Noch mehr marokkanische Königsstädte: Meknès und Fès

Nach unserem Marokko-Auftakt in Casablanca und Rabat (siehe: Casablanca und Rabat: Marokkos wirtschaftliche und politische Hauptstadt) besuchen wir die zwei Königsstädte Mèknes und Fès.

Meknès: Agrarzentrum und UNESCO-Welterbe

Meknès hat knapp 600.000 Einwohner und liegt in einer fruchtbaren Ebene am Fuß des Mittleren Atlasgebirges, genau wie das 65 Kilometer entfernte Fès. Ist Casablanca das wirtschaftliche und Rabat das politisch-administrative Zentrum, so ist Mèknes das landwirtschaftliche: Obst, Gemüse, Getreide und vor allem auch Wein werden im Umland angebaut und verarbeitet. Im Vergleich zu Fès und Marrakesch ist diese Königstadt deutlich weniger bekannt, die Medina (Altstadt) und das einstige Herrscherzentrum Mulai Ismails haben aber ebenfalls UNESCO-Welterbestatus.

Im 17./18. Jahrhundert war Meknès unter dem Alawidensultan Mulai Ismail Hauptstadt des Landes, er ließ wie auch in den anderen Königsstädten üblich einen Palastbezirk („Ville imperiale“) errichten. Teil dieses Gebiets ist ein beeindruckendes Mausoleum samt Grabmoschee, das wir als erstes besichtigen. Von außen ist nur eine abweisende Mauer erkennbar, nur am grünen Dach (Farbe des Propheten Mohammed) sehen wir, dass sich dahinter ein religiöses Gebäude befindet. Durch das prachtvolle steinerne Eingangsportal betreten wir das unter König Mohammed V. sorgfältig restaurierte Bauwerk, das uns erscheint, als wäre es gerade erst erbaut worden. Das Innere ist wunderschön, die Innenhöfe mit Brunnen, die ornamentreichen Fließen, verzierten Türen und strahlend weißen Stuckarbeiten im Kontrast zu den bunten Mosaiken sind sehr beeindruckend. Den weißen Sarkophag des Sultans flankieren barocke Standuhren, ein Geschenk des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. an Mulai Ismail.

Zu Fuß laufen wir weiter durch die Stadt bis zu ihrem Wahrzeichen, dem Stadttor Bab Mansour. Hinter diesem Eingangstor und den Festungsmauern liegt der ehemalige königliche Palastbezirk. Gegenüber des Tors öffnet sich der Place Al Hadeem, ein kleiner Vorgeschmack auf den viel bekannteren Platz der Gaukler in Marrakesch. Jetzt, am Vormittag, ist nicht viel los, die umliegenden Cafés öffnen gerade erst. Etwas mehr los ist im direkt daneben liegenden überdachten Markt, wo vor allem Lebensmittel aus dem Umland angeboten werden: Datteln, die derzeit Saison haben, Oliven, die berühmten Salzzitronen, Gewürze, allerlei Gebäck und auch Fleisch. Erfreulicherweise kaufen hier auch und gerade die Einheimischen ein – es fühlt sich etwas „authentischer“ an als später in den Souks von Fès und Marrakesch.

Fès: Stadt der (Kunst-)Handwerker

Das nur eine Autostunde von Meknès entfernt liegende Fès ist neben Marrakesch die bekannteste Königsstadt Marokkos und hat ebenfalls UNESCO-Welterbestatus. Es ist die älteste Königsstadt Marokkos und war auch am Längsten – bis 1912 – die Hauptstadt des Landes. Wie alle Königsstädte hat auch Fes eine von einer hohen Mauer umgebene royale Palastzone (Dar El Makhzen) aus der Zeit der Meriniden (13. Jahrhundert), in der sich der König noch immer zeitweise aufhält. Wir sehen wie auch andernorts nur die eindrucksvollen Eingangsportale. In unmittelbarer Nähe zum Königspalast wurde im 14. Jahrhundert die jüdische Bevölkerung angesiedelt, in der Mellah. Während in den traditionellen arabischen Vierteln die Bewohner sich mit ihren Häusern nach außen abschotten und nach innen öffnen, sind die historischen jüdischen Häuser erkennbar an der Öffnung zur Straße durch größere Fenster und Balkone. Heute ist die Mellah ein sorgfältig restauriertes Touristen- und teures Wohnviertel.

  • Fès: Königspalast Dar El Makhzen

Als nächstes verschaffen wir uns eine Übersicht über die mit einer Million Einwohnern drittgrößte Stadt Marokkos, vom Borj Sud, einer ehemaligen Militärfestung. Während Meknès in der Ebene liegt, zeigen sich in Fès schon deutlich die Ausläufer des Mittleren Atlasgebirges – die Stadt ist auf mehreren Hügeln erbaut.

Einen ersten Eindruck von der Kunsthandwerkstatt bekommen wir bei Art Naji, eine der größten Keramikwerkstätten Marokkos. Bei unserer Führung sehen wir das Ausgangsmaterial und verschiedene Verarbeitungsstufen, vom Töpfern über Bemalen und Vorbereiten der Mosaike bis hin zur Mosaikgestaltung. Wie bei all den diversen Kunsthandwerkstätten in Fès können und sollen wir am Ende auch was kaufen, aber es wird keinerlei Zwang ausgeübt und die Handwerker bei den einzelnen Arbeitsschritten zu beobachten, ist wirklich interessant.

Weiter geht es in die Medina, die Altstadt von Fès mit ihrem labyrinthartigem Gassenwirrwar, in dem sich Ortsfremde kaum orientieren können. Das macht nichts, einfach treiben lassen! Die Souks sind nach Handwerk sortiert, es gibt beispielsweise die Gerber, Färber, Weber und Schneider, Ziselierer oder Kupferschmiede. Eine Vorführung des jeweiligen Handwerks oder ein Blick auf die Produktionsstätte ist meist nur möglich in Verbindung mit einem Shopbesuch. Am Interessantesten war Einblick in die Welt der Gerber (Chouara), mit Blick von oben auf die hellen und bunten Becken zum Reinigen der Häute (hell), zum Färben des Leders (bunt) sowie auf die Tierhäute, die hier zum Trocknen hängen. Achtung: Nichts für empfindliche Nasen, die seit Jahrtausenden praktizierte Reinigung der Schafs-, Ziegen-, Rinder- und Kamelfelle mit Tierurin und Taubenkot sorgt für einen beißend-unangenehmen Geruch! Da hilft auch die zur Überdeckung gereichte Minze wenig…

Auch der Besuch einer Koranschule, einer Madrasa, steht in Fès auf unserem Programm. Inmitten der Medina liegt eine davon, die Madrasa Bou Inania. Bereits durch das Eingangstor zur Medina, das „Blaue Tor“, konnten wir das Minarett der Madrasa sehen. Diese Madrasa wurde im 14. Jahrhundert von einem Sultan der Meriniden-Dynastie erbaut und diente – wie andere Madaris – gleichermaßen als Freitagsmoschee und Hochschule. Die Unterrichtsräume und Wohnräume der Studenten lagen sowohl im Ober- wie auch im Untergeschoss. Im Innenhof befinden sich ein Brunnen und Wasserkanal für rituelle Waschungen und natürlich die Gebetsnische (Mihrab). Architektonisch sind der andalusische Stil und eine gewisse Ähnlichkeit zur spanischen Alhambra unverkennbar. In den 1990er Jahren wurde die Madrasa komplett restauriert und wir bestaunen die wunderschönen Dekors mit filigranen Stuckarbeiten, Kacheln und Holzschnitzsarbeiten, in harmonischen beige-braun-Tönen, umrahmt vom grünen Dach und untermalt von dezenten Mosaiken, welche die grün-türkis Farbgebung des Daches aufgreifen. Eine Augenweide!

Unser Mittagessen nehmen wir inmitten der Medina ein, im Restaurant Ryad Nejjarine. Wenngleich hier nur Touristen verkehren, ist das Ambiente in diesem typischen marokkanischen Riad mit Innenhof sehr schön. Und auch das Essen schmeckt lecker: Wir genießen gemischte Vorspeisen und verschiedene Hauptgerichte, darunter erneut Tajine sowie Pastilla, eine Blätterteig-Pastete, die typischerweise salzige (Füllung mit Fleisch und/oder Gemüse) und süße Komponenten (Puderzucker und Zimt auf dem Blätterteig) kombiniert.

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