Kalbarri Nationalpark: rote Klippen, Skywalk und ganz viele Tiere

Weiter geht’s in Richtung Norden bei unserem Westaustralien-Urlaub, eine lange Fahrt steht uns bevor. Die Straßen sind super ausgebaut, breite Randstreifen erleichtern die Sicht auf unerwünschte Verkehrsteilnehmer in Gestalt von Kängurus (vor allem in der Dämmerung und nachts), Emus oder wilden Ziegen, letztere leider auch tagsüber. Zahlreiche Tierleichen liegen rechts und links der Straße und wir hoffen einfach nur, dass uns nichts vor die Stoßstange läuft oder hüpft. Wir gestehen, dass uns leider ein Rainbow Lorrikeet (ein kleiner Papagei) gegen die Windschutzscheibe geflogen ist – sonst bleiben wir von direkten Konfrontationen verschont. Und freuen uns umso mehr, wenn wir diese Tiere am Wegesrand entdecken! Nicht ganz ungefährlich sind auch die langen „Road Trains“, LKWs mit bis zu drei Anhängern, sie walzen alles nieder, was ihnen in den Weg kommt. Das Linksfahrgebot, auf das ebenfalls überall mehrsprachig hingewiesen wird, ist hingegen kein Problem für uns.

Geraldton, Northampton und der Leaning Tree

Kurz vor Geraldton halten wir bei einer der wenigen Sehenswürdigkeiten entlang der Straße: dem Leaning Tree. Dieser River Gum-Baum (Eucalyptus camaldulensis) ist vom westaustralischen Wind so stark verweht, dass er auf dem Boden liegt – viele Bäume entlang der Straße teilen ein ähnliches Schicksal, der Wind ist hier wirklich extrem.

Schließlich erreichen wir Geraldton, ein Hafenstädtchen mit etwas mehr als 30.000 Einwohnern (fünftgrößte Stadt Westaustraliens!). Hauptattraktionen ist ein Memorial für die HMAS Sydney II. Dieser Leichte Kreuzer wurde 1941 im Indischen Ozean bei der Shark Bay mit 645 Seeleuten vom deutschen Hilfskreuzer Kormoran versenkt – die hinsichtlich der Opferzahlen größte maritime Katastrophe der Royal Australian Navy. Entdeckt wurde das Wrack erst 2008, entsprechend jung ist auch die Gedenkstätte. Sie umfasst unter anderem Informationstafeln zur Geschichte, Gedenktafeln mit Namen der Gefallenen, den „Dome of Souls“ mit 645 Möwen, einen Brunnen, wo eine Möwe den Standort des Wracks anzeigt sowie die Statue der „Wartenden Frau“.

Sehenswert in Geraldton ist auch das Kunstwerk Horizon von Lucy Humphrey, eine 1,5 Meter große mit Wasser gefüllte Acrylkugel. Sie steht direkt an der Uferpromenade (Chapman Road) und dreht quasi die Welt auf den Kopf. Bei einer Zwischenübernachtung in Geraldton auf dem Rückweg stellen wir fest, dass es sich hier auch ganz nett einkaufen lässt – kein Wunder, im weiten Umkreis existiert sonst keine nennenswerte stadtähnliche Siedlungen.

Hinter Geraldton folgt das historische Schafscherer-Örtchen Northampton, umgeben von weitläufigen Weizenfeldern sowie Schaf- und Rinderweiden. Hier biegen wir ab auf die 139 in Richtung Hutt Lagoon / Port Gregory.

Hutt Lagoon: pinkfarbener Salzsee

War die bisherige Fahrtstrecke wenig aufregend, ist jetzt Staunen angesagt: Vor uns liegt ein unnatürlich wirkender pinkfarbener See! Wir folgen dem Wegweiser zum Lookout am westlichen Seeufer, von diesem Hügel überblicken wir nahezu den gesamten See in seiner barbiehaften Farbigkeit. Verantwortlich dafür ist die Algenart Dunaliella salina, die aufgrund des hohen Salzgehalts zu ihrem Schutz Beta-Carotin produziert. Diese Alge wird auch – lustigerweise von der BASF (Produktionsstätte am Ostufer des Sees) – kommerziell genutzt zur Lebensmittelfärbung. Der See ändert seine Farbe je nach Salzgehalt, Wasserstand und Lichtverhältnissen (lt. Internet ist die Färbung grundsätzlich zwischen 10 und 14 Uhr am beeindruckendsten), wir hatten im Sommer (wenig Regenfälle, niedriger Wasserstand und hohe Salinität) und um 14 Uhr offenbar viel Glück. Wir sind auf jeden Fall sehr beeindruckt von der Farbigkeit!

Unsere Tipps: Fahrt am westlichen Ufer nicht nur zum Lookout, sondern noch etwas weiter Richtung Port Gregory. Hier führt die Straße quasi direkt über den See (ihr könnt am Seitenstreifen halten), schöner Fotostop. Ebenso empfehlenswert ist ein Stopp am Ostufer, von der Straße aus führen Fußwege bis zum See.

Kalbarri: Kleinstadt mit Charme

Unser Übernachtungsort für die nächsten drei Tage ist Kalbarri, ein knapp 2.000 Einwohner zählendes Städtchen, das vor allem vom Tourismus und der Fischerei lebt. In der Saison vervierfacht sich die Zahl der Anwesenden durch die Touristen, was ein umfassendes Angebot an entsprechender Infrastruktur (vor allem Apartments und Privatunterkünfte, kaum Hotels) nach sich zieht. Glücklicherweise verteilen sich die Besucher durch die Weitläufigkeit des Städtchens und der Strände sehr gut und es herrscht eine entspannte Ferienstimmung. Ein Tipp noch: Einheimische und Gäste treffen sich gleichermaßen im Finlay’s – das Open-Air-Restaurant „off the beaten track“ (sprich: fernab der Strandzone) mit Inhouse Craftbeer-Brewery und regelmäßiger Live-Musik ist eine Institution und versprüht Aussie-Charme pur. Wir verbringen hier Silvester, unter anderem gemeinsam mit der hiesigen Polizei – wenn das mal kein Qualitätsmerkmal ist!

Ein Vorteil von Kalbarri ist, dass es einerseits gute Bademöglichkeiten am Ozean gibt, hervorzuheben sind die zum Schnorcheln gut geeigneten und geschützten natürlichen Becken der Blue Holes. Die meisten Badenden tummeln sich jedoch am Mündungsgebiet des Murchison River: Der Fluss ist hier sehr breit und die Strände sind ebenso feinsandig wie am Meer. Im Gegensatz zum Ozean sind sie hier windgeschützt, haben kaum Wellen und sind daher auch für Familien bestens geeignet. Angenehm ist auch die hier vorhandene Infrastruktur: Grillhäuschen, Bänke, Tische und Toiletten sowie ein Boots- Kayak- und SUP-Verleih – haifreier Wassersport in ruhigen Gewässern ist hier problemlos möglich!

Eine tägliche Attraktion im Mündungsbereich des Murchison River ist die Pelikanfütterung um 8:45 Uhr (Ecke Woods und Grey Street, vor dem Pelican Cafe). Die Tiere kommen schon seit den 1970ern täglich hierher, irgendwann hat eine Initiative beschlossen, daraus eine Touristenattraktion zu machen. Und tatsächlich kommen die Tiere zuverlässig an diese Stelle und holen sich eine kleine Morgenration Fisch ab, begleitet von Erzählungen eines Volunteers (gratis; Spende erwünscht).

Rock Lobster Tour: unterhaltsam, informativ und lecker

Einer der Wirtschaftszweige des Städtchens ist die Rock Lobster Fischerei. Rock Lobster sind auf deutsch Stachelhummer („Spiny Lobster“) oder Langusten, sie haben keine Scheren (wie die „richtigen“ Hummer), aber sehr lange Antennen. Und auch sie können bis zu 60 Zentimeter lang werden (ohne Antennen), die meisten sind jedoch 30 bis 40 Zentimeter lang. In Australien werden sie irreführenderweise auch als Crayfish (auf den Speisekarten) bezeichnet, was nicht korrekt ist, denn Crayfisch (Flusskrebse) leben im Süßwasser (und sind viel kleiner), Rock Lobster nur im Meer.

Eines Morgens heißt es früh aufstehen, um bei einer Tour zu den Fanggründen direkt vor der Küste dabei zu sein. Der Anbieter ist sowohl im Tourismus tätig als auch kommerzieller Fischer und ein richtiger „Seebär“, wie er im Buche steht, mit Rauschebart und Aussie-Slang, der mitunter schwer zu verstehen ist. Er erklärt viel Interessantes über Verhalten und Lebensraum der Tiere sowie die Fischerei, während er und seine Partnerin etwa 10 Hummerkörbe nach oben befördern, entleeren, mit Ködern (Fischköpfe und Schweinefett) versehen und wieder ins Wasser lassen. Am Ende der Tour bekommen wir alle ein Frühstück, bestehend aus einem Hummersandwich und ein bisschen Barbecue-Hummer – sehr lecker! Den ebenfalls inkludierten Hummer können wir nicht annehmen, in unserer Mini-Küche trauen wir uns keine Zubereitung zu. Als „Bonusmaterial“ sehen wir nicht nur die hübsche Kalbarri-Küste vom Wasser aus, sondern auch eine Reihe von Delfingruppen und einen Hai, der sich ebenfalls für die Hummerköder interessiert. Wir können die Tour nur wärmstens empfehlen!

Kalbarri Nationalpark: Küstenlinie

Der Kalbarri Nationalpark ist fast 200.000 Hektar groß und umfasst grob gesagt zwei Teile: die Steilküste südlich der Stadt Kalbarri sowie das Hinterland mit dem Murchison River. Nachdem wir uns schon vom Lobster-Boot aus die Küstenlinie wasserseitig angeschaut haben, erkunden wir nun die Steilküste vom Land aus. Dieser Teil des Nationalparks ist frei zugänglich, für den Inlandsteil wird ein Eintrittsgeld erhoben (ist inkludiert im Nationalparkpass – wir haben diesen für 14 Tage erworben).

An der Küste sind die Aussichtspunkte wie an einer Perlenschnur aufgereiht, gut mit Straßen, Parkplätzen, Informationstafeln und teils mit Toiletten sowie Picknickmöglichkeiten ausgestattet. Über die Blue Holes (Strand mit Schnorchelmöglichkeiten) habe ich schon geschrieben, von Norden nach Süden folgt als nächstes der Pink Beach – Farbe ist wie gesagt Programm! Baden ist hier, genau wie am Red Bluff Beach – auch möglich. Von hier aus geht es zu Fuß (oder auch über die Straße mit dem Auto) zum Red Bluff Lookout. Von hier haben wir eine tolle Aussicht über die Strände bis nach Kalbarri.

Es folgen südlich der Mushroom Rock und das Rainbow Valley, was wir nicht so spannend fanden. Beeindruckend sind die Aussichtspunkte Pot Alley, Castle Rock/Castle Cove und Natural Bridge, hier zeigt sich die Küstenlinie in ihrer ganzen Vielseitigkeit und Farbigkeit. Zwischen den letzten beiden ist ein kurzer Boardwalk angelegt, mit schöner Aussicht auf die Steilküste und die Pflanzen- und mit Glück auch Tierwelt – wir sehen unter anderem einen Mallee-Militärdrachen (Ctenophorus fordi), eine Agamenart.

Kalbarri Nationalpark im Landesinneren: Meanarra Hill Lookout

Der Kalbarri Nationalpark im Hinterland ist überraschend grün – trotz halbwüstenhaftem Klimas und aktuell tropischer Hitze von über 40 Grad Celsius. Das sehen wir vom ersten Aussichtspunkt wenige Kilometer vom Städtchen entfernt, dem Meanarra Hill Lookout. Von hier blicken wir auf den Murchison River, der sich bis zum Ozean schlängelt und auf Kalbarri sowie auf eine endlose grüne Weite des Mallee-Buschlandes. Hier lebt auch das Temperaturhuhn (Mallee Fowl), das wir auf dem eigens für dieses Huhn (und natürlich die übrige Natur) angelegten kurzen Walk vor uns flüchten sehen.

Kalbarri Nationalpark im Landesinneren: Nature’s Window, Skywalk, Z-Bend und Hawks Head

Die Hauptattraktionen des Kalbarri Nationalparks liegen im Hinterland, weshalb für deren Besuch auch Eintritt (bzw. Nationalparkpass) erhoben wird. Wir haben leider das Pech, zu einer extremen Hitzeperiode hier zu sein. An der Küste sind die knapp 40 Grad wegen des Winds erträglich – im Hinterland herrschen Tagestemperaturen von fast 50 Grad, weshalb viele Wanderwege (z.B. der beliebte Loop Trail) ab 7 Uhr gesperrt sind. Nun wundert mich auch der Defibrillator an jedem Trailstart nicht mehr… Wir brechen daher morgens um 6 Uhr auf, um wenigstens den kurzen Walk zum Nature’s Window machen zu können. Denn das ist ein Must im Kalbarri Nationalpark! Ein Vorteil hat die Hitze ja: Es sind außer uns kaum Menschen dort. Wo sonst lange gewartet werden muss für ein Foto an diesem natürlichen Felsenfenster, können wir die Szenerie in Ruhe genießen und Fotos ganz ohne Menschen bzw. nur mit unseren Menschen machen. Es ist wunderschön hier und ich bin erneut beeindruckt vom Farbenspiel und der grünen Umgebung trotz Hitze und Trockenheit.

Vom Weg zum Nature’s Window aus sehen wir schon die zweite Hauptattraktion des Parks: den Skywalk, besser gesagt zwei Skywalks. 100 Meter über der Schlucht des Murchison River bieten die zwei freischwebenden Aussichtsplattformen atemberaubende Blicke über Fluss und Landschaft. Um die Skywalks herum können wir uns an zahlreichen Tafeln über die Nanda, die einheimischen Aboriginal People, Tiere und Pflanzen sowie den Bau des Skywalks informieren.

Weitere Inlands-Attraktionen sind der Z-Bend – auch hier gibt es eine kleine und eine größere Wandermöglichkeit zur und durch die Schlucht, die wegen Hitze leider gesperrt sind. Im östlichen Bereich des Parks liegen noch der Hawks Head und Ross Graham Lookout. Im Frühjahr, wenn die Natur in voller Blüte steht, muss es hier traumhaft sein, wir erfreuen uns aber trotz sommerlicher Hitze an den pinkfarbenen Federblumen und den gelben Banksien. Ebenso schön, dass uns unterwegs Emus sowie eine Long-nosed Lashtail-Echse begegnet.

Unser Fazit zur Region um Kalbarri: Schade, dass uns die extreme Hitze von einigen Vorhaben abgehalten hat, gerne wären wir hier noch mehr gewandert. Denn Gesteinsformationen, Flora und Fauna sind wahrlich beeindruckend und Städtchen sowie Strände bieten ein perfektes Ergänzungsprogramm zu den vielen Naturschönheiten und Outdoor-Aktivitäten.

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