siehe: Antike Städte in Westsizilien: Selinunt und Segesta) und Siziliens Hauptstadt Palermo (siehe: Palermo: facettenreiche Hauptstadt Siziliens) – dazu folgen in Kürze weitere Blogs!

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