Nach unserem erlebnisreichen Angkor-Tag wird es heute viel entspannter: Eine Bootstour auf dem Tonle Sap steht auf dem Programm. Der Tonle Sap ist der größte See Südostasiens und einer der fischreichsten der Erde. Fast 200 Fischarten wurden hier gezählt, zusammen mit unzähligen Wasservögeln, Reptilien, Amphibien und Pflanzenarten machen sie den See zu einem einzigartigen Ökosystem. Auch der Mensch profitiert seit Jahrtausenden von diesem Gewässer und seinen Zuflüssen: Angkor und seine Khmer-Königreiche wären ohne den Wasser- und Fischreichtum nicht entstanden. Dieses Ökosystem ist jedoch gefährdet, vor allem durch zahlreiche Staudammprojekte am Mekong – Kambodscha ist auf die dafür verantwortlichen Nachbarstaaten, vor allem China, aber auch Laos, nicht sehr gut zu sprechen …
Denn ein besonderes Phänomen des Sees ist die jährliche „Umkehr des Flusses“. Der Fluss Tonle Sap, der den See mit dem Mekong verbindet, ändert regelmäßig seine Fließrichtung. In der Trockenzeit ist er ein Ausfluss des Tonle Sap Sees, aber in der Regenzeit wird er zu einem Zufluss vom Mekong in den See. Dann führt der Mekong durch Schmelzwässer aus dem Himalaya und gleichzeitigen schweren Monsun-Niederschlägen sehr viel Wasser und sein steigender Pegel drückt das Wasser über den Tonle Sap Fluss bis in den See. Bleibt diese Wasserzufuhr aus, hat dies dramatische Folgen für den See mit seiner Flora und Fauna sowie die dort (von ihm) lebenden Menschen.
Natürlicherweise erstreckt sich der Tonle Sap in der Trockenzeit auf etwa 2.500 bis 3.000 Quadratkilometern, in der Regenzeit ist seine Fläche mehr als viermal so groß und kann sogar bis zu 15.000 Quadratkilometer erreichen. Eigentlich liegt der See nur wenige Kilometer südlich von Siem Reap. Aber da wir in der Trockenzeit hier sind, müssen wir eine ziemlich lange Holperstrecke zurücklegen, bis wir an den schiffbaren Bereich gelangen. Unser Ziel ist das von Touristen eher seltener besuchte Floating Village Mechrey, ein schwimmendes Dorf im Tonle Sap. Mechrey ist ein Projekt des ganzen Dorfes und bezeichnet sich als Natural Community Based Tourism – eine gute Initiative.
Nachdem wir das Willkommensschild passiert haben, fahren wir neben einem Flusstrockenbett auf einer staubigen Piste, vorbei an abgeerntete Reisfeldern, Zuckerpalmenplantagen, recht mageren Kühen und Wasserbüffeln, die sich in den letzten Pfützen sammeln, in Richtung Dorf.
Das Dorf beginnt dort, wo sich der See in der Trockenzeit maximal zurückzieht und wir besteigen ein Longboat. In diesem passieren wir die Kirche, die Schule samt eingezäuntem Schulhof, Lebensmittelläden, kleine Kneipen und blicken in zahlreiche Wohnzimmer der schwimmenden Häuser. Aus vielen wird uns freundlich gewunken, außer uns ist nur ein einziges weiteres Touristenboot unterwegs. Etwa 80.000 Menschen leben insgesamt in solchen Floating Villages, meist in Pfahlbauten, seltener in Hausbooten, auf und von dem See.
Etwas weiter im See werden die Häuser weniger, statt dessen können wir hier den Fischern bei der Arbeit zuschauen und deren Netzkonstruktionen bewundern. An den teils watenden Fischern ist zu sehen, dass der See insbesondere jetzt in der Trockenzeit sehr flach ist. Wir fahren eine ganze Weile auf einem immer breiter werdenden Seitenarm, an dessen Rand sich scheinbar endlos (Schilf-)Gräser und Mangroven erstrecken. Diese bilden den Schutz für die Kinderstuben der Fische. Schließlich kommen wir am „offenen See“ an, der sich hinter einer Reihe von Netzen bis zum Horizont erstreckt.
Zurück über das Dorf gelangen wir wieder zur Anlegestelle. Im See und im Dorf haben wir erfreulicherweise so gut wie keinen Müll gesichtet, im Gegenteil, wiederholt sahen wir, dass Plastikmüll neben den Häusern in großen Netzen gesammelt wird. Das ist am Anlegeplatz leider anders, hier liegt überall Müll herum, das erfreut weder Auge noch Nase. Die archäologischen Anlagen von Angkor waren ebenfalls penibel sauber, aber bei unserer Weiterfahrt durch das Land fällt uns leider oft auf, wie achtlos hier noch mit dem Müll umgegangen wird – im Gegensatz zu Thailand, wo ein anderes Umweltbewusstsein erkennbar war.
Dennoch genießen wir die Fahrt durch das Land zu unserer nächsten Station Battambang, denn es gibt immer etwas zu sehen: Figuren auf den Verkehrsinseln wie die Reisbäuerin oder Gottheiten, Tempel, interessant beladene Fahrzeuge, abenteuerliche Elektroinstallationen, Straßenstände, magere Zebu-Rinder. Jetzt in der Trockenzeit ist die (Reis-)Ernte eingefahren und es ist die Zeit für Hochzeiten. Bald lernen wir: Sobald wir laute Musik hören, bereitet sich eine Dorfgemeinschaft auf ein großes Fest vor: Stühle werden herangeschleppt und es wird dekoriert.
Schließlich kommen wir an unserer Unterkunft in Battambang an: im Battambang Resort. Es ist eine Oase am Rand der Stadt, inmitten von einem tollen Garten und einer wunderschönen Anlage – sehr empfehlenswert und zum Entspannen im Pool und den stilvoll eingerichteten Bungalows bestens geeignet!























Sehr schön!! ________________________________
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