Herzliche Hauptstadt des Nordens: Akureyri

Der Norden Islands ist nicht nur weniger besiedelt als der Süden, er wird auch von weniger Touristen besucht. Auch uns führt erst der vierte Besuch auf der Insel in diese Gegend. Mit dem Auto liegt die Hauptstadt des Nordens, Akureyri, über fünf Stunden vom Flughafen Keflavik entfernt und wir hatten überlegt, ob wir die Strecke fliegen sollten. Aber gerade auf Island gilt: Der Weg ist das Ziel und wir lieben die Fahrten durch diese herrliche Landschaft. Hoffentlich würden wir das nicht bereuen, denn ab Oktober kann es durchaus sein, dass Schneefall die Straßen unpassierbar macht!

Über die Snaefellnes-Halbinsel und ihre Naturschönheiten arbeiten wir uns von der Westküste in den Norden vor. Das Autofahren in Island empfinde ich wie immer als sehr angenehm, was am geringen Verkehrsaufkommen und der maximal erlaubten Geschwindigkeit von 90 Stundenkilometern (auf ungeteerten Straßen 80 Stundenkilometern) liegt. Viel Zeit zum Schauen, Staunen und Philosophieren! Zum wiederholten Mal sinniere ich darüber, was mich an Island so fasziniert. Ein Grund ist, dass mich schon als Kind alle Phänomene rund um Vulkanismus begeistert haben: ausbrechende Vulkane, Geothermie, Geysire und heiße Quellen gibt es auf Island wahrlich im Überfluss! Besonders spektakulär ist für mich der Kontrast zwischen diesen feurigen Erscheinungen und dem überall vorhandenen Wasser – unzählige schöne Wasserfälle und das ewige Eis in den Gletschern – atemberaubende Landschaften finden sich in jeder Ecke. Hinzu kommen grandiose Naturphänomene wie die Mitternachtssonne und Polarlichter, ganz zu schweigen von der klaren Luft und einem Licht, das jedes Fotografenherz höher schlagen lässt.

Doch am faszinierendsten überhaupt finde ich, wie sich in dieser lebensfeindlichen Umgebung unweit des nördlichen Polarkreises Mensch und Tier, die allgegenwärtigen Islandpferde und Islandschafe genau wie die Wale, Robben, Papageitaucher, Polarfüchse etc behaupten. Island hat in zweierlei Hinsicht „Glück“: Der Golfstrom beschert den zwei- und vierbeinigen Isländern ein milderes Klima als andere Gegenden auf diesem Breitengrad. Und die Geothermie kann und wird von den Menschen energetisch hervorragend genutzt. Sie sorgt auch dafür, dass in Gewächshäusern unter anderem Tomaten, Gurken, Erdbeeren und sogar Bananen gedeihen können, was beim ersten Blick auf die größtenteils baumlose Insel fast unvorstellbar erscheint.

Fakt ist, Island gehört heute (das sah in den vergangenen Jahrhunderten ganz anders aus!) zu den Ländern mit den höchsten Werten für Lebensqualität, Lebenserwartung, Bildung, Sicherheit und Pro-Kopf-Einkommen weltweit, das grenzt angesichts der „Ausgangslage“ für mich an ein Wunder. Das wissen auch die Isländer zu schätzen, die bodenständigen, zurückhaltenden, aber sehr freundliche Menschen, zählen sich selbst zu den glücklichsten der Welt.

Genug geschwärmt, zurück auf die Straße. Durch die typischen isländischen Landschaften bewegen wir uns in Richtung Akureyri und tatsächlich schickt uns auch Petrus die ersten Vorboten des Winters. Auch dass die Schafe aus dem Hochland zurück in die Höfe geholt werden, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Winter kommt!

Schließlich erreichen wir Akureyri, außerhalb des Ballungsraumes Reykjavik mit knapp 20.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Sie empfängt uns mit einem freundlichen „Statement“: die roten Ampellichter sind hier in Herzform! Wir parken beim Kulturzentrum am Hafen (kostenloser Parkplatz), ein guter Ausgangspunkt für die Besichtigung der Stadt, die fast am Ende des Eyjarfjördurs liegt. Da der Meeresboden in diesem Fjord schnell steil abfällt, besitzt die Stadt einen Hochseehafen für Fischerei, Handel und Tourismus, Voraussetzung für ihren Aufschwung ab Anfang des 20. Jahrhunderts. Etwa 100.000 Kreuzfahrtpassagiere besuchen Akureyri jährlich – wir sind ehrlich gesagt sehr froh, dass gerade kein Schiff im Hafen liegt…

In wenigen Gehminuten erreichen wir die Hauptgeschäftsstraße („Hafnarstraeti“), an deren Anfang und Ende jeweils ein fotogener Rahmen steht – Instagram lässt grüßen. Zahlreiche (Souvenir-)Shops, Boutiquen, Restaurants, Cafés und Hostels bilden das Zentrum der Stadt. Hier haben wir ein für Island seltenes „Luxusproblem“: die Auswahl an Spots für unser Mittagessen ist außergewöhnlich groß! Wir entscheiden uns für einen Snack im Kaffi Ilmur.

Direkt daneben als markanter Mittelpunkt der Straße ein Stück Street Art: das Wandbild „Akureyravaka“ von Guido van Helten, ein Portrait der verstorbenen Schauspielerin Sia. Markant ist im Stadtbild darüber hinaus die evangelische Kirche, die Akureyrarkirkja. Darüber hinaus bummeln wir entlang der vielen bunten Holzhäuser und der Uferpromenade wieder zurück zum Hafen, wo uns mit der Skulptur „Farid“ von Petur Bjarnarson ein weiteres Wahrzeichen erwartet. Wir denken bei seinem Anblick sofort an eine Wal-Flosse (von Akureyri und Husavik aus starten viele Wal-Touren), aber wörtlich übersetzt bedeutet Farid „gegangen“ („Gone“) und spielt auf Flugzeugflügel an. In Anbetracht der Jahreszeit entscheiden wir uns gegen den Besuch des botanischen Gartens, eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt.

  • Akureyri: noch mehr Herz
  • Akureyri
  • Akureyri: Street Art Akureyravaka

Nach dem Besuch der Stadt fahren wir weiter und überqueren den Fjord auf einer Brücke. Am gegenüberliegenden Ufer haben wir eine tolle Aussicht auf das Städtchen mit seinem schneebedeckten Hausbergen (Parkplatz direkt an der Ringstraße kurz vor dem Kreisel/Tunnel)! Danach geht es durch den mautpflichtigen Tunnel (zahlbar via Autokennzeichen im Internet: www.tunnel.is) weiter auf der Ringstraße.

Blick auf Akureyri

Nach etwas mehr als 30 Minuten kommen wir am Godafoss an, dem Wasserfall der Götter. Wir nähern uns von der westlichen Seite und sehen nur die aufsteigende Gischt. Vom Osten über die Ringstraße kommend, sind die Wasserfälle schon von der Straße aus imposant! Jeweils westlich und östlich des Wasserfalls liegen, direkt an der Ringstraße, kostenlose Parkplätze. Wo ihr parkt ist eigentlich egal, denn nahezu alle laufen erst auf die eine Seite und anschließend über die Fußgängerbrücke zur anderen Seite des hufeisenförmigen Wasserfalls. Das Wasser stürzt hier etwa 11 Meter in die Tiefe, beeindruckend ist der Godafoss aber vor allem aufgrund seiner Breite von über 150 Metern.

Anschließend fahren wir weiter gen Osten, wo wir am Myvatn-See übernachten und diesem Gebiet den ganzen nächsten Tag widmen werden.

Hinterlasse einen Kommentar

Webseite erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑