Kennt ihr das? Ihr kommt mit hohen Erwartungen an einen Ort und werdet dann ernüchtert. Umgekehrt ist es natürlich perfekt: Trotz hoher Erwartungen seid ihr überwältigt von einem Erlebnis. So passiert am Erg Chebbi in Marokko.
Um dorthin zu gelangen, müssen wir ganz schön weit fahren: Über diverse Atlas-Gebirge, über Hochebenen und karge Geröllwüstengebiete, bis zu den Kleinstädten Erfoud oder Merzouga, nur etwa 50 Kilometer vor der algerischen Grenze im Südosten Marokkos. Von dort aus ist es nicht weit zum Erg Chebbi.
Der Erg Chebbi ist eine Sanddünenlandschaft mit teils über 150 Meter hohen Sandbergen, über 20 Kilometer lang und 5 Kilometer breit. Diese Größe des Gebiets stellt sicher, dass trotz zahlreicher Touristengruppen rings um das Dünengebiet noch ein gewisses „Wir-sind-allein-in einer-großartigen-Landschaft-unterwegs-Gefühl“ aufkommt. Zumindest, wenn ihr euch (mit Führer!) ein stückweit in die Sandwüste begebt.
Wir werden in unserem Hotel mit 4×4-Jeeps abgeholt und zunächst über eine geteerte Straße, dann über eine Steinwüstenlandschaft gefahren, bis wir in der Ferne die Dünen sehen. Von dort bewegen wir uns zu Fuß auf die Dünen zu, vorbei an Toren ins Nirgendwo, Wüstencamps und Dromedar-Herden auf ihrem Weg zur Arbeit…
Am Fuß der Dünen liegen ein paar Camps (wir starten am La Belle Etoile Xaluca) – da kommt noch kein richtiges Wüstenfeeling auf. Das ändert sich jedoch sofort, als wir im Gänsemarsch hinter unseren Guides in die Sandberge laufen und der Zivilisation im wahrsten Sinne des Wortes den Rücken kehren: Vor uns nur endlose Sandberge und – sehr malerisch – vereinzelte Kleingruppen, die sich wie wir zu Fuß oder auf Dromedaren ihren Weg durch den Sand bahnen.
Schon bald sehen wir nur noch unsere kleine Karawane, den Sand, ein paar vereinzelte Gräser und – Mistkäfer. Die sind leicht und sinken nicht ein, im Gegensatz zu uns. Wir sind schwer damit beschäftigt, die immer höher werdenden Dünen zu erklimmen: Ein Schritt vor, ein halber zurück, Sand im Schuh. Nicht unanstrengend, die Tour. So manch eine/r macht es wie unser Guide und läuft barfuß im warmen Sand. Oben angekommen, dürfen wir uns ausruhen und können die großartige Umgebung so richtig genießen: Sand, so weit das Auge reicht, die untergehende Sonne lässt die Dünen rot glühen, die Schatten werden immer länger. Einfach nur unfassbar schön!
Es folgt das große Finale: der Sonnenuntergang. Braucht keine Worte. Danach machen wir uns langsam auf den Weg zum Ausgangspunkt, auch die anderen Karawanen kehren zurück. So manch eine Gruppe bleibt vor Ort in den diversen Wüstencamps, wir fahren mit vielen unvergesslichen Eindrücken zurück in unser Hotel.
Ihr habt es sicher herausgelesen: Wir waren begeistert. Das nächste Mal würde ich mir ein kleines Camp zum Übernachten im Erg Chebbi suchen, möglichst abseits von anderen Unterkünften, um dort nach einer Wanderung durch das Sandmeer am prasselnden Feuer ein traditionelles Mahl zu genießen und mich anschließend an Milliarden leuchtender Sterne, fernab jedweder Licht- und Lärmverschmutzung, erfreuen. Wahrlich ein Grund, wieder herzukommen!















Hinterlasse einen Kommentar